Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral…)

Die Synodalität ist eines der großen Anliegen von Papst Franziskus. Er will das synodale Element in der Kirche stärken und dafür auch Anleihen bei der Orthodoxie nehmen. Die Internationale Theologenkommission hat ein Grundsatzpapier zum Thema Synodalität erstellt. „Synodalität“ ist vom Begriff „Demokratie“ zu unterscheiden. „Es geht vielmehr darum, immer da, wo Macht in der Kirche ausgeübt wird, den Communio-Charakter der Kirche zu wahren“, sagte der Bonner Dogmatiker Karl-Heinz Menke im Gespräch mit dem Kölner Domradio. „Die Universalkirche darf sich nicht gegenüber den Ortskirchen verselbständigen. […] Die Apostelnachfolger können nur dann erfolgreich Gehorsam erwarten, wenn sie ihrerseits auf den sogenannten Glaubenssinn der Gläubigen hören. […] Gewiss, man kann die Kirche nicht an einer Stelle versammeln. Es muss Delegierte geben – Delegierte, die ihren Glauben kirchlich leben. […] Die Synodalität von Entscheidungsprozessen in der Kirche ist strikt zu unterscheiden von dem demokratischen Prinzip, dass stets die Mehrheit entscheidet. Man kann über die Wahrheit, die Christus ist, nicht nach dem Mehrheitsprinzip abstimmen. Jeder weiß, dass die Wahrheit oft nur von einer Minderheit verstanden und gelebt wird. Das gilt übrigens nicht nur für die Wahrheit des Glaubens.“ Und trotzdem: Auch die Synodalität kommt nicht ohne demokratie-ähnliche Elemente aus. „Wenn man in der katholischen Kirche versucht, alle Ebenen in Entscheidungsprozesse einzubeziehen und den von Papst Franziskus immer wieder beschworenen Glaubenssinn der Gläubigen ernst zu nehmen, dann wird man in Zukunft weniger deduktiv als induktiv denken und verfahren. […] Man kann vieles, was Organisation und Struktur in der Kirche betrifft, auch demokratisch regeln. […] Doch wenn es um Glaubensfragen geht, dann entscheiden letztendlich nur die Bischöfe; auch sie nicht einfach durch Mehrheitsbeschluss, sondern in Einheit mit dem vom Papst.“ Das steht in einer Spannung zum Wunsch des Papstes, auch den Bischofskonferenzen eine gewisse lehramtliche Autorität zuzusprechen. Das geht einher mit dem Willen des Papstes zur Dezentralisierung, dass nicht mehr Rom alles und jedes entscheiden muss. (www.domradio.de u. vn v. 26. 5.)

 

Zum ersten Mal wird ein Laie Rektor der Päpstlichen Lateran-Universität. Papst Franziskus hat italienischen Professor Vincenzo Buonomo (57) als Nachfolger von Bischof Enrico dal Covolo ernannt, wie der Vatikan am 2. Mai mitteilte. Buonomo ist Jurist und wirkte schon bisher an der Lateran-Universität, deren zivilrechtlicher Fakultät er als Dekan vorstand. Er ist Experte für Internationales Recht und seit 2007 Abteilungsleiter an der Ständigen Vertretung des Heiligen Stuhls bei den Einrichtungen der Vereinten Nationen in Rom. (vn v. 2. 6. U. JA v. 17. 6.)

 

Mit Lob und Anerkennung hat Papst Franziskus einem der Begründer der Befreiungstheologie zu seinem 90. Geburtstag gratuliert. Der Dominikanerpater Gustavo Gutiérrez erhielt vom Papst einen Brief, der der peruanischen Zeitung „La República“ vorliegt. In dem Schreiben bedankt sich der Papst bei Gutiérrez für dessen Arbeit. „Ich danke dir für all das, was du durch deinen theologischen Dienst und deine Liebe zu den Armen und Ausgegrenzten für die Kirche und die Menschheit getan hast.“ Der Papst hebt die besondere Art Gutiérrez' hervor, an das Gewissen eines Jeden zu appellieren. Gutiérrez benutzte als erster Kirchenvertreter den Begriff der „Theologie der Befreiung“. Aus der Selbstorganisation brasilianischer Basisgemeinden entwickelte sich in den 1960er Jahren die Befreiungstheologie, die sich als Parteinahme für die Armen versteht. Sie ist verknüpft mit der so genannten „Option für die Armen“. Diese theologische Strömung ist vor allem in Brasilien, Peru, Chile und Mittelamerika präsent. Bekannt und offiziell wurde sie 1968 durch die Zweite Allgemeine Lateinamerikanische Bischofskonferenz (CELAM) in Medellín. Berühmte Vertreter und Mitbegründer sind neben Gutiérrez auch Leonardo Boff und Jon Sobrino SJ. (la república u. vn v. 7. 6.)

