Für den angesehenen früheren Kurienkardinal und Präfekt des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Walter Kasper, ist Martin Luther ein „Weckrufer“, der „den Weg zu Einheit und Versöhnung“ weist.

Dies schreibt Kasper in einem Gastbeitrag in der Zeitung „Die Zeit“ vom 18. Februar. „Für Katholiken war er [=Luther; P. W.] lange Zeit der Häretiker schlechthin, der die Schuld an der Spaltung der abendländischen Kirche trägt, mit allen schlimmen Folgen bis heute. Diese Zeiten sind vorbei. Heute erwarten viele Christen zu Recht, dass das Gedenken von 500 Jahren Reformation uns der Einheit näherbringt. Wir dürfen diese Erwartung nicht enttäuschen. […] Mit Wucht stellte er [Luther] die zentralste aller Fragen, die Gottesfrage, ins Zentrum. […] Seine Reform galt der katholischen Kirche, sie hatte keine eigene Reform-Kirche zum Ziel. […] Luthers Anliegen war das Evangelium der Herrlichkeit der Gnade Gottes. […] Damit war Luther mit seinem ursprünglichen Anliegen kein Reformator, sondern ein Reformer. Sein Ziel war die Erneuerung der gesamten Christenheit vom Evangelium her. Wie die frühen Briefe zeigen, ging es ihm um die Erkenntnis Christi und um das solus Christus. […] Das war ein Weckruf an die Kirche. Auf dieses ursprüngliche, evangelische wie katholische Anliegen Luthers müssen wir uns heute gemeinsam besinnen. […] Nur so kann das ursprüngliche, im Grunde ökumenische Anliegen Luthers zur Vollendung kommen. Wir haben noch keine gemeinsame Lösung; aber es tut sich ein gemeinsamer Weg nach vorne auf“, schreibt Kasper. (www.diezeit.de vom 18. 2.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Zum diesjährigen muslimischen Fastenmonat Ramadan wünscht der päpstliche Rat für den interreligiösen Dialog im Namen des Papstes allen Muslimen „Gelassenheit, Freude und zahlreiche geistliche Gaben“. In der Glückwunschbotschaft wird auch daran erinnert, dass sich am 19. Mai 1964 Papst Paul VI. als erster Papst während zum Ende des Fastenmonats an die Muslime wandte. In der diesjährigen Botschaft aus dem Vatikan wird auf die Enzyklika ‚Laudato Si‘ Bezug genommen. Die Zerstörung der Umwelt sei ein Problem sei eine Herausforderung, die über die Religionszugehörigkeit hinausgehe. Der interreligiöse Dialog-Rat des Vatikan hoffe deshalb, dass Katholiken und Muslime gemeinsam für die Erhaltung der Schöpfung einstünden. Die Botschaft wurde vom Präsidenten des Rates, Kardinal Jean-Louis Tauran, und dem Ratssekretär Miguel Ángel Ayuso Guixot am 19. Mai unterzeichnet. (rv v. 2. 6.)

     

  • Aus Sicht des römisch-katholischen Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode muss über die Zulassungsbedingungen für Priester nachgedacht werden. „Die Frage der ‚viri probati‘, der bewährten Männer in Beruf und Familie, kann man ernsthaft prüfen“, sagte er im Interview der Osnabrücker Bistumszeitung „Kirchenbote“: Man müsse fragen, „ob Priesteramt und Zölibat immer miteinander verbunden sein müssen“. Die völlige Aufgabe der Pflicht zur Ehelosigkeit halte er aber für nicht sinnvoll, betonte Bode. Zur Weihe von Frauen meint er: „Wir sollten aber Frauen verstärkt in kirchliche Leitungspositionen bringen und über den Diakonat der Frau nachdenken.“ (kna u. rv v. 1. 6.)

     

  • An der Universität Salzburg ist am 1. Juni erstmals der Ökumene-Preis der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche verliehen worden. Er ging an die Initiative „Vernetzte Ökumene Wien West“ – die Dekanate 13 bis19. Eingereicht wurde das Projekt: „ ‚Tag des Judentums‘ in christlich-jüdischer Zusammenarbeit – Ein Leitfaden“ durch die Projektautorin Dr. Elisabeth Lutter. (JA v. 11. 6.)