Ein Zeichen dafür, dass sich das Verständnis des Ablasses in Rom wandelt, ist ein Beitrag von Radio Vatikan:

Der Heilige-Jahr-Beauftragte des Bistums St. Gallen, der Theologe Philipp Hautle, hält nichts von einem „mechanistischen Abrechnen von Sündenstrafen“. Er hat den Eindruck, dass der Papst den Ablass auf eine neue Weise interpretiert. Die Verantwortlichen im Bistum St. Gallen entscheiden sich dafür, bei diesem Heiligen Jahr den Ablass gar nicht zu thematisieren: „Heutzutage über den Ablass zu reden, das ist doch nicht zeitgemäß. […] Den Ablass des Heiligen Jahres zu leben heisst, sich der Barmherzigkeit des Vaters anzuvertrauen in der Gewissheit, dass seine Vergebung sich auf das gesamte Leben der Gläubigen auswirkt“, zitiert Hautle aus der päpstlichen Verkündigungsbulle vom 11. April 2015. „Ich habe den Eindruck, der Papst selbst will eine neue Pforte zum Ablass öffnen. […] Das Wesentliche des Ablasses muss und kann nur sein, sich Gott anzuvertrauen. Das steht in einem gewissen Gegensatz zu dem, was ganz viele Leute auch heute noch unter Ablass verstehen; nämlich mit Gott etwas abzurechnen oder auszuhandeln“. Es komme aber auf das Vertrauen in Gottes Barmherzigkeit an, nicht auf die Erfüllung gesetzlicher Vorschriften. In einer solchen Perspektive habe ein „mechanistisches Abrechnen von Sündenstrafen“ keinen Platz mehr. (http://de.radiovaticana.va vom 11. 12.; https://www.kath.ch vom 11. 12.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Im Februar besuchte erstmals ein Papst die arabische Halbinsel. Jetzt plant das Emirat Abu Dhabi, 19 nicht-islamische Religionsstätten zu genehmigen. Derzeit läuft ein Bewilligungsverfahren für 12 Kirchen, einen Hindu- und einen Sikh-Tempel, meldet der vatikanische Pressedienst Fides unter Berufung auf den Leiter der Behörde für Stadtentwicklung, Sultan Al Dhaheri. Die Initiative entspreche der Linie des Staatsgründers Zayyid bin Sultan Al Nahyan (1918-2004) und dessen Wunsch nach interreligiösem Zusammenleben. Das Emirat Abu Dhabi ist das größte der sieben Emirate der Vereinigten Arabischen Emirate und hat rund 2,33 Millionen Einwohner (mit einem Ausländeranteil von rund 80 %). (JA v. 7. 7.)

     

  • Frauen sollten nach den Worten des Münchner Kardinals Reinhard Marx mehr Führungspositionen im Vatikan bekleiden. Die Dikasterien im Vatikan müssten nicht zwingend von einem Kardinal oder Bischof geleitet werden, sagte er. An der Spitze einer Kurienbehörde könnten auch Frauen stehen, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in einer NDR-Talkshow und fügte hinzu: „Wenn ich Papst wäre, würde ich es machen.“ Der deutsche Kardinal gehört dem derzeit sechsköpfigen Beratungsgremium des Papstes an, das im Auftrag von Franziskus eine Kurienreform vorbereitet und jüngst zur permanenten Einrichtung erklärt wurde. (kna u. vn v. 2. 7.)

     

  • Papst Franziskus hat der orthodoxen Kirche ein ganz besonderes Geschenk gemacht: Neun Reliquien des hl. Petrus. Eine orthodoxe Delegation war – wie gewohnt – zum römischen Patronatsfest Peter und Paul (29. Juni) im Vatikan. Nach der Festmesse nahm der Papst den griechisch-orthodoxen Bischof Job Getcha von Telmessos mit in den Apostolischen Palast. Dort griff er zu einem bronzenen Reliquiar, das sein Vorgänger Paul VI. 1971 hier aufgestellt hat. „Einige Knochen, die im Hypogäum der Vatikanbasilika gefunden wurden und für Knochen des hl. Apostels Petrus gehalten werden“, steht in lateinischer Sprache darauf. Der griechisch-orthodoxe Bischof war überrascht, als der Papst ihm dieses Reliquiar überreichte. Patriarch Bartholomäus I. reagierte mit großer Freude, als er davon erfuhr, und bedankte sich öffentlich während des Gottesdienstes zum Apostelfest in der orthodoxen Kirche seines Amtssitzes in Istanbul. „Das ist für uns ein außergewöhnliches und unerwartetes Ereignis […] Das ist ein Riesenschritt hin zur konkreten Einheit“, sagte Bischof Job. Nun befinden sich neun Stück der Knochenreste, die im 20. Jahrhundert bei Ausgrabungen unter der Peterskirche an der Stelle des mutmaßlichen Petrusgrabes gefunden wurden, nicht mehr im Vatikan, sondern in Istanbul. (vn v. 1. 7.)

     

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