Ökumene

Die im katholisch-orthodoxen Dialog engagierten „Ökumene-Player“ müssen auch mit den sogenannten fundamentalistischen Gruppen ihrer Kirchen das Gespräch suchen. Das hat der Ostkirchenkundler an der Wiener Universität, Rudolf Prokschi, am 2. Mai im Gespräch mit der Nachrichtenagentur kathpress betont. Prokschi bezog sich auf die dreitägige Tagung von Vertretern der offiziellen Kommission für den theologischen Dialog zwischen katholischer und orthodoxer Kirche und der verschiedenen regionalen Kommissionen bzw. Initiativen letzte Woche in der Orthodoxen Akademie in Kolymbari (Kreta). Was die „Fundamentalisten“ in der Orthodoxie betreffe, so müsse man unterscheiden. Es werde da gewisse Gruppierungen geben, „mit denen wird man nicht ins Gespräch kommen können“. Im Grunde gehe es darum, dass die in der Ökumene Engagierten „ihre Vorsteher - das heißt die Patriarchen und Erzbischöfe - unterstützen und klar sagen: Das ist ein guter Weg. Dass also die positiven Kräfte gestärkt werden“. Bei dem Treffen sei auch betont worden, dass Ziele und Grundlagen des Dialogs einmal klargestellt werden müssten. „Ein erster Schritt wäre z. B., dass wir alle sagen: Wir können mit gutem Gewissen gemeinsam das Vaterunser beten. Das ist noch nicht bei allen angekommen. Diejenigen aber, die dafür offen sind, müssen sich einmal sagen: Wir werden an dem jetzt festhalten und es auch tun. […] Wir haben versucht, die Möglichkeit einer gemeinsamen Zukunft unserer Kirchen zu skizzieren - in der Richtung, dass wir gesagt haben: Für uns sind viele Punkte, die immer wieder genannt werden, nicht kirchentrennend“, sagte Prokschi. (kap u. vn [=Vatican News] v. 2. 5.)

 

Vertreter der katholischen, evangelischen und orthodoxen Kirchen in Deutschland laden zur Teilnahme an der 43. Interkulturellen Woche ein. Diese findet vom 23. bis 29. September an über 500 Orten im gesamten Bundesgebiet statt. Das Leitwort lautet „Vielfalt verbindet“. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat dazu zusammen mit dem Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, sowie dem Vorsitzenden der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, Metropolit Augoustinos, ein „Gemeinsames Wort“ verfasst. Darin beschreiben die drei Vorsitzenden Deutschland als Land, das offen ist für Menschen, die eigene Traditionen mitbringen: „Vielfalt ist Alltag in unserem Land.“ Kardinal Marx, Landesbischof Bedford-Strohm und Metropolit Augoustinos beklagen, dass sich Ablehnung von Fremden, anderen Meinungen, von Angehörigen jüdischer und islamischer Gemeinden oder von anderen Lebensentwürfen in gewalttätigen und menschenfeindlichen Übergriffen äußert. Die Bischöfe richten ihren Blick außerdem auf die eigenen Kirchen und betonen, dass es auch unter Christen Tendenzen der Ausgrenzung und Abschottung gebe: „Dabei gehört Vielfalt konstitutiv zum Wesen der Kirche. Der Glaube verbindet Menschen über Ländergrenzen, Sprachen und Kulturen hinweg. In der Nachfolge Jesu verlieren Unterschiede ihre trennende Macht“, so das „Gemeinsame Wort“. (vn [= Vatican News] v. 8. 5.)

 

Die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre von 1999 soll von den mittlerweile fünf Kirchen, die sie unterzeichnet oder sich ihr angeschlossen haben, weiter fruchtbar gemacht werden. Im Frühjahr 2019 ist dazu eine Konsultation hochrangiger Vertreter der Kirchen geplant. Das wurde bei einer Tagung des Globalen Christlichen Forums im kolumbianischen Bogota angekündigt, wie die deutsche Katholische Nachrichten-Agentur KNA am 8. Mai berichtete. Kaisamari Hintikka, die assistierende Generalsekretärin für Ökumenische Angelegenheiten des Lutherischen Weltbundes (LWB), sprach mit Blick auf den 1967 begonnenen lutherisch/römisch-katholischen Dialog von einer „Reise der Versöhnung zweier Partner, die zu einer Reise Vieler wurde. […] Es war die Einsicht, dass wir durch die eine Taufe verbunden sind, die uns begeistert und beflügelt hat […] Wir haben viele Gaben miteinander geteilt, wir haben gelernt, einander mit neuen Augen zu sehen – und haben durch eigenes Erfahren gelernt, dass die Dinge, die uns vereinen, sehr viel größer und auch sehr viel zahlreicher sind, als wir zu Beginn dieser gemeinsamen Reise gedacht hatten. Wir haben verstanden, was es wirklich bedeutet, dass wir alle Zweige des einen Weinstocks – Jesus Christus – sind“, erklärte Hintikka. Die 1999 in Augsburg unterzeichneten „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ stellt unter anderem fest, dass „ein Konsens in Grundfragen der Rechtfertigungslehre“ erreicht ist und damit die gegenseitigen Verurteilungen des 16. Jahrhunderts die Kirchen heute nicht mehr zutreffen. (kna u. vn v. 9. 5.)

