Anderes

Die Sorge um das „gemeinsame Haus“ der Schöpfung ist ein weiteres „Werk der Barmherzigkeit“. Papst Franziskus schlägt es vor als Ergänzung zu den klassischen Aufzählungen der „Werke der Barmherzigkeit“ (vgl. Mt 25,34–46). In einer Botschaft zum diesjährigen Weltgebetstag für die Schöpfung wendet er sich an die Kirche: „Die Erde schreit auf…“, greift der Papst den Tenor seiner Enzyklika „Laudato Si“ auf. „Der Planet erwärmt sich weiter, zum Teil aufgrund menschlichen Tuns: 2015 war das wärmste Jahr, das je verzeichnet wurde, und 2016 wird wahrscheinlich noch wärmer werden. Das bewirkt Dürreperioden, Überschwemmungen, Brände und immer besorgniserregendere extreme meteorologische Ereignisse.“ Der Klimawandel trage auch zu der Krise der Zwangsmigration bei. Die Armen der Welt, die den Klimawandel am wenigsten zu verantworten haben, sind die Verletzlichsten und leiden bereits unter den Auswirkungen. „Es sei erforderlich, für die Umwelt der ärmeren Länder zu sorgen durch die Bereitstellung von Geldmitteln und technischer Unterstützung, die ihnen helfen, mit den Folgen des Klimawandels umzugehen und eine nachhaltige Entwicklung zu fördern.“ Religiös entspreche dies alles dem, was man als „Werk der Barmherzigkeit“ bezeichnen könnte. „Ich erlaube mir also, eine Ergänzung der beiden traditionellen Aufzählungen der sieben Werke der Barmherzigkeit vorzuschlagen, indem ich jedem von ihnen die Sorge um das gemeinsame Haus anfüge“, schreibt der Papst. (www.de.radiovaticana.va v. 1. 9.)

 

Die römisch-katholische Kirche in Indien hat am 2. September einen großen 24-stündigen Arbeiterstreik unterstützt. Für eine bessere Lohnauszahlung und gegen die von der herrschenden Regierung betriebene Arbeitspolitik legten nach Angaben von „Ucanews“ nicht weniger als 180 Millionen Menschen in ganz Indien die Arbeit nieder. Die Kirche trete für Mindestlohn und Sozialhilfe ein, beides sei nicht überall in Indien die Norm, erklärte Jaison Vadassery, der für den Bereich Arbeit zuständige Sprecher der römisch-katholischen Indischen Bischofskonferenz, die Unterstützung der Kirche für die Massenkundgebung. Die Veranstaltung war von Arbeitergruppen der kommunistischen Partei und von der oppositionellen Kongresspartei organisiert worden. (www.de.radiovaticana.va u. ucanews v. 6. 9.)

 

Die Bischöfe Perus haben das schwierige Verhältnis mit der römisch-katholischen Universität in Lima geklärt und nehmen ihre Beziehungen zur Universität wieder auf. Grund dafür ist eine Entscheidung von Papst Franziskus nach seiner Konsultation der von ihm eingesetzten Kommission zur Findung einer „einvernehmlichen endgültigen Lösung“ des Konflikts. Hintergrund war die Frage, wie weit sich Rom in die wissenschaftliche theologische Forschung einmischen dürfe. Am Höhepunkt der Unstimmigkeiten hatte der Vatikan 2012 untersagt, dass sich die Universität weiter „päpstlich“ nennen darf. (JA v. 4. 9.)

 

Das Millionenvermögen eines verstorbenen Bischofs, der im Zentrum des Missbrauchsskandals der 1970er und 1980er im australischen Bistum Ballarat stand, soll Missbrauchsopfern zugutekommen. Wenige Wochen vor seinem Tod gestand der schwerkranke Bischof Ronald Mulkearns vor der australischen Behörde die ihm vorgeworfenen Missbrauchsfälle. „Ich möchte sagen, dass es mir schrecklich Leid tut, dass ich damals nicht anders gehandelt habe.“ Bischof Ronald Mulkearns hat laut australischen Medienberichten sein Vermögen, darunter eine auf umgerechnet 1,3 Millionen Euro geschätzte Immobilie, seiner früheren Diözese hinterlassen. Der amtierende Bischof von Ballarat, Paul Bird, kündigte am 6. September in australischen Medien an, die Erbschaft für die Hilfe für Missbrauchsopfer nutzen zu wollen. „Was immer die Diözese Ballarat aus dem Vermögen von Bischof Mulkearns erbt, beabsichtigt sie zur Hilfe für Missbrauchsopfer beiseite zulegen“, sagte Bird. „Das wird die Fortsetzung der Unterstützung ermöglichen, die die Diözese Missbrauchsopfern seit Jahren leistet.“ (www.de.radiovaticana.va v.6. 9.)

 

Der künftige Bischof von Limburg, Georg Bätzing, wünscht sich „mehr Mut zum Experiment“. „Man muss den Mitarbeitern und Ehrenamtlichen die Freiheit geben, in ihrer jeweiligen Seelsorge-Situation Versuche zu machen, und fehlertolerant sein“, sagte er im Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“: „Im Rahmen des katholisch Möglichen ist viel mehr möglich, als wir uns zutrauen." Dazu wolle er ermutigen, betonte Bätzing, der am 18. September in Limburg zum Bischof geweiht wird. (www.de.radiovaticana.va u. kna v. 14. 9; JA v. 9. 10.)

