Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral ..)

Die Ansprache von Papst Franziskus in Bukarest am 2. Juni vor der Roma-Gemeinschaft in der offiziellen deutschen Übersetzung: „Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag! Ich freue mich, euch zu treffen, und danke euch für eure freundliche Aufnahme. […] Ich trage aber in meinem Herzen eine Last. Es ist die Last der Diskriminierungen, der Absonderungen und der Misshandlungen, die eure Gemeinschaft erlitten hat. Die Geschichte sagt uns, dass auch Christen, Katholiken an diesem großen Leid nicht unbeteiligt sind. Dafür will ich um Vergebung bitten. […] Liebe Brüder und Schwestern, ihr als Volk habt eine Hauptrolle auszufüllen. Ihr müsst keine Angst davor haben, eure besonderen Merkmale, die eure Identität ausmachen und euren Weg prägen und die wir alle so nötig haben, mit uns zu teilen: den Wert des Lebens und der Großfamilie (Vettern und Cousinen, Onkel und Tanten), die Solidarität, die Gastfreundschaft, die Hilfe, Unterstützung und Verteidigung des Schwächsten innerhalb ihrer Gemeinschaften; die Wertschätzung und den Respekt gegenüber den Älteren; die religiöse Bedeutung des Lebens, die Spontaneität und die Lebensfreude. Versagt der Gesellschaft, in der ihr lebt, nicht diese Gaben. […] Und jetzt segne ich euch, aber vorher bitte ich euch um einen großen Gefallen: Betet für mich. Danke!“ (vn v. 2. 6.)

 

Frauen müssen „an der Gestaltung der Kirche strukturell, rechtlich und theologisch legitim mitwirken" dürfen. „Dabei vom guten Willen von Klerikern abhängig zu sein, widerspricht der Taufwürde", erklärte die Wiener Pastoraltheologin Regina Polak in ihrem Blogeintrag im Rahmen der Initiative „bleiben erheben wandeln". Zwischen Ostern und Pfingsten plädieren 50 mit der römisch-katholischen Kirche verbundene Frauen für eine Gleichstellung mit den Männern; Polak ist die 44. prominente Theologin bzw. Kirchenfunktionärin. „Ich möchte nicht, dass Frauen erst aus der Kirche auswandern müssen, ehe die Kirchenleitung begreift, dass sich etwas ändern muss." Dazu sei ein Aufstand offenbar nötig. „Er atmet den Geist kritischer Loyalität und Treue", schreibt sie. Wo immer für die Kirche Maßgebliches entschieden werde, können Frauen nur dann teilhaben, wenn es ihnen von Klerikern erlaubt wird. Frauen seien leider „strukturell keine Partnerinnen auf Augenhöhe". Das gehört laut der Wiener Theologin geändert. Sie verstehe die Treue der Kirche zu ihren Traditionen und anerkenne, dass Veränderungen theologisch gut begründet sein müssen. „Aber wenn Traditionen daran hindern, den kirchlichen Auftrag zu verwirklichen oder ihm widersprechen, dann müssen sie nachgebessert werden […] Nicht nur die Bewahrung der Tradition, auch die Gegenwart ist eine theologische Autorität." Die Initiative „bleiben erheben wandeln" wird von einer Gruppe junger Theologinnen aus Tirol getragen. Unterstützt wird sie vom Frauenreferat der Diözese Innsbruck und auch prominenten Katholikinnen, darunter Magdalena Holztrattner, die Leiterin der Katholischen Sozialakademie, die Grazer Bibelwissenschaftlerin Prof. Irmtraud Fischer, Anna Findl-Ludescher, die geschäftsführende Vorsitzende des Österreichischen Pastoralinstituts, Angelika Walser, Moraltheologieprofessorin an der Uni Salzburg oder Cordis Feuerstein, Generalsekretärin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs. Auch Frauen aus Deutschland, der Schweiz, Südtirol und sogar Lateinamerika sind eingebunden. (kap v. 3. 6.)

