Der Wiener Pastoraltheologe Johann Pock: Das Frauendiakonat wäre eine „Revolution" und „würde das Gesicht der Kirche verändern".

Die Ankündigung von Papst Franziskus, durch eine Kommission die Frage des Frauendiakonats klären zu lassen, schlägt weiter hohe Wellen: So begrüßten am 15. Mai in der ORF-Sendung „Orientierung" sowohl der Wiener Pastoraltheologe Johann Pock als auch die Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (kfbö), Veronika Pernsteiner, den Vorstoß des Papstes. Pock sprach im ORF-Interview von einer „bedeutenden Revolution", die die Einführung des Diakonats darstellen würde. Durch das Vorrücken der Frauen in Leitungsfunktionen und die damit einhergehende höhere Sichtbarkeit der Frauen und ihrer wichtigen Dienste in der Kirche würde sich „das Gesicht der Kirche" insgesamt verändern. Dass die Anfrage bezüglich des Diakonats ausgerechnet aus den Frauenorden kam, habe ihn wenig überrascht. Schließlich hätten die Frauenorden bereits in der Vergangenheit immer wieder „kreative Ideen" eingebracht und die Kirche damit verändert, erinnerte der Theologe etwa an Äbtissinnen, deren Amtsführung einem Bischofsamt gleichkam. Dankbar für den Vorstoß zeigte sich auch die kfb-Vorsitzende Veronika Pernsteiner: Eine Einführung des Frauendiakonats würde den Frauen jene Anerkennung und kirchliche Wertschätzung zukommen lassen, die ihnen aufgrund ihres Dienstes in der Kirche zustehe: „Frauen arbeiten seit jeher für eine Verlebendigung der Kirche. Und gerade durch die Frauen wird die Kirche diakonisch. Daher ist die Einführung des Frauendiakonats ein notwendiger Schritt", so Pernsteiner. Zugleich gehe sie jedoch davon aus, dass der Frauendiakonat nur „ein erster Schritt" in Richtung einer tatsächlichen Gleichberechtigung von Männern und Frauen in kirchlichen Ämtern sei. Eine solche Gleichberechtigung liege vor, wenn Frauen auch Priester werden könnten, so die kfb-Vorsitzende. (kap und www.erzdioezese-wien.at vom 15. 5.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Gemeinsam gegen Extremismus: Der Papstbesuch in Ägypten im April kann wichtige Impulse liefern, um ein gemeinsames Gegengewicht zu radikalen Strömungen im Islam zu bilden. Das sagte im Gespräch mit Radio Vatikan der ägyptische Islamwissenschaftler Pater Khalil Samir: „Die politische Linie ist gemeinsam: Wir wollen Frieden. […] Letztendlich wollen wir in Toleranz miteinander leben. Und das ist, was Al-Azhar heute zeigen möchte: ,Wir sind die echte Vorstellung des Islam‘.“ Papst Franziskus wird auf seiner Reise in Kairo mit dem Großimam von Al-Azhar – das ist die höchste Autorität im islamischen Recht für die sunnitischen Rechtsschulen – zusammentreffen. Die Begegnung gilt schon jetzt als historisch. Pater Samir erinnert angesichts extremistischer Tendenzen innerhalb des Islam, bei denen durch eine wörtliche Koranauslegung Gewalt im Namen der Religion gerechtfertigt wird, an die Bedeutung einer historisch-kritischen Koranexegese: Diese nötige „Erneuerung“ müsse allerdings aus dem Islam selbst heraus geschehen: „Ich möchte damit Schluss machen, dass wir Christen unseren Brüdern Muslimen helfen können. Das müssen die Muslime selber tun!“ Auch der ägyptische Präsident al-Sisi habe von einer notwendigen Erneuerung des Islam gesprochen. Der Jesuit verwies auf eine Rede al-Sisis vor 200 Imamen in der Al-Azhar-Universität im Dezember 2014: „Wir brauchen eine islamische Revolution. Dieses Wort hat er benutzt, um den Glauben neu zu denken. Alle haben applaudiert und gesagt: ,Ja, das ist es!‘“. Unter der aktuellen Regierung seien etwa Leute ins Gefängnis gebracht worden, die eine aggressive Islamisierung im Land vorantreiben wollten und dabei übergriffig geworden sind. „Man hat ein bisschen Hoffnung, dass es mit al-Sisi besser wird mit der Zeit", so Samir. (rv v. 5. 4.)]

     

  • Immer mehr Frauen besetzen Führungspositionen an US-Universitäten in römisch-katholischer Trägerschaft. Ihr Anteil stieg seit dem Jahr 2000 um 137%, wie aus einer Erhebung der Vereinigung der katholischen Hochschulen und Universitäten der USA hervorgeht. Die Autoren der Studie kommen zu dem Ergebnis, dass vor allem starke Rollenvorbilder in der eigenen Familie römisch-katholische Frauen motiviert hätten, nach Spitzenämtern zu streben. Von den 220 Hochschulen in römisch-katholischer Trägerschaft wurden 2016 bereits 46 von Laienpräsidentinnen geleitet. (kna u. rv v. 3. 4.; KircheIn 05/2017)

     

  • Für den römischen Kurienkardinal Kurt Koch ist das Bemühen um die Einheit der Christen „wesentlich Versöhnungsarbeit". Eine solche ökumenische Versöhnung sei „das Gebot der Stunde", sagte der Präsident des päpstlichen Einheitsrats am 3. April im Ulmer Münster. Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sagte, der von Martin Luther entwickelte Grundsatz von der Rechtfertigung der Menschen allein durch den Glauben bedeute nicht, dass die konkreten Werke überflüssig seien. Vielmehr stehe die Freiheit eines Christenmenschen dafür, nie das Schicksal der anderen ignorieren zu dürfen. Die beiden Theologen sprachen am Rande des Kongresses von „Unita dei Cristiani". Der 2001 gegründete Verein mit 300 Mitgliedern unterstützt Initiativen zur Förderung der Einheit der Christen. Koch ist als Prokurator eine Art Ehrenvorsitzender. Stellvertretende Prokuratoren sind die württembergischen Bischöfe der beiden großen Kirchen, Gebhard Fürst und Frank Otfried July. (www.kathpress.at/ vom 4. 4.)

     

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