 

Im Interview mit dem Blogportal www.szemlelek.blog.hu sprach sich der ungarische Diözesanbischof von Vac, Miklos Beer, vor dem Hintergrund des wachsenden Priestermangels für eine Abkehr vom Pflichtzölibat aus. Auch geeignete verheiratete Männer (Viri probati) sollten nach einer entsprechenden Ausbildung römisch-katholische Priester werden können. Zu den Erfolgen seiner Amtszeit zählte Bischof Beer die Ausweitung jenes Kreises, der einen Dienst in der Kirche leistet. „Dieser Prozess setzte mit der Einführung der Ständigen Diakone ein. Wir haben mehr als 30 Ständige Diakone, von denen mehrere selbstständig eine Pfarre leiten", sagte er. „Das bedeutet, dass sich in den Kirchengemeinden einiges bewegt, und so lassen wir langsam die Sackgasse des Klerikalismus hinter uns", so Beer.(kap u. vn v. 6. 6.)

 

Christine Naline (60), Mutter von vier Kindern, war früher verantwortlich für die Ausbildung von Katecheten in Lille, dann von Laien in der kirchlichen Mission in Nanterre und jetzt wurde sie stellvertretende Generalsekretärin der französischen Bischofskonferenz. Ab dem 1. September wird sie als Nachfolgerin des Priesters Gérard Le Stang das Amt übernehmen. Es ist das erste Mal in Frankreich, dass eine Frau in so hoher Position mit der Koordination der nationalen Seelsorge betraut wird. „Ich war beeindruckt von dieser Wahl der Bischöfe. Sie zeigt, dass sie die Taufberufung aller Mitglieder des Volkes Gottes ernst nehmen”, erklärte Christine Naline der Tageszeitung „la Croix". (vn v. 7. 6.)

 

Die römisch-katholische Kirche auf Mauritius hat die Blockade einer Homosexuellen-Demonstration durch eine Gruppe von Muslimen verurteilt. Die Gruppe hatte mit gehässigen Transparenten eine Gegen-Demo initiiert. Ungeachtet der eigenen moralische Ansichten zum Thema Homosexualität sei die Kirchenleitung vom Vorgehen der Muslime abgestoßen, heißt es in einer öffentlichen Erklärung des Bischofs von Port Louis, Kardinal Maurice Piat. „In einem Rechtsstaat hat jeder die Pflicht, die Rechte anderer zu respektieren, auch wenn er nicht den gleichen Standpunkt vertritt wie sie.“ Er wies ferner darauf hin, dass diese Demonstrierenden nicht alle Muslime auf Mauritius repräsentierten. „Wir haben viele Freunde unter unseren muslimischen Brüdern und Schwestern“, betonte Piat. Mauritius setze auf Männer und Frauen guten Willens aus allen Gemeinschaften, um den sozialen Frieden, „unseren Schatz für alle“, zu erhalten. Auch der Premierminister von Mauritius, Pravind Jugnauth, verurteilte das Verhalten der muslimischen Protestierer als „illegal“. (vn v. 7. 6.)

 