 

Deutschlands römisch-katholische Religionslehrkräfte haben die Bischöfe zu umfassenden Reformen aufgerufen. Wie das Nachrichtenportal katholisch.de meldet, solle die Kirche besonders in Fragen der Homosexualität umdenken, „wenn Kirche und Glaube überhaupt eine Zukunft haben sollen“. In einem offenen Brief des Bundesverbands der katholischen Religionslehrer und -Lehrerinnen an Gymnasien wurden zehn Reformanliegen formuliert. Sie wollen sich an dem „synodalen Reformweg“ der deutschen Bischöfe beteiligen. Zu ihren Forderungen zählt neben Neubewertungen bei Themen der Sexualmoral ein Ende des repressiven Umgangs mit „innovativ denkenden“ Theologen. Kritik und Selbstkritik sollten Schritte zu einer lernenden und dienenden Kirche eröffnen, „die den Jesus der Evangelien in den Mittelpunkt stellen“. Die rund 70.000 katholischen Religionslehrkräfte begegneten gerade an öffentlichen Schulen einer weltanschaulichen Pluralität. In diesem Kontext könnten sie grundlegender Werte und Tugenden nicht vermitteln, wenn diese etwa wegen „religiöser Machtaufladung in einem klerikalistischen priesterlichen Selbstbild“ von der Amtskirche konterkariert würden. Der Brief hat die Überschrift „Zukunft der katholischen Kirche – Wie geht's weiter?“. (katholisch.de u. vn v. 5. 6.)

 

Die Philosophisch-Theologische Hochschule (PTH) Brixen bekommt erstmals in ihrer Geschichte einen Nicht-Geistlichen als Dekan. Der Südtiroler Bischof Ivo Muser hat den Pastoraltheologen Alexander Notdurfter zum neuen PTH-Leiter ernannt. Der 1964 in Brixen geborene Notdurfter promovierte an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck in Pastoraltheologie. Die PTH ist eine Ausbildungsstätte der Diözese Bozen-Brixen für Priester und Diakone, Pastoralassistenten, Religionslehrer und andere pastorale Berufe. Aktuell sind an der Hochschule 158 ordentliche Studierende eingeschrieben. Dazu kommen andere Studenten, die einzelne Lehrveranstaltungen belegen, sowie rund 100 Gasthörer. (kap v. 6. 6.)

 

Ökumenischer Schulterschluss für das Frauendiakonat: Bei einem Podiumsgespräch im Rahmen der Wiener „Woche der Ökumene" sprachen sich der römisch-katholische Theologe Prof. Rudolf Prokschi und der rumänisch-orthodoxe Theologe Ioan Moga einhellig für die Öffnung des Diakonats für Frauen aus. Dies sei ein wichtiger Schritt in der Debatte um die Zukunft des Priesteramtes. An der Diskussion nahm auch die evangelische Pfarrerin Dorothea Haspelmatt-Finatti teil. So sehr sich der emeritierte Wiener Ostkirchenexperte und Priester Rudolf Prokschi für die Öffnung des Diakonats für Frauen aussprach, so zurückhaltend war er allerdings bei der Frage des Frauenpriestertums: Eine Öffnung in diese Richtung würde voraussichtlich die Einheit der Kirche stärker gefährden als ihr dienen. Kritik an der eigenen orthodoxen Tradition äußerte der rumänisch-orthodoxe Priester und Theologe Ioan Moga: So spreche gegen das Frauenpriestertum in seiner Kirche kein dogmatischer Grund, sondern allein die Tradition. Die aktuell aufkeimende Diskussion über die Einführung des Frauendiakonats im Anschluss an die Tradition des 10. und 11. Jahrhunderts sehe er daher auch als einen Hoffnungsschimmer: „Hier könnten Tatsachen geschaffen werden, die auch eine Traditionsreform mit Blick auf die Priesterweihe möglich machen". Die "Woche der Ökumene" wird jedes Sommersemester von den Fakultätsvertretungen der Evangelischen und der Katholisch Theologischen Fakultät organisiert. (kap v. 6. 6.)

 

Die römisch-katholischen Bischöfe der Schweiz planen umfassende Maßnahmen zur Erneuerung der Kirche. „Verschiedene offene Briefe und Appelle“, seien „Ausdruck einer Krise in unserer Kirche“, erklärte die Schweizer Bischofskonferenz am 6. Juni nach Abschluss ihrer Vollversammlung in der Propstei St. Gerold in Vorarlberg. „Die Sorgen der Gläubigen sind auch die Sorgen der Bischöfe!“, hieß es. Auf Diözesanebene gebe es bereits verschiedene Gesprächsrunden. Ein ähnlicher Dialog solle nun auch auf nationaler Ebene stattfinden. Gemeinsam mit den Gläubigen wolle man die sehr komplexen und unterschiedlichen Fragen und Forderungen angehen. Zu den angesprochenen Themen zählten die Rolle der Frau, der Umgang mit der Ehelosigkeit von Priestern, der Sexual- und Machtmissbrauch sowie Glaube und Glaubensweitergabe. Dabei spiele „das synodale Vorgehen“ eine wichtige Rolle, so die Schweizer Bischöfe weiter. (JA v. 16. 6.)

