Wie wird die Kirche wieder glaubwürdig?

30.07.2011, Stefan Kömm

 

Ein Positions- und Diskussionspapier aus der Sicht eines Gemeindeseelsorgers.

Der Autor ist Pfarrer im deutschen Niederwerrn. In seinem Vortrag spricht er entscheidende Ursachen an, welche zur heutigen Kirchen-Krise oder, wie er sagt, zur Bischofs-Krise führen. Gleichzeitig zeigt er aber auch auf, wie sie behoben werden könnten. Der Vortrag ist eine gute Diskussionsgrundlage.

 

Zur Bedeutung der Fragestellung

 

„Wie glaubwürdig ist die Kirche?“ Die Antwort auf diese Frage ist eigentlich sehr einfach und zugleich sehr erschreckend: Die Katholische Kirche ist die derzeit unglaubwürdigste Institution in Deutschland.

Wenn man die Deutschen fragt, welchen Institutionen sie Vertrauen schenken, wer für sie „glaub-würdig“ ist, dann war bisher immer klar, wer nicht darunter war: Banken, Industriekonzerne und politische Parteien. Sie landeten ganz hinten in den Ranglisten. Doch diese rote Laterne haben sie nun weitergereicht: In der jüngsten Befragung hat die Hamburger Stiftung Wirtschaftsethik erstmals die beiden großen Kirchen in die Liste der abgefragten Institutionen aufgenommen - mit verheerendem Ergebnis für die katholische Kirche, sie landete auf dem letzten Platz. Selbst die eigenen Mitglieder schenken ihr weniger Vertrauen als der evangelischen Kirche, die im Mittelfeld liegt. i

 

Diese Glaubwürdigkeitskrise nur auf den Missbrauchsskandal des letzten Jahres zurückzuführen, wäre allerdings zu kurz gegriffen. Es ist alarmierend, wenn eine Untersuchung wie die große Online-Studie „Perspektive Deutschland“ schon vor fünf Jahren zu dem Ergebnis gekommen ist, dass nicht einmal 45 Prozent der Deutschen Vertrauen in die katholische Kirche haben. Nach den Missbrauchsskandalen des letzten Jahres hat sich dieser Wert nun noch einmal rapide verschlechtert. Aber eigentlich verliert die Kirche schon seit Jahren das, was sie am meisten braucht: Ihre spirituelle Leuchtkraft. Wie kann sie Glauben vermitteln, wenn sie selbst nicht mehr glaubwürdig ist?

 

Die Frage nach der Glaubwürdigkeit stellt sich auf allen Ebenen: vom Papst über die Bischöfe zu den Priestern und den Gemeindemitgliedern. Dabei geht es um ein geistliches Grundanliegen: um die Übereinstimmung von Glauben und Leben, von Worten und Taten. Dass wir auch wirklich leben, was wir verkünden - daran hängt alles. ii

 

Der Isenheimer Altar hat mit dem berühmten Finger des Johannes des Täufers, der auf den gekreuzigten Christus zeigt, ein Grundbild dessen gefunden, was Kirche eigentlich ist. Sie ist Zeigefinger, Hinweis, wie das Konzil sagt: „Zeichen und Werkzeug“. Die Kirche ist weder selbst unangefochtener Gegenstand der Glaubwürdigkeit, noch ist sie Herstellerin der Glaubwürdigkeit, sondern ihre Aufgabe besteht darin, auf die Glaubwürdigkeit Gottes hinzuweisen und sie zu bezeugen. Gott ist glaubwürdig. Das Evangelium ist glaubwürdig.

 

Die Kirche hat in ihrer Verkündigung und in ihrer Lehre von Anfang an über Dinge und Dimensionen gesprochen, die größer und wichtiger und wahrer sind als sie selbst. Vom ersten Tag der Christenheit an ist das Evangelium selbst überzeugender und glaubwürdiger gewesen als die Menschen, die es weitererzählt haben. Anders wäre der breite Strom von Erinnerungen in den Evangelien nicht zu erklären, nach denen Jesus offensichtlich selbst immer wieder an der Unglaub-Würdigkeit seiner Jünger verzweifelt. Wie oft beklagt er ihren kleinen Glauben! Wie oft muss er Petrus aus den Fluten retten! Das Grundbild der Kirche heißt: Die Kirche lebt von der Glaubwürdigkeit des Evangeliums, nicht umgekehrt. Der Bezeugung der Glaubwürdigkeit Gottes in der Welt und vor den Menschen hat die Kirche zu dienen. iii

 

Zugleich wird so auch deutlich, was Menschen in der Kirche an Unglaubwürdigkeit entfalten können: Die Kirche kann sich aus dieser Rolle des Hinweisens und Bezeugens hinaus bewegen und sich gleichsam vor das glaubwürdige Evangelium stellen. Die Zeugen und Zeuginnen der Kirche können das Evangelium sozusagen unsichtbar machen, indem sie sich selbst zu breit machen. Denn klar ist: Eine missbrauchende, eine machtgierige, eine gleichgültige, eine nachlässige, eine banale, eine korrupte, eine erstarrte usw. Kirche bzw. eben solche Vertreter dieser Kirche können die Glaubwürdigkeit des Evangeliums unsichtbar machen. Menschen können durch unverantwortliches Handeln Gottes Evangelium so verstellen, dass es nicht mehr zu sehen ist. Unangemessenes "kirchliches Bodenpersonal" kann die Glaubwürdigkeit des Evangeliums erheblich beschädigen. iv

 

Dasselbe gilt aber auch für Strukturen. Auch kirchliche Regelungen, Gesetze, Vorgaben und Umgangsformen können das Evangelium verstellen. Dann muss man auch sie in Frage stellen. Nach dem Memorandum war jetzt öfter zu hören: „Diese Strukturdebatten lösen auch nicht die Glaubenskrise in unserem Land!“ Das stimmt. Aber wo Strukturen das Evangelium verdunkeln, ist es nicht nur sinnvoll, sondern sogar absolut notwendig über Strukturen zu diskutieren. Denn auch da geht es letztlich um Glaubwürdigkeit, die Voraussetzung dafür ist, dass man letztlich Gott glaubt, an Gott glaubt.

 

Darum geht es bei der Frage nach der Glaubwürdigkeit nicht um eine Randfrage, so als könnten wir wieder zum Tagesgeschäft übergehen, auch wenn „die da draußen“ nichts mehr von uns halten. Wenn Kirche nicht Selbstzweck ist, sondern Hinweiserin, dann geht es hier um einen zentralen Aspekt unseres Wesens. Dazu kommt: Dem Evangelium ist zu allen Zeiten auch widersprochen worden. Wo das geschieht, wo Menschen die Botschaft bewusst ablehnen, darf die Kirche getrost „den Staub von den Sandalen schütteln“ und zum nächsten Ort der Verkündigung weiterziehen. Ein Skandal ist aber, wenn die Kirche selber in ihrem Auftreten dem Kern der Frohen Botschaft widerspricht, wenn Menschen sie ablehnen, weil sie zu wenig vom Evangelium in der Institution und den Menschen, die sie repräsentieren, wiederfinden. Wer diese Ablehnung mit dem Unglauben des einzelnen abtut, verletzt nicht nur den, der nicht glauben kann, sondern auch die Treue zum Evangelium.

