Ökumene

Am 4. September tagt wieder die gemischte Gesprächskommission zwischen Katholiken und Orthodoxen auf der griechischen Insel Leros. Gastgeber ist der orthodoxe Metropolit Paisios (Aravantinos). Geleitet werden die Gespräche wie immer „ökumenisch“. Von römisch-katholischer Seite nimmt Kardinal Kurt Koch, Präsident des vatikanischen Ökumenerates, teil und von orthodoxer Seite Erzbischof Telmessos Iob (Getcha). Bei dem Treffen geht es um die „künftigen Schritte“ im ökumenischen Dialog. Bei der letzten Versammlung, die im September 2016 im italienischen Chieti stattfand, wurde über die Synodalität und das Papstprimat im ersten Jahrtausend gesprochen. (rv [=de.radiovaticana.va]v. 4. 9.)

 

Gemeinsam mit den evangelischen Christen sei 2017 ein Christusfest begangen worden, „das die Abgrenzung und das Gegeneinander früherer Jahrhundertjubiläen der Reformation durchbrochen hat“. Diese Erfahrung mache Mut, „ökumenisch weiterzugehen“, betonte Feige in einer am 10. September in Bonn veröffentlichten Mitteilung der Deutschen Bischofskonferenz. Er äußerte sich zum Ende der „Weltausstellung Reformation“ in Wittenberg, womit auch die entsprechenden römisch-katholischen Angebote ihren Abschluss finden. Feige, der Bischof von Magdeburg ist, würdigte die römisch-katholische Mitwirkung in Wittenberg als „konkreten Ausdruck des gewachsenen ökumenischen Miteinanders in unserem Land“. Das Programm lag wochenweise in der Verantwortung verschiedener deutscher Diözesen und Hilfswerke. Zusätzlich gab es für „Katholisch in Lutherstadt“ unter anderem zwei Ausstellungen: eine Wanderausstellung zur wechselvollen Geschichte der römisch-katholischen Pfarrei in der Stadt Luthers und eine Ausstellung, die den Kirchenraum den Besuchern erschloss. (religion.ORF.at u. kap v. 10. 9.)

 

Ein neues Kapitel in der Ökumene soll aufgeschlagen werden: Nachdem die gemischtkonfessionelle Gesprächskommission zwischen Katholiken und Orthodoxen bisher über das Papstprimat im ersten Jahrtausend gesprochen hat, soll nun in den kommenden Monaten auf das zweite Jahrtausend eingegangen werden. Das ist nicht ganz einfach, sind doch dort die größten „ökumenischen Stolpersteine“ zu finden. Vergangene Woche traf sich in Griechenland die Koordinierungsgruppe der Gesprächskommission. Daran nahm von katholischer Seite der für die Ökumene zuständige Kurienkardinal Kurt Koch teil: „Ein Redaktionskomitee wird die bisherigen Resultate zusammenstellen, um Rechenschaft darüber zu geben, wo wir heute ökumenisch stehen.“ Dann will man in den kommenden Monaten über die Synodalität sowie den Primat des Papstes im zweiten Jahrtausend sprechen. „Dazu gehören das Thema des Uniatismus und andere im zweiten Jahrtausend virulenten Themen […] Ende des nächsten Jahres kommt dann ein Koordinationskomitee, damit 2019 die nächste Plenarversammlung stattfinden kann“, so Koch. (rv v. 12. 9.)

 