 

Für den Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl sind Frauen auch als Kardinälinnen der römisch-katholischen Kirche vorstellbar. „Ein Kardinal muss ja nicht unbedingt Bischof sein. Es kann auch eine Frau sein", sagt er im Interview mit der Tageszeitung „Die Presse“. So hätten z. B. Äbtissinnen im Mittelalter Jurisdiktionsgewalt über Priester gehabt. Diese Ansicht sei allerdings „wahrscheinlich noch nicht mehrheitsfähig“. Ähnlich aufgeschlossen zeigt sich Krautwaschl für die derzeit diskutierte Weihe von Diakoninnen. Er sei sich sicher, dass Papst Franziskus mit den Bischöfen darüber ins Gespräch kommen werde. In der österreichischen Bischofskonferenz sei das Thema bereits intensiv diskutiert worden. Dass sich der Papst bei diesem Thema allerdings Zeit nehme, gehe auf die nötige Einbindung der Bischöfe der Welt zurück. (kap v. 7. 6.)

 

Nach Worten des Hildesheimer Bischofs Heiner Wilmer braucht die römisch-katholische Kirche infolge der Missbrauchsfälle eine neue Theologie. Das Kirchenbild sei ein Grund dafür gewesen, dass es zu diesem Ausmaß sexualisierter Gewalt habe kommen können. „Wir haben nicht den Menschen gesehen. Wir waren viel zu sehr am polierten Image der Kirche interessiert. Das finde ich ganz fürchterlich.“ Im vergangenen Jahrhundert sei man in eine Art der Verkündigung abgeglitten, die dazu geführt habe, dass die Kirche zu einer „Moralinstitution verkommen sei. […] Die Botschaft Jesu ist aber in erster Linie keine Moral“. Vielmehr gehe es dem Jesus von Nazareth um Erlösung und Befreiung des Menschen. Dafür sei bei den Sehnsüchten der Menschen anzusetzen. Wer nur nach dem Überleben der Kirche frage, habe verloren. Die Diskussionen über Weiheämter und den Zölibat müssten geführt werden. „Und Frauen müssen dringend in Leitung und Verantwortung kommen. Wir können nicht mehr einfach sagen: Die Frage, ob Frauen zu den Weiheämtern zugelassen werden, ist erledigt. Da vertraue ich auf den Heiligen Geist.“ (kna u. vn. v. 12.6.)

 

Die Oltner Katechetin Trudy Wey fordert Gleichstellung in der römisch-katholischen Kirche. Dazu gehören für sie zwingend die Abschaffung des Pflichtzölibats und die Priesterweihe für Frauen. Wey schreibt in einem Beitrag des Pfarrblatts „Kirche heute“: Um gesellschaftlich nicht ganz an Boden zu verlieren, müsse die Kirche sich den zeitgemäßen Fragen stellen. Außerdem müsse sie die Zeichen der Zeit erkennen und brauchbare Antworten liefern. „Ich bin überzeugt, dass die Kirche, insbesondere mit den Frauen, nur gewinnen kann. Das würde dann zwangsläufig bedeuten, dass die Männer ihr Machtmonopol in der Kirche abgeben müssen.“ Dass die Kirche sich zu zögerlich modernisiert, führe zu absurden Situationen. So beispielsweise bei der Sterbebegleitung: Eine Seelsorgerin kann eine sterbende Person über lange Zeit begleiten, die Krankensalbung kann aber nur von einem geweihten Priester gespendet werden. „Das ist doch verrückt“, sagt sie. Die Kirche werde auf pastoraler Ebene vorwiegend von Frauen getragen. „Ohne die Frauen würde auch hier in Olten die katholische Kirche nicht funktionieren. […] Die Botschaft von Jesus Christus und die Gemeinschaft mit den Menschen in der Kirche sind für mich wichtige Standpfeiler im Leben. Deswegen werde ich weiterhin für eine Kirche kämpfen, in der Frau und Mann gleichberechtigt sind“, sagt Wey entschlossen. (www.oltnertagblatt.ch v. 13. 6.)

