Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral…)

Aus Sicht des römisch-katholischen Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode muss über die Zulassungsbedingungen für Priester nachgedacht werden. „Die Frage der ‚viri probati‘, der bewährten Männer in Beruf und Familie, kann man ernsthaft prüfen“, sagte er im Interview der Osnabrücker Bistumszeitung „Kirchenbote“: Man müsse fragen, „ob Priesteramt und Zölibat immer miteinander verbunden sein müssen“. Die völlige Aufgabe der Pflicht zur Ehelosigkeit halte er aber für nicht sinnvoll, betonte Bode. Zur Weihe von Frauen meint er: „Wir sollten aber Frauen verstärkt in kirchliche Leitungspositionen bringen und über den Diakonat der Frau nachdenken.“ (kna u. rv v. 1. 6.)

 

Die Publizistin Gundula Walterskirchen ist die neue Obfrau des Pressvereins der Diözese St. Pölten und damit Herausgeberin der „NÖ-Nachrichten“. Bisher wurden immer Priester mit diesem Amt betraut. Sie ist in St. Pölten geboren und hat sich als Presse-Redakteurin und Publizistin zeitgeschichtlicher Bücher einen Namen gemacht. (Die Furche v. 7. 6.; JA v. 11. 6.)

 

Die Kirche soll Brücken zu den Homosexuellen, Bisexuellen und Transgender der „LGBT-Community“ schlagen. Das fordert der bekannte amerikanische Jesuit James Martin ein Jahr nach dem Attentat auf einen bei Homosexuellen beliebten Nachtclub in den USA mit 49 Toten. Der Chefredakteur des Jesuiten-Magazins „America“ schreibt in seinem neuen Buch „Building a Bridge“ über die Möglichkeiten einer Beziehung des Respekts und des Verständnisses der römisch-katholischen Kirche mit der LGTB-Community trotz unterschiedlicher Ansichten. Er fordert in einem Gastbeitrag für das „Time“-Magazin am 14. Juni, dass sich die Kirche für die Angelegenheiten der Homosexuellen öffne und sich ihrer annehme. Die Gründe, warum die Kirche LGBTs akzeptieren und lieben sollte, seien für ihn „unzählbar“. Der wichtigste sei, dass es für Jesus niemanden außerhalb der Gemeinschaft gegeben habe. „Das ist kein uns und die. Es gibt nur uns“, argumentiert Martin, der als einer der einflussreichsten Katholiken Amerikas gilt. Kurienkardinal Kevin Farrell bezeichnete die Veröffentlichung von Martins Buch als „willkommen und dringend nötig“. Der Leiter der Vatikanbehörde für Laien, Familie und Leben schreibt im Vorwort des Buches, dieses „werde den LGTB-Katholiken helfen, sich mehr in der Kirche zu Hause zu fühlen. Es ist ja auch ihre Kirche.“ (new york times u. rv v. 15. 6.)

 

Papst Franziskus zeigt Hausverstand und verlegt die traditionelle Fronleichnamsprozession im Zentrum Roms von ihrem eigentlichen Termin am Donnerstag auf den Sonntag. Vatikansprecher Greg Burke begründete dies mit dem Ziel, dass auf diese Weise mehr Gläubige daran teilnehmen könnten, weil dieser Donnerstag in Italien seit 1977 gewöhnlicher Werktag ist. Die Prozession wird wie gewohnt von der Lateranbasilika nach Santa Maria Maggiore gehen. (rv v. 16. 6.)

 

Die von Papst Franziskus eingesetzte „K9-Gruppe“ für Reformen in der römisch-katholischen Kirche erwägt eine stärkere Beteiligung des Kirchenvolks bei Bischofsernennungen. Laut dem Vatikansprecher Kardinal Greg Burke denke man darüber nach, Ordensleute und Laien in die Suche nach geeigneten Kandidaten für das Bischofsamt stärker einzubinden. (JA v. 25. 6.)

 

Papst Franziskus hat sich 90 Minuten lang – anstatt der geplanten 30 Minuten – den oft schwierigen Alltag von Frauen nach einer Ehescheidung oder Trennung schildern lassen. Am 28. Juni empfing er im Vatikan eine Gruppe spanischer Katholikinnen aus der Erzdiözese Toledo, deren Ehen gescheitert sind. „Wir haben einen Vater gefunden, der uns freundlich und mit absoluter Einfachheit zugehört hat“, berichtete Esperanza Gomez-Menor dem Internetportal „Vatican Insider“. Eine andere Teilnehmerin sagte, der Papst habe mehrfach betont, dass die Kirche sie willkommen heiße. Franziskus hatte die Kirche in seinem Schreiben „Amoris laetitia“ 2015 aufgefordert, Geschiedene nicht auszugrenzen. Zudem ebnete er im Einzelfall den Weg zur Zulassung zur Kommunion. Erzbischof Braulio Rodriguez hatte Papst Franziskus von dem Frauen-Projekt der Erzdiözese Toledo in einem Brief berichtet. Daraufhin äußerte der Papst den Wunsch, die Frauen persönlich kennenzulernen. (kna u. rv v. 28. 6.)

