Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral…)

Die Pastoralassistentin Dr. Barbara Velik-Frank stellt in der Zeitschrift „Kirche In“ die Buchausgabe ihrer Dissertation vor: „Die Donaupriesterinnen. Eine heterotrope Provokation“ (treditionVerlag 2017). Damit befeuert sie die Diskussion über ein mögliches Frauenpriestertum in der römisch-katholischen Kirche: „Die Donaufrauen [2002 auf einem Schiff auf der Donau geweiht] zeigen auf, […] dass in der postmodernen Welt diese Kirche nur eine von vielen Optionen ist, sein religiöses Leben zu gestalten. […] Wenn sich alles verändert und möglich ist, dann ist man nicht mehr gebunden oder geleitet von Vorschreibungen, sondern von komplexer Selbstbestimmung.[…] Die Donaufrauen haben experimentiert und gehandelt. Und Gott hat sich ‚außerhalb‘ gezeigt. Sie haben sich die Freiheit der Positionierung genommen. Das Schiff der Donaufrauen repräsentiert somit ein „Sich-Ereignen“ von Kirche“, schreibt Velik-Frank in ihrem Beitrag. (KircheIn 09/2017)

 

Belgiens Primas Jozef De Kesel, Erzbischof von Mecheln-Brüssel, hat sich für das Schweigen der belgischen Kirche während der Massenverhaftung von Juden im August und September 1942 entschuldigt. Bei einer Konferenz zum 75. Jahrestags der Massenverhaftungen bat De Kesel um Vergebung für das Schweigen der Kirche während der deutschen Besatzung. Der Erzbischof mahnte, das Geschehene nicht zu vergessen und die Geschichte nicht zu verleugnen. Im Brüsseler Stadtviertel Marolles wurden in der Nacht zum 4. September 1942 718 Juden verhaftet und nach Auschwitz deportiert. (kna u. rv v. 8. 9.; JA v. 17. 9.)

 

Der Vatikan fühlt den Puls der Jugend: Zur Vorbereitung auf die Bischofssynode 2018, die sich um das Thema Jugend drehen wird, veranstaltet der Vatikan diese Woche eine Art Hearing. „Dieses Hearing soll uns auf den Stand der Forschung über die Realität der Jugendlichen bringen“, sagt Kardinal Lorenzo Baldisseri, Generalsekretär der Bischofssynode. Gleichzeitig weist er auf eine Homepage hin, auf der Interessierte einen Fragebogen zum Synodenthema ausfüllen können. „Nach den Statuten sind es Synodenväter, die die Synode bilden. Aber wir haben da ja auch eine sehr wichtige, weitere Figur: den sogenannten Auditor. […] Die werden drinnen mit dabei sein und können direkt ihren Beitrag leisten. Wir werden versuchen, die Präsenz von jungen Leuten so breit wie nur möglich zu machen.“ Junge Leute also als „Auditoren“, die bei den Beratungen in der Synodenaula des Vatikans mit dabei sind? „Ja“, bestätigt Baldisseri, „als Auditoren. Und dann ist natürlich klar, dass da nicht nur Katholiken sein werden, sondern auch Vertreter anderer christlicher Konfessionen. Geschwisterliche Repräsentanten.“ (rv v. 12.9.; JA v. 24. 9.)

 

In der Erzdiözese Chicago dürfen künftig in römisch-katholischen Kirchen künftig keine Schusswaffen mehr getragen werden. Nach einem Erlass des Erzbistums Chicago, der am 14. September in Kraft trat, sollen bewaffnete Gäste in Gotteshäusern, Schulen und anderen kirchlichen Einrichtungen künftig aufgefordert werden, das Grundstück zu verlassen. Der Erlass gilt auch für Priester und alle weiteren Mitarbeiter des Erzbistums, wie die Zeitung „Chicago Tribune“ am 14. September in ihrer Online-Ausgabe berichtete. Ihnen droht bei Verstoß ein Disziplinarverfahren, teilte Chicagos Erzbischof Blase Cupich seinen Priestern laut dem Bericht mit. (katholisch.de u. rv v. 14. 9.)

 

Papst Franziskus überträgt den Bischofskonferenzen die Übersetzung liturgischer Texte in die Landessprachen. In seinem neuen Schreiben „Magnum principium“ betont er den Grund dafür: Die Gebete der Kirche sollen für die Gläubigen verständlich sein. Der Vatikan soll die Texte nicht mehr vorher einer „Überprüfung“ („recognitio“) unterziehen, sondern erst nachträglich „bestätigen“ („confirmatio“). (Die Furche v. 14. 9.; JA v. 24. 9.)