 

Das Bistum Lausanne-Genf-Freiburg hat den Tag des nationalen Frauenstreiks (14. Juni) zum Anlass genommen, um die Bedeutung der weiblichen Präsenz in der Kirche zu betonen. 70% der in der Diözese angestellten Personen seien Frauen. Den beiden Bischöfen, Diözesanbischof Charles Morerod und Weihbischof Alain de Raemy, ist der Zugang von Frauen zu verantwortungsvollen Positionen in der Kirche ein Anliegen. Beide hätten dies im Vatikan zur Sprache gebracht. Morerod ist Mitglied im Päpstlichen Rat für die Kultur. 2015 habe er dort kritisiert, dass verantwortungsvolle Posten im Vatikan eine Bischofsweihe voraussetzen. Die beiden Bischöfe danken den Frauen, die in ihrem Bistum wirken, und „erneuern ihre Unterstützung und Anerkennung an diesem 14. Juni“. In der Schweiz fand am 14. Juni – nach 1991 – der zweite große nationale Frauenstreik statt. Vor allem in den großen Städten, aber auch auf dem Land gab es Kundgebungen. Die Frauen fordern unter anderem höhere Löhne und mehr Mitsprache, auch auf politischer Ebene. (kath.ch u. vn v. 16. 6.)

 

Der Bibeltheologe Egbert Ballhorn hält im Internetportal „feinschwarz.net“ ein Plädoyer für den Predigtdienst von Laien in der römisch-katholischen Kirche. Um der Überlastung der Priester zu begegnen, sollte stärker auf Charismen geschaut werden – und auf die Frage: Was braucht die Kirche heute? Gibt es nicht eine ganze Fülle von Charismen und Berufungen in der Kirche, die wir gerade in Zeiten, in denen so viel ins Schwanken gerät, bitter nötig haben? Sind sie nicht Geschenke des Heiligen Geistes? Er nennt einige Beispiele, die verstören, wie z. B.: Eine in der Bibelpastoral tätige Theologin publiziert in einer Predigtzeitschrift, kann aber ihre eigenen Predigten niemals selbst in der Eucharistiefeier halten. Es werde Zeit für die römisch-katholische Kirche, dieses Feld neu zu bestellen. Theologisch ist klar, dass Gottesdienst nicht das Handeln eines einzelnen Vorstehers ist, sondern das ganze Gottesvolk seinen Glauben zum Ausdruck bringt. „Ich frage als Bibelwissenschaftler und aus bibelpastoraler Sicht, nicht als Kirchenrechtler: […] Können wir es uns leisten, die Hälfte der Gläubigen grundsätzlich aufgrund ihres Geschlechts vom Zeugnis ihres Glaubens auszuschließen? […] Wir brauchen eine ausdrücklich gewollte, rechtlich geregelte und öffentliche Praxis der Gotteswortverkündigung, nicht nur eine Duldung heimlicher Normüberschreitungen in Einzelfällen. […] Es gilt zu prüfen, ob die Gründe, die vor achthundert Jahren zum Predigtverbot für Laien geführt haben, heute noch triftig sind. […] Die Frage lautet nicht: Wer darf was?, sondern: Was braucht die Kirche in unserer Zeit? Was dient ihrem Aufbau? Der Diskurs um den Predigtdienst von Frauen und Männern in unserer Kirche muss außerhalb der Amtsfrage geführt werden“, meint Ballhorn. (www.feinschwarz.net v. 20. 6.)

 