 

Darum möchte ich die Frage nach der Glaubwürdigkeit vertiefen. Dazu möchte ich, statt aufzuzählen, in welchen Fragen die Kirche den Menschen vor allem unglaubwürdig erscheint, eine Ebene tiefer gehen und grundsätzlicher hinschauen auf die Situation der Kirche und ihre Un-Glaubwürdigkeit. Wo liegen die tieferen Ursachen?

 

Es lohnt sich, zunächst einmal die Frage „Wie glaubwürdig ist die Kirche?“ näher zu betrachten.

 

Wer fragt eigentlich so? Wer stellt diese Frage?

 

Und: Wer beantwortet sie? Wer ist ermächtigt, darauf eine gültige Antwort zu geben?

 

Dann merkt man nämlich: Es ist eine typische Frage der Postmoderne. Jeder einzelne darf sie stellen und stellt sie. Jeder einzelne darf sie für sich beantworten und beantwortet sie. Und wenn ich eine allgemeine Antwort suche, frage ich nicht eine Kommission oder eine Institution, ich erhebe die Meinung von vielen. Ein wichtiges Mittel der Postmoderne ist nämlich die Meinungsumfrage, die die Meinung vieler einzelner sammelt und so in gewisser Weise repräsentativ für die Allgemeinheit wird.

 

Überhaupt erscheint mir ein Verständnis dessen, was die Wende zur Postmoderne bedeutet, als zentrale Voraussetzung die jetzige Kirchenkrise zu verstehen. Was ist eigentlich die Post-moderne? Ich will versuchen, das einmal einfach zu skizzieren.

 

Von der traditionellen zur postmodernen Gesellschaft.

Nie davor und auch nicht danach hat sich die Gesellschaft in Deutschland so grundlegend, so radikal und so nachhaltig in nur fünfzehn bis zwanzig Jahren verändert wie zwischen 1965 und 1980. Es gab in Deutschland einen Modernisierungsschub. Ein Umbruch von der traditionellen zur postmodernen Gesellschaft.

 

Was hat sich alles verändert zwischen 1965 und 1980? Die Liste ist unendlich. Obwohl der Vorgang schleichend war, sich über Jahre hinzog und nie als radikale Veränderung ins Bewusstsein der Menschen gelangt ist, waren die gesellschaftli-chen Veränderungen enorm. Äußerlich sichtbar wird es vor allem durch zwei Gegenstände, die in dieser Zeit zum allgemeinen Besitz geworden sind: Das Auto und der Fernseher. Ver-fügten 1960 nur 25 Prozent der Haushalte in Deutschland über ein Auto, so waren es 1980 schon 64 Prozent. 1960 waren 17 Prozent der Haushalte im Besitz eines Fernsehers, 1980 dagegen sagenhafte 97 Prozent.

 

Die individuelle Mobilität und die grenzenlosen Informationsmöglichkeiten, die damit ihren Anfang nahmen, hatten neben einer Vielzahl anderer Faktoren erhebliche Auswirkungen. Der Modernisierungsschub dieser Jahre zeigt sich unter anderem auch dadurch, dass viele kleine Handwerksbetriebe verschwanden, ganze Berufe wie der Schuhmacher oder der Wagner so gut wie untergingen und auch auf den Dörfern die Landwirtschaft sich von der Haupterwerbsquelle zum Nischenberuf veränderte. Die Straßen der Dörfer sind in dieser Zeit leer geworden, das Leben zog sich in die Wohnzimmer zurück. Aus einer traditionellen Milieu-Gesellschaft ist eine postmoderne Gesellschaft geworden.

 

Merkmale der traditionellen Gesellschaft (Milieu-Gesellschaft)

Die traditionelle Gesellschaft, die damit unterging, war geprägt gewesen von eindeutigen moralischen Werten. Die Weitergabe von Lebensweisheiten über die Generationen, die Tradition, hatte eine sehr große Bedeutung. In der traditionellen Gesellschaft ist der einzelne eingebunden in starke familiäre und soziale Strukturen von der Wiege bis zur Bahre. Im Normalfall bestimmt die Herkunft das, was man sein wird: Das eigene Zutun ist gering, alles wird ererbt und verliehen, der einzelne hat so gut wie keine Wahlmöglichkeiten. Veränderungen werden eher gedeutet als Überraschungen des Schicksals, denen man machtlos ausgeliefert ist. Einer der wichtigsten Werte ist der Gehorsam gegenüber dem Althergebrachten, der Macht einer hierarchischen Ordnung, in der ein Gott (religiöse Ordnung) oder die Vorfahren an der Spitze stehen, gefolgt von Fürsten o.ä. (politische Ordnung) und Familienoberhäuptern (häusliche Ordnung), wobei jede hierarchische Ebene sich am Vorbild der nächsthöheren orientiert. Lösungen für auftretende Probleme finden die Menschen in der Vergangenheit, in der Tradition. Im geschlossenen katholischen Milieu war das auch die Geisteshaltung, vor der die religiöse Sozialisation und die Weitergabe des Glaubens erfolgten. v

 

Merkmale der Postmoderne

Mit dem Anbruch der Postmoderne kam es in vieler Hinsicht zu einer totalen Kehrtwende. Zum Allgemeingut wird jetzt die Ablehnung oder kritische Betrachtung eines universalen Wahrheitsanspruchs im Bereich philosophischer und religiöser Auffassungen und Systeme (sog. Metaerzählungen oder Mythen wie Moral, Geschichte, Gott, Ideologie, Utopie oder Religion, aber auch, insofern sie einen Wahrheits- oder Universalitätsanspruch trägt, Wissenschaft). Postmoderne ist Relativismus. Objektive Wahrheit mag es geben, aber keiner darf sie für sich in Anspruch nehmen. Es kommt damit auch zu einer Individualisierung, dem Verlust traditioneller Bindungen, von Solidarität und eines allgemeinen Gemeinschaftsgefühls. Das Leben des einzelnen gliedert sich auf, Broterwerb, Wohnen und Freizeit finden oft an unterschiedlichen Orten und mit unterschiedlichen Bezugspersonen statt. Man spricht auch von Sektoralisierung des gesellschaftlichen Lebens in eine Vielzahl von Gruppen und Individuen mit oft einander widersprechenden Denk- und Verhaltensweisen. Toleranz, Freiheit und radikale Pluralität werden zu grundlegenden Normen in Gesellschaft, Kunst und Kultur. vi Dem einzelnen stehen theoretisch unendliche Möglichkeiten offen, von der Wahl des Wohnortes über die Wahl des Freundeskreises bis zur Wahl des Berufs. Der einzelne ist geradezu gezwungen ständig Entscheidungen zu treffen, es gibt einen Zwang zur Wahl. Jedes Leben sieht anders aus, es kommt zu einem Verlust der „Normalbiografie“. Soziologen bezeichnen den postmodernen Menschen als „Flaneur“, als Spaziergänger, der sich möglichst viele Optionen offen halten möchte und sich nur ungern bindet. Der Flaneurismus kultiviert die Begeisterung, dem Zufall zu folgen, und trotzdem überall, wo der Zufall einen hinführt, Leben zu finden. vii Die Shopping-Mall wird zum Tempel der Postmoderne, die scheinbar unendliche unverbindliche Angebotsatmosphäre trifft genau das Lebensgefühl des postmodernen Menschen. Dabei ist das Neue immer das bessere als das Alte; „Neu“ wird zum Qualitätsmerkmal.

