Erstmals seit seinem Amtsantritt besucht Papst Franziskus die Synagoge von Rom besucht.

In seiner Ansprache vor der jüdischen Gemeinde am 17. Jänner gedachte er der Opfer der nationalsozialistischen Judenvernichtung. Vor dem Besuch verweilte er vor dem Gedenkstein für die römischen NS-Opfer. „Heute möchte ich ihrer in besonderer Weise gedenken: ihr Leiden, ihre Ängste und ihre Tränen dürfen niemals in Vergessenheit geraten“. Die Schoah lehre, „dass es stets höchster Wachsamkeit bedarf, um entschieden zur Verteidigung der menschlichen Würde und des Friedens eingreifen zu können“. Zugleich forderte der Papst eine Vertiefung des theologischen Gesprächs. Das Zweite Vatikanische Konzil, bei dem sich die römisch-katholische Kirche mit dem Dekret „Nostra aetate“ 1965 für das Judentum öffnete, habe nicht alle Fragen lösen können. Die jüdisch-christlichen Beziehungen lägen ihm sehr am Herzen, sagte der Papst. Juden seien für Christen wie „ältere Brüder“. Beide seien „vereint durch denselben Gott und durch ein reiches gemeinsames spirituelles Erbe“. Begrüßt wurde der Papst von der Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Ruth Dureghello: "Ihr Besuch hier bezeugt, dass der Dialog zwischen den Religionen möglich ist. Sie haben seit jeher Ihre Freundschaft zum Judentum bewiesen". Sie würdigte auch den Israel-Besuch von Papst Franziskus. "Ein Zusammenleben im Namen des Friedens, Freiheit und Respekt ist hier in Rom möglich und sollte in allen Teilen der Welt möglich sein. Zusammen können wir es schaffen", so Dureghello. Das Wort ergriffen auch der Vorsitzende der Vereinigung der jüdischen Gemeinden Italiens, Renzo Gattenga, und Roms Oberrabbiner Riccardo Di Segni. (www.nachrichten.at und religion.ORF.at und KAP vom 17. 1.; JA v. 31. 1.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Abu Dhabi setzt eine weitere Geste der Toleranz und benennt die große neue Moschee in der Hauptstadt „Maria, die Mutter Jesu“. Bisher trug sie den Namen „Scheich Mohammed Bin Zayed-Moschee“. Die Umbenennung wurde von Scheich Mohammed Bin Zayed Al Nahyan, dem Kronprinzen von Abu Dhabi, angeordnet. Der für die Vereinigten Arabischen Emirate zuständige Apostolische Vikar, Bischof Paul Hinder, sagte der katholischen Nachrichtenagentur „asianews“, die Umbenennung sei eine „wichtige Geste der Toleranz“ und ein weiterer Schritt der „Offenheit und des Interesses am Dialog“. Auch dass die römisch-katholische Josefskathedrale nur wenige Schritte daneben steht, zeige symbolisch den Willen zum Miteinander beider Religionen. Die Staatsministerin für Toleranzfragen, Scheicha Lubna Al-Qasimi, dankte dem Kronprinzen für dieses Signal der Toleranz. (JA v. 2. 6.)

     

  • Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) fordert, dass Mitbestimmung für junge Menschen innerhalb der Kirche selbstverständlich werden müsse. „Die Kirche braucht eine neue Beteiligungsstruktur“, meldet sich der Jugendbund vor der im Herbst 2018 anstehenden Bischofssynode zum Thema Jugend zu Wort. „Junge Menschen haben der Kirche etwas zu sagen“, erklärt der neu gewählte BDKJ-Bundesvorsitzende Thomas Andonie. „Damit sie ihre Anliegen nicht nur anbringen können, sondern diese auch zu Veränderungen führen, braucht es neue Ideen, wie echte Partizipation junger Menschen in der Kirche auf allen Ebenen umgesetzt werden kann.“ Der BDKJ wertet es als positives Zeichen, dass der Vatikan eine Online-Umfrage zur Synode veröffentlicht hat. „Die Jugendsynode wird aber nur dann ein Erfolg, wenn diese Ergebnisse tatsächlich ausreichend berücksichtigt werden und die Anliegen junger Menschen ernst genommen werden“, so Andonie. (rv v. 8. 7.)

     

  • Die 1999 unterschriebene so genannte „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ ist wohl der größte und wichtigste Meilenstein in der Ökumene. Bisher haben aber nur die Katholiken, Lutheraner – später auch die Methodisten – diese Erklärung unterschrieben. Am 4. Juli unterschrieben in Wittenberg auch Vertreter der Weltgemeinschaft der Reformierten Kirchen, die in Leipzig tagten, während einer Liturgie ebenfalls diese Erklärung. Damit will man eines der großen theologisch trennenden Probleme der Kirchen lösen, erklärt gegenüber Radio Vatikan Bischof Brian Farrell, Sekretär des Rates für die Einheit der Christen und Vertreter des Vatikan bei der Zeremonie in Wittenberg. „Vereinfacht gesagt kann man es so sehen, dass wir entweder durch Gnade erlöst sind oder durch unsere guten Werke. […] Wir sind durch Gnade allein erlöst, aber das erfordert dann, dass wir unser bekehrtes Verhältnis zu Gott auch in guten Werken zeigen.“ Die Unterschriften der reformierten Kirchen bedeuten, „dass die katholische Kirche und viele der Kirchen der Reformation jetzt in dieser fundamentalen Lehre übereinstimmen.“ Das stärke die spirituelle und kirchliche Verbindung zwischen allen Christen. Die reformierten Kirchen wollen aber auch eigene Schwerpunkte in die Debatte einbringen, und zwar vor allem die Frage nach der Gerechtigkeit. „Die reformierten Kirchen wollen betonen, dass aus unserer Rechtfertigung durch Gott durch Gnade eine Verantwortung folgt, diese Gnade auch in die Wirklichkeit unserer Welt zu tragen, und zwar im Einsatz für Gerechtigkeit“, erklärt Bischof Farrel. „Das bedeutet, dass wir eine stärkere gemeinsame Basis für Zusammenarbeit unter allen Christen haben, wenn es darum geht, die Welt zu verändern und denen zu helfen, die diese Hilfe brauchen.“ In Wittenberg wird am 5. Juli noch ein zweites Dokument unterzeichnet, und zwar das so genannte „Wittenberger Zeugnis“, in dem reformierte und lutherische Kirchen gemeinsam das „Unglück der Kirchentrennung“ eingestehen. (rv [=www.de.radiovaticana.va] v. 4. 7.)

     

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