„Es gibt uns noch: junge Frauen, die sich in der Kirche engagieren“: So lapidar haben die beiden Innsbrucker Theologinnen Bernadette Embach und Maria Rhomberg betont, dass sich feministisches und kirchliches Engagement nicht ausschließen. Ihren veröffentlichten Artikel auf der Theologie-Plattform „feinschwarz.net“ richten sie auch an Gleichaltrige und Jüngere und bekennen sich in der von ihnen mitgegründeten gleichnamigen Blog-Fraueninitiative zu der Trias „bleiben, erheben, wandeln“. Bernadette Embach, Fachreferentin im Frauenreferat der Diözese Innsbruck, und Maria Rhomberg, theologische Referentin der Katholischen Jugend, verweisen auf die Ungleichheit bei Führungs- und Machtpositionen. Innerhalb der Kirche würden diese Mechanismen noch verstärkt durch die „systemimmanente Zuteilung von Macht an zölibatär lebende Männer“. Durch Vernetzung, kritische Auseinandersetzung, Aktionen u. a. wollen Embach und Rhomberg konkrete Schritte setzen, um zu mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche beizutragen. Dabei gelte es auch „gängige Totschlagargumente“ auszuhalten wie z. B. „Jesus hat nur Männer zu Aposteln berufen“. Die von den beiden gemeinsam mit anderen jungen Innsbrucker Theologinnen initiierte Aktion „50 Tage 50 Frauen“ mit ihrem Slogan „bleiben, erheben, wandeln“ stehe im Kontext vieler weiterer Initiativen wie „Overcoming Silence“ (international), „Donne per la Chiesa“ (Italien), „Gebet am Donnerstag“ (Schweiz), „Maria 2.0“ (Deutschland) u. a. Die Beiträge jener 50 Frauen aus dem deutschsprachigen Raum, die sich an den 50 Tagen von Ostern bis Pfingsten für die Gleichstellung von Frauen stark machten, sind auf der Website „bleibenerhebenwandeln.wordpress.com“ abrufbar. Beiträge verfassten u. a. Magdalena Holztrattner, die Leiterin der Katholischen Sozialakademie, Anna Findl-Ludescher, die geschäftsführende Vorsitzende des Österreichischen Pastoralinstituts, die Theologieprofessorinnen Angelika Walser (Salzburg), Irmtraud Fischer (Graz) und Regina Polak (Wien) sowie die Generalsekretärinnen der Vereinigung der Frauenorden und der Katholischen Frauenbewegung, Sr. Cordis Feuerstein bzw. Regina Augustin. (religion.ORF.at u. KAP v. 21. 6.)

 

In der Herder-Buchhandlung Wiens präsentierte der Wiener emeritierte Pastoraltheologe Paul M. Zulehner sein neues Buch "Naht das Ende des Priestermangels?" und ging dabei auch auf das aktuellste Arbeitspapier zur Amazonien-Synode ein. Er bewarb die vom emeritierten Missionsbischof Fritz Lobinger vorgeschlagene Weihe gewählter „bewährter Personen" als Lösungsmodell, um dem auch vom Papst beklagten „eucharistischen Hunger" in Regionen mit dramatischem Priestermangel abzuhelfen. Der Priestermangel hat bald ein Ende, zeigte er sich überzeugt. Zwar seien die großen Themen der historischen Amazonien-Synode kommenden Herbst die Zukunft des Regenwaldes und die Gerechtigkeit für indigene Völker, doch auch die Weihe für erfahrene Gemeindeleiter werde diskutiert werden. „Es sieht alles danach aus, dass der Papst ernst macht", so Zulehner. Auch die Bischöfe seien „wild entschlossen", mit einem guten Ergebnis von der Synode zurückzukehren. Angesichts sinkender Gläubigenzahlen gehe es nicht darum, im Rahmen des Möglichen zu reformieren, sondern den Rahmen selbst zu verändern. Herkömmliche Zulassungsbedingungen zum Priesteramt werden vermutlich außer Kraft gesetzt werden, prognostizierte er. In Zukunft würden nicht mehr das Geschlecht, der Zölibat, die akademische Ausbildung und die hauptamtliche Beschäftigung die Bedingungen für die Weihe sein, sondern „Menschen, die randvoll mit dem Evangelium, gemeindeerfahren und fähig sind, im Team eine Gemeinschaft zu leiten". Und es sollten keine „von außen Importierte" sein. Bereits jetzt würden einzelne Gemeinden beginnen, das sogenannte „Lobinger-Modell" in die Tat umzusetzen, berichtete der Vorsitzende der Pfarrer-Initiative, Helmut Schüller. So haben in der Pfarre Probstdorf (NÖ) Gemeindemitglieder bewährte Männer und Frauen vorgeschlagen, die in Zukunft die Leitung der Pfarre übernehmen könnten. Diese werden eine Vorbereitungsgruppe bilden und „erste Bausteine einer Ausbildung" absolvieren. Dann werde man zum Bischof mit einem konkreten Vorschlag gehen. Da es sich um einen „echten Paradigmenwechsel" handle, sei die größte Herausforderung „der Kulturwandel bei den Katholiken selbst". Den Gläubigen müsse dabei geholfen werden, vom „Versorgungsdenken zum Mitsorgen" zu kommen, sagte Schüller (kap v. 25. 6.; Die Furche v. 27. 6.; vn v. 16. 6.)

