Der deutsche römisch-katholische Moraltheologe Eberhard Schockenhoff tritt erneut für eine Neubewertung der Homosexualität ein:

„Wo immer Werte wie Freundschaft, Verlässlichkeit, Treue, Füreinander-Einstehen und Verantwortung gelebt werden, verdient dies moralische Anerkennung, unabhängig davon, unter dem Vorzeichen welcher sexuellen Orientierung dies geschieht.“ Diese moralische Anerkennung gelte dann nicht nur den jeweiligen Partnern als Individuen oder Privatleuten, „sondern auch der öffentlichen Lebensform (eingetragene Lebenspartnerschaft), die sie gewählt haben, um ihrem Zusammensein rechtliche Verbindlichkeit und institutionellen Schutz zu geben“. Die naturrechtliche Betrachtungsweise – der Naturzweck der Sexualität ist die Zeugung von Nachkommenschaft – vermöge nicht zu erklären, warum die nicht realisierte Fortpflanzungsfunktion menschlicher Sexualität die anderen Sinndimensionen entwertet, die ebenso zur Bedeutungsfülle menschlicher Sexualität gehören: die Lustfunktion, die Beziehungsfunktion und die „identitätsverbürgende Funktion im Sinne der existenziellen Erfahrung von Intimität und Geborgenheit“. Der Moraltheologe stellt hier für seine theologische Disziplin einen „Wechsel in der Argumentationsweise“ in Richtung einer „Beziehungsethik“ fest. Nimmt man die Grundthese der mehrdimensionalen Sinnhaftigkeit menschlicher Sexualität ernst, führe dies zur „Abkehr von einer objektivistischen Aktmoral“, schrieb er in einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Linzer „Theologisch-praktischen Quartalschrift“ (ThPQ). (religion.ORF.at vom 21. 10.; KAP vom 21. 10.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Der Erzbischof von Rabat, der Spanier Cristóbal López Romero, zieht eine positive Bilanz der Papst-Visite. „Bis jetzt wurde viel von Koexistenz und Toleranz gesprochen, aber der König sagte im Beisein des Papstes, dass Toleranz eigentlich wenig sei. Das bedeutet, dass wir nun zur Freundschaft, zum gegenseitigen Kennenlernen, zur gegenseitigen Bereicherung und zur Zusammenarbeit übergehen können [...] Wir müssen dazu einen qualitativen Sprung im islamisch-christlichen Dialog machen. […] Das ist schon jetzt im Moment ein gemeinsamer Weg. Wir arbeiten für Bildung, für die öffentliche Gesundheit, für die Förderung von Frauen zusammen, Muslime und Christen, und das muss so bleiben. Aber Barmherzigkeit ist kein Selbstzweck: Sie ist der Weg, um als Brüder und Schwestern zu leben.“ Hinderlich auf dem gemeinsamen Weg sei der Verdacht von Muslimen, dass Christen „Proselytismus“ betreiben würden. Der Papst hat das Thema bei einem Treffen mit Priestern und Ordensleuten angesprochen. Erzbischof López erklärt, es gebe leider „Christen, die es nicht verstehen, dass die Kirche keinen Proselytismus betreiben will. […] Schon Benedikt XVI. sagte: Die Kirche wächst nicht durch Proselytismus, sondern durch Anziehungskraft, durch Zeugnis. Deshalb geht es uns als Kirche hier in Marokko gut: genau weil Proselytismus verboten ist. […] Ich glaube, dass Marokko eines Tages feststellen wird, dass die Christen, zumindest wir Katholiken, dieses Ziel des Proselytismus nicht haben“, stellt López fest. (vn v. 1. 4.)

     

  • Der Marseiller Erzbischof und Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz, Georges Pontier, hat zum Kampf gegen Hochmut und Machtstreben unter Priestern aufgerufen. „Papst Franziskus hat Klerikalismus in all seinen Formen als Ausdruck und Hauptursache von Störungen im Leben christlicher Gemeinschaften genannt", sagte er zu Beginn der Frühjahrsvollversammlung in Lourdes. Zu der Missbrauchsproblematik zitiert die Zeitung "La Croix" den Bischof von Grenoble, Guy de Kerimel: „Dem gesamten Episkopat ist bewusst, dass wir eine besonders schwere Krise durchmachen.“ Die Kirche werde nicht mehr wie vorher sein. Mehrere Bischöfe sprechen laut Angaben des Blattes von einem „Reinigungsprozess". (kathpress u. KNA u. vn v. 2. 4.)

     

  • Dass Jerusalem zum „Inbegriff des Friedens“ wird, wünschen sich die Patriarchen und Bischöfe der Heiligen Stadt in ihrer gemeinsamen Osterbotschaft. Der „multireligiöse und multikulturelle Status“ Jerusalems müsse erhalten werden, damit alle abrahamitischen Glaubensbekenntnisse die Stadt als Inbegriff des Friedens und der Ruhe erfahren können. Die Patriarchen und Bischöfe versprechen, „für einen gerechten und dauerhaften Frieden in Jerusalem und in der ganzen Welt“ zu beten, vor allem in Regionen, die von Gewalt und Angst gegen schuldlose Menschen und Gottesdienststätten geprägt sind. Dass die menschliche Würde respektiert und geehrt werden muss, zeige sich besonders an Ostern. Die Menschen seien nach Gottes Bild geschaffen und darum gleich an Würde. (vn v. 17. 4.)

     

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