Ökumene

Der Ökumenische orthodoxe Patriarch Bartholomaios I. hat sich bei einer Konferenz in Athen für die Verstärkung des interreligiösen Dialogs ausgesprochen. Das sei die Voraussetzung für die Wiederherstellung der friedlichen Koexistenz im Nahen Osten. (JA v. 12. 11.)

 

Der Martinstag (11. November) wird künftig von der Evangelischen Kirche in Deutschland offiziell gefeiert. Eigene Gottesdienstordnungen wird es auch für den Nikolaustag (6. Dez.) geben, womit die evangelische Kirche eine geringere Berührungsangst vor Heiligenverehrung zeigt. Das soll am 14. November von der EKD-Synode in Bonn beschlossen werden. Die Perikopen-Ordnung wurde nun anlässlich des Reformationsgedenkens überarbeitet. (rv [=de.radiovaticana.va] vom 11. 11.)

 

Der 25. Dezember ist jetzt auch in der mehrheitlich orthodoxen Ukraine ein Feiertag. Das entschied das Parlament am 16. November. Bisher war nur der 7. Januar, der orthodoxe Weihnachtstag, ein gesetzlicher Feiertag. Die Ukraine ist nach Weißrussland die zweite frühere Sowjetrepublik, in der beide Weihnachtstage gesetzliche Feiertage sind. (kap u. rv v. 17. 11. u. JA v. 26. 11.)

 

Eine besondere Briefmarke hat der Vatikan am 23. November herausgegeben: Auf ihr ist der Reformator Martin Luther abgebildet, aber auch Philipp Melanchthon. Damit setzt der Vatikan im Anschluss an das Reformationsgedenkjahr einen weiteren ökumenischen Impuls. Als Motiv für die Marke wurde auf Vorschlag von Mauro Olivieri, dem Leiter des vatikanischen Münz- und Briefmarkenamts, das Bild über dem „Thesenportal“ der Schlosskirche in Wittenberg aus dem 19. Jahrhundert gewählt. Dieses zeigt Christus am Kreuz vor der Stadt, vom Betrachter aus links daneben kniet Luther mit der deutschen Bibel, rechts Melanchthon mit dem Augsburger Bekenntnis. Dass es 500 Jahre später eine Vatikanmarke mit diesem Motiv gibt, sei als „Anerkennung einer Entwicklung“ zu verstehen: Die Kirchenspaltung, die Luther auslöste, sei heute zumindest in Teilen überwunden. Als Beispiel führt Olivieri u. a. das gemeinsame Reformationsgedenken von Papst Franziskus und dem damaligen Präsidenten des Lutherischen Weltbundes, Bischof Munib Younan, im schwedischen Lund an. Diese Begegnung am 31. Oktober 2016 habe ihn zur Gestaltung der Luther-Marke inspiriert. (kna u. rv v. 23. 11.)

 

Eine hochrangig besetzte ökumenische Tagung im Schweizer Fribourg behandelte die Frage, wie verschiedene Kirchen in Ost und West bei Synoden zu Entscheidungen gelangen. Die Vielfalt der Ausdrucksformen synodaler kirchlicher Praxis, die dabei zutage trat, habe die Fachleute überrascht, schreibt die Organisatorin der Tagung, die Fribourger Dogmatikerin Barbara Hallensleben. Vertreter von 13 eigenständigen orthodoxen Kirchen stellten ihre jeweiligen Modelle von Synodalität vor. Es habe sich gezeigt, dass auch die westliche Tradition reichhaltige Formen synodalen Handelns kennt. Die Fragen, die bei der Tagung aufkamen, betrafen unter anderem die Entscheidungskompetenzen von Synoden, die in der lateinischen Kirche eher beratenden Charakter, in der orthodoxen Tradition hingegen weitreichende Vollmachten haben. Als wichtig habe sich gezeigt, wie die Synoden den jeweiligen Kirchen dabei helfen, das Evangelium besser zu verkündigen und zu leben. Der französische Ökumeniker Hervé Legrand habe als Schlusswort formuliert, die Kirchen verwendeten ihre Differenzen heute „nicht mehr zur gegenseitigen Abgrenzung, sondern wir haben gemeinsame Probleme entdeckt, die wir auch gemeinsam behandeln sollten“. (rv v. 23. 11.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Am 5. Mai findet an der Universität Wien eine hochkarätig besetzte Konferenz „Europa und seine Muslime“ statt. Ziel dieser internationalen Veranstaltung ist es, Herausforderungen der Integration der muslimischen Bevölkerung in Österreich und Europa zu diskutieren. Expertisen liefern u. a. der Religionsrechtler Richard Potz, die evangelische Theologin Susanne Heine, die beiden Soziologen Christoph Reinprecht, der kurdisch-türkisch-stämmige Kenan Güngör sowie Liselotte Abid, Orientalistin an der Universität Wien. (Die Furche v. 26. 4.)