 

Die Schweizer Diözese Basel schafft die Berufsbezeichnungen „Laientheologe/Laientheologin“  und „Pastoralassistent/Pastoralassistentin“ ab. Zum 1. August werden stattdessen die Begriffe „Theologe/Theologin" sowie „Pfarreiseelsorger/Pfarreiseelsorgerin" eingeführt, wie aus einem Schreiben von Generalvikar Markus Thürig hervorgeht, aus dem „kath.ch“ zitiert: Seit vielen Jahren störe das Element „Laie", das in der Gesellschaft als „Nicht-Fachmann/-frau" verstanden werde, begründete Thürig die Entscheidung. Dabei habe diese Personengruppe ein abgeschlossenes Theologiestudium. Auch der Begriff „Assistent“ störe bei „Pastoralassistent/Pastoralassistentin", so der Generalvikar. (kath.ch u. kap v. 26. 6.)

 

Der künftige Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz, Eric de Moulins-Beaufort (57), hat zu Veränderungen in der römisch-katholischen Kirche aufgerufen. „Es ist sicherlich ein schwieriger Moment, aber diese Schwäche ist auch eine Kraft: Endlich müssen wir uns ändern!", sagte der Erzbischof von Reims im Interview der Zeitung „La Croix". Der Katholizismus in Frankreich sei „zu ideologisch. […] Es wäre absurd zu leugnen, dass wir uns in einer Krise befinden". Der Erzbischof fordert auch Änderungen in der Zusammenarbeit der Bischöfe in der Bischofskonferenz. Denn derzeit gingen noch zu viele Informationen für das Plenum verloren, so Moulins-Beaufort. Zur Priesterweihe verheirateter Männer sagte er, an einem Punkt in der Geschichte sei eine spirituelle Entscheidung getroffen worden, die aber jetzt neu bewertet werden könne. (kna u. kap v. 27. 6.)

 

Die großen sozialen und pastoralen Herausforderungen vor der die römisch-katholische Kirche in Amazonien steht, hat der langjähriger Generalsekretär der Brasilianischen Bischofskonferenz, Bischof Leonardo Ulrich Steiner (68), im Interview der österreichischen Wochenzeitung „Die Furche" geschildert. So würde in vielen kleinen Gemeinden im Amazonasgebiet nur einmal im Jahr ein Gottesdienst mit einem Priester gefeiert, Laien führten die entlegenen Gemeinden. Es gelte zu vertiefen, „dass diese Gemeinden sich als Kirche verstehen. […] Wenn Laien Wortgottesdienste feiern, soll die Gemeinde spüren: Ja, hier sind wir Kirche. Und Gott ist bei uns durch sein Wort. Aber diese Gemeinden müssen in Zukunft auch öfter Eucharistie feiern können.“ Bei der anstehenden Amazonien-Synode vom 6. bis 27. Oktober in Rom müsse über entsprechende Modelle gesprochen werden. „Ich hoffe wenigstens, dass diskutiert wird und der Heilige Vater Vorschläge macht." Es gehe aus seiner Sicht nicht um den Zölibat oder seine Abschaffung: „Es geht um Kirche und darum, wie sie mehr präsent sein kann, und wie die kleinen Gemeinden sich als Kirche fühlen. Es geht darum, wie sich die Kirche in diesen Gemeinden aufbaut." (Die Furche v. 27. 6.; JA v. 7. 7.)