 

Der einzelne entscheidet in der Postmoderne, der einzelne ist König. Die Meinungsumfrage ist Mittel und Instrument zugleich. Facebook-Aktionen und Online-Petitionen sind die logi-sche Konsequenz.

 

Alle diese Veränderungen waren nicht gesteuert, es geht hier auch nicht um die Bewertung gut oder schlecht, Fakt ist, dass diese geistige Haltung seit den 70er und 80er Jahren das Lebensgefühl in allen abendländisch-aufgeklärten Gesellschaften prägt. Besonders wichtig in diesem Zusammenhang ist aber das geänderte Wahrheitsverständnis und das geänderte Autoritätsverständnis.

 

Wahrheit in der traditionellen Gesellschaft

In der traditionellen Gesellschaft ist Wahrheit absolut und unveränderlich. Sie ist von Gott bestimmt (und dem Menschen mitgeteilt) worden. Wahrheit ist Wahrheit in einem absoluten Sinne. Wahrheit nicht nur für mich, Wahrheit nicht nur in unserer Zeit und keine nur relative Wahrheit! Was Gott gegeben hat ist universal, absolut und bleibend wahr! "So war es eben", wie Walter Cronkite sagt, das war die Art und Weise, wie die Menschen dachten. Wahrheit ist absolut. Sie muss nicht begründet werden. viii

 

Wahrheit in der Postmoderne

Die Postmoderne hat einen völlig anderen Wahrheitsbegriff: Wahrheit – sei es in Wissenschaft, Bildung oder Religion – wird von einer speziellen Kultur oder Gesellschaft geschaffen und ist nur in diesem und für diesen Kulturkreis "wahr". Da Menschen Sprache gebrauchen müssen, um zu denken oder zu kommunizieren und Worte willkürliche Bezeichnungen für Dinge und Ideen sind, gibt es keine Möglichkeit, "die Ideen, Tatsachen oder Wahrheiten, die eine Sprache übermittelt, zu bewerten oder zu kritisieren". Jegliches Denken ist ein "soziales System". Das heißt, was wir als »Wahrheiten« betrachten, sind einfach willkürliche "Glaubensauffassungen, auf deren Annahme wir von unserer Gesellschaft konditioniert worden sind, ebenso wie andere auf die Annahme einer völlig anderen Reihe von Glaubensauffassungen konditioniert worden sind". Jedes System oder jede Aussage, die behauptet, objektiv wahr zu sein oder die die Werte, Glaubensauffassungen, Lebensweisen und Wahrheitsansprüche einer anderen Kultur nachteilig beurteilt, ist ein Machtspiel, ein Versuch einer Kultur, über andere Kulturen zu herrschen. Wahrheit wird im Dialog entwickelt oder gefunden. Wahrheit ist relativ. Wahrheit braucht Argumente. ix

 

Autorität in der traditionellen Gesellschaft

Mit dem Wahrheitsverständnis korrespondiert das Verständnis von Autorität. In der traditionellen Gesellschaft verstand man Autorität als verliehene Autorität, die durch Vollmacht, Amt oder Titel ausgewiesen ist. Die Mittel zur Ausübung dieser Autorität waren die Belehrung, die Vorlesung, der Monolog, die Ansprache, das Rundschreiben oder der Erlass.

 

Autorität in der Postmoderne

In der Postmoderne muss Autorität erworben werden durch Glaubwürdigkeit, die sich durch die Lebensführung, überzeugende Persönlichkeit und argumentative Stärke im Dialog immer neu beweisen muss. Als Mittel der Ausübung von Autorität dienen hier der Dialog, die Debatte, die Podiumsdiskussion, oder die Talkshow.

 

Der tiefere Grund der Glaubwürdigkeitskrise

Noch immer ist die Bedeutung dieser Wende zur Postmoderne, dieses grundlegenden Paradigmenwechsels, viel zu wenig im Bewusstsein des kirchlichen Personals. Im Blick auf unser Thema „Glaubwürdigkeit der Kirche“ vertrete ich die These:

Tieferer Grund der Glaubwürdigkeitskrise ist das gespaltene und noch unentschiedene Verhältnis der Kirchenleitung zur Postmoderne.

 

Wir alle leben in einer postmodernen Gesellschaft mit allen Vor- und Nachteilen, die sich aus ihr für den einzelnen ergeben. Die Kirche ist aber nach wie vor gefangen in Bildern und Symbolen der traditionellen Gesellschaft. So gut wie alle heutigen Hauptamtlichen und Ehren-amtlichen sind in der traditionellen Gesellschaft religiös sozialisiert worden oder gehören zur kleinen Gruppe der jugendlichen Modernitätsverweigerer. Grob gesprochen kann man sagen: Die ältere Generation ist von Werten der traditionellen Gesellschaft geprägt und versucht diese in der Postmoderne für sich zu bewahren. Die jetzt mittlere Generation ist eine Übergangsgeneration, die in ihrer Kindheit und Jugend noch Reste der traditionellen Gesellschaft erlebt hat, aber dann der Postmoderne zum Durchbruch verholfen oder sich zumindest wertemäßig an die Postmoderne angehängt hat. Die Kirchliche Jugendarbeit hat das geschlossene katholische Milieu bis in die 80er oder 90er Jahre hinein verlängert. Der Jugendgottesdienst ist zum Beispiel ein typisches Phänomen dieser Zeit. Wenn heute noch Menschen aus dieser Generation den Satz sagen: „Ich hatte eine katholische Kindheit“, zeigt das, wie prägend Religion immer noch war. Ein Wir-Gefühl hat wesentlich zur religiösen Sozialisation beigetragen.

 

Die jüngste Generation dagegen, die etwa unter 40jährigen, die „voll postmodernen“, fühlen sich von kirchlichen Angeboten und von der christlichen Botschaft im Normalfall nicht mehr angesprochen.

 

Die Kirche will in der postmodernen Gesellschaft ankommen, sie trauert aber im Grunde immer noch der traditionellen Gesellschaft, dem geschlossenen katholischen Milieu nach. Sie hält in ihrer Bildersprache, im Wahrheitsverständnis und im Autoritätsverständnis an Vorstellungen fest, die der postmodernen Kultur entgegenlaufen.

