Die römisch-katholische Kirche der Stadt Frankfurt (Diözese Limburg) sieht die Zeit für Veränderungen gekommen und lädt zu einer Stadt-Synode ein.

Alles soll offen ausgesprochen werden, auch wenn nicht jeder Vorschlag gleich verwirklicht wird und deren Verwirklichung einen längeren Atem braucht, zum Beispiel offizielle Segnungsfeiern für wiederverheiratete Geschiedene oder homosexuelle Paare. Trotzdem kann vielen Fragen ein wichtiger Impuls von der Versammlung ausgehen. Dazu findet am 16. Januar ein Stadtkirchenforum statt, das erste dieser Art. Geht es nach dem Stadtdekan Johannes zu Eltz, „soll über alles ohne Denk- und Redeverbot“ gesprochen werden. Konkrete Beschlüsse soll dann der neue Stadtsynodalrat fassen, der sich im April konstituiert. „Überall da, wo es sinnvoll möglich ist“, solle Gläubigen, Mitarbeitern und Gremien die Möglichkeit zu Rückmeldungen gegeben werden. Dahinter steht für den Stadtdekan die entscheidende Haltung, Kritik nicht aus dem Weg zu gehen. Ein anderes Beispiel nennt Rolf Glaser, Dekan des Dekanats Frankfurt-Höchst: die Einrichtung einer Ombudsstelle, die in Konfliktfällen angerufen werden kann und deren Entscheidungen bindend sind, etwa bei Streit innerhalb der neuen Großgemeinden. Auch Christoph Hefter, dem Vorsitzenden der Stadtversammlung, des höchsten Laiengremiums der Katholiken, sind konkrete Reformschritte wichtig. „Wir wollen nicht lamentieren und vom Bistum oder Rom Änderungen fordern, sondern selbst etwas tun.  [   ]  Die Kirche beharrt zu sehr auf Themen, die diese Wirklichkeit nicht mehr berühren“. Weiters erhofft sich Hefter von der Stadt-Synode „Mut und Zuversicht, etwas anzugehen“. (www.faz.net vom 9. 1.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Gemeinsam gegen Extremismus: Der Papstbesuch in Ägypten im April kann wichtige Impulse liefern, um ein gemeinsames Gegengewicht zu radikalen Strömungen im Islam zu bilden. Das sagte im Gespräch mit Radio Vatikan der ägyptische Islamwissenschaftler Pater Khalil Samir: „Die politische Linie ist gemeinsam: Wir wollen Frieden. […] Letztendlich wollen wir in Toleranz miteinander leben. Und das ist, was Al-Azhar heute zeigen möchte: ,Wir sind die echte Vorstellung des Islam‘.“ Papst Franziskus wird auf seiner Reise in Kairo mit dem Großimam von Al-Azhar – das ist die höchste Autorität im islamischen Recht für die sunnitischen Rechtsschulen – zusammentreffen. Die Begegnung gilt schon jetzt als historisch. Pater Samir erinnert angesichts extremistischer Tendenzen innerhalb des Islam, bei denen durch eine wörtliche Koranauslegung Gewalt im Namen der Religion gerechtfertigt wird, an die Bedeutung einer historisch-kritischen Koranexegese: Diese nötige „Erneuerung“ müsse allerdings aus dem Islam selbst heraus geschehen: „Ich möchte damit Schluss machen, dass wir Christen unseren Brüdern Muslimen helfen können. Das müssen die Muslime selber tun!“ Auch der ägyptische Präsident al-Sisi habe von einer notwendigen Erneuerung des Islam gesprochen. Der Jesuit verwies auf eine Rede al-Sisis vor 200 Imamen in der Al-Azhar-Universität im Dezember 2014: „Wir brauchen eine islamische Revolution. Dieses Wort hat er benutzt, um den Glauben neu zu denken. Alle haben applaudiert und gesagt: ,Ja, das ist es!‘“. Unter der aktuellen Regierung seien etwa Leute ins Gefängnis gebracht worden, die eine aggressive Islamisierung im Land vorantreiben wollten und dabei übergriffig geworden sind. „Man hat ein bisschen Hoffnung, dass es mit al-Sisi besser wird mit der Zeit", so Samir. (rv v. 5. 4.)]

     

  • Immer mehr Frauen besetzen Führungspositionen an US-Universitäten in römisch-katholischer Trägerschaft. Ihr Anteil stieg seit dem Jahr 2000 um 137%, wie aus einer Erhebung der Vereinigung der katholischen Hochschulen und Universitäten der USA hervorgeht. Die Autoren der Studie kommen zu dem Ergebnis, dass vor allem starke Rollenvorbilder in der eigenen Familie römisch-katholische Frauen motiviert hätten, nach Spitzenämtern zu streben. Von den 220 Hochschulen in römisch-katholischer Trägerschaft wurden 2016 bereits 46 von Laienpräsidentinnen geleitet. (kna u. rv v. 3. 4.; KircheIn 05/2017)

     

  • Für den römischen Kurienkardinal Kurt Koch ist das Bemühen um die Einheit der Christen „wesentlich Versöhnungsarbeit". Eine solche ökumenische Versöhnung sei „das Gebot der Stunde", sagte der Präsident des päpstlichen Einheitsrats am 3. April im Ulmer Münster. Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sagte, der von Martin Luther entwickelte Grundsatz von der Rechtfertigung der Menschen allein durch den Glauben bedeute nicht, dass die konkreten Werke überflüssig seien. Vielmehr stehe die Freiheit eines Christenmenschen dafür, nie das Schicksal der anderen ignorieren zu dürfen. Die beiden Theologen sprachen am Rande des Kongresses von „Unita dei Cristiani". Der 2001 gegründete Verein mit 300 Mitgliedern unterstützt Initiativen zur Förderung der Einheit der Christen. Koch ist als Prokurator eine Art Ehrenvorsitzender. Stellvertretende Prokuratoren sind die württembergischen Bischöfe der beiden großen Kirchen, Gebhard Fürst und Frank Otfried July. (www.kathpress.at/ vom 4. 4.)

     

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