Die Errungenschaften Luthers brachten auch für die römisch-katholische Kirche positive Folgen mit sich, "und wir sind froh darüber", sagte der Generalvikar der Diözese Gurk-Klagenfurt, Engelbert Guggenberger in der Kirchenzeitung "Sonntag" vom 24. Jänner.

Die römisch-katholische Kirche habe vielfältig von der Reformation profitiert und es gebe viele Gründe, "weshalb Protestanten und Katholiken das Reformationsgedenken gemeinsam begehen können", so Guggenberger. Auf die Themen Freiheit und Bildung als zwei wesentliche Errungenschaften der Reformation geht der Generalvikar näher ein. "Freiheit steht bei uns an prioritärer Stelle und ist aus unserem gesellschaftlichen Leben nicht mehr wegzudenken. Doch die Entdeckung seiner Wichtigkeit verdankt Europa nicht zuletzt auch Martin Luther und der Reformation." Die Errungenschaften des modernen Rechtsstaates, der Gewissensfreiheit, der demokratischen Gesellschaftsordnung und ihrer Bindung an die Menschenrechte seien bei Luther zu finden. Hinsichtlich der Bildung weist Guggenberger auf Luthers Anliegen eines mündigen Glaubens hin. Die Voraussetzung dafür habe für den Reformator darin bestanden, "dass jede und jeder selbst die Bibel lesen konnte und so gebildet war, dass er den kleinen Katechismus, das Bekenntnis für den alltäglichen Gebrauch, nicht nur auswendig kannte, sondern auch weitergeben konnte und damit sprachfähig im Glauben war". Heute würde die Einstellung, wonach Glaube ein gebildeter und eigen verantworteter Glaube sein solle, "zum Grundbestand katholischen Denkens" gehören. "Und wir sind froh darüber", so Guggenberger. Das protestantische Gegenüber sei deshalb für die Entwicklung der römisch-katholischen Kirche "nicht selten auch ein positiver Faktor" gewesen. Dazu führt er an: Die Sicht der Kirche als "Volk Gottes", das Verständnis der kirchlichen Ämter als Dienste sowie die tiefgreifende Überzeugung vom gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen. Dazu kämen noch die große Bedeutung, die dem Wort Gottes und der Heiligen Schrift wieder beigemessen wird oder der Gebrauch der Volkssprache in der Liturgie, ebenso die Sicht von Kirche als "ecclesia semper reformanda". (Der Sonntag vom 24. 1.; redaktion.kathpress.at v. 25. 1.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Im Februar besuchte erstmals ein Papst die arabische Halbinsel. Jetzt plant das Emirat Abu Dhabi, 19 nicht-islamische Religionsstätten zu genehmigen. Derzeit läuft ein Bewilligungsverfahren für 12 Kirchen, einen Hindu- und einen Sikh-Tempel, meldet der vatikanische Pressedienst Fides unter Berufung auf den Leiter der Behörde für Stadtentwicklung, Sultan Al Dhaheri. Die Initiative entspreche der Linie des Staatsgründers Zayyid bin Sultan Al Nahyan (1918-2004) und dessen Wunsch nach interreligiösem Zusammenleben. Das Emirat Abu Dhabi ist das größte der sieben Emirate der Vereinigten Arabischen Emirate und hat rund 2,33 Millionen Einwohner (mit einem Ausländeranteil von rund 80 %). (JA v. 7. 7.)

     

  • Frauen sollten nach den Worten des Münchner Kardinals Reinhard Marx mehr Führungspositionen im Vatikan bekleiden. Die Dikasterien im Vatikan müssten nicht zwingend von einem Kardinal oder Bischof geleitet werden, sagte er. An der Spitze einer Kurienbehörde könnten auch Frauen stehen, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in einer NDR-Talkshow und fügte hinzu: „Wenn ich Papst wäre, würde ich es machen.“ Der deutsche Kardinal gehört dem derzeit sechsköpfigen Beratungsgremium des Papstes an, das im Auftrag von Franziskus eine Kurienreform vorbereitet und jüngst zur permanenten Einrichtung erklärt wurde. (kna u. vn v. 2. 7.)

     

  • Papst Franziskus hat der orthodoxen Kirche ein ganz besonderes Geschenk gemacht: Neun Reliquien des hl. Petrus. Eine orthodoxe Delegation war – wie gewohnt – zum römischen Patronatsfest Peter und Paul (29. Juni) im Vatikan. Nach der Festmesse nahm der Papst den griechisch-orthodoxen Bischof Job Getcha von Telmessos mit in den Apostolischen Palast. Dort griff er zu einem bronzenen Reliquiar, das sein Vorgänger Paul VI. 1971 hier aufgestellt hat. „Einige Knochen, die im Hypogäum der Vatikanbasilika gefunden wurden und für Knochen des hl. Apostels Petrus gehalten werden“, steht in lateinischer Sprache darauf. Der griechisch-orthodoxe Bischof war überrascht, als der Papst ihm dieses Reliquiar überreichte. Patriarch Bartholomäus I. reagierte mit großer Freude, als er davon erfuhr, und bedankte sich öffentlich während des Gottesdienstes zum Apostelfest in der orthodoxen Kirche seines Amtssitzes in Istanbul. „Das ist für uns ein außergewöhnliches und unerwartetes Ereignis […] Das ist ein Riesenschritt hin zur konkreten Einheit“, sagte Bischof Job. Nun befinden sich neun Stück der Knochenreste, die im 20. Jahrhundert bei Ausgrabungen unter der Peterskirche an der Stelle des mutmaßlichen Petrusgrabes gefunden wurden, nicht mehr im Vatikan, sondern in Istanbul. (vn v. 1. 7.)

     

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