 

Der deutsche Theologe und Dogmatiker an der Universität Münster, Michael Seewald, fordert eine veränderte Debattenkultur in der römisch-katholischen Kirche. In den aktuellen Reformdiskussionen wünsche er sich „Argumente statt Autorität", sagte er im Interview mit der deutschen KNA: „Das klingt trivial, wäre aber - gemessen an dem Niveau, auf dem die katholische Kirche gerade diskutiert - ein gigantischer Fortschritt." Viel zu häufig reklamierten Personen der Kirchen in strittigen Fragen eine Unfehlbarkeit, die nicht mit Argumenten zu begründen sei, und behaupten, etwas sei „schon immer so" gewesen und daher nicht verhandelbar. Dann müsse man „doppelt skeptisch" sein, denn „erstens sind solche Behauptungen oft einfach falsch und zweitens muss man selbst dort, wo sie stimmen, die Frage stellen, warum aus dem Argument 'Es war schon immer so' folgen sollte, dass etwas auch künftig so bleiben muss". Bei näherem Hinsehen habe sich die Lehre der Kirche im Laufe der Zeit deutlich geändert und sich selbst auch korrigiert. Als Beispiele nannte er Änderungen bei der Priesterweihe durch Papst Pius XII. und die Kehrtwende zur Religions- und Gewissensfreiheit durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65). Die Kirche leide unter einem verengten und lähmenden Selbstverständnis. „Immer ist es Gruppen gelungen, kleine Veränderungen als großen Bruch aufzubauschen." Viel zu häufig versuche man, „der Theologie Denk- und Sprechverbote zu erteilen. Damit schießt man sich nur ein Eigentor." In seinem neuen Buch „Reform - Dieselbe Kirche anders denken" geht Deutschlands jüngster Dogmatikprofessor (31) auf grundlegende ekklesiologische Fragen ein. (kna u. kap v. 28. 6.; JA v. 7. 7.)

 

Der ehemalige römisch-katholischer Priester Jochen Becker hat sich selbst bei der Kirche angezeigt. Er wirft sich vor, von einem Fall von sexuellem Kindesmissbrauch gewusst, den Täter aber erst nach mehreren Jahren gemeldet zu haben. „Ich habe zu lange geschwiegen“, sagt er. Die zum 1. Juni erlassenen neuen Regeln von Papst Franziskus zum Umgang mit Missbrauch hätten ihn zu der Selbstanzeige veranlasst. Dem Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz, Stephan Ackermann, ist der Fall nach Angaben seiner Pressestelle bekannt und Beckers Kritik werde nachgegangen. „Das Neue an dem Verfahren des Vatikans ist: Man will den Betroffenen und den Zeugen zuhören und mit ihnen reden“, lobt Becker. Die Wirklichkeit sehe aber nach wie vor oft anders aus: „Es wird den Anzeigenden von sexuellem Missbrauch nicht geglaubt.“ Beim Katholikentag im Jahr 2000 in Hamburg habe ihm ein deutscher Theologe erzählt, dass er schon mehrfach sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche begangen habe. Vorübergehend sei auch gegen ihn ermittelt worden, weil ein 17-Jähriger Suizid verübt hatte. „Er fühlte sich schuldig, weil er mit ihm ebenfalls erotisch-sexuelle Kontakte gehabt hatte. […] Ich habe ihm damals gesagt: ,Okay, ich habe Verständnis für dich, aber mach das nie wieder.‘ Das war die völlige Fehleinschätzung eines Pädokriminellen.“ Als der Jesuitenpater Klaus Mertes 2010 die Aufdeckung sexuellen Missbrauchs in zahllosen römisch-katholischen Einrichtungen anstieß, kam Becker ins Grübeln. „Ich habe zu lange gezögert“, meint Becker rückblickend und wirft die Frage auf, warum nicht mehr Priester an die Öffentlichkeit gehen und diesbezüglich Fehler eingestehen. (www.welt.de v. 28. 6.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben 17 christliche Kirchen und Kapellen sowie einen Hindu-Tempel offiziell als Kultstätten anerkannt. In einem Festakt im Herrscher-Palast am 21. September unter dem Titel „Ein Ruf zur Harmonie“ setzte das Department of Community Development (DCD) einen neuen rechtlichen Rahmen für Religionsgemeinschaften in Kraft. Dieser sichert gleiche Rechte im Rahmen der geltenden Gesetze zu. Vertreter der indischen Communiy in den VAE würdigten den Schritt als weiteres Zeichen für ein Klima der Toleranz und des Dialogs. Der Vorsitzende des DCD, Mugheer Al Khaili, erklärte, die Emirate seien ein „Platz für alle“. Abu Dhabi sei ein führendes Modell der Toleranz und Koexistenz. Angesichts der Tatsache, dass der Großteil der Bevölkerung aus Ausländern bestehe, seien die VAE um die Einheit des Landes und die Inklusion aller bemüht, die zu seiner Entwicklung beitragen, so Al Khaili. (kna u. vn v. 1. 10.)