 

Es gehört deshalb zu einem bestimmenden Eindruck der postmodernen Generation, dass die Rede von Gott wirkt wie die Rede, die von einer Gefangenschaft erlösen will, die keiner mehr hat. Glaube wirkt wie ein Heilmittel für eine Störung, die keiner mehr empfindet, wie die Medizin für eine Krankheit, an der keiner mehr leidet. x

 

Aufgabe der Kirche wäre: Die Postmoderne zu umarmen. Das heißt nicht, sich an den Zeitgeist anzupassen. Schon allein an den vier Evangelien kann man sehen, wie es am Anfang der Kirche gelungen ist, die ursprüngliche Botschaft in unterschiedlichen kulturellen Umgebungen jeweils neu auszusagen. Kritisches Korrektiv kann die Kirche nur bleiben, wenn sie sich auf die Grundlagen der aktuellen Kultur einlässt. Auch der Missionar in einem fernen Land muss die Sprache lernen, die die Leute sprechen. Er muss sich auf die Grundumgangsformen einlassen in dem Land, in dem er erfolgreich missionieren will. Stichworte sind hier: „Inkulturation“ und „Kontextualisierung“. Wer heute einen normalen Gottesdienst besucht, singt Lieder aus dem Gotteslob und hört Gebete aus dem Messbuch, die aus den 70er Jahren stammen. Viele Lieder sind ja zum großen Teil noch älter, sie stammen aus einer völlig anderen Lebenswelt. Wir können viele Konferenzen zum Thema „Neuevangelisierung“ abhalten, wenn wir nicht in die Sprache, die Begriffswelt und die geistigen Grundlagen der Postmoder-ne eintauchen, wird das alles nichts fruchten.

 

Die Bischöfe merken, dass sie in der Postmoderne ankommen müssten, wenn Kirche auch in zwanzig Jahren noch eine gesellschaftliche Bedeutung in unserem Land haben soll. Sie haben aber nicht den Mut, den Ballast aus der traditionellen Gesellschaft abzuwerfen. Die Spannung aus einer Kirche, die zwar in der Postmoderne lebt, aber an den geistigen Grundlagen der traditionellen Gesellschaft festhält, führt zu Doppelbotschaften und Unglaubwürdigkeit.

 

Die Folge: Widersprüchliche Doppelbotschaften

Immer wieder sind Menschen frustriert, wenn sie von der Kirche widersprüchliche Doppelbotschaften erhalten: Man appelliert zum Beispiel an ihre Mündigkeit, bestätigt sie feierlich mit dem Sakrament der Firmung, fordert sie ein für das so wichtige ehrenamtliche Engagement, reagiert aber gereizt und abweisend, wenn die Mündigen den Mund aufmachen, wenn sie unbequeme Forderungen stellen oder es gar wagen, ein Kirchenvolksbegehren auf den Weg zu bringen. Mündigkeit propagieren, aber Bevormundung praktizieren – das führt zur Lähmung, zur Frustration. Aus der Psychiatrie ist bekannt, dass Kinder, die ständig widersprüchlichen Botschaften ausgesetzt sind, krank werden. Sie verkraften es nicht, wenn zwar die Liebe beteuert wird, das Verhalten aber Distanz oder gar Ablehnung anzeigt, wenn Eltern ihr Zutrauen zu dem „großen Jungen“ bekunden, gleichzeitig aber jeden Schritt ängstlich kontrollieren. Xi

 

In der Kirche gibt es zurzeit viele solche widersprüchliche Doppelbotschaften: Sie setzt sich ein für die Würde und die Rechte der Frau überall in der Welt und schließt sie gleichzeitig von allen Weiheämtern aus. Sie betont die Wichtigkeit liturgischer und homiletischer Qualität, lässt aber lieber sprachlich überforderte Priester aus dem Ausland mühsam und holprig eine Predigt ablesen, statt dies eigens dafür ausgebildeten Laien zu gestatten, die es eigentlich viel besser könnten. Sie entlässt beziehungsfähige Priester, die mit einer Frau leben wollen, aus dem Amt, und drückt beide Augen zu, wenn beziehungsunfähige oder kommunikationsgestörte Pfarrer eine Gemeinde an die Wand fahren.

 

Immer wieder begegne ich bei Hauptberuflichen und Ehrenamtlichen dem Frust über solche inneren Widersprüche. Sie lähmen und entmutigen und sabotieren noch einmal auf subtilere Weise die Glaubwürdigkeit. Xii

 

Gespaltenes Verhältnis zum Dialog

Ein gespaltenes Verhältnis hat die Kirche mittlerweile auch wieder zum Dialog. Er ist die große Errungenschaft des II. Vaticanums. Der Dialog wurde mit dem Konzil als Grundprinzip des kirchlichen Lebens angesehen. Nur so kam das ökumenische Gespräch in Gang. Nur so konnten Laiengremien etabliert werden, die Mitverantwortung übernehmen für die Sendung der Kirche. Nur so konnte der Dialog beginnen mit anderen Religionen, anderen Kulturen, anderen Weltanschauungen, mit der „Welt von heute“. Viele Ehrenamtliche sind frustriert, weil sie das Gefühl haben, dass dieser Geist des Dialogs immer mehr verloren gegangen ist. Längst hat Rom die zentralistischen und hierarchischen Zügel wieder angezogen. Und viele bei uns machen es nach. Deswegen war es so wichtig, dass auf der Herbstvollversammlung 2010 der Bischofskonferenz in Fulda der Vorsitzende Robert Zollitsch zu einem Gesprächsprozess aufgerufen hat, in den auch die Laien eingebunden sein sollen – ein hoffnungsvolles Zeichen für einen neuen Dialog. Xiii

 

Doppelbotschaften der Bischöfe

Aber wie geht es weiter? Zum 1. Advent sollte ein Hirtenbrief verlesen werden, der zu diesem Dialog einlädt. Das wurde verschoben, weil sich die Bischöfe offensichtlich nicht auf die Eckpunkte dieses Dialogs einigen konnten. Dann melden sich führende CDU-Politiker, alle Katholiken, also getauft, gefirmt, mündige und engagierte Christen, zu Wort zum Thema Zölibat und Kardinal Brandmüller reagiert darauf so: „Was legitimiert Sie als Politiker, zu einem innerkirchlichen Thema Stellung zu beziehen, das Sie weder von Amts wegen noch persönlich betrifft?“ Die von den CDU-Politikern angestoßene Diskussion habe „viele schon zum Überdruss belästigt und beleidigt und darüber hinaus die Verwirrung unter den Gläubigen vermehrt“. „Es kommt Ihnen anscheinend nicht in den Sinn, dass Sie damit auch Jesus Christus, den Sohn Gottes, selbst beleidigen.“

 

Kurz darauf ergreift etwa die Hälfte der deutschsprachigen Theologieprofessoren eine Initia-tive mit einem Memorandum, das sie als Beitrag zu diesem Dialog verstehen. Von „Wo leben die denn?“ (O-Ton Kardinal Meisner) bis „nicht hilfreich“ reichen die Reaktionen bei den deutschen Bischöfen.

