Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral ..)

Für eine offene und vielfältige Kirche hat sich der der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof von München-Freising, Kardinal Marx, ausgesprochen. „Wir können keine Kirche sein, die uniform ist, sondern wir müssen eine Kirche sein, die die Vielfalt annimmt, liebt und im Glauben gestaltet“, schrieb Marx in einem Gastbeitrag für die Freiburger Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“. Kirche sei niemals Selbstzweck. Der christliche Glaube sei „in der Gemeinschaft ausgerichtet auf die ganze Welt“. Im Blick auf Säkularisierungstendenzen seien Christen heute besonders gefordert, ihren Glauben öffentlich zu leben und damit andere zum Christentum einzuladen, erklärte er. (kna u. vn v. 6. 9.)

 

Nach Bischof Benno Elbs und Caritas-Präsident Michael Landau hat sich nun auch die Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ), Gerda Schaffelhofer, mit einem Appell an die Gläubigen gewandt, ein Zeichen der Solidarität mit Papst Franziskus zu setzen. Sie schließe sich dem Aufruf von Bischof Elbs an und fordere die Gläubigen auf, „sich nicht denen anzuschließen, die murren, weggehen oder in die Rolle des Zuschauers flüchten". Vielmehr seien auch die Laien dazu aufgefordert, „die vielfachen Bemühungen des Papstes mitzutragen und den überfälligen Erneuerungsprozess in der Kirche voranzutreiben", schreibt sie in einem Kommentar in der Wochenzeitung „Die Furche". Anlass der jüngsten Solidaritätsadressen, die inzwischen weltweit von Bischöfen und Bischofskonferenzen veröffentlicht werden, ist das Schreiben von Erzbischof Carlo Maria Vigano, ehemaliger Nuntius des Heiligen Stuhles in den USA, in dem dieser Papst Franziskus und mehrere Kardinäle beschuldigt, den Missbrauch durch den ehemaligen US-Kardinal Theodore McCarrick vertuscht zu haben und in dem er Papst Franziskus zum Rücktritt auffordert. (kathpress v. 6. 9.; Die Furche v. 6. 9.)

 

Der kalifornische Bischof Patrick McGrath (71) von San Jose will nach heftiger Kritik den Kauf einer 2,3 Millionen Dollar teuren Ruhestandswohnung revidieren. Es sei eine „Fehlentscheidung“ gewesen, sich das gut 300 Quadratmeter große Apartment zuzulegen, meinte er. (JA v. 9. 9.)

 

Der wegen des US-Missbrauchsskandals in die Kritik geratene Washingtoner Kardinal Donald Wuerl (77) hat vor den Priestern seiner Erzdiözese eigene Fehler eingeräumt. In einem von der Bistumszeitung „Catholic Standard“ veröffentlichten Brief bat er um „Vergebung für meine Fehleinschätzungen“ und „meine Unzulänglichkeiten“. Er empfinde Reue für jedes Leid, das er verursacht habe. Zudem bat er die Geistlichen, gemeinsam mit ihm „Wege der Heilung“ zu suchen. In dem Bericht der Generalstaatsanwaltschaft von Pennsylvania über Missbrauchsfälle und deren Vertuschung wird sein Name rund 200 Mal genannt. Vor seiner Ernennung zum Erzbischof von Washington war er 18 Jahre lang Bischof v. Pittsburgh. (JA v. 9. 9.)

 

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hat seinen Ruf nach einer kirchlichen Segnung von schwulen und lesbischen Paaren erneuert. „Es muss aber eine klare Abgrenzung zu einer Ehe geben“, sagte ZdK-Präsident Thomas Sternberg in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Und wenn eine Segnung vorgenommen wird, ist es meiner Meinung nach wichtig, dass es nicht auf spektakuläre Art und Weise geschieht.“ Das Thema ist „im Grundsatz weiterzuentwickeln“. Dies sei Aufgabe der Deutschen Bischofskonferenz. Anfang des Jahres hatte der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode eine Debatte in der „Neuen Osnabrücker Zeitung angeregt. „Man kann zum Beispiel über eine Segnung nachdenken, die nicht zu verwechseln ist mit einer Trauung […] Schweigen und Tabuisieren führt nicht weiter und verunsichert.“ Das ZdK ist das höchste repräsentative Gremium des deutschen Laien-Katholizismus. (religion.ORF.at u. kap v. 8. 9.)