 

Die neue Fassung des französischen Vaterunsers soll in der Schweiz zu Ostern 2018 in Kraft treten, haben die römisch-katholischen Bischöfe der Schweiz beschlossen. Dann werden alle christlichen Kirchen der französischsprachigen Schweiz die neue Version gleichzeitig einführen. In der neuen Vaterunser-Fassung ändert sich der Satz „Und führe uns nicht in Versuchung“ auf: „Und lass uns nicht in Versuchung geraten“. Die Neufassung des Vaterunsers betrifft nicht nur die Schweiz, sondern alle frankophonen Länder mit Ausnahme Kanadas. In Belgien ist sie seit dem 4. Juni in Kraft; Frankreich zieht im Dezember 2017 nach. (cath.ch u. rv v. 29. 6.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Ein Fernsehsender der Vereinigten Arabischen Emirate (VAR) zeigt den Dokumentarfilm „Der Besuch des Friedens“ über den Papstbesuch im Februar 2019. Er behandelt die Vorbereitungen, Begegnungen und Auswirkungen, die der Papstbesuch auf die Bevölkerung in den Arabischen Emiraten hatte. Das Filmprojekt reiht sich ein in weitere Initiativen rund um das ausgerufene „Jahr der Toleranz“. Ein Teil der Doku fokussiert sich auf den Aufenthalt des Papstes in Abu Dhabi inklusive des Treffens mit Großimam Achmed al-Tayyeb und der Unterzeichnung des „Dokuments über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“. Die Großmesse des Papstes vor rund 100.000 Menschen im Zayed Sports City Stadion ist auch Inhalt des Films. Zusätzlich zu den Worten des Papstes enthält die Dokumentation Beiträge und Interviews mit Bürgern und Regierungsbeamten, die ihre Ansichten über den Wert des Besuchs und seine Bedeutung für die Emirate im Rahmen des „Jahres der Toleranz“ zum Ausdruck bringen. (asianews u. vn v. 5. 9.)

     

  • Der aus Deutschland stammende Bischof des brasilianischen Amazonas-Bistums Obidos, Johannes Bahlmann, kann sich verheiratete Männer als Priester vorstellen. In seiner rund 182.000m² großen Diözese gebe es Gemeinden, die „nur zwei- oder dreimal im Jahr die Messe feiern können", sagte er der Wochenzeitung „Kirche & Leben". Es sei aber wichtig, dass es Priester vor Ort gebe. Ihr Dienst beschränke sich nicht auf die Feier der Eucharistie, sondern umfasse auch Nächstenliebe und Glaubensstärkung. Bei der Amazonas-Synode im Oktober in Rom müsse auch über Gemeindeleitung durch Nicht-Priester gesprochen werden. In seinem Bistum habe er gute Erfahrungen damit gemacht. Dort leiteten zu 80 Prozent Frauen Gemeinden mit bis zu 3.000 Gläubigen. Jede Pfarrei bestehe aus rund 150 Gemeinden. Da sei es „unmöglich, dass der Priester in jeder Gemeinde Verantwortung übernimmt". Bahlmann nimmt an der von Papst Franziskus einberufenen Amazonas-Synode vom 6. bis 27. Oktober teil. (kna u. vn v. 4. 9.; JA v. 15. 9.)

     

  • Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. hat die Bedeutung der kulturellen und akademischen Austauschprogramme zwischen dem Moskauer Patriarchat und dem Vatikan gewürdigt. Kyrill empfing am 28. August die Teilnehmer des 5. Sommerkurses für römisch-katholische Priester und Ordensleute. Sie waren Gäste des von Metropolit Hilarion (Alfejew) geleiteten Theologischen Kyrill-Method-Instituts. Die Mitglieder der vatikanischen Delegation besuchten u. a. das Nowospasskij-Kloster und die Synodalabteilung für die Beziehungen der Kirche zur Gesellschaft und zu den Medien, die von Wladimir Legojda, geleitet wird. Man setzt besonders auf eine Zusammenarbeit im Bereich der Caritas-Arbeit, weil dies der beste Weg für die Kirchen ist, einander näher zu kommen. (kap u. vn. v. 1. 9.)

     

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