Es gibt keine wesentlichen Differenzen mehr zwischen Katholiken und Protestanten, behauptet zumindest der emeritierte deutsche Kurienkardinal Walter Kasper und bezeichnet die anhaltende Spaltung der christlichen Kirche als "Skandal". Angesichts der Krisen auf der Welt brauche es dringend weitere Schritte zur Einheit, sagte er am 12. September beim Weltfriedenstreffen der Gemeinschaft Sant'Egidio in Münster. Es gebe heute keine wesentlichen Differenzen mehr zwischen römisch-katholischen und evangelischen Christen. Er sei sehr dankbar, dass das Reformationsjahr völlig ohne Polemik geblieben sei, sagte der frühere Ökumene-Minister des Papstes. Gefreut hätten ihn auch die vielen Aktionen auf mittlerer und unterer Ebene der beiden Kirchen. Es hätte aber noch ein wenig mehr theologische Diskussionen geben können. Auch wünsche er sich, dass das Reformationsgedenken mit einer Vereinbarung zu Ende geht, wie in den kommenden Jahren in der Ökumene verfahren werden soll. Eine vermeintlich liberale Ökumene, bei der alles egal ist, sei nicht sinnvoll. Es gelte, auf beiden Seiten "mehr katholisch und mehr evangelisch" zu werden. Alles andere wäre eine Verflachung. Unterstützung kam vom evangelischen Nordkirchen-Landesbischof Gerhard Ulrich. Der Weg zur Einheit führe über die "Einheit in versöhnter Verschiedenheit", so der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Großes Ziel sei die Mahlgemeinschaft. "Wir werden nicht aufhören den Weg der Ökumene zu gehen, bis wir die Aufforderung von Christus hören, uns an einen Tisch zu setzen." Das Weltfriedenstreffen unter dem Motto "Wege zum Frieden" geht am 12. September in Osnabrück zu Ende. Geplant ist noch ein Gebet der Religionen für den Frieden. Bei einer Schlussveranstaltung auf dem Markt soll eine Botschaft der Kirchen und Religionen an die Welt gesendet werden. Erwartet werden bis zu 5.000 Teilnehmer. (kna v. 12. 9.)

 

Die evangelische und die römisch-katholische Kirche haben bei einem gemeinsamen Fest die Bedeutung der Ökumene betont. Mit dem erstmals veranstalteten ökumenischen Fest wollten die beiden Kirchen einen Akzent zum Reformationsjubiläum setzen. „Christen aller Konfessionen verbindet der Horizont der Hoffnung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde“, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, am 16. September in Bochum in einer Dialogpredigt mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Das Fest wurde von der Deutschen Bischofskonferenz, der Evangelischen Kirche in Deutschland sowie den Laienorganisationen Deutscher Evangelischer Kirchentag und Zentralkomitee der deutschen Katholiken organisiert. Daran nahmen nach ihren Angaben rund 850 Gläubige beider Konfessionen teil. Bedford-Strohm nannte das Fest einen „wichtigen Meilenstein der Ökumene“ im Reformationsjahr 2017. „Dieses Jahr hat uns ökumenisch vorangebracht, und diesen Weg werden wir weitergehen“, fügte der EKD-Vorsitzende hinzu. Kardinal Marx würdigte das Reformationsjahr als starkes ökumenisches Signal, das positiv wirke. (religion.ORF.at v. 16. 9.)

 

Die Moskauer Stadtbehörden werden in einem außergerichtlichen Vergleich die Peter-Paul-Kirche in der Miljutinska-Gasse der römisch-katholischen Kirche zurückgeben, meldet der Pressedienst „Pro Oriente“. Dies sei ein sichtbares Ergebnis der Visite des Kardinalstaatssekretärs Pietro Parolin in den vergangenen Tagen. (JA v. 24. 9.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Kardinal Reinhard Marx (München) sieht wiederholte Angriffe auf Gebetshäuser in Deutschland mit großer Sorge. „Solche Verbrechen sind schändlich und dürfen in keiner Weise verharmlost werden“, schreibt der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz in einem veröffentlichten Grußwort zum Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan. „In einer offenen Gesellschaft darf kein Mensch Angst verspüren, wenn er ein Gebetshaus betritt.“ Es sei Pflicht der gesamten Gesellschaft, Hass und Hetze zurückzuweisen und sich für ein friedliches und vertrauensvolles Miteinander einzusetzen. Das gelte besonders für die Vertreter der Religionen, „denn ohne Frieden zwischen den Religionen und Kulturen gibt es keinen Frieden in unserer Gesellschaft“. In seiner Grußbotschaft übermittelt Marx Segenswünsche an alle Muslime in Deutschland: „Gott, der Schöpfer und Erhalter dieser Welt, möge Sie durch die Fastenzeit begleiten und Ihre Gebete erhören!“ Der Kardinal forderte dazu auf, gemeinsam daran zu arbeiten, dass sich weltweit das Verständnis von gleichen staatsbürgerlichen Rechten für alle durchsetzt. „Den Wert des Respektes müssen wir besonders den Jugendlichen vermitteln. Denn sie werden in der von uns geschaffenen pluralen Gesellschaft noch lange miteinander arbeiten und leben.“ (kna u. vn v. 5. 5.)