Die kommende Amazonas-Synode wird Auswirkungen auf die ganze römisch-katholische Kirche haben. Am 8. Juni hat das Sekretariat der Bischofssynode nun die „Lineamenta“ herausgegeben, mit denen die außerordentliche Bischofssynode zum Amazonasgebiet vorbereitet werden soll. „Auch wenn das Thema sich auf ein spezifisches Territorium wie die Amazonasregion bezieht – weshalb man auch von Panamazonischer Synode spricht – so gehen die damit zusammenhängenden Überlegungen doch über den regionalen Bereich hinaus, denn sie betreffen die gesamte Kirche und auch die Zukunft des Planeten“, betonte der Sekretär der Bischofssynode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, bei der Vorstellung der Lineamenta, der auch ein Fragebogen angegliedert ist. Umweltzerstörung, Raubbau, moderne Formen der Sklaverei und wirtschaftliche Entwicklung auf Kosten des Einzelnen sind nur einige der Probleme, die genannt werden. Das Dokument spricht auch von der Notwendigkeit, generell neue Wege bei der Schaffung von Kirchenämtern zu gehen – mit einem besonderen Augenmerk auf die Frauen. Baldisseri: „Sowohl der Papst als auch andere sagen immer wieder, dass es nötig ist, der Frau mehr Platz in der Kirche einzuräumen, auf allen Ebenen.“ Wie das nun im Einzelnen aussehen könnte, lässt das Dokument offen. Die Bewertungen würden in das „Instrumentum laboris“ einfließen, mit dem die Teilnehmer an der Synode dann tatsächlich arbeiten werden. Die Kirche wolle eine freie Diskussion der Themen, unter ihnen die „Ämterfrage im weitesten Sinn“ ermöglichen. Zu den etwa dreißig „Auditoren“ der Synode werden auch Vertreter der indigenen Bevölkerung gehören. Die Bischofsversammlung soll neue Wege finden, um das „amazonische Antlitz der Kirche zu fördern“ und auf „Situationen der Ungerechtigkeit in der Region zu antworten“. Die Auswirkungen werden wohl weit reichen – dessen ist sich Baldisseri bewusst: „Wir träumen, aber mit Bodenhaftung. Gleichzeitig stellen wir unsere Überlegungen mit offenen Augen an, wie die Kirche sein muss, ausgehend von der konkreten Realität. Die neuen Wege müssen eine Auswirkung auf die Ämter, die Liturgie und die Theologie haben. Das ist der Weg, den wir gehen müssen. Wir werden sehen, auf welche Weise.“ (vn v. 8. 6.)

 

Im Gespräch mit Vatican News äußert sich der deutsche Jugendbischof  Stefan Oster anerkennend über Papst Franziskus, der die Devise „runter vom Balkon“ ausgegeben habe, und lobt den deutschen katholischen Jugendverband BDKJ für seine hohe Debattenkultur und als „wichtigen Ort der Glaubenserfahrung […] Aber die Kluft wächst zwischen Jugendlichen, die nicht automatisch mit der Kirche in Berührung sind und denen, die es sind. […] Jeder junge Mensch ist in einer Wachstumsphase, in einer Suchphase. Es ist wichtig, die wirklich wahrzunehmen und darin auch als Kirche zunächst einmal hörende und wahrnehmende Kirche zu sein, bevor wir lehrende Kirche sind. […] Ich glaube, dass dies auch ein neuer Blick ist von Papst Franziskus, der sagt, wenn ich es mit einem Bild sagen soll: runter vom Balkon. Hingehen zu den Menschen, erstmal hören, fragen, die Situation wahrnehmen, bevor wir ins Sprechen kommen. […Hinsichtlich der Jugendsynode bin ich] dafür, dass Jugendliche beteiligt werden. Ich habe ja auch die Forderung unseres Bundes der Deutschen Katholischen Jugend [für ein Stimmrecht] unterstützt, dass wir gesagt haben, es wäre eigentlich schön, wenn genauso viele Jugendliche wie Bischöfe teilnehmen.“ (vn v. 19. 6.)

 

Der K9-Kardinalsrat will Papst Franziskus den Entwurf der neuen Kurienordnung noch diesen September vorlegen. Der Kardinalsrat hatte den Entwurf mit dem Arbeitstitel „Praedicate Evangelium" („Predigt das Evangelium") vor gut einer Woche verabschiedet. In den kommenden Monaten werde das Dokument noch geglättet und korrigiert, sagte der Sekretär des Kardinalsrates, Bischof Marcello Semeraro, im Interview mit „Vatican News“. In den letzten fünf Jahren wurden „die betreffenden Reformbereiche konsultiert, also die Dikasterien-Chefs und Verantwortlichen der verschiedenen Büros der römischen Kurie. […] Der Papst hat in einer wichtigen Rede zur 50-Jahr-Feier der Bischofskongregation gesagt: Synodalität beginnt mit dem Zuhören, und er präzisierte dann: dem gegenseitigen Zuhören. Der Stil des Papstes bei diesen Treffen ist folgender: Er hat nicht einmal zu Beginn der Arbeiten des Kardinalsrates eine offizielle Rede gehalten, sondern wollte direkt zuhören und wissen, was für Ideen die Kardinäle in diesem ersten Sommer bei ihren Beratungen gesammelt hatten“, so Bischof Marcello Semeraro im Interview. (vn v. 22. 6.)

