Ein Zeichen dafür, dass sich das Verständnis des Ablasses in Rom wandelt, ist ein Beitrag von Radio Vatikan:

Der Heilige-Jahr-Beauftragte des Bistums St. Gallen, der Theologe Philipp Hautle, hält nichts von einem „mechanistischen Abrechnen von Sündenstrafen“. Er hat den Eindruck, dass der Papst den Ablass auf eine neue Weise interpretiert. Die Verantwortlichen im Bistum St. Gallen entscheiden sich dafür, bei diesem Heiligen Jahr den Ablass gar nicht zu thematisieren: „Heutzutage über den Ablass zu reden, das ist doch nicht zeitgemäß. […] Den Ablass des Heiligen Jahres zu leben heisst, sich der Barmherzigkeit des Vaters anzuvertrauen in der Gewissheit, dass seine Vergebung sich auf das gesamte Leben der Gläubigen auswirkt“, zitiert Hautle aus der päpstlichen Verkündigungsbulle vom 11. April 2015. „Ich habe den Eindruck, der Papst selbst will eine neue Pforte zum Ablass öffnen. […] Das Wesentliche des Ablasses muss und kann nur sein, sich Gott anzuvertrauen. Das steht in einem gewissen Gegensatz zu dem, was ganz viele Leute auch heute noch unter Ablass verstehen; nämlich mit Gott etwas abzurechnen oder auszuhandeln“. Es komme aber auf das Vertrauen in Gottes Barmherzigkeit an, nicht auf die Erfüllung gesetzlicher Vorschriften. In einer solchen Perspektive habe ein „mechanistisches Abrechnen von Sündenstrafen“ keinen Platz mehr. (http://de.radiovaticana.va vom 11. 12.; https://www.kath.ch vom 11. 12.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Die italienische Post würdigt das historische Treffen zwischen dem heiligen Franz von Assisi und Sultan al-Malik zum 800. Jahrestag mit einer Sonderbriefmarke. Die Briefmarke bildet einen Ausschnitt aus dem Giotto zugeschriebenen Fresko in der Basilika von Assisi ab, auf dem der Heilige und der Sultan auf dem Thron zu sehen sind. Die begleitende Erläuterung zur Briefmarke nennt das Treffen „einen der entscheidenden Momente in der Menschheitsgeschichte, nicht nur des Heiligen von Assisi. Zur Zeit des Fünften Kreuzzuges, als Christentum und Islam keine Berührungs-, sondern nur Konfliktpunkte hatten, bot Franziskus der Welt ein Beispiel dafür, wie menschliche Beziehungen geführt und aufrechterhalten werden sollten.“ (vn v. 1. 3.)

     

  • Erzbischof Jean-Claude Hollerich, Leiter der EU-Bischofskommission COMECE, plädiert für eine stärkere Kontrolle von Bischöfen durch Laien. „Wir brauchen eine stärkere Pflicht zum Ablegen von Rechenschaft“, sagte er im Gespräch mit dem Internetportal „Vatican Insider“. „Dabei sollte auch eine Gruppe von Laien beteiligt werden. […] Ich habe kein Problem damit, dass mich eine Gruppe von Laien kontrolliert.“ Es sei wichtig, Klerikalismus zu überwinden: „Wir sind alle getauft und gehören alle zur selben Kirche.“ Der Luxemburger Erzbischof rührt damit an einen heiklen Punkt: Die US-Bischöfe hatten Ende 2018 die Einrichtung von Kontrollgremien zu Missbrauchsfällen beschließen wollen, bei denen Laien eine führende Rolle zugesprochen wurde. Die Abstimmung vertagten die vatikanischen Behörden auf den bevorstehenden Kinderschutz-Gipfel Anfang 2019, wo aber dazu kein Beschluss gefasst wurde. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die orthodoxe Kirche in Afrika hat im November 2018 erstmals wieder Frauen zum Diakonat zugelassen. Diese Entwicklung soll nun auch der äthiopisch-orthodoxen Kirche zugutekommen. Dazu traf sich der griechisch-orthodoxe Patriarch von Alexandria, Theodoros II., mit seinem äthiopisch-orthodoxen Amtsbruder Abuna Matias, um zu beraten, wie sich der Synodalbeschluss in Äthiopien umsetzen lässt. In den 1950er und 1960er Jahren, als die Zusammenarbeit der beiden autokephalen Kirchen besonders intensiv war, wurden in Athen an der damaligen Hochschule für Diakonissen Hagia Varvara besonders viele Äthiopierinnen zum Diakonat ausgebildet. Allerdings wurde die Ausbildungsstätte 2003 geschlossen. Inzwischen hat aber Patriarch Theodoros II. Ende Februar 2017 im kongolesischen Kolwezi drei Nonnen und drei Katechetinnen die Diakonatsweihe erteilt. (kna u. vn [=Vatican News] v. 5. 3.; JA v. 17. 3.)

     

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