     

  • Eine Gruppe von Frauen, darunter zahlreiche Ordensschwestern, fordert das Stimmrecht für Frauen bei Bischofssynoden. Drei Tage vor der Amazonassynode, findet dazu eine Veranstaltung in der Bibliotheca Valcelliana in Rom statt. Die Schweizer Ordensfrau Irene Gassmann, Priorin des Benediktinerinnenklosters Fahr, sprach bei einer Pressekonferenz in Rom von „Geschlechterdiskriminierung“: „Ich denke, dass gerade zu einer Synode, wo es um Themen geht, die das ganze Volk Gottes in einer Region oder auch weltweit betreffen, die Frauen da auch dazugehören und die Erfahrungen der Frauen. Wenn das einfach nicht einbezogen wird, dass die Frauen dann auch mitbestimmen können, denke ich, vergibt sich die Kirche auch eine riesige Chance, wenn sie auf dieses Potenzial verzichtet. Und zudem geht es auch um eine Gleichberechtigung. Wenn es möglich ist, dass ein Ordensmann, der nicht Priester ist, bei der Synode mitbestimmen kann und eine Ordensschwester nicht, dann ist das eine Geschlechterdiskriminierung. […] Ich glaube, es geht um das Zeichen, das damit gesetzt würde. Und auch ein Zeichen, auf das ganz viele Katholikinnen und Katholiken warten, dass die Kirche den Frauen zugesteht, dass sie auch ein Recht haben mitzustimmen bis zum Schluss.“ Schwester Simone Campbell, Leiterin von „Nuns on the Bus” (USA) meint dazu „Wenn Brüder abstimmen können, können auch Schwestern abstimmen. […] Es geht darum, die ganze Kirche sprechen zu lassen“. Das Stimmrecht für Ordensfrauen wäre ein Schritt hin zu sichtbarer Gleichberechtigung, sagte Deborah Rose-Milavec, Generalsekretärin der US-amerikanischen Organisation FutureChurch. Die in Liechtenstein ansässige römisch-katholische Stiftung Organisation „Voices of Faith“ koordiniert Aktivistinnen, die das Stimmrecht für Frauen bei der Synode verlangen. (vn v. 2. 10.)

     

  • Für die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche (UGKK) ist und bleibt das orthodoxe Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel die „Mutterkirche“. Das hat Großerzbischof Schewtschuk in einem Interview für die offizielle Website der UGKK betont. Er war vor kurzem in Rom mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. zusammengetroffen. Der Großerzbischof betonte nun, wie wichtig ihm gute Beziehungen zum und die Verbundenheit mit dem Ökumenischen Patriarchat seien. Er erinnerte an den Appell von Papst Johannes Paul II. in seinem Schreiben „Ut unum sint" (1995), in dem dieser die Kirchenführer und Theologen der nichtkatholischen Kirchen aufrief, mit ihm über mögliche alternative Formen des Einheitsamt des Bischofs von Rom nachzudenken und einen Dialog zu führen. Weiters zitierte Schewtschuk Papst Johannes XXIII. (1958-1963), der betonte, dass Katholiken und Orthodoxe weit mehr verbinde als trenne. „Wenn wir nach Wegen suchen, um uns näher zu kommen, dann müssen wir Gemeinsamkeiten finden. Und wir sind durch eine gemeinsame Mutter verbunden", so der Großerzbischof im Blick auf die gemeinsame Geschichte der unierten und orthodoxen Kirchen in der Ukraine. Wenn man dies ernst nehme, dann könne man auch gemeinsam beten. Er sprach den Wunsch aus, dass die Kiewer Sophienkathedrale die gemeinsame Kathedrale aller Christen in der Ukraine sein sollte. Die griechisch-katholische Kirche der Ukraine ist eine Ostkirche eigenen Rechts, die ihre Gottesdienste im byzantinischen Ritus feiert und zugleich mit Rom uniert ist, d.h. sie steht in der eucharistischen Gemeinschaft mit der römisch-katholischen Kirche und anerkennt den Papst als Oberhaupt. Die sowjetische Führung ordnete 1946 ihre Zwangsvereinigung mit der russisch-orthodoxen Kirche an. (kap u. vn v. 4. 10.)

     

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