 

Was ist da los? In der Not merken die Bischöfe hier: Glaubwürdigkeit lässt sich unter den Bedingungen der Postmoderne nur auf einem Weg gewinnen: im Dialog. Darum einigen sie sich in der Krise auf die Strategie „Dialog“. Das Problem ist: Worüber will aber jemand, der einem Autoritäts- und Wahrheitsverständnis der traditionellen Gesellschaft verhaftet ist, einen Dialog führen? So sagt z.B. Bischof Friedhelm Hofmann wörtlich: „Wir brauchen einen Dialog über den Zölibat, um …- noch viel deutlicher und klarer herauszustellen, wie wichtig und lebensnotwendig er für die gesamte Kirche ist.“ Das erwünschte Ergebnis des Dialogs steht schon vor Beginn fest, und wenn es vom Dialogpartner nicht übernommen wird, kommt bei den Bischöfen in der Regel der Rückzug auf das traditionelle Wahrheits- und Autoritätsverständnis: „Wir beugen uns doch nicht dem Druck der Straße!“ „Über Wahrheit lässt sich schließlich nicht abstimmen!“

 

Doppelbotschaften bei unserem Papst

Die Postmoderne umarmen. Auch Papst Benedikt XVI. propagiert immer wieder den Dialog: Dialog mit der Vernunft, Dialog mit der Wissenschaft, Dialog mit anderen Konfessionen, Dia-log mit anderen Religionen. Gleichzeitig erscheint in seinen Schriften und Ansprachen als sein größter Gegner, als größte Bedrohung der abendländischen Kultur der „Relativismus“.

 

Der Relativismus ist aber ein Kern der postmodernen Kultur. Ich kann nicht die Postmoderne umarmen und gleichzeitig den Relativismus verteufeln. Ich kann nicht einen Dialog führen und gleichzeitig an der Überzeugung festhalten, dass ich im Besitz der absoluten Wahrheit bin. Das ist ein Widerspruch in sich.

 

Ein Artikel des indischen Theologieprofessors Felix Wilfred in „Concilium“ (März 2006) ist überschrieben: „Ein Lob des christlichen Relativismus“. xiv  Seine Quintessenz: Richtig verstandener Relativismus ist näher am Evangelium als die Vorstellung im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein. Hier liegt auch in der Theologiegeschichte ein großes Potential für den Dialog mit der postmodernen Kultur. Wenn dieser Begriff diskreditiert wird, schneidet sich die Kirche ihre Zukunft ab. Die Postmoderne bestreitet ja gar nicht, dass es eine objektive Wahrheit geben mag, sie reagiert aber gereizt, wenn jemand für sich beansprucht, im Besitz dieser Wahrheit zu sein.

 

Herausforderung an die Theologie

Eigentlich ist die Postmoderne zuerst eine große Herausforderung an die Theologie. Von Gott so zu sprechen, dass auch der postmoderne Mensch davon angesprochen ist. Dazu müssen wir nicht völlig in der Postmoderne aufgehen. Aufgabe der Theologie wäre: Noch viel deutlicher zu unterscheiden: Was ist „Depositum fidei“, was unaufgebbare Wahrheit und was sind zeitbedingte Strukturen von Kirche? Was ist Wahrheit, was ist Zeitgeist? Natürlich können wir nicht in einer Meinungsumfrage darüber entscheiden lassen, ob Jesus von den Toten auferstanden ist, oder ob wir Kinder Gottes sind oder nicht. Aber wird nicht zurzeit manches als unverrückbare Wahrheit dargestellt, was eigentlich Anpassung der Kirche an den Zeitgeist war, nämlich an den Zeitgeist vergangener Jahrzehnte und Jahrhunderte? Hat Kirche sich z.B. nicht zu sehr angepasst an ein feudales hierarchisches Herrschaftssystem, wie es jahrhundertelang auch von weltlichen Autoritäten ausgeübt wurde? Im Evangelium steht davon doch nichts. Da steht höchstens: „Bei euch soll es nicht so sein!“ Und während in der Welt die feudalen Hierarchien gefallen sind und die Demokratie ihren Siegeszug angetreten ist, erklärt die Kirche die Hierarchie, die sie von der Welt übernommen hat, zur un-veräußerlichen Wahrheit. Im reichen Schatz der Bibel, in der reichen Kultur der Glaubensgeschichte von Christen gibt es mit Sicherheit viele Elemente, die den postmodernen Menschen ansprechen und ihm das Evangelium aufschließen, diese Schätze gilt es zu heben.

 

Die Kirche steht meiner Ansicht nach vor einer grundlegenden Entscheidung: Will sie die Postmoderne umarmen oder will sie zum kleinen sich selbst genügenden Trüppchen werden, dass sich der beherrschenden Kultur verweigert und sich selbst genügt mit einem rückwärts gewandten Gottes- Welt- und Menschenbild?

 

Postmoderne in der Seelsorge

Dass Kirche nicht schon längst total am Boden liegt, ist Haupt- und Ehrenamtlichen zu verdanken, die es Tag für Tag wieder schaffen, sich den Herausforderungen der Postmoderne zu stellen und die die postmoderne Kultur längst innerhalb ihrer Möglichkeiten in ihren Gemeinden pflegen.

 

Zwei Beispiele, zwei Herausforderungen der Postmoderne auf der Ebene der Pfarrgemeinde möchte ich beispielhaft nennen. Jeder Gemeindeseelsorger weiß ein Lied zu singen, wie anstrengend der Individualismus des postmodernen Menschen und sein Anspruch auf Wahlmöglichkeiten in der Seelsorge werden können. In meiner Kindheit war jede Beerdigung gleich. Sowohl vom Rahmen als auch von der Gestaltung war es nicht nötig und auch nicht erwünscht, von der Norm abzuweichen. Heute stehen allein bei einem Sterbefall viele Optionen zur Auswahl: Soll es eine Erdbestattung oder eine Urnenbestattung sein, findet sie im großen Kreis statt oder nur im Familienkreis? Soll ein Requiem gefeiert werden oder nicht? Wird vorher ein Rosenkranz gebetet oder nicht? Sollen später noch Seelengottesdienste stattfinden? Ganz zu schweigen von individuellen Wünschen im Blick auf Lieder und Texte. Bei Trauungen und Taufen ist das ja oft ähnlich. Viele Seelsorger üben täglich den Spagat zwischen dem Eingehen auf die Individualität des postmodernen Menschen und dem Verhindern von „Liturgie als individueller Inszenierung“, die Gott zurücktreten lässt. Einer Ausdifferenzierung der Lebenswelten kann aber ohne eine Ausdifferenzierung der Pastoral nicht begegnet werden.

 

Ein zweites Beispiel: Die Beziehungspflege ist für jeden Menschen eine der größten Herausforderungen in der Postmoderne. Vorher war der einzelne ja eingebettet in ein enges Netz von familiären Beziehungen. Jetzt gilt auch hier der Zwang zur Wahl. Der Mensch muss sich bewusst entscheiden, welche Beziehungen er pflegen und welche er aufgeben oder ruhen lassen möchte. Beziehung spielt deshalb auch in der Seelsorge eine viel größere Rolle. Das ist das, was viele Pfarrer zugrunde richtet. Sie spüren instinktiv, wie wichtig die Beziehungspflege ist, können aber in immer größeren Einheiten diese Beziehungspflege nicht mehr leisten und reiben sich auf.

