Der Vatikanberater für Ostkirchenfragen und designierte Dekan der Salzburger Katholisch-theologischen Fakultät plädiert für Änderungen beim Zölibat, bei Geschiedenen und beim Diakonat für Frauen.

Zu Diakoninnen geweihte Frauen könnten gemeinsam mit verheirateten Priestern "eine neue Dynamik in die katholische Kirche bringen", meinte der renommierte Ostkirchenexperte Prof. Dietmar Winkler in einem Interview mit den "Salzburger Nachrichten" am 21. Juli. Den Pflichtzölibat "könnte man schon morgen ohne Probleme abschaffen". Überzeugende theologische Argumente für den Pflichtzölibat könne er nicht erkennen, so der Salzburger Ordinarius für Patristik und Kirchengeschichte. In der Antike habe für die Enthaltsamkeit die Idee der "kultischen Reinheit" eine Rolle gespielt - nach den Worten Winklers ein kulturhistorisches, aber kein theologisches Argument. Und im 11. Jahrhundert habe der Investiturstreit zwischen Papst und Kaiser eine Rolle gespielt: Der Pflichtzölibat verhinderte den Zugriff von Dynastien auf Kirchengüter - "was wohl auch kein theologisches Argument ist". Jesus sei "zu den Gebrochenen gekommen und nicht zu den Perfekten". Deshalb sollte der Zugang der römisch-katholischen Kirche zur Ehe insgesamt neu betrachtet werden, riet der Theologe zu grundlegenden Diskussionen bei der im Oktober anstehenden Familiensynode in Rom. Er plädiert für einen Blick zur Ostkirche: "Dort gibt es Priesterehe und kirchliche Wiederverheiratung nach Scheidung unter bestimmten pastoralen Bedingungen." Auch beim Thema Frauenpriestertum sprach sich Winkler für eine "freie, ergebnisoffene und vor allem theologisch fundierte Diskussion" aus. Aus dem Neuen Testament sind laut Winkler keine direkten Aussagen zur Frage ableitbar, welches Geschlecht Diakone, Priester oder Bischöfe haben müssen. "Rein soziologisch argumentiert wäre der Fall ja klar: Aus Gleichberechtigungsgründen müsste man das Frauenpriestertum einführen." (Kathweb/KAP v. 21. 7.; JA v. 2. 8.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Junge Menschen aus dem Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus haben am Wiener internationalen Dialogzentrum KAICIID einen einjährigen „Fellow“-Lehrgang zur Förderung von interkulturellem und interreligiösem Dialog absolviert. Der vatikanische Kurienbischof Miguel Ayuso Guixot und KAICIID-Generalsekretär Faisal bin Muaammar übergaben den 41 jungen Männern und Frauen aus 25 Ländern bei einer Feier ihre Dekrete. Ayuso, der als Sekretär des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog auch Mitglied des KAICIID-Verwaltungsrates ist, rief die jungen Leute dazu auf, in ihren Heimatländern als „aktive Friedensstifter“ tätig zu sein. Der Aufbau einer friedlicheren Welt erfordere interkulturellen und interreligiösen Dialog als wesentliche Bausteine. Interreligiöser Dialog dürfe sich dabei nicht nur unter Religionsführern abspielen, sondern unter „so vielen Gläubigen wie möglich“. Einmal mehr verurteilte der Kurienbischof den Missbrauch von Religion für Gewalt: „Niemand darf den Namen Gottes benutzen, um Gewalt anzuwenden. Im Namen Gottes zu töten, ist ein schweres Sakrileg. Im Namen Gottes zu diskriminieren, ist unmenschlich“, zitierte Ayuso aus einer Rede von Papst Franziskus und betonte, dass es beim Religionsdialog nicht um eine „Vermischung“ von Religion gehe. Alle Beteiligten müssten sich von ihrer „authentischen religiösen Basis“ aus in den Dialog einbringen. Die ausgebildeten „Fellows“ sollen in ihren Heimatländern „Brücken des Dialogs“ bauen, und Projekte entwickeln, wie sie religiöse Verantwortungsträger im interreligiösen Dialog unterrichten könnten. Mittlerweile gibt es mehr als 150 Stipendiaten aus 44 Ländern. Die KAICIID-Fellows würden von Organisationen zunehmend als ExpertInnen für den Religionsdialog hinzugezogen, berichtete Anas Alabbadi, einer der Verantwortlichen des Dialogzentrums. Das KAICIID wird von Vertretern von Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Islam und Judentum geleitet. (kap u. vn. v. 2. 12.)

     

  • Dass Papst Franziskus die Zulassungsbedingungen zum Priesteramt radikal ändert, wenn die Bischöfe des Amazonas-Gebiets dies beschließen, sagte der Wiener Theologe Paul Zulehner am 1. Dezember bei einer Veranstaltung in Freiburg. Langfristig solle dieser Weg auch Frauen offenstehen. Er begründet seine Einschätzung mit einer Äußerung des Papstes gegenüber dem emeritierten brasilianisch-österreichischen „Amazonas-Bischof" Erwin Kräutler, die Bischofssynode im kommenden Jahr im Vatikan solle mutige Vorschläge machen. Zulehner sprach von „Modellen an der Peripherie, die weltkirchlich Karriere" machen. Eine solche Dezentralisierung könne die „lähmende Stagnation der katholischen Weltkirche überwinden". Der Theologe verwies auch auf ein von ihm gemeinsam mit dem früheren südafrikanischen Bischof Fritz Lobinger erarbeitetes Positionspapier. Demnach sollen die Gemeinden aus ihrer Mitte Frauen und Männer („personae probatae") benennen, die eine dreijährige seelsorgliche Ausbildung erhalten und dann in ein „Team of Elders" geweiht werden. (kathpress u. kna v. 6. 12.)

     

  • Am 10. Dezember fand wieder der alljährliche „Lichtermarsch für verfolgte Christen“ in Wien statt. Diesmal stand der Schweigemarsch im Zeichen des 70. Jahrestags der Proklamation der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“. Vertreter vieler katholischer und orthodoxer Kirchen nahmen daran teil. Der syrisch-orthodoxe Chor sang das Vaterunser in Aramäisch, der Sprache Jesu. (Christen in Not 01/2019)

     

Artikelempfehlungen

In einer Predigt am 11. April bedauerte er, dass Personen „obwohl [sie] unschuldig waren: verurteilt [wurden] mit dem...
Es brauche eine „vorbehaltloseAkzeptanz des Zusammenlebens in festen gleichgeschlechtlichen Partnerschaften" und eine...
„In der Kirche gibt es welche, die anstatt zu dienen und an andere zu denken, sich an der Kirche bereichern: die...