     

  • Der für Liturgie zuständige US-Erzbischof Wilton Gregory hat sich dafür ausgesprochen, die in den Vereinigten Staaten gültige Übersetzung des Messbuchs zu überarbeiten. Einige „problematische Stellen“ bräuchten eine Revision, da sie nicht dazu imstande waren, „die ganze Kirche hinter sich zu versammeln“, sagte der Erzbischof im Gespräch mit der Jesuitenzeitschrift „America“. Die heute gültige Übersetzung ist in den Gottesdiensten der US-Diözesen seit 2011 in Gebrauch. Sie wurde von allen Gläubigen nicht gut angenommen, Kritiker bescheinigten den Texten sprachliche Mängel, die aus dem Bestreben entstanden, möglichst nahe an der lateinischen Vorlage ins Englische zu übersetzen. Bei einer Überarbeitung wäre eine Beratung mit Priestern und Laien „hilfreich“, sagte Erzbischof Gregory. Vergangenen Herbst hatte Papst Franziskus die Verantwortung für die Übersetzung von liturgischen Texten vom Vatikan ausgelagert und den Bischofskonferenzen übertragen. (vn v. 3. 5.)

     

  • Die im katholisch-orthodoxen Dialog engagierten „Ökumene-Player“ müssen auch mit den sogenannten fundamentalistischen Gruppen ihrer Kirchen das Gespräch suchen. Das hat der Ostkirchenkundler an der Wiener Universität, Rudolf Prokschi, am 2. Mai im Gespräch mit der Nachrichtenagentur kathpress betont. Prokschi bezog sich auf die dreitägige Tagung von Vertretern der offiziellen Kommission für den theologischen Dialog zwischen katholischer und orthodoxer Kirche und der verschiedenen regionalen Kommissionen bzw. Initiativen letzte Woche in der Orthodoxen Akademie in Kolymbari (Kreta). Was die „Fundamentalisten“ in der Orthodoxie betreffe, so müsse man unterscheiden. Es werde da gewisse Gruppierungen geben, „mit denen wird man nicht ins Gespräch kommen können“. Im Grunde gehe es darum, dass die in der Ökumene Engagierten „ihre Vorsteher - das heißt die Patriarchen und Erzbischöfe - unterstützen und klar sagen: Das ist ein guter Weg. Dass also die positiven Kräfte gestärkt werden“. Bei dem Treffen sei auch betont worden, dass Ziele und Grundlagen des Dialogs einmal klargestellt werden müssten. „Ein erster Schritt wäre z. B., dass wir alle sagen: Wir können mit gutem Gewissen gemeinsam das Vaterunser beten. Das ist noch nicht bei allen angekommen. Diejenigen aber, die dafür offen sind, müssen sich einmal sagen: Wir werden an dem jetzt festhalten und es auch tun. […] Wir haben versucht, die Möglichkeit einer gemeinsamen Zukunft unserer Kirchen zu skizzieren - in der Richtung, dass wir gesagt haben: Für uns sind viele Punkte, die immer wieder genannt werden, nicht kirchentrennend“, sagte Prokschi. (kap u. vn [=Vatican News] v. 2. 5.)

     

Artikelempfehlungen

Die bisherige anglikanische Bischöfin von Gippsland, Kay Goldsworthy, übernimmt ab Februar 2018 in Perth das Amt der...
die Absätze Nr. 52 und 53 über Wiederverheiratete Geschiedene und den Absatz Nr. 55 über Homosexualität. Damit sind...
Von 2014 bis 2018 werden im baden-württembergischen Konstanz von Stadtgemeinde, Landesregierung und Kirchen jährliche...