 

„Einheit bedeutet nicht Einheitlichkeit, sondern die Versöhnung der Verschiedenheiten im Heiligen Geist“: Das betonte Papst Franziskus am 11. Mai bei einer hochrangigen ökumenischen Begegnung im Vatikan. Er empfing zum ersten Mal das Oberhaupt der orthodoxen Kirche von Tschechien und der Slowakei, Metropolit Rastislav (Gont). In seiner Ansprache ging der Papst auf die Bedeutung der heiligen Kyrill und Method für beide Kirchen ein. Der heilige Kyrill, der die slawischen Länder evangelisiert hatte, liege in der römischen Kirche San Clemente begraben. Den römischen Bischof Clemens (gest. 97) verehrten die beiden Brüder Kyrill und Method besonders. „Diese Geste von Kyrill und Method erinnert uns daran, dass wir Christen einen immensen gemeinsamen Reichtum von Heiligkeit geerbt haben und diesen stets miteinander teilen müssen. […] Noch heute sind die Leiden vieler Brüder und Schwestern, die aufgrund des Evangeliums verfolgt werden, ein dringender Appell, der uns dazu drängt, eine größere Einheit anzustreben.“ Der zweite Aspekt betreffe folgendes: Die beiden Brüder hätten den „Wagemut“ gehabt, das Evangelium in eine Sprache zu übersetzen, die den slawischen Völkern zugänglich gewesen sei. „Um den Herrn zu verkünden, genügt es nicht, die Klischees der Vergangenheit zu wiederholen, sondern es ist nötig, auf den Heiligen Geist zu hören, der stets neue und mutige Wege eingibt, um die Zeitgenossen zu evangelisieren,“ betonte der Papst. Die Heiligen böten jedoch noch einen weiteren Berührungspunkt zwischen den Konfessionen, denn ihnen sei es gelungen, die Spaltungen zu überwinden, die sich zwischen den christlichen Gemeinschaften verschiedener Kulturen und Traditionen aufgetan hatten. „In diesem Sinn kann man sagen, dass sie authentische Vorläufer des Ökumenismus waren. Sie erinnern uns so daran, dass Einheit nicht Einheitlichkeit bedeutet, sondern die Versöhnung der Verschiedenheiten im Heiligen Geist.“ (vn v. 11. 5.)

 

Der Heilige Synod des russisch-orthodoxen Moskauer Patriarchats hat drei „westliche“ Heilige des ersten Jahrtausends in seinen offiziellen Heiligenkalender („Menaion“) aufgenommen. Bei den Heiligen handelt sich um Gallus, Mönch aus Bangor und „Erleuchter“ der östlichen Schweiz (gest. 650), Columban, Abt von Luxeuil (gest. 615) und Fridolin von Säckingen (gest. 540), wie der Informationsdienst der Stiftung „Pro Oriente“ am 17. Mai berichtete. Bereits im Vorjahr hatte das Moskauer Patriarchat den heiligen Patrick, die heilige Geneviève von Paris und 14 weitere westliche Heilige des ersten Jahrtausends der ungeteilten Christenheit in sein „Menaion“ eingeschrieben. 2014 ist eine eigene Kommission unter dem Vorsitz von Metropolit Kliment (Kapalin) von Kaluga eingesetzt worden, um die Lebensläufe von westlichen Heiligen im Hinblick zu prüfen. Dabei geht es etwa um deren „makelloses Bekenntnis“ des Glaubens der ungeteilten Kirche, die Umstände ihrer Heiligsprechung, das Nichtvorkommen ihrer Namen in polemischen Schriften gegen die östliche Kirche und ihre Verehrung in Diaspora-Eparchien der orthodoxen Kirchen im Westen. (kap u. vn v. 18. 5.; JA v. 27. 5.)