 

In den Pfarrgemeinden hätte unter den Bedingungen der Postmoderne eigentlich das Personal massiv erhöht werden müssen, um den neuen Herausforderungen in Bezug auf Ausdifferenzierung und gestiegenen Ansprüchen an die Beziehungspflege zu begegnen. In einer professionalisierten Gesellschaft kann das nicht durch ehrenamtlichen Einsatz aufgefangen werden. Fatalerweise wird das hauptamtliche Personal in den Pfarrgemeinden immer stärker reduziert.

 

Wir Pfarrer stehen meiner Meinung nach am massivsten an der Reibungsfläche zwischen einer sich an den Werten der traditionellen Gesellschaft orientierenden Kirchenleitung und der postmodernen Welt, der wir täglich begegnen.

 

Darum verwundert eigentlich nicht, was der Wiener Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner vor zwei Jahren in einer Studie festgestellt hat. Es gibt mittlerweile eine große Kluft zwischen Pfarrern und Kirchenleitung.

 

Pfarrer denken anders

Die letzte Meinungserhebung zum Thema Pflichtzölibat hat gezeigt: 94 Prozent der Katholiken in Deutschland sind für die Aufhebung des Pflichtzölibats. Übrigens sogar mehr als der Durchschnitt der Bevölkerung, der sich zu 89 Prozent dafür ausspricht. Viel spannender ist es aber, nur die zu fragen, die selber aus Überzeugung zölibatär leben.

 

Eine Befragung von 500 Priestern hat ergeben: 79 Prozent der katholischen Pfarrer in Österreich sind für eine Abkehr von der Zölibatspflicht für Priester, auch wenn die allermeisten davon für sich diese Lebensform nach wie vor bejahen und daran für sich persönlich nichts ändern möchten. 51 Prozent sind für die Zulassung von Frauen zur Priesterweihe und 52 Prozent bekennen, dass sie in wichtigen Fragen anders denken als die Kirchenleitung. 74 Prozent der Pfarrer beobachten zudem, dass die Vorstellungen der Kirchenleitung und des Kirchenvolks immer weiter auseinanderklaffen.
Deutlich wird aus der Studie auch, dass der steigende Priestermangel große Auswirkung auf die Arbeit der Pfarrer hat. 75 Prozent fühlen sich stark überlastet. Knapp die Hälfte der befragten Pfarrer (48 Prozent) erlebt die Kirchenleitung „hilflos“ bzw. „visionslos“.

 

Die Pfarrer sind nicht grundsätzlich gegen neue größere pastorale Organisationsräume - sie schätzen größere Räume für bestimmte Aufgaben (79 Prozent); zugleich halten sie aber die lokale Gemeinde für unverzichtbar (91 Prozent). In den einzelnen lokalen Gemeinden sollte auch jeden Sonntag Eucharistie gefeiert werden können. Rund zwei Drittel der befragten Pfarrer meinen, dass sich durch die Bildung von größeren Pfarrverbänden die Kirche immer mehr von den Menschen entferne.

 

100 Prozent der befragten Pfarrer sagten, sie wollten als Pfarrer vor allem Seelsorger sein. Der Wandel im Berufsbild vom Seelsorger zum pastoralen Großraummanager wird von den Pfarrern nicht gesucht und gewünscht, sondern erlitten. Er gilt nicht als Gewinn, sondern als schwerwiegender Verlust, der demotiviert.

 

Zulehner spricht von „dramatischem Ausbluten der Substanz der Pfarrerrolle“ und von zum Teil beträchtlichen Divergenzen zwischen Pfarrern und Kirchenleitung und sieht „extremen Handlungsbedarf“. Der „reiche Erfahrungsschatz“ der Pfarrer müsse für eine Reform der Kirche genützt werden. Andersfalls warnt Zulehner davor, dass der Kirchenleitung zunehmend die Gestaltungsmöglichkeiten entgleiten würden: „Eine Basisreform findet faktisch statt, in jenen Pfarrgemeinden mit aufgeschlossenen Pfarrern.“ Xv

 

Krise der Kirche ist eine Krise der Bischöfe

Man kann durchaus von einem neuen Anti-Modernismus seit Papst Johannes Paul II. sprechen, der sich vor allem in den Bischofsernennungen niedergeschlagen hat. Wo die Treue zu den konservativen Positionen des Hl. Stuhls und die Ablehnung jeglicher Veränderung in der Kirche zum obersten Kriterium der Auswahl wird, werden zwangsläufig oft nicht die besten, die charakterstärksten, die visionärsten, die kreativsten Priester Bischöfe, sondern die engsten, die angepasstesten, die gehorsamsten und linientreusten. In der Postmoderne, wo es darum geht, sich durch Persönlichkeit und argumentative Kraft Autorität und Glaubwürdigkeit zu erarbeiten, ist das besonders fatal für die Wirkung von Kirche in der Öffentlichkeit. Welcher Bischof macht eine gute Figur in einer Talk-Show und wird nicht nur vorgeführt als Beispiel wie rückständig Katholiken sind?

 

Das führt aber auch dazu, dass der Wille zur Reform, zu echten Veränderungen, bei den heutigen Bischöfen äußerst gering ist. Als Reaktion auf das Memorandum hat Kardinal Walter Kasper darauf hingewiesen: Alle Bischofssynoden, die sich mit dem Thema Zölibat beschäftigt haben, haben sich mit großer Mehrheit für die Beibehaltung ausgesprochen. Dieses Argument erscheint natürlich äußerst fragwürdig, wenn man weiß: Das ist ein ganz wichtiges Kriterium für eine Bischofsernennung. Seit über 30 Jahren ist niemand mehr zum Bischof ernannt worden, der sich vorher irgendwann öffentlich oder privat für die Abschaffung der Pflichtzölibats ausgesprochen hätte. Die Negativ-Auswahl der Bischöfe führt langfristig dazu, dass die Vielfalt an Meinungen und Ansichten auch der Priester im Episkopat nicht wiederzufinden ist. Eine Kluft besteht darum nicht zwischen Klerus und Laien, zwischen Amtskirche und Volkskirche, sondern im Grunde genommen zwischen Bischöfen und einem großem Teil des Klerus.

 

Trotzdem: Wer nicht die Spaltung will, kommt nicht umhin zu versuchen, auch die Bischöfe mit auf den Weg zu nehmen. Ich denke, den guten Willen, die christliche Botschaft auch künftigen Generationen mitzugeben und aufzuschließen, dürfen und können wir keinem Bischof absprechen. Ich bin mir sicher: Auch die Bischöfe leiden wirklich zum großen Teil unter der jetzigen Situation, auch wenn sie (noch) nicht bereit sind, die richtigen Konsequenzen zu ziehen.

 

Eine engagierte Frau, die unter der derzeitigen kirchlichen Situation leidet, hat mir kürzlich eröffnet, ihr tägliches Gebet sei: „Herr, schenke den Bischöfen einen schlechten Schlaf und dabei viel Heiligen Geist!“

 

Wie gewinnt die Kirche wieder an Glaubwürdigkeit?

