Führende internationale Theologen sprechen sich 50 Jahre nach dem Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) für grundlegende Veränderungen in der katholischen Kirche aus.

Die Kurienreform im Vatikan müsse zu einer Reform der Gesamtkirche und des kirchlichen Amtes ausgeweitet werden, heißt es in einem am 8. Dezember in München vorgestellten Papier zum Abschluss einer großen Tagung zum 50. Jahrestag. Darin plädieren die Wissenschaftler auch dafür, die Laien in der Kirche mehr zu beteiligen und synodale Strukturen zu stärken. Sie verlangen verstärkte ökumenische Bemühungen und beklagen Äußerungen der römisch-katholischen Kirchenleitung, „die eine Rückkehr zum überholten Kirchenverständnis zu implizieren scheinen". Vielmehr müsse eine "ökumenische pastorale Praxis" gefördert werden. „Synodalität muss wieder zum Strukturprinzip in der Kirche werden". Die Synodalität müsse rechtlich umgesetzt und einklagbar sein sowie „auf allen kirchlichen Ebenen konkret eingeübt werden". Wichtige Entscheidungen der Kirche dürften nicht hinter verschlossenen Türen getroffen werden. Die Wissenschaftler erinnern an ein Wort von Papst Franziskus: „Was alle angeht, muss auch von allen behandelt werden." Die Erklärung wurde vom Veranstalter der Tagung, dem Eichstätter Fundamentaltheologen Christoph Böttigheimer, vorgestellt. Sie richtet sich an die Theologenschaft wie auch an die breite Öffentlichkeit, sagte er. An dem Kongress „Das Konzil eröffnen - Theologie und Kirche unter dem Anspruch des Zweiten Vatikanischen Konzils" nahmen den Angaben zufolge rund 200 TheologInnen aus aller Welt teil. (KAP und KNA vom 8. 12.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Die römisch-katholischen Bischöfe Indiens sind solidarisch mit den indischen Protestanten: Die Bischofskonferenz Indiens hat Hass gegen alle gesellschaftlichen Gruppen sowie Gewalt gegen Gotteshäuser verurteilt. Jene, die solche Taten verübten, seien „Feinde der Nation", hieß es in einem am 7. Oktober auf Twitter verbreiteten Statement der Bischofskonferenz. Damit reagierten die Bischöfe auf einen Angriff auf die protestantische St. Thomas Kirche in der nordindischen Stadt Varanasi. Am 2. Oktober waren laut indischen Medienberichten 60 Männer in die Kirche eingedrungen, hatten dort randaliert und Gläubige bedroht. Peter Baldev, Bischof der Church of North India (CNI), forderte in einem Brief an Ministerpräsident Narendra Modi sofortige Maßnahmen gegen die Täter. In der CNI sind Anglikaner, Methodisten und Presbyterianer vertreten. (kna u. vn v. 7. 10.)

     

  • Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf fordert eine Abänderung des Kirchen-Strafrechts , weil Missbrauch ein Verbrechen darstelle und es deshalb falsch sei, dies nur als „sexuelles Vergehen“ abzutun. In zu vielen Missbrauchsfällen hätten die zu Tätern gewordenen Priester ihre Taten verbal religiös verbrämt, argumentiert der Bischof im Gespräch mit der Zeitung Mainzer Allgemeine/Wiesbadner Kurier. Die Sanktionen für Missbrauch durch Kleriker seien oft viel zu milde. „Die Weltkirche ist gefragt, wir müssen den Katalog der Kirchenstrafen überdenken, und wir brauchen zudem einheitliche Standards“, so Bischof Kohlgraf. Die bundesweite Studie über sexuellen Missbrauch römisch-katholischer Kleriker an Kindern und Jugendlichen dokumentiert 3.677 Opfer und 1.670 Täter. Die Dunkelziffer sei wesentlich höher, stellten die ausführenden Wissenschaftler fest. Bischof Peter Kohlgraf hatte bereits vor einigen Tage vorgeschlagen, die Abschaffung des Zölibats anzudenken. (vn v. 1. 10.)

     

  • Wird es irgendwann eine wirkliche ökumenische Synode geben, also mit nicht-katholischen Synodenvätern aus anderen christlichen Kirchen und Gemeinschaften, die mit Stimmrecht ausgestattet vom Papst zusammengerufen werden? Auf dem Papier ist eine solche Synode neuerdings möglich, seit Franziskus im September die Regeln geändert hat. Der im Vatikan für Ökumene zuständige Kurienkardinal Kurt Koch sagt darüber zu „Vatican News“: „Ich weiß nicht, wie der Heilige Vater eine solche ökumenische Synode genau sieht, aber es wäre natürlich gerade hinsichtlich der Fragen, die uns alle beschäftigen, die alle christlichen Kirchen beschäftigen, auch ein faszinierendes Experiment, einmal so zusammenzukommen und gemeinsam zu beraten: Wie können wir angesichts der zentralen Herausforderungen heute gemeinsame Wege suchen? […] Und gerade bei Fragen, die ja alle christlichen Kirchen beschäftigen und wo es dringend notwendig ist, dass wir eine gemeinsame Stimme finden, wäre das eine gute Chance. […] Eine gemeinsame christliche Anthropologie wiederzufinden und gemeinsam zu bezeugen, halte ich für eine zentrale Herausforderung.“ (vn [=Vatican News] v. 10. 10.)

     

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