 

Die Bischofskonferenz von Paraguay ist in Luque (Paraguay) Gastgeberin der Basisgemeinschaften aus ganz Lateinamerika und der Karibik. Das Treffen ab dem 13. September ist der zehnte Kongress dieser Art. In den letzten 30 Jahren sind befreiungstheologisch ausgerichtete Basisgemeinschaften von vielen Bischöfen und den Päpsten noch stark kritisiert worden. Die Delegierten erinnern bis zum 17. September u.a. an die Anerkennung kirchlicher Basisgemeinschaften durch den Rat Lateinamerikanischer Bischofskonferenzen (CELAM) vor 50 Jahren. „Hauptziel ist eine Neubelebung der kirchlichen Basisgemeinschaften auf den Grundlagen der heutigen Zeichen der Zeit und der Erfahrungsaustausch mit Blick auf Zukunftsperspektiven“, heißt es in einer Verlautbarung der Bischofskonferenz. (fides u. www.de.radiovaticana.va v. 14. 9.)

 

Der Vatikan greift durch und beurlaubt wegen Kindesmissbrauchs einen Bischof der Urlaubsinsel Guam im Westpazifik: In einer Erklärung kündigt der Apostolische Administrator der Erzdiözese Agana, Kurienerzbischof Savio Hon Tai-Fai, am 18. September an, dass sich ein Kirchengericht mit den „sehr ernsten Vorwürfen" gegen den 70-jährigen Erzbischof Anthony Sablan Apuron befassen werde. Papst Franziskus beobachte den Fall persönlich. Hon wurde vom Vatikan mit der vorübergehenden Leitung der Erzdiözese beauftragt. Er entschuldige sich bei allen Opfern sexuellen Missbrauchs durch Geistliche. Apuron, seit 1986 Erzbischof von Guam, bestreitet jedoch die Vorwürfe und lehnt einen Rücktritt ab. Die Beurlaubung Apurons war die erste nach einem Erlass von Papst Franziskus vom Juni 2016. Dieser sieht die Absetzung eines Bischofs vor, der sich einer schweren Verletzung der Sorgfaltspflicht schuldig macht beim Vorgehen gegen den Missbrauch Minderjähriger oder schutzbedürftiger Erwachsener.(www.kathpress.at vom 20. 9.)

 

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Die bisherige anglikanische Bischöfin von Gippsland, Kay Goldsworthy, übernimmt ab Februar 2018 in Perth das Amt der ersten Erzbischöfin Australiens. Wie Kathpress berichtet, tritt die 61jährige die Nachfolge von Erzbischof Roger Herft an, der im Dezember 2016 auf sein Amt verzichtet hat. Goldsworthy ist verheiratet und zweifache Mutter. Den gleichgeschlechtlichen Ehen, die in Australien wegen einer anstehenden Volksabstimmung viel diskutiert werden, steht sie nach eigener Aussage offen gegenüber. Allerdings wolle sie mit konservativen Vertretern ihrer Diözese „nicht auf Konfrontationskurs“ gehen. (kap u. rv v. 31. 8.; JA v. 10. 9.)

     

  • Die römisch-katholische Kirche begrüßt ein Gesetz in Indien, das erzwungene oder durch materielle Versprechen begünstigte Konversionen verbieten will. Die Regierung des Bundesstaates Jharkhand hat ein entsprechendes Gesetz am 1. August verabschiedet; bei einer Zustimmung durch das Parlament in Ranchi wäre der ostindische Bundesstaat der siebte mit einer entsprechenden Regelung zum Glaubenswechsel. Der Erzbischof von Ranchi, Kardinal Telesphore Toppo, betonte, das Gesetz solle „nicht Konversionen allgemein verbieten, sondern erzwungene Konversionen“. Alle Menschen seien frei in ihrem Willen und in ihrem Gewissen. Niemand könne „jemand anderen zwingen, den Glauben zu wechseln“. Die Strafe von bis zu drei Jahren erhöht sich auf bis zu vier Jahre, wenn es sich bei den Konvertiten um Minderjährige oder um Frauen aus unterprivilegierten, z. B. indigenen Gruppen handelt. (asianews u. rv v. 3. 8.)

     

  • Bischof Manfred Scheuer der Diözese Linz ernennt eine Frau als neue Pastoralamtsdirektorin. Die 46-jährige Theologin Gabriele Eder-Cakl folgt dem langjährigen Direktor Wilhelm Viehböck nach. Sie will als Seelsorgerin „für die Menschen da sein, Segen spenden, Farbe ins Schwarz-Weiß-Denken bringen, den interreligiösen Dialog fördern sowie soziale Stimme in der Gesellschaft sein“, so die neue Direktorin. Nach Wien, Klagenfurt und Innsbruck ist Linz jetzt die vierte Diözese mit einer Frau an der Spitze der Pastoralämter. (KircheIn 08/2017)

     

  • Es wird bis 2021 einen „Durchbruch“ beim gemeinsamen Abendmahl von Protestanten und Katholiken geben. Davon zeigt sich der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber (75), überzeugt. Bis zum ökumenischen Kirchentag 2021 werde es soweit sein, sagte am 12. August der frühere evangelische Bischof von Berlin. Er könne sich den Kirchentag nicht ohne einen solchen Durchbruch vorstellen. Nach Hubers Einschätzung werden die nächsten Schritte in Sachen Eucharistie und Abendmahl „dezentral“ passieren. „Mein Gefühl ist, dass Papst Franziskus die Spielräume einzelner Bischofskonferenzen für ökumenisch relevante Entscheidungen erweitern möchte und diesen Weg für erfolgversprechender ansieht als einen zentralen Weg für die ganze Weltkirche“. (kna u. rv [=de.radiovaticana.va] v.12. 8.)

     

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