Indem sie auch für sich nach innen die Grundsätze anlegt, die sie nach außen, von der Welt, von der Gesellschaft fordert. Indem sie sich weiter entscheidet, die Postmoderne wirklich zu umarmen und sich auf den Dialog, auf echten Dialog, einlässt. Das heißt, dass sie über alle Fragen offen und ehrlich diskutiert, über Strukturfragen genauso wie über theologische Fragen, insbesondere die Vermittlung von Glauben unter den Bedingungen der Postmoderne. Das setzt die grundsätzliche Bereitschaft zu Reformen voraus. Seit der Liturgiereform vor fast 50 Jahren hat es keine nennenswerten Veränderungen mehr in der Kirche gegeben. Eine ganze Generation leidet unter dem „Reformstau“, während die Leitung sich „durch die immer gleichen Forderungen bis zum Überdruss belästigt“ fühlt. Es ist aber die jetzige „mittlere Generation“, die allen Frustrationen zum Trotz den Großteil der kirchlichen Hauptamtlichen und der Ehrenamtlichen stellt. Wenn das Potential dieser „Übergangsgeneration“ nicht genutzt wird, wird es hierzulande in spätestens zwanzig Jahren zu einem Zusammenbruch der gesamten kirchlichen Struktur, wie wir sie jetzt kennen, kommen.

 

Die Kirche muss sich außerdem dringend mit der Machtfrage beschäftigen. Weil praktisch alle Entscheidungen von Tragweite ohne Rückbindung an demokratische Gremien getroffen werden, erscheint die eigentlich sinnvolle kirchliche Rätestruktur zunehmend als Feigenblatt und wird in ihrer Sinnhaftigkeit sowohl von den hier Engagierten als auch von Vertretern der Kirchenleitung zunehmend in Frage gestellt. Durch nicht nachvollziehbare Entscheidungen „von oben“ wird sehr viel Sympathie für die Kirche in der Öffentlichkeit verspielt. Die Menschen haben ein feines Gespür dafür, ob Würdenträger zuallererst an ihrer eigenen Karriere feilen, oder sich wirklich selbstlos in den Dienst Gottes und der Menschen stellen. Der Psychologe Wunibald Müller weist einmal darauf hin, dass unter den Klerikern Menschen mit narzisstischer Veranlagung überrepräsentiert sind, die sich für etwas Besonderes halten, zuallererst an ihrer Selbstdarstellung interessiert sind und sich innerhalb eines hierarchischen Systems sehr wohlfühlen. Wie die hierarchische Struktur der Kirche, die für Missbrauch in unterschiedlichen Formen anfällig ist, korrigiert und ergänzt werden kann durch echte demokratische Strukturen, diese Fragestellung gilt offensichtlich auch nach den Beteuerungen während des Missbrauchsskandals immer noch als Tabuthema.

 

Die Kirche braucht eine neue Demut. Nach dem Missbrauchsskandal ist immer wieder dieser Begriff beschworen worden. Demut, das hieße aber doch auch: Die Einzigartigkeit und Schwierigkeit der jetzigen Situation anzuerkennen. Oft fällt jetzt das Argument: „Die Kirche hat schon immer auch schwierige Zeiten durchgemacht.“ Oder: „Was bilden sich die Deutschen eigentlich ein, sie sind nur so ein kleiner Teil der Weltkirche und einen deutschen Sonderweg wird es nicht geben.“ Beide Argumente erscheinen mir als Hochmut und verkennen, dass die Kirche eben nicht Selbstzweck ist, sondern Zeichen und Werkzeug. Unser erstes Ziel darf nicht sein, die Kirche durch die Zeiten zu retten, sondern Menschen zum Heil zu führen. Und die Weltkirche darf deswegen nicht als Argument gegen die Ortskirche verwendet werden. So kann ein weltlicher Herrscher denken, aber nicht wer im Namen Jesu auftritt, der von sich selbst spricht als einem Hirten, der lieber 99 Schafe im Stich lässt, um dem einen verlorenen nachzugehen. Demut hieße, um der Menschen willen auch eigene liebgewonnene Traditionen und Praktiken aufzugeben, wo sie für die Verkündigung eher hinderlich als hilfreich sind. Das hieße aber auch, dass die Kirche von dem in der Postmoderne überheblich wirkenden Autoritäts- und Wahrheitsverständnis abrückt. Papst Benedikt hat das selbst auf erstaunliche Weise bei seinem Besuch in England vorgemacht. Der Besuch galt im Vorfeld als äußerst schwierig, weil verschiedene Gruppen ihn selbst darstellten als Vertreter einer intoleranten und autoritären Institution. Bei seiner Reise betonte er aber, dass er gehört werden möchte als eine Stimme von vielen, dass die Gefahr der Intoleranz der Kirche und der Religion gegenüber bestehe. Durch diese Rolle als demütiger Diener der Kirche, der auch eine Stimme im Konzert der Meinungen sein möchte, der Toleranz und Meinungsfreiheit einfordert, hat sich die Stimmung völlig gedreht und es wurde deutlich, wie Kirche durch eine Haltung der Demut auch in der Postmoderne Respekt, Anerkennung und Sympathie gewinnen kann.

 

Die Kirche braucht eine Bekehrung zur Jugend. Sie muss sich dazu zuerst eingestehen, dass sie normale Jugendliche nicht mehr erreicht – schon gar nicht als potentielle kirchliche Mitarbeiter. Alle Initiativen in der Berufungspastoral sind mehr oder weniger verpufft. Die wenigen unter 40 Jahren, die sich noch in Priesterseminaren und theologischen Vorlesungen finden, gehören fast ausnahmslos zur in ihrer Altersgruppe untypischen und verschwindend kleinen Gruppe der Modernitätsverweigerer. Sie sind zwar kommunikationstechnisch oft auf dem allerneusten Stand und machen von den technischen Segnungen der Moderne gerne Gebrauch. Aber von ihrer inneren Einstellung und ihrem Wertekatalog her können sie leichter ein Gespräch mit Über-60-jährigen führen als mit Gleichaltrigen. Drei Viertel der jüngeren Priester bis 39 bezeichnen sich selbst als weltabgewandt und als Gegner der kulturellen Moderne. Das ist für den Pastoraltheologen Paul Michael Zulehner ein weiteres alarmierendes Ergebnis seiner Studie. Viele Seminaristen wollen auch gar nicht mehr Pfarrer werden. Die Auseinandersetzung mit der postmodernen Kultur überfordert sie. Sakramentenkatechesen und die Begegnung mit dem Durchschnitt der (postmodernen) katholischen Bevölkerung sind ihnen ein Gräuel. Sie möchten am liebsten gleich nach der Priesterweihe promovieren oder sich eine andere kirchliche Nische suchen. Wo sie doch Pfarrer werden, wird das für die Gemeinde oft zum Belastungstest und erzeugt viel Frustration, weil der junge Pfarrer in keiner Weise der Auseinandersetzung mit der Postmoderne, die seine Gemeinde prägt, gewachsen ist und sich im Konfliktfall auf das Autoritäts- und Wahrheitsverständnis der traditionellen Gesellschaft zurückzieht, das aber außer ihm so gut wie niemand mehr teilt. Auf die Mehrheit seiner Gemeinde wirkt er mehr oder weniger verschroben, kommunikationsunfähig und autoritär. Natürlich sollen auch solche Jugendliche ihren Platz in der Kirche finden dürfen. Aber mit ausschließlich solchem Personal ist der Weg der Kirche zur Sekte vorgezeichnet, wenn es ihr nicht gelingt, auch die multioptionale, vor Lebensentscheidungen zurückschreckende, kreative, experimentierfreudige, erfahrungssuchende und mit Paradoxien lebende Mehrheit dieser Altersgruppe sowohl als Adressat der Botschaft des Evangeliums als auch als potentielle Mitarbeiter zur erreichen. Dazu muss auch der Ausbildungsweg im Priesterseminar, der sich immer noch an Grundsätzen der traditionellen Gesellschaft orientiert, überdacht werden. Wie können unverbindliche Angebote, Kirche von innen kennenzulernen, geschaffen werden? Wie können die Erfahrungen aus „Events“, für die die postmoderne Generation ansprechbar ist, auch zu einer langfristigen Selbstverpflichtung übergeführt werden? Dazu müssten wir ihnen die Kirche „als eine vielfältige, topographische Kulturlandschaft nahe bringen, in der sie sich individuell bewegen können“.