 

Verantwortliche der römisch-katholischen Jugendarbeit aus dem deutschsprachigen Raum verlangen in einer Erklärung vom 9. September in München Veränderungen in der Kirche: mehr Mitbestimmung junger Menschen, die Anerkennung verschiedenartiger sexueller Orientierungen sowie eine transparentere Kirche aus. Unterzeichnet ist die Erklärung vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), von der Katholischen Jungschar Südtirols (KJS), Südtirols Katholischer Jugend (SKJ), der Katholischen Jugend Österreichs (KJÖ) sowie Vertretern der Jugendpastoral aus der Schweiz. Die gemeinsame Erklärung ist das Ergebnis des ersten Vernetzungstreffens von Vertretern kirchlicher Jugendarbeit aus dem deutschsprachigen Raum, um eine gemeinsame Position für die anstehende Jugendsynode vom 3. bis 28. Oktober zum Thema „Jugendliche, Glaube und Berufungsunterscheidung“ zu finden. Der BDKJ-Bundesvorsitzende Thomas Andonie erklärte: „Jungen Menschen müssen eigene Räume in Kirche zur Verfügung stehen, und es muss für sie eine Mitsprache in allen Angelegenheiten möglich sein.“ Magdalena Bachleitner, Vorsitzende der KJÖ, ergänzte: „Die offene Gesprächskultur und den Mut, heikle Themen anzusprechen, wie wir das an diesem Wochenende gelebt haben, wünschen wir auch den Bischöfen und Synodenvätern.“ (kna u. vn. v. 9. 9.)

 

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hält die Leitung von Kirchengemeinden und Pfarreien durch Laien für „absolut notwendig“. Im „Kirche+Leben“-Interview verwies ZdK-Präsident Thomas Sternberg auf die Tätigkeit der PastoralreferentInnen. Diese Ehrenamtliche müssten „letztverantwortlich Dinge entscheiden dürfen und nicht jedes Mal auf den Auftrag eines Hauptamtlichen warten“. Es müsse gelten: „Lieber einmal mehr machen als auf Anweisung warten.“ Dieser Weg ist für Sternberg zwingend, weil das Modell der Versorgung durch Hauptamtliche seiner Ansicht nach keine Zukunft habe. (kathpress v. 10 9.)

 

Papst Franziskus hat am 15. September in der sizilianischen Hauptstadt Palermo abermals betont, dass Mafia und Kirche nichts miteinander gemein haben. Die organisierte Kriminalität bedeute das Gegenteil dessen, was die christliche Botschaft ausmache, so der Papst in seiner Predigt. Er sei gekommen, um Don Pino Puglisi, einen Märtyrer des Glaubens, zu ehren. Dieser war ein Anti-Mafia-Priester und setzte sich dafür ein, dass die Jugend in seiner Pfarrei von Drogen und dem organisierten Verbrechen fernblieb. Papst Franziskus erinnerte daran, dass Don Puglisi vor genau 25 Jahren von einem Mafia-Killer getötet worden ist. Die Liebe Gottes lehne jegliche Gewalt ab und lehre stattdessen die Liebe zu allen Menschen. „Deshalb kann man nicht an Gott glauben und gleichzeitig ein Mafioso sein! Wer zur Mafia gehört, lebt nicht als Christ, weil er mit seinem Leben den Namen der Liebe Gottes lästert.“ Die heutige Welt brauche Menschen, die Liebe weiterreichten, und keine mafiösen „Ehrenmänner“. Und er wandte sich direkt an die Mafiosi: „Ändert euch! Hört auf, an euch selber zu denken und an euer Geld! Bekehrt euch zum wahren Gott Jesu Christi! Ansonsten geht euer eigenes Leben verloren.“ (vn v. 15. 9.