 

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck sieht Chancen in einer veränderten Rolle der Kirche. „Wir sind auf dem Weg zu einer Kirche im Volk", sagte er in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“ vom 20. September. Er rechne damit, dass es künftig einen Kern religiöser Menschen geben werde. „Und wenn wir gut sind, werden wir darüber hinaus eine Kirche der Sympathisantinnen und Sympathisanten sein." Bei Fragen etwa nach Weiheämtern für Frauen oder der Gemeindeleitung durch Laien werde sich die Kirche „nicht mehr an den Gegebenheiten des 19. und 20. Jahrhunderts orientieren können". (kna u. rv v. 20. 9.)

 

Mehr Solidarität mit den Katholiken im Amazonasgebiet wünscht sich der aus Österreich stammende Bischof Erwin Kräutler. Mehr Solidarität bedeutet nicht nur „Geld schicken“, sondern sich auch für neue pastorale Möglichkeiten stark machen, wie z. B. für neue Formen der Zulassung zum Weihepriestertum. Papst Franziskus habe alle Bischöfe dazu aufgerufen, über neue Formen der Zulassung zum Weihepriestertum nachzudenken, erinnert der ehemalige Bischof der Amazonas-Diözese Xingu, wo es einen „unvorstellbaren“ Priestermangel gebe: 70 Prozent der Gläubigen könnten höchstens vier Mal im Jahr die Eucharistie feiern. „Und da müssen einfach die Alarmglocken läuten". Das Zustandekommen einer Eucharistiefeier dürfe nicht davon abhängen, ob ein zölibatärer Priester vorhanden sei, zeigte sich Kräutler überzeugt. Eine Konferenz der Bischöfe von Amazonien im vergangenen November habe sich bereits diesbezüglich klar ausgesprochen. Mehr Rückhalt aus anderen Kontinenten dafür – „und damit meine ich auch Europa“ - wäre notwendig. Auch die österreichischen Bischöfe sollten aus Solidarität mit Amazonien mutige Schritte setzen, so Kräutler, der zugleich festhielt, dass der Wert des Zölibats damit in keiner Weise in Frage gestellt werde. (kap u. rv v. 26.9.; JA v. 8. 10.)

 

Der neue Tiroler Bischof Hermann Glettler lässt mit einem Statement zum Frauendiakonat aufhorchen: In einem Interview mit der Zeitung „Die Presse“ vom 28. September sagt er unter anderem: „Ich bin froh, dass der Diakonat der Frauen jetzt hoffentlich ordentlich besprochen wird. Es wäre ein wunderbarer wichtiger Schritt.“ Dass Frauen einmal auch Priesterinnen werden können, sei „so utopisch nicht“ (Die Presse v. 28. 9.; JA v. 8. 10.)

 

Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin bietet Papstkritikern Gespräche an: Nach einem Schreiben konservativer Papstkritiker, die Papst Franziskus Häresie vorwerfen, hat Parolin Gesprächsbereitschaft signalisiert. Es sei „wichtig, auch innerhalb der Kirche einen Dialog zu führen“. Diejenigen, die nicht einverstanden seien, bekundeten ihre Missbilligung; „aber über diese Sachen muss man argumentieren, man muss versuchen, sich zu verstehen“, sagte Parolin laut dem italienischen Sender „Rainews24“. Das Schreiben der Papstkritiker hatte sich vor allem über traditionalistische Blogs verbreitet. Darin heißt es, durch sein Dokument „Amoris laetitia“ und weitere Aussagen habe der Papst häretische Positionen zur Ehe, Moral und Sakramentenempfang vertreten. Unterschrieben ist der „Zurechtweisungs-Brief“ von Laien und Klerikern, unter ihnen etwa der deutsche Schriftsteller Martin Mosebach, der frühere Chef der Vatikanbank IOR Ettore Gotti Tedeschi sowie der Generalobere der traditionalistischen Priesterbruderschaft Pius X., Bernard Fellay. In den vergangenen Tagen haben unter anderem der Theologe und Erzbischof Bruno Forte sowie der Kurienkardinal Marc Ouellet die Kritik an Papst und „Amoris laetitia“ als sachlich falsch zurückgewiesen. (kna u. rv u. religion.ORF.at v. 29. 9.)

 