 

Die wohl größte Herausforderung der Kirche besteht aber wohl in der Frage nach einer neuen Spiritualität. Wie glaubwürdig beten wir, wie glaubwürdig feiern wir Gottesdienst? Hat der postmoderne Mensch, wenn er bei einem unserer Gottesdienste gegenwärtig ist, den Eindruck, dass hier die Gegenwart Gottes spürbar ist? Wo sind Räume, die religiöse Analphabeten hinführen können zum Glauben? Dazu bräuchte es neue kirchliche Vorräume, das kleine Gebetszimmer, der ansprechende Meditationsraum u. ä. müsste Standard in jeder Pfarrei sein. Daneben müsste auch das kirchliche Personal dahingehend viel besser qualifiziert werden, eine Kontemplation, eine Stilleübung, eine Körperübung, eine Atemübung, eine kleine Gebetsgruppe anzuleiten und Menschen schrittweise zum Beten hinzuführen. Noch ist (im Unterschied etwa zur evangelischen Kirche) in vielen katholischen Gemeinden ein relativ großes „dynamisches Potential“ vorhanden, das sich in Gremien, kirchlichen Gruppen, aber auch in der Beteiligung an Gebet und Gottesdienst widerspiegelt. Wenn dieses Potential ungenutzt bleibt, die Sehnsucht nach Tiefe und der Drang zu Reformen enttäuscht werden, wird es in den nächsten Jahren zusammenbrechen und es wird Generationen dauern, es wieder aufzubauen.

 

Was können wir tun?

 

Bischof Stephan Ackermann von Trier hat auf dem Ökumenischen Kirchentag in München gesagt: „Was wir Bischöfe jetzt brauchen ist die richtige Mischung aus Vertrauen und Druck von unten.“ In diesem Sinne bleibt unsere Aufgabe im Blick auf die Kirchenleitung: Mahnen, Erinnern, Hartnäckig bleiben, immer wieder unsere Sichtweise einbringen. In unserer Diözese gibt es eine sog. „Pfarrerinitiative“, die genau das versucht: Aus unserer Perspektive als Leiter von Pfarreien Impulse, Anregungen, Hilfestellung und Kritik an die Diözesanleitung zu geben.

 

Wichtig in der derzeitigen Situation ist aber sicher auch, gelassen zu bleiben und auf unserer Ebene (weiter) das tun, wovon wir überzeugt sind. Auch die jetzige schwierige Situation des Übergangs eröffnet viele Möglichkeiten, Zeugnis zu gegen von der Hoffnung, die uns erfüllt. Jeder kann auf seiner Ebene Zeichen setzen. Es wäre falsch, alles von oben zu erwarten. Die Kirche insgesamt muss sich erneuern, da gehört auch unsere Gemeinde vor Ort dazu und jeder von uns.

 

In die derzeitige kirchliche Großwetterlage gehört aber auch, Dinge auszuhalten und zu ertragen. Wir können den Mega-Trend nicht stoppen. Und wir müssen mit der Tatsache leben: Auch wenn ich den Blick auf die Frohe Botschaft öffne, können doch noch andere davor stehen, die sie verstellen. Wir brauchen deswegen ein dickes Fell, eine hohe Toleranzgrenze und einen ganz langen Atem.

 

Die Postmoderne gilt unter Soziologen allgemein als „religionsfreundlich“. Wir haben es uns zu einem guten Teil selbst zuzuschreiben, wenn die Kirche trotzdem als Verlierer der Postmoderne dasteht. Noch haben wir Möglichkeiten. Aber die Zeit drängt. Das Evangelium hat auch Antworten auf die Nöte, Fragen, Ängste und Aporien der postmodernen Generationen. Dass wir versuchen, diese Botschaft auch für sie zu erschließen, das sind wir der Frohen Botschaft, noch mehr aber den Menschen in ihrer Freude und Hoffnung, Trauer und Angst, schuldig.

                                                                                                                  Stefan Kömm
 

Anmerkungen:

i Christian Rickens, in http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,687940,00.html

ii Dr. Klaus Roos, Referat zum Thema „Guter Rat für die Kirche – eine Ermutigung zum ehrenamtlichen Engage-ment“ am 24.02.2011 in Gochsheim

iii Thies Gundlach: Die Glaubwürdigkeit der Kirche – aus kirchlicher Perspektive; auf: http://www.ekd.de/vortraege/gundlach/20110217_gundlach_glaubwuerdigkeit_...

iv Ebd.

v Artikel „Traditionelle Gesellschaft“ auf: http://de.wikipedia.org/wiki/Traditionelle_Gesellschaft

vi Artikel „Postmoderne“ auf: http://de.wikipedia.org/wiki/Postmoderne

vii Schultz Christian: Postmoderne Lebensformen; auf: www.spsh.de/texte/Postmoderne_Lebensformen.rtf

viii Artikel „Der Wahrheitsbegriff der Postmoderne“; auf: http://editthis.info/anthologia/Der_Wahrheitsbegriff_der_Postmoderne

ix Ebd.

x Thies Gundlach: Die Glaubwürdigkeit der Kirche – aus kirchlicher Perspektive

xi Dr. Klaus Roos, Referat zum Thema „Guter Rat für die Kirche – eine Ermutigung zum ehrenamtlichen Engage-ment“

xii Ebd.

xiii Ebd.

xiv Felix Wilfred: Ein Lob des christlichen Relativismus; in Concilium 42/1, März 2006

xv zitiert nach Artikel „Studie warnt vor Auseinanderdriften von Pfarrern und Kirchenleitung“; auf: http://www.katholisch.at/content/site/presse/otoene/article/59487.html

 

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