 

Der Nationale Priesterrat (National Council of Priests, NCP) in Australien tritt wieder einmal für einen freiwilligen Zölibat ein und will auf dem Plenarkonzil der römisch-katholischen Kirche Australiens im Herbst 2020 einen entsprechenden Antrag einbringen. Die Mehrheit der Priester sei „für einen freiwilligen Zölibat in der Weise, dass das Priesteramt für verheiratete Männer geöffnet werden sollte“, wurde der Priesterratsvorsitzende James Clarke zitiert. „Diese Forderung kommt nicht nur von den Priestern, sondern auch von den Menschen“, fügte er hinzu. Viele Priester hätten die Kirche verlassen, weil ihnen das Zölibatsgebot „zu schwierig“ gewesen sei. Das sei ein großer Verlust für die Kirche und man sollte überlegen, wie diese ehemaligen Priester wieder aufgenommen werden könnten. Dem 1970 gegründeten und von der Bischofskonferenz anerkannten NCP gehören mehr als 1.700 der rund 3.000 australischen Priester an. (religion.ORF.at u. kap u. kna v. 17. 9.; JA v. 30. 9.)

 

Umfragen unter Gläubigen in aller Welt sollen künftig fest zur Vorbereitung von Bischofssynoden gehören. Das ist die wichtigste Neuerung, die sich aus der Apostolischen Konstitution von Papst Franziskus mit dem Titel „Episcopalis communio“ (Gemeinschaft der Bischöfe) vom 18. September ergibt. „Die Geschichte der Kirche zeugt von der Wichtigkeit von Konsultationsprozessen“, heißt es im Text unter der Nummer 7. „Es ist darum sehr wichtig, dass auch zur Vorbereitung von Bischofssynoden die Befragung aller Ortskirchen besondere Aufmerksamkeit erfährt.“ Die Bischöfe sollten „in dieser ersten Phase“ auch die „gläubigen Laien ihrer Kirchen, ob einzeln oder in Verbänden organisiert“, befragen. Der Papst setzt darauf, dass „von hier aus eine synodale Kirche Form anzunehmen beginnt“. Der Text betont die Verantwortung jedes einzelnen Bischofs für die Kirche. Die zusammentretenden Synodenväter sollten sich nicht „vom Rest der Gläubigen getrennt“ fühlen, sondern vielmehr alles tun, „um dem ganzen Volk Gottes“ auf der Synode „eine Stimme zu geben“. Experten und Betroffene sollen besser eingebunden und vorsynodale Versammlungen, bei denen Laien dominieren, gebräuchlicher werden. Dies begrüßte auch der Wiener Kardinal Christoph Schönborn. Der Papst gibt der Einrichtung der Bischofssynode auch einen stark ökumenischen Akzent: Die Synode solle „auf ihre Weise versuchen, zur Wiederherstellung der Einheit unter allen Christen beizutragen“. Dabei erinnert Franziskus ausdrücklich an eine Aufforderung des Papstes Johannes Paul II.: Es müsse „eine Form der Ausübung des päpstlichen Primats gefunden werden, die zwar nicht auf das Wesentliche des Papstamtes verzichtet, sich aber doch für eine veränderte Lage öffnet“. Zum ersten Mal sei auch eine ökumenische Bischofssynode möglich. (vn v. 18. 9. Die Furche v. 27. 9.)

 

Die deutsche Theologin Marianne Schlosser wird in diesem Jahr mit dem Joseph-Ratzinger-Preis geehrt. Das gab die „Vatikanische Stiftung Joseph Ratzinger - Benedikt XVI.“ am 20. September bekannt. Die Verleihung wird am 17. November im Vatikan stattfinden. Schlosser, die an der Universität Wien lehrt, ist nach der Französin Anne-Marie Pelletier (2014) erst die zweite Frau, die den renommierten Preis erhält. Kurienkardinal Gianfranco Ravasi, Präsident des Päpstlichen Kulturrates und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Stiftung, sagte bei der Bekanntgabe, Schlosser werde vor allem als Kennerin der frühkirchlichen und mittelalterlichen Theologie geehrt. 2014 berief Papst Franziskus die Theologin in die Internationale Theologenkommission. Die Auszeichnung ist mit 50.000 Euro dotiert. (kna u. vn v. 20. 9.; JA v. 30. 9.)

 

„Der Zölibat trägt zum Missbrauch bei“, glaubt der ehemalige Benediktinermönch Anselm Bilgri. In einem Interview der Online-Ausgabe der Zeitung „Die Zeit“ vom 21. September sagt er: „Der Zölibat ist nicht die Ursache, aber er begünstigt den Missbrauch. Offensichtlich werden Menschen mit einer verkorksten Sexualität vom Zölibat des katholischen Priestertums besonders angezogen. Viele Missbrauchstäter handeln als Gelegenheitstäter, weniger aus einer pädophilen Veranlagung heraus, sondern weil sie nie gelernt haben, auf Augenhöhe auf einen Sexualpartner zuzugehen, wenn sie ihre Libido spüren. Deshalb machen sie sich an die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen heran. Der Zölibat trägt dazu noch weiter bei.“ Es sei auffällig, „dass heute ein Großteil der Priester den Zölibat nicht einhält. Die Kirche weiß es, akzeptiert es auch, wahrt aber den Schein. Ein Gebot, das sowieso nicht eingehalten wird, kann man auch abschaffen.“ (www.zeit.de v. 21. 9.)