 

Der Generalsekretär des Weltkirchenrats (ÖRK), Olav Fykse Tveit, hat das Engagement von Papst Franziskus für die Einheit der Christen gelobt. "Papst Franziskus treibt frühere Bekenntnisse zur Ökumene mit neuem Engagement vorwärts", sagte Tveit in einem Interview mit dem Schweizer Internetportal kath.ch am 19. 5. Der Generalsekretär erinnerte an die Reise des Papstes zum Reformationsgedenken im schwedischen Lund und den Empfang evangelischer Kirchgemeinden wie der Waldenser im Vatikan. Auch Franziskus' geplanter Besuch beim ÖRK in Genf am 21. Juni sei eine "sehr starke Botschaft". Franziskus betone zwar, dass es eine theologische Basis für die Einheit brauche. "Aber er betont ebenso sehr, dass wir nicht warten können, bis all das geklärt ist. Wir müssen zeigen, was wir gemeinsam tun können, insbesondere in den Bereichen Mission und Diakonie“. Da sehe Tveit eine große Übereinstimmung mit dem Programm des ÖRK. Franziskus mache deutlich, dass Handlungen wichtiger seien als Ideen. Nach den Besuchen Pauls VI. 1969 und Johannes Pauls II. 1984 in Genf wird es heuer der dritte Besuch eines Papstes beim Weltkirchenrat sein. (www.kath.ch u. www.domradio.de v. 19. 5.)

 

In einer gemeinsamen Erklärung wenden sich christliche Konfessionen gegen das Wiederaufflammen von Rassismus in den Vereinigten Staaten. „Wir lehnen den weißen Nationalismus in unserem Land ab, der an vielen Fronten vorhanden ist, darunter auch in den höchsten Ebenen der politischen Führung“, heißt es in der Erklärung, wie die Vatikanzeitung „L´Osservatore Romano“ berichtet. Sie beklagen „die zunehmenden Angriffe auf Einwanderer und Flüchtlinge“ und lehnen die wiederholten politischen Versuche ab, Armen eine „Gesundheitsversorgung zu verwehren“. Ein solches Vorgehen entspreche der „unmoralischen Logik, Dienste und Programme für Bedürftige zu beschneiden und die Steuern für Wohlhabende zu senken". Repräsentanten von etwa 20 christlichen Kirchen der USA unterzeichneten das Dokument, darunter Bischof Michael Curry, Vorsitzender der Anglikanischen Kirche in den USA. (or u. vn v. 23. 5.)

 

Die christlichen Kirchen in Österreich haben ihre Lektion aus einer oft unrühmlichen Geschichte seit dem Republikgründungsjahr 1918 gelernt. Das haben nicht nur die beiden Spitzenvertreter der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche in Österreich, Kardinal Christoph Schönborn und der lutherische Bischof Michael Bünker am 25. Mai verdeutlicht: Auch der renommierte Zeithistoriker Oliver Rathkolb kam bei einer Diskussion in der Wiener Deutschordenskirche zu dieser Einschätzung. Schönborn und Bünker spannten in ökumenischer Eintracht einen kirchenkritischen Bogen von der Gründung der Ersten Republik bis zur vom Migrationsthema dominierten Gegenwart. Im Blick auf die Gegenwart sagte Schönborn, die österreichische Gesellschaft werde in einer Generation anders aussehen als jetzt und auch „die Zukunft der Kirche wird bunt sein“. Schon jetzt gebe es mehr als 30 anderssprachige Kirchengemeinden in Wien, ein Drittel der Wiener Katholiken habe Migrationshintergrund. Schönborn wörtlich: „Wenn eine Gemeinschaft tragfähig genug ist für eine solche Vielfalt, dann das Christentum.“ (kap u. vn. v. 26. 5.)

 

Papst Franziskus empfing den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. in Privataudienz. Am 26. Mai spricht das Ehrenoberhaupt der orthodoxen Christen vor einem Kongress über das Thema christliche Soziallehre, am 24. Mai hat er in einer römischen Kirche an einem ökumenischen Gottesdienst teilgenommen. Bei dem Abendgebet, einer Vesper mit liturgischen Elementen der lateinischen und der byzantinischen Tradition, betete Bartholomaios I. auch vor Reliquien