Nach dem Treffen mit dem Papst sprach am 24. Mai der Großimam Ahmad al-Tayyeb von der Al-Azhar-Universität in Kairo mit Radio Vatikan.

Er sei dem Papst sehr dankbar für dieses Treffen. „Der Papst ist ein Mann des Friedens, ein Mann, der der Lehre des Christentums folgt und die eine Religion der Liebe und des Friedens ist“, so al-Tayyeb. Er würdigte den Papst auch als „Mann des Dialogs“, der sich um die Benachteiligten der Welt kümmere. „Wer eine Religionsgemeinschaft leitet, trägt eine große Verantwortung. Wir wissen auch, dass alle Philosophien und sozialen Ideologien der Moderne, die die Menschheit versucht haben zu leiten und von der Religion entfernt waren, kläglich gescheitert sind und sogar zu Blutvergießen geführt haben“, so der Großimam weiter. Der Mensch ohne Religion sei eine Gefahr für seine Mitmenschen. Das gelte auch für den Islam. Deshalb setze die Al-Azhar-Universität viel auf Bildung. Die Weltgemeinschaft müsse „sich zusammentun und die Reihen schließen, um gegen den Terrorismus vorzugehen und ihm ein Ende zu setzen“. In jeder Glaubensrichtung gebe es leider auch eine irregeleitete Gruppe, „die das Banner der Religion erhebt, um in ihrem Namen zu töten“. Die Zeit für die Vertreter der großen Glaubensrichtungen sei gekommen, „entschieden und konkret“ für Humanität und Frieden zusammenzuarbeiten. Die Menschen des 21. Jahrhunderts suchten wieder nach „weisen Führern, die sie in die richtige Richtung leiten können. […] Ich befinde mich im Herzen Europas und will die Gelegenheit nutzen […] alle dazu aufzurufen, gemeinsam gegen den Terrorismus jeglicher Art einzustehen.“ Weiter sagte der Großimam, dass die sunnitische Al-Azhar-Universität und der Vatikan wieder einen regulären Dialog aufnehmen wollten. Man habe „einen richtigen Schritt in die richtige Richtung“ vereinbart, so al-Tayyeb im Interview mit Radio Vatikan. (www.de.radiovaticana.va und kap vom 24. 5.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Anlässlich des islamischen Opferfestes am 1. September hat der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn die gemeinsamen Wurzeln der großen monotheistischen Religionen betont. In seiner wöchentlichen Kolumne in der Zeitung „Heute“ erklärt er, das Opferfest, arabisch „Eid al-Adha“, verweise mit Abraham auf den gemeinsamen Stammvater von Christentum, Islam und Judentum. „Abraham hat Gott so sehr vertraut, dass er bereit war, ihm alles hinzugeben, sogar seinen eigenen Sohn“, so Schönborn über die Hintergründe des Festes. „Gott will aber nicht, dass der Sohn geopfert wird, sondern dass Abraham ihm ganz vertraut.“ Alle Menschen können von diesem Gottvertrauen lernen. „Was du besitzt, hast du von Gott. Sei also großzügig, freigiebig, gastfreundlich. Denn vor Gott sind wir Menschen alle gleich.“ Das Opferfest sei deshalb ein guter Anlass, die spirituellen Reichtümer anderer Religionen kennenzulernen, meint der Kardinal. (rv v. 1. 9.)

     

  • Die Pastoralassistentin Dr. Barbara Velik-Frank stellt in der Zeitschrift „Kirche In“ die Buchausgabe ihrer Dissertation vor: „Die Donaupriesterinnen. Eine heterotrope Provokation“ (treditionVerlag 2017). Damit befeuert sie die Diskussion über ein mögliches Frauenpriestertum in der römisch-katholischen Kirche: „Die Donaufrauen [2002 auf einem Schiff auf der Donau geweiht] zeigen auf, […] dass in der postmodernen Welt diese Kirche nur eine von vielen Optionen ist, sein religiöses Leben zu gestalten. […] Wenn sich alles verändert und möglich ist, dann ist man nicht mehr gebunden oder geleitet von Vorschreibungen, sondern von komplexer Selbstbestimmung.[…] Die Donaufrauen haben experimentiert und gehandelt. Und Gott hat sich ‚außerhalb‘ gezeigt. Sie haben sich die Freiheit der Positionierung genommen. Das Schiff der Donaufrauen repräsentiert somit ein „Sich-Ereignen“ von Kirche“, schreibt Velik-Frank in ihrem Beitrag. (KircheIn 09/2017)

     

  • Am 4. September tagt wieder die gemischte Gesprächskommission zwischen Katholiken und Orthodoxen auf der griechischen Insel Leros. Gastgeber ist der orthodoxe Metropolit Paisios (Aravantinos). Geleitet werden die Gespräche wie immer „ökumenisch“. Von römisch-katholischer Seite nimmt Kardinal Kurt Koch, Präsident des vatikanischen Ökumenerates, teil und von orthodoxer Seite Erzbischof Telmessos Iob (Getcha). Bei dem Treffen geht es um die „künftigen Schritte“ im ökumenischen Dialog. Bei der letzten Versammlung, die im September 2016 im italienischen Chieti stattfand, wurde über die Synodalität und das Papstprimat im ersten Jahrtausend gesprochen. (rv [=de.radiovaticana.va]v. 4. 9.)

     

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