In der Online-Ausgabe der Zeitung „Die Welt“ vom 20. 3. fasst der verantwortliche Redakteur Lucas Wiegelmann viele Reformbemühungen zusammen, die der Münsteraner Historiker Hubert Wolf in seinem neuen Buch „Kryta“ zusammengetragen hat:

"Der katholische Traditionsstrom war nie auf ein enges, unveränderliches Flussbett beschränkt, sondern floss immer wieder in neue Richtungen, änderte seine Geschwindigkeiten und verästelte sich." Und so erinnert Prof. Wolf  in "Krypta" daran, dass Frauen in der Kirche mitunter über bischofsähnliche Amtsgewalt verfügten. Äbtissinnen wie die des kastilischen Klosters Las Huelgas zum Beispiel, die im Mittelalter Mitra und Krummstab zu tragen pflegten, setzten in ihrem Sprengel Priester ein- oder ab, beriefen Synoden ein, annullierten Ehen und zensierten ketzerische Schriften. Bischöfe wurden einst gewählt, vom Klerus oder gar vom Volk. Überhaupt die Laien: Zu Hochzeiten des Mönchtums durften Ungeweihte als einflussreiche Prediger oder gar Funktionäre auftreten, Für Prof. Wolf ein Modell, von dem die Kirche heute lernen könnte: "Was spricht dagegen, dass Laien die organisatorische und juristische Leitung einer Pfarrei in die Hand nehmen, um den angesichts des Priestermangels immer weniger werdenden Geistlichen Freiräume für ihre spirituellen Aufgaben zu ermöglichen?" Im 19. Jahrhundert gab es schließlich Bestrebungen, der Kirche ihren Hang zur Monarchie abzugewöhnen und auf kollegiale Entscheidungsmuster zu setzen. Es betraf auch die einzelnen Bistümer: Das Domkapitel, also die Geistlichkeit einer Kathedrale, wurde in manchen Regionen zur Kontrollinstanz aufgewertet, die die Amtsführung des Bischofs einschränken sollte. Hubert Wolf gibt liberalen Kräften Argumente an die Hand, um das ewige "Das war immer schon so" der Besitzstandswahrer zu entkräften. Das Konstanzer Konzil (1414–1418) gilt als Präzedenzfall für die Frage, wer im Zweifelsfall mächtiger ist, der Papst oder ein Konzil. Es sollte alle drei Päpste absetzen, die damals um den Stuhl Petri konkurrierten. Um dafür die nötige Kompetenz zu haben, formulierten die Konzilsväter ein Dekret namens "Haec sancta", in dem es heißt: "Jeder Mensch, gleich welchen Ranges und welcher Würde, und wenn es die päpstliche sein sollte, ist daher verpflichtet, dem Konzil in allem, was den Glauben, die Beilegung des genannten Schismas und die Reform der Kirche an Haupt und Gliedern betrifft, strikt zu gehorchen." Und auf dem Ersten Vatikanischen Konzil erinnerten viele Konzilsteilnehmer daran, dass Päpste durchaus fehlbar seien; Papst Honorius I. (gestorben 638) sei sogar posthum als Häretiker verurteilt worden. (http://www.welt.de vom 20. 3.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Ein Fernsehsender der Vereinigten Arabischen Emirate (VAR) zeigt den Dokumentarfilm „Der Besuch des Friedens“ über den Papstbesuch im Februar 2019. Er behandelt die Vorbereitungen, Begegnungen und Auswirkungen, die der Papstbesuch auf die Bevölkerung in den Arabischen Emiraten hatte. Das Filmprojekt reiht sich ein in weitere Initiativen rund um das ausgerufene „Jahr der Toleranz“. Ein Teil der Doku fokussiert sich auf den Aufenthalt des Papstes in Abu Dhabi inklusive des Treffens mit Großimam Achmed al-Tayyeb und der Unterzeichnung des „Dokuments über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“. Die Großmesse des Papstes vor rund 100.000 Menschen im Zayed Sports City Stadion ist auch Inhalt des Films. Zusätzlich zu den Worten des Papstes enthält die Dokumentation Beiträge und Interviews mit Bürgern und Regierungsbeamten, die ihre Ansichten über den Wert des Besuchs und seine Bedeutung für die Emirate im Rahmen des „Jahres der Toleranz“ zum Ausdruck bringen. (asianews u. vn v. 5. 9.)

     

  • Der aus Deutschland stammende Bischof des brasilianischen Amazonas-Bistums Obidos, Johannes Bahlmann, kann sich verheiratete Männer als Priester vorstellen. In seiner rund 182.000m² großen Diözese gebe es Gemeinden, die „nur zwei- oder dreimal im Jahr die Messe feiern können", sagte er der Wochenzeitung „Kirche & Leben". Es sei aber wichtig, dass es Priester vor Ort gebe. Ihr Dienst beschränke sich nicht auf die Feier der Eucharistie, sondern umfasse auch Nächstenliebe und Glaubensstärkung. Bei der Amazonas-Synode im Oktober in Rom müsse auch über Gemeindeleitung durch Nicht-Priester gesprochen werden. In seinem Bistum habe er gute Erfahrungen damit gemacht. Dort leiteten zu 80 Prozent Frauen Gemeinden mit bis zu 3.000 Gläubigen. Jede Pfarrei bestehe aus rund 150 Gemeinden. Da sei es „unmöglich, dass der Priester in jeder Gemeinde Verantwortung übernimmt". Bahlmann nimmt an der von Papst Franziskus einberufenen Amazonas-Synode vom 6. bis 27. Oktober teil. (kna u. vn v. 4. 9.; JA v. 15. 9.)

     

  • Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. hat die Bedeutung der kulturellen und akademischen Austauschprogramme zwischen dem Moskauer Patriarchat und dem Vatikan gewürdigt. Kyrill empfing am 28. August die Teilnehmer des 5. Sommerkurses für römisch-katholische Priester und Ordensleute. Sie waren Gäste des von Metropolit Hilarion (Alfejew) geleiteten Theologischen Kyrill-Method-Instituts. Die Mitglieder der vatikanischen Delegation besuchten u. a. das Nowospasskij-Kloster und die Synodalabteilung für die Beziehungen der Kirche zur Gesellschaft und zu den Medien, die von Wladimir Legojda, geleitet wird. Man setzt besonders auf eine Zusammenarbeit im Bereich der Caritas-Arbeit, weil dies der beste Weg für die Kirchen ist, einander näher zu kommen. (kap u. vn. v. 1. 9.)

     

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