Kardinal Walter Kasper fordert eine "realistische Theologie der Ehe" und "Einzellösungen" bei der Zulassung wiederverheiratet Geschiedener zu den Sakramenten.

Eine "realistische Theologie der Ehe" müsse das Scheitern ebenso wie die Möglichkeit der Vergebung bedenken", schreibt er in einem Aufsatz, den die Zeitschrift "Stimmen der Zeit" am 25. 6. vorab auf ihrer Internetseite veröffentlichte. Dazu müssten "ein ehrliches Urteil des Betroffenen über seine persönliche Situation" und ein positives Votum des Beichtvaters vorliegen. Hierbei gehe es nicht um Ausnahmen vom Recht, so Kasper, "sondern um eine angemessene und barmherzige Anwendung des Rechts". Jede einzelne Situation müsse "verständnisvoll, diskret und taktvoll" geprüft werden. Es könne nur Einzellösungen geben und "keine allgemeine Lösung des Problems", heißt es in dem Beitrag mit dem Titel "Nochmals: Zulassung von wiederverheiratet Geschiedenen zu den Sakramenten?". Kasper erinnert in diesem Zusammenhang auf das traditionelle katholische Prinzip der Billigkeit, der sogenannten Epikie. Damit knüpft er an sein gemeinsames Hirtenschreiben als Bischof von Rottenburg-Stuttgart mit dem damaligen Mainzer Bischof Karl Lehmann und dem Freiburger Bischof Oskar Saier aus dem Jahr 1993 an. Eine "solche Weiterentwicklung der kirchlichen Bußpraxis" für wiederverheiratete Geschiedene wäre kein "Bruch mit der Lehre und der Praxis der Kirche", erklärt Kasper offensichtlich mit Blick auf seine Kritiker weiter. Eine recht verstandene "Hermeneutik der Kontinuität" schließe "praktische Reformen und damit ein Moment der Diskontinuität nicht aus, sondern ein". Der frühere Präsident des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen beruft sich hierbei ausdrücklich auf Papst Benedikt XVI. http://de.radiovatikana.va v. 25. 6.; Katheweb/KAP v. 26. 6.; JA v. 5. 7.))

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Die römisch-katholischen Bischöfe Indiens sind solidarisch mit den indischen Protestanten: Die Bischofskonferenz Indiens hat Hass gegen alle gesellschaftlichen Gruppen sowie Gewalt gegen Gotteshäuser verurteilt. Jene, die solche Taten verübten, seien „Feinde der Nation", hieß es in einem am 7. Oktober auf Twitter verbreiteten Statement der Bischofskonferenz. Damit reagierten die Bischöfe auf einen Angriff auf die protestantische St. Thomas Kirche in der nordindischen Stadt Varanasi. Am 2. Oktober waren laut indischen Medienberichten 60 Männer in die Kirche eingedrungen, hatten dort randaliert und Gläubige bedroht. Peter Baldev, Bischof der Church of North India (CNI), forderte in einem Brief an Ministerpräsident Narendra Modi sofortige Maßnahmen gegen die Täter. In der CNI sind Anglikaner, Methodisten und Presbyterianer vertreten. (kna u. vn v. 7. 10.)

     

  • Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf fordert eine Abänderung des Kirchen-Strafrechts , weil Missbrauch ein Verbrechen darstelle und es deshalb falsch sei, dies nur als „sexuelles Vergehen“ abzutun. In zu vielen Missbrauchsfällen hätten die zu Tätern gewordenen Priester ihre Taten verbal religiös verbrämt, argumentiert der Bischof im Gespräch mit der Zeitung Mainzer Allgemeine/Wiesbadner Kurier. Die Sanktionen für Missbrauch durch Kleriker seien oft viel zu milde. „Die Weltkirche ist gefragt, wir müssen den Katalog der Kirchenstrafen überdenken, und wir brauchen zudem einheitliche Standards“, so Bischof Kohlgraf. Die bundesweite Studie über sexuellen Missbrauch römisch-katholischer Kleriker an Kindern und Jugendlichen dokumentiert 3.677 Opfer und 1.670 Täter. Die Dunkelziffer sei wesentlich höher, stellten die ausführenden Wissenschaftler fest. Bischof Peter Kohlgraf hatte bereits vor einigen Tage vorgeschlagen, die Abschaffung des Zölibats anzudenken. (vn v. 1. 10.)

     

  • Wird es irgendwann eine wirkliche ökumenische Synode geben, also mit nicht-katholischen Synodenvätern aus anderen christlichen Kirchen und Gemeinschaften, die mit Stimmrecht ausgestattet vom Papst zusammengerufen werden? Auf dem Papier ist eine solche Synode neuerdings möglich, seit Franziskus im September die Regeln geändert hat. Der im Vatikan für Ökumene zuständige Kurienkardinal Kurt Koch sagt darüber zu „Vatican News“: „Ich weiß nicht, wie der Heilige Vater eine solche ökumenische Synode genau sieht, aber es wäre natürlich gerade hinsichtlich der Fragen, die uns alle beschäftigen, die alle christlichen Kirchen beschäftigen, auch ein faszinierendes Experiment, einmal so zusammenzukommen und gemeinsam zu beraten: Wie können wir angesichts der zentralen Herausforderungen heute gemeinsame Wege suchen? […] Und gerade bei Fragen, die ja alle christlichen Kirchen beschäftigen und wo es dringend notwendig ist, dass wir eine gemeinsame Stimme finden, wäre das eine gute Chance. […] Eine gemeinsame christliche Anthropologie wiederzufinden und gemeinsam zu bezeugen, halte ich für eine zentrale Herausforderung.“ (vn [=Vatican News] v. 10. 10.)

     

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