 

Mit Blick auf die jüngste Missbrauchsstudie fordert das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) Reformen und plädiert für ein verändertes Verständnis von Sexualität. „Nicht erst nach dieser Studie sind wir davon überzeugt, dass die Kirche ihr Verständnis von Sexualität, insbesondere auch von Homosexualität, überdenken muss“, erklärte Präsident Thomas Sternberg. Er kritisierte ein überholtes Amts- und Kirchenverständnis, das Missbrauch begünstigt und die „männlich strukturierte Aus- und Fortbildung des Klerus“. Die gesamte Leitungs- und Ämterstruktur der Kirche müssten weiblicher werden. Konkret forderte er die Schaffung einer kirchlichen Verwaltungsgerichtsbarkeit auf der Ebene der Bischofskonferenz und kritisierte den Flickenteppich unterschiedlicher Präventionsstrategien der 27 Bistümer. Es gebe eine Bandbreite von entschlossenem Handeln bis zu Relativierungen oder Abwarten. „Wir halten das für untragbar.“ Der Familienbund der Katholiken forderte eine verstärkte Präventionsarbeit und neue Ansätze in der Sexualmoral der Kirche. Eine grundlegende Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs sei nur möglich, wenn sich die Kirche einer offen geführten Sexualitätsdebatte stelle, sagte dessen Präsident Stefan Becker. (kna u. vn v. 25. 9.; Die Furche v. 27. 9.)

 

Der Pflichtzölibat in der römisch-katholischen Kirche begünstigt den sexuellen Missbrauch: Ein vernichtendes Zeugnis über den Umgang mit Missbrauch haben die Verfasser der MHG-Missbrauchsstudie der Kirche ausgestellt. Die Studien-Ergebnisse legten nahe, dass es in der Kirche Merkmale und Strukturen gebe, die sexuellen Missbrauch durch Geistliche zumindest begünstigen können. „Dazu gehören der Missbrauch klerikaler Macht, aber auch der Zölibat und der Umgang mit Sexualität, insbesondere mit Homosexualität“, betonte der Mannheimer Psychiatrie-Professor Harald Dreßing, Koordinator des Forschungskonsortiums der Universitäten Mannheim, Heidelberg und Gießen („MHG“) bei der Vorstellung der Studie am 25. September. Diese Strukturen seien nach wie vor nicht überwunden. Insgesamt sei zu beobachten, dass es ein „systemisches Versagen“ gebe bei der Verschleierung und mangelnden Aufarbeitung von Missbrauchsdelikten. Auffallend sei, dass der Großteil der Opfer sehr jung (unter 14 Jahren) und männlich sei – in anderen Kontexten seien die Opfer größtenteils weiblich. Eine weitere Erkenntnis der Untersuchung sei, dass Diakone signifikant seltener als Priester des Missbrauchs beschuldigt würden. Dies könnte einerseits der Nichtverpflichtung zum Zölibat geschuldet sein, andererseits aber auch der „deutlich geringeren klerikalen Macht“ der Diakone. (vn v. 25. 9.)

 