 

Auf eine Frage der Augsburger Allgemeinen Zeitung an den Benediktiner und Buchautor Anselm Grün nach seiner Meinung zum Pflichtzölibat, sagte er: „Es gibt keine theologischen Gründe, die gegen eine Abschaffung des Zölibats oder gegen Priesterinnen, Bischöfinnen oder Päpstin sprechen. Nur: Hier ginge es um geschichtliche Prozesse. Der erste Schritt müsste nun sein, dass Frauen zu Diakoninnen geweiht werden. Der Kirche dürfen die Frauen nicht verloren gehen! Was den Zölibat betrifft: Der sollten jedem frei gestellt sein.“ (KircheIn 07/2018)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Der ehemalige muslimische Berater des Großimams der Kairoer Universität al-Azhar wird mit einer hohen päpstlichen Auszeichnung, dem päpstlichen Piusorden, geehrt. Wie der Vatikan am 3. Februar bestätigte, wird Mohamed Mahmoud Abdel Salam den „Großkomtur des Piusordens“ am 26. März für seine „hervorragende Arbeit“ im interreligiösen Dialog und für die Stärkung der Beziehungen zwischen der römisch-katholischen Kirche und al-Azhar erhalten. Al-Azhar gilt als die höchste Autorität des sunnitischen Islam. Die Nachricht kommt am selben Tag, an dem Papst Franziskus seine Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate beginnt. Dort wird er am 4. Januar in Anwesenheit des Großimams von al-Azhar, Ahmed al-Tayyeb an einem hochkarätig besetzten interreligiösen Treffen in Abu Dhabi teilnehmen. (vn v. 3. 2.; Die Furche v. 7. 2.)

     

  • Ein Drittel der US-Bischöfe befürworten die Ordinierung von geeigneten Frauen zu Diakoninnen und Priesterinnen: Das ist das Ergebnis einer am 23. Jänner veröffentlichten Umfrage des „Center for Applied Research in the Apostolate“ der Georgetown University in Washington. Allerdings sind nur 27 Prozent der Bischöfe der Ansicht, dass der Vatikan eine solche Weihe für Frauen erlauben wird. 79 Prozent der Befragten glauben, dass die US-Bischofskonferenz die Ordinierung von Frauen einführen würde, sollte der Vatikan eine solche Weihe erlauben. (JA v. 3. 2.)

     

  • Papst Franziskus wünscht sich einen Nahen Osten als „Ort des Friedens“. Das sagte er am 1. Februar den Angehörigen der gemischten Gesprächskommission von Katholiken und Altorientalen im Vatikan. Vom Psalm-Vers 133,1 ausgehend wies Franziskus auf die bisherigen Erfolge des ökumenischen Dialogs zwischen der römisch-katholischen Kirche und den (alt)orientalisch-orthodoxen Kirchen hin. „Dieser Dialog veranschaulicht gut, wie sich die verschiedenen theologischen Formeln oft ergänzen und nicht gegeneinander antreten, wie es bereits das Zweite Vatikanische Konzil hervorhob.[…] Ich bete und ermutige alle, dass die gegenwärtigen Überlegungen über die Sakramente uns allen helfen kann, den Weg zur vollen Gemeinschaft zu finden, der zur gemeinsamen Feier der Heiligen Eucharistie führt.“ Die meisten orientalisch-orthodoxen Kirchen befinden sich in Ländern zwischen Ägypten (Kopten), Syrien bis in den Irak. Der Papst erinnerte an das Friedensgebetstreffen in Bari vom 7. Juli 2018. „Ich möchte allen christlichen Gläubigen im Nahen Osten meine Nähe bekunden. […] Der Nahe Osten muss zu einem Ort des Friedens werden, er darf nicht länger ein Ort des Konflikts sein. Der Krieg, geschürt durch Macht und Elend, soll dem Frieden weichen, der von Recht und Gerechtigkeit getragen wird, und unsere christlichen Brüder und Schwestern in jenen Ländern sollten als selbstständige und gleichberechtigte Bürger anerkannt und geschützt werden.“ Am Schluss beteten alle gemeinsam das Vaterunser, jeder in seiner Sprache. (vn v. 1. 2.)

     

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