     

  • Die für 6. bis 27. Oktober 2019 geplante Amazonas-Synode in Rom wird nach Worten des deutschen Bischofs Franz-Josef Overbeck zu einer „Zäsur" in der römisch-katholischen Kirche führen. „Nichts wird mehr sein wie zuvor", sagte der für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat zuständige Ruhrbischof in Essen. So stehe die hierarchische Struktur der Kirche genauso auf dem Prüfstand wie ihre Sexualmoral und das Priesterbild. Auch die Rolle der Frau in der Kirche müsse überdacht werden. Bei der Bischofsversammlung soll es neben der Ökologie auch um Theologie und Seelsorge, um die Belange der Indigenen sowie um Menschenrechte gehen. In Lateinamerika werden die Ortskirchen und ihr Klerus immer selbstständiger. Zugleich stelle sich ein Priestermangel ein. Er kenne Diözesen, in denen einem Bischof noch gerade zehn Priester für ein riesiges Seelsorgegebiet zur Verfügung stünden. Schon jetzt seien die Kirchen vor Ort von Frauen, vor allem durch Ordensfrauen geprägt. „Das Gesicht der Kirche vor Ort ist ein Gesicht von Frauen", so der Adveniat-Bischof. Auf all das müsse die Kirche reagieren und Antworten finden. Die Kirche werde das „Schritt für Schritt" über mehrere synodale Prozesse tun müssen. (kna, kap u. vn v. 2. 5.)

     

  • Ein ökumenisches Ereignis von erstrangiger Bedeutung findet seit 1. Mai in Addis Abeba statt: Zum ersten Mal sind kirchliche Führungspersönlichkeiten und Experten der äthiopisch-orthodoxen Kirche sowie der römisch-katholischen Kirche in Äthiopien versammelt, um bei einer Konferenz auf wissenschaftlicher Ebene die Streitpunkte der Vergangenheit zu behandeln: die Unionsversuche des 16. Jahrhunderts und die Haltung der römisch-katholischen Kirche zum Eroberungskrieg Mussolinis im 20. Jahrhundert. Im seit Jahrzehnten andauernden Prozess zum Abbau des Misstrauens zwischen äthiopisch-orthodoxer und römisch-katholischer Kirche kommt der Wiener Stiftung "Pro Oriente" und dem von ihr getragenen „inoffiziellen Dialog" besondere Bedeutung zu. Daher wurde auch "Pro Oriente"-Präsident Alfons M. Kloss gebeten, die Tagung in Addis Abeba mit zu eröffnen. Der Salzburger Ostkirchenexperte und Vorsitzende der Salzburger Sektion von "Pro Oriente", Prof. Dietmar W. Winkler, ist einer der Referenten. Er behandelt das Verhältnis von offiziellem und inoffiziellem theologischen Dialog zwischen den Kirchen sowie die Hoffnung auf einen orthodox-katholischen Dialog in Äthiopien. Der römisch-katholische Erzbischof von Addis Abeba, Kardinal Berhaneyesus D. Souraphiel, betonte im Vorfeld, vertiefte ökumenische Beziehungen seien nicht nur für das gemeinsame christliche Zeugnis in der Gegenwart von größter Bedeutung, sondern seien auch ein Dienst an der Bewahrung des reichen christlichen Erbes Äthiopiens und wichtig für den konstruktiven Dialog mit dem Islam. Der moslemische Ministerpräsident Ahmed Abiy hat die Initiative zur Förderung der nationalen Versöhnung mit angeregt. Kardinal Souraphiel wurde im Februar von Ministerpräsident Abiy zum Koordinator der neuen äthiopischen Nationalkommission für Versöhnung und Frieden bestellt. Ende Jänner war der neue Regierungschef Ahmed Abiy von Papst Franziskus im Vatikan empfangen worden. (kap v. 1. 5.)

     

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