Missbrauchsskandale und die dringend nötige Erneuerung der Kirche waren die beherrschenden Themen auf der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick forderte die Kirche zu einer Reinigung auf: Jesus gebe seine Kirchen nicht auf, vielmehr „schickt er sie ins Fegefeuer, damit sie sich reinigt und heiligt. Denn sie soll Seinem Willen entsprechen und ihre Sendung erfüllen: Zeichen und Werkzeug des Heiles Gottes für die Menschen zu sein, wie das Zweite Vatikanische Konzil sagt. Wirken wir bei der Erneuerung der Kirche mit und fangen wir dabei bei uns selber an!“ Am 25. September hatte eine Forschergruppe eine Studie über Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche vorgestellt. Wissenschaftler, Politiker und Opferverbände fordern nun eine Debatte über kirchliche Strukturen, die den Missbrauch begünstigen können. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf zeigte sich in Fulda offen für eine Debatte über den freiwilligen Zölibat für Priester. Der Missbrauchsskandal in der römisch-katholischen Kirche zeige, dass „das System in Frage gestellt“ sei und versagt habe, sagte er. Auch der Berliner Erzbischof Heiner Koch sprach sich dafür aus, einen möglichen Zusammenhang zwischen Missbrauch und Zölibat zu prüfen. Der deutsche Jugendbischof Stefan Oster geht davon aus, dass das Thema Missbrauch auch auf der bevorstehenden Bischofssynode zum Thema Jugend im Vatikan eine wichtige Rolle spielen wird: „Ich hoffe, dass es so zur Sprache kommt, dass junge Menschen auch gehört werden und dass die Bischöfe zum Ausdruck bringen, wie sich Kirche verändern kann und muss, damit das in Zukunft so selten wie möglich passiert.“ (www.domradio u. vn v. 27. 9.)

 

Der Luxemburger Erzbischof Jean-Claude Hollerich wirbt für mehr Verständnis in der Kirche für Homosexuelle. Außerdem müsse die Kirche den Frauen mehr berufliche Perspektiven aufzeigen, um die Glaubwürdigkeit bei Jugendlichen zurückzugewinnen. Hollerich wird an der Jugend-Bischofssynode vom 3. bis 28. Oktober teilnehmen und meinte: „Wir müssen aufhören, eine Männerkirche zu sein.“ Zudem gelte es, homosexuelle Jugendliche in der Kirche anzunehmen, da Gott alle Menschen liebe. Er erhalte als Erzbischof oft Briefe von Jugendlichen, die vor der Firmung stünden: „Einmal schrieb ein junger Mann, der homosexuell ist: Meine Mutter hat gesagt, ich komme in die Hölle. Stimmt das? Ich antwortete ihm: Nein, stimmt nicht. Ich freue mich, dass du bei der Firmung dabei bist." Zwar sei Hollerich tief vom römisch-katholischen Eheverständnis überzeugt, „das heißt aber nicht, dass das Leben und die Partnerschaft von anderen nichts Positives hätten. Das müssen wir anerkennen." (kna u. vn v. 28. 9.)

 

Zum Abschluss der Diözesanversammlung der Erzdiözese Wien am 29. September äußerte sich der Wiener Kardinal Christoph Schönborn positiv zum Frauendiakonat: Er habe erst vor einigen Tagen 14 verheiratete Männer zu „Ständigen Diakonen“ geweiht. Lange galt das Amt als Vorstufe zum Priesteramt, doch schon seit 1968 können verheiratete Männer „Ständige Diakone“ werden. Diese Offenheit sollte auch den Frauen entgegengebracht werden. In manchen Ostkirchen taufen, verheiraten, beerdigen und predigen Diakoninnen, sagte Schönborn. Papst Franziskus berief 2016 eine wissenschaftliche Kommission zur Untersuchung der Geschichte des Diakonats der Frau ein, vor allem in Hinblick auf die frühesten Zeiten der Kirche. Sechs der zwölf Forscher in der päpstlichen Diakon-Kommission sind Frauen. Die Forderung nach einem Frauendiakonat wird vor allem von Theologen und Frauen- und Jugendorganisationen gestellt. (vn v. 1. 10.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Kardinal Reinhard Marx (München) sieht wiederholte Angriffe auf Gebetshäuser in Deutschland mit großer Sorge. „Solche Verbrechen sind schändlich und dürfen in keiner Weise verharmlost werden“, schreibt der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz in einem veröffentlichten Grußwort zum Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan. „In einer offenen Gesellschaft darf kein Mensch Angst verspüren, wenn er ein Gebetshaus betritt.“ Es sei Pflicht der gesamten Gesellschaft, Hass und Hetze zurückzuweisen und sich für ein friedliches und vertrauensvolles Miteinander einzusetzen. Das gelte besonders für die Vertreter der Religionen, „denn ohne Frieden zwischen den Religionen und Kulturen gibt es keinen Frieden in unserer Gesellschaft“. In seiner Grußbotschaft übermittelt Marx Segenswünsche an alle Muslime in Deutschland: „Gott, der Schöpfer und Erhalter dieser Welt, möge Sie durch die Fastenzeit begleiten und Ihre Gebete erhören!“ Der Kardinal forderte dazu auf, gemeinsam daran zu arbeiten, dass sich weltweit das Verständnis von gleichen staatsbürgerlichen Rechten für alle durchsetzt. „Den Wert des Respektes müssen wir besonders den Jugendlichen vermitteln. Denn sie werden in der von uns geschaffenen pluralen Gesellschaft noch lange miteinander arbeiten und leben.“ (kna u. vn v. 5. 5.)

