Sorge um die Eucharistie in den Gemeinden: Sieben Thesen

06.11.2011

 

Für Samstag, 5. November 2011, hat "Wir sind Kirche" gemeinsam mit den Reformgruppen, der Laieninitiative, den "Priestern ohne Amt", der Taxhammer PGR-Initiative und der Pfarrer-Initiative nach Linz. St. Konrad, zu einem Studientag eingeladen. Das Thema lautete: "Eucharistie in Zeiten des Priestermangels". 130 Teilnehmerinnenund Telnehmer waren gekommen und diskutierten miteinander. Die em. Theologieprofesoren, Dr. Franz Nikolasch (Liturgie) und Dr. Peter Trummer (Bibelwissenschaft) gaben Impulse. Hier das Schlussdokumen: Sieben Thesen:

 

Sorge um die Eucharistie in den Gemeinden
Sieben Thesen

 

Der Priestermangel und die drohende Auflösung von Pfarrgemeinden veranlassen uns zu folgenden Feststellungen:

 

1  Die Gemeinde, die sich im Namen Jesu versammelt, ist Trägerin der Eucharistiefeier. Ihr ist als örtlicher Kirche das Gedächtnis des Todes und der Auferstehung Christi anvertraut, der Herr ist mitten unter ihr (Mt 18,20). Die Gemeinde bestimmt, wer sie leitet und der Eucharistiefeier vorsteht. Um die Einheit der Kirche zu wahren, ist die Beauftragung durch den Bischof notwendig.

 

2  Derzeit werden die Leitung und die Feier der Eucharistie von der Zahl der zölibatären Priester abhängig gemacht. Das ist der falsche Ansatz. Vielmehr muss die Zahl der Vorsteher / Vorsteherinnen für die Gemeindeleitung und die gemeindliche Eucharistiefeier der Zahl der Gemeinden angepasst werden.

 

3  Der Priestermangel wird von der Amtskirche durch überholte Zulassungsbestimmungen für den Priesterberuf künstlich erzeugt. Während hunderte Priester wegen Heirat aus dem Amt entfernt wurden, müssen Priester im Amt immer mehr Gemeinden übernehmen. Sie können keine ausreichende Seelsorge mehr bieten und schlittern zunehmend in ein Burnout.

 

4  Der Pflichtzölibat ist ein später Sonderweg der lateinischen Kirche (12. Jhdt.). Es spricht daher nichts dagegen, auf die Anfänge des Christentums zurückzugreifen und verheiratete Männer und Frauen mit der Gemeindeleitung und dem Vorsitz in der Eucharistiefeier zu betrauen.

 

5  Das Neue Testament hat den jüdischen und heidnischen Kultpriester abgeschafft. Jesus Christus ist der einzige Priester des Neuen Bundes (Hebr 9; 10). Alle Gläubigen haben Anteil an seinem Priestertum: Ihr seid „eine königliche Priesterschaft“ (1 Petr 2,9). Dieses Priestertum wird bei jeder Taufe ohne Unterschied des Geschlechts zugesprochen (Gal 3, 28).

 

6  Frauen waren in der frühen Kirche Diakonin (Röm 16, 1) und Apostelin (Röm 16, 7), sie haben im Gottesdienst prophetisch geredet (1 Kor 11, 5). Spätere Einschränkungen waren  Anpassungen an patriarchale Gesellschaftsformen, die inzwischen in unserer Gesellschaft nachhaltig  überwunden werden. Der Weg zur Weihe von Frauen kann durch päpstliche Diskussionsverbote nicht versperrt werden.

 

7  Jede Gemeinde hat das Recht auf einen Vorsteher oder eine Vorsteherin. Wenn der Bischof seiner Verpflichtung, dies sicherzustellen, nicht nachkommt, werden die Gemeinden unter Berufung auf das Allgemeine Priestertum ihre Verantwortung wahrnehmen, um die Feier der Eucharistie als Höhepunkt, Quelle und Kraft (Vatikanum II, Liturgiekonstitution 10) des Glaubens weiterhin zu ermöglichen.

 

Die katholischen Reformbewegungen, Linz / 5. November 2011

 

Laieninitiative – Wir sind Kirche – Pfarrer-Initiative – Priester ohne Amt – Taxhamer PGR-Initiative

 

Impulse: Dr. Franz Nikolasch (Liturgie)         Dr. Peter Trummer (Bibelwissenschaft)

Dossier                       Schlussdokument

 

Weiterfühende Texte:

2004 01 16 Die Herrenmahlfeier - der biblische Grund ; Das Abendmahl Jesu und die Kirchen; Winfried Keller

2007 09 17 NL Dominikaner: Kirche und Amt

200710 13 Resolution bei Kirchenvolks-Konferenz zum Thema: „Kirche ohne Priester? Dienste in den Gemeinden heute

2008 01 31 Brief der Pfarre Schwertberg

2008 02 03 Brief der Pfarre Dorf an der Pram an Bischof Ludwig Schwarz

2008 03 Rudolf Pacik: Laien und Liturgie

2008 06 03 Stellungnahme zum Dekret der Glaubenskongregation zur Frauenordination

2010 01 23 Walter Kirchschläger bei tagsatzung.ch zu Gemeinsames Priestertum aller Getauften

2009 Freckenhorster Kreis, praktisches Beispiel

2010 03 Vorschlag für eine Eucharistiefeier

2010 10 Hans Peter Hurka berichtet in Kirche IN: "Tut dies zu meinem Gedächtnis"

2010 10 16 Hermann Häring, "Wir können neue Gottesdienste feiern"

2010 03 16 "Wir sind Kirche" Modell für eine neue Eucharistiefeier in der Pfarre

2011 11 05 Franz Nikolasch, Priesterlose Eucharistiefeiern?

 

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