Franziskus: "Die Kirche kennt kein Amt des Türschließers"

Wer sind wir, dass wir uns anmaßen dürften, Türen zu schließen, die der Heilige Geist öffnen will?“ Das fragte Papst Franziskus an diesem Montag in seiner Frühmesse im Vatikan-Gästehaus Santa Marta. Der Geist wehe, wo er wolle, man dürfe sich ihm nicht in den Weg stellen, so der Papst eindringlich. Er bezog sich auf die Erzählung in der Apostelgeschichte, nach der die ersten Christen zögerten, ob denn auch Nicht-Beschnittene getauft werden dürften. Dazu kommentierte er, nicht ohne Ironie:

 

„Das ist etwas, was unausdenkbar war. Wenn morgen eine Expedition von Marsmännchen käme, zum Beispiel - grün, mit langer Nase und großen Ohren, so wie Kinder sie malen - und eines von ihnen bittet um die Taufe, was würde dann passieren?“

Dann wären wir wohl genauso durcheinander wie die ersten Christen, so der Papst. Gott ist eben – das ist für Franziskus ein wesentlicher Punkt, den er immer wieder betont – der „Gott der Überraschungen“.

 

„Wenn der Herr uns den Weg zeigt, wer sind wir dann, dass wir sagen könnten: Nein, Herr, nicht da entlang, das ist nicht vernünftig? Nein, wir machen das so! Und Petrus trifft in seinem ersten Bistum, Antiochien, diese Entscheidung: Wer bin ich denn, dass ich Hindernisse aufbauen dürfte? Ein schönes Wort für Bischöfe, Priester, auch für Christen im allgemeinen: Wer sind wir denn, dass wir Türen schließen dürften? In der alten Kirche gab es das Amt des Türöffners - der ließ die Leute eintreten. Aber ein Amt des Türschließers hat es in der Kirche nie gegeben!“

Auch heute leitet der Herr seine Kirche und manövriert sie immer wieder in neue, ungewohnte Situationen hinein, so der Papst weiter.

„Der Heilige Geist ist die lebendige Präsenz Gottes in der Kirche! Er lässt die Kirche vorangehen, immer weiter, über die Grenzen hinaus. Der Heilige Geist mit seinen Gaben führt die Kirche: Man kann die Kirche ohne ihn nicht verstehen. Er trifft diese unvorstellbaren, nicht ausdenkbaren Entscheidungen. Um es mit einem Wort von Johannes XXIII. zu sagen: Es ist der Heilige Geist, der die Kirche aggiorniert, also ins Heute bringt. Wir Christen sollten vom Herrn die Gabe des Gehorsams gegenüber dem Heiligen Geist erbitten. Gehorsam dem Geist gegenüber, der in unserem Herzen spricht, der durch die Umstände des Lebens spricht. Der durch das kirchliche Leben zu uns spricht. Er spricht immer mit uns.“

 

Dieser Text stammt von der Webseite http://de.radiovaticana.va/news/2014/05/12/franziskus:_die_kirche_kennt_...
des Internetauftritts von Radio Vatikan

 

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