     

  • Die für 6. bis 27. Oktober 2019 geplante Amazonas-Synode in Rom wird nach Worten des deutschen Bischofs Franz-Josef Overbeck zu einer „Zäsur" in der römisch-katholischen Kirche führen. „Nichts wird mehr sein wie zuvor", sagte der für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat zuständige Ruhrbischof in Essen. So stehe die hierarchische Struktur der Kirche genauso auf dem Prüfstand wie ihre Sexualmoral und das Priesterbild. Auch die Rolle der Frau in der Kirche müsse überdacht werden. Bei der Bischofsversammlung soll es neben der Ökologie auch um Theologie und Seelsorge, um die Belange der Indigenen sowie um Menschenrechte gehen. In Lateinamerika werden die Ortskirchen und ihr Klerus immer selbstständiger. Zugleich stelle sich ein Priestermangel ein. Er kenne Diözesen, in denen einem Bischof noch gerade zehn Priester für ein riesiges Seelsorgegebiet zur Verfügung stünden. Schon jetzt seien die Kirchen vor Ort von Frauen, vor allem durch Ordensfrauen geprägt. „Das Gesicht der Kirche vor Ort ist ein Gesicht von Frauen", so der Adveniat-Bischof. Auf all das müsse die Kirche reagieren und Antworten finden. Die Kirche werde das „Schritt für Schritt" über mehrere synodale Prozesse tun müssen. (kna, kap u. vn v. 2. 5.)

     

  • Ein ökumenisches Ereignis von erstrangiger Bedeutung findet seit 1. Mai in Addis Abeba statt: Zum ersten Mal sind kirchliche Führungspersönlichkeiten und Experten der äthiopisch-orthodoxen Kirche sowie der römisch-katholischen Kirche in Äthiopien versammelt, um bei einer Konferenz auf wissenschaftlicher Ebene die Streitpunkte der Vergangenheit zu behandeln: die Unionsversuche des 16. Jahrhunderts und die Haltung der römisch-katholischen Kirche zum Eroberungskrieg Mussolinis im 20. Jahrhundert. Im seit Jahrzehnten andauernden Prozess zum Abbau des Misstrauens zwischen äthiopisch-orthodoxer und römisch-katholischer Kirche kommt der Wiener Stiftung "Pro Oriente" und dem von ihr getragenen „inoffiziellen Dialog" besondere Bedeutung zu. Daher wurde auch "Pro Oriente"-Präsident Alfons M. Kloss gebeten, die Tagung in Addis Abeba mit zu eröffnen. Der Salzburger Ostkirchenexperte und Vorsitzende der Salzburger Sektion von "Pro Oriente", Prof. Dietmar W. Winkler, ist einer der Referenten. Er behandelt das Verhältnis von offiziellem und inoffiziellem theologischen Dialog zwischen den Kirchen sowie die Hoffnung auf einen orthodox-katholischen Dialog in Äthiopien. Der römisch-katholische Erzbischof von Addis Abeba, Kardinal Berhaneyesus D. Souraphiel, betonte im Vorfeld, vertiefte ökumenische Beziehungen seien nicht nur für das gemeinsame christliche Zeugnis in der Gegenwart von größter Bedeutung, sondern seien auch ein Dienst an der Bewahrung des reichen christlichen Erbes Äthiopiens und wichtig für den konstruktiven Dialog mit dem Islam. Der moslemische Ministerpräsident Ahmed Abiy hat die Initiative zur Förderung der nationalen Versöhnung mit angeregt. Kardinal Souraphiel wurde im Februar von Ministerpräsident Abiy zum Koordinator der neuen äthiopischen Nationalkommission für Versöhnung und Frieden bestellt. Ende Jänner war der neue Regierungschef Ahmed Abiy von Papst Franziskus im Vatikan empfangen worden. (kap v. 1. 5.)

     

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