Es ist wichtig, ein „Signal der kirchlichen Wertschätzung für gleichgeschlechtliche Paare“ zu setzen, sagt der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg. Es gehe ihm nicht um eine Gleichstellung mit der Ehe, die nach römisch-katholischem Verständnis ein sakramentales Bündnis zwischen Mann und Frau sei. Vielmehr stehe dahinter „der Wunsch, dass Gott den Gesegneten beistehen möge“. Zuletzt hatte ein Fall im Bistum Münster für Aufsehen gesorgt: Münsters Bischof Felix Genn hatte einem Priester seines Bistums die Segnung eines homosexuellen Paares untersagt. (kna u. rv v. 30.9.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Communio" einen Beitrag zum christlich-jüdischen Dialog veröffentlicht. Ziel des Benedikt-Textes sei zunächst nur eine private Reflexion auf die nachkonziliare Absage an die sogenannte „Substitutionstheorie" – die Vorstellung, die Kirche sei an die Stelle Israels getreten – und über den „nie gekündigten Bund" „Beide Thesen […] sind im Grunde richtig, sind aber doch in vielem ungenau und müssen kritisch weiter bedacht werden". Denn es habe eine „Substitutionstheorie" „als solche nicht gegeben" und es komme dem Judentum aus christlicher Sicht stets ein besonderer Status zu, insofern das Judentum „nicht eine Religion unter anderen" sei, sondern „in einer besonderen Situation steht und daher auch als solches von der Kirche anerkannt werden muss". Es gibt aber auch bleibende Differenzen wie z. B. die Messias-Frage: Für das Judentum bleibe ein gewisser messianischer Verheißungsüberschuss, denn Jesus habe ja kein messianisches Friedensreich gegründet, sondern seine Messianität verstanden als „eine Zeit der Freiheit". Auch die Frage des „nie gekündigten Bundes" zwischen Gott und den Juden verlange nach Differenzierungen, etwa in dem Sinne, dass es nicht nur den einen Bund zwischen Gott und seinem Volk gab, sondern viele unterschiedliche Bünde. „Die Formel vom ‚nie gekündigten Bund‘ mag in einer ersten Phase des neuen Dialogs zwischen Juden und Christen eine Hilfe gewesen sein, taugt aber nicht auf Dauer, um die Größe der Wirklichkeit einigermaßen angemessen auszudrücken", so Benedikt XVI. (kap u. vn v. 6. 7.)

     

  • Weitere deutsche Bischöfe haben angekündigt, die Kommunion für evangelische Ehepartner im Einzelfall zuzulassen: der „Ökumene-Bischof“ Gerhard Feige, der Hamburger Erzbischof Stefan Heße und der stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz Franz-Josef Bode. Der Magdeburger Bischof Feige erklärte, er bereite derzeit ein Schreiben vor, in dem er den Priestern seines Bistums die Beachtung der Orientierungshilfe der deutschen Bischofskonferenz nahelegt. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode will die Kommunion ebenfalls in Einzelfällen öffnen. Auch der Hamburger Bischof empfiehlt den Seelsorgern in seiner Diözese in einem Schreiben die Orientierungshilfe. Er persönlich sehe in dem dort angedeuteten Weg eine Möglichkeit, wie es zu einem verantworteten Sakramentenempfang im Einzelfall kommen könne, schreibt Heße. Auch aus Paderborn war bekannt geworden, dass Erzbischof Hans-Josef Becker in Einzelfällen die Teilnahme protestantischer Ehepartner an der Kommunion ermöglichen wolle. Die deutschen Bischöfe hatten in einer im Februar mit Dreiviertel-Mehrheit verabschiedeten „Orientierungshilfe“ betont, evangelische Ehepartner könnten im Einzelfall und unter bestimmten Voraussetzungen die Kommunion empfangen. Jeder Bischof soll selbst über den konkreten Umgang mit dem Thema in seiner Diözese entscheiden. (kap u. vn v. 3. 7.)

     

  • Die Internationale Anglikanisch-Katholische Kommission (ARCIC) hat eine Erklärung über die Kirche als lokale und universale Gemeinschaft veröffentlicht. In dem 68-seitigen Dokument geht es um die gemeinsamen theologischen Prinzipien beider Kirchen, um die unterschiedlichen Strukturen der Entscheidungsfindung sowie um die Möglichkeiten, voneinander zu lernen. Der Text „Walking Together on the Way: Learning to be Church - Local, Regional, Universal" wurde bereits bei einer Tagung im Mai 2017 in Erfurt verabschiedet, aber erst am 2. Juli veröffentlicht. Die Erklärung soll als Grundlage für weitere Diskussionen gelten. Der australische Theologe Ormond Rush legte das Papier im Namen des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen vor und betonte, es gebe viele Parallelen zwischen den Möglichkeiten des Lernens für die römisch-katholische Kirche, die in dem Dokument vorgeschlagen sind, und der Vision, die Papst Franziskus für die Erneuerung der Kirche gemäß des Zweiten Vatikanischen Konzils habe. Das Dokument legt auch die Notwendigkeit für die römisch-katholische Kirche nahe, die Autorität der Bischofskonferenzen klarer zu umreißen. Die Erklärung sei – methodisch und substanziell – ein bedeutender Schritt nach vorn für die katholisch-anglikanische Ökumene, hieß es von römisch-katholischen Beteiligten. Die anglikanischen Mitglieder lobten das „Bekenntnis zur Einheit". Sie schlugen zudem vor, die römisch-katholische Praxis eines gemeinsamen Heiligenkalenders zu übernehmen sowie einen weltweiten Katechismus und ein einheitliches Kirchenrecht zu entwickeln. ARCIC begann ihre Arbeit nach dem historischen Treffen 1966 zwischen Papst Paul VI. und dem anglikanischen Erzbischof von Canterbury, Michael Ramsey. (vn u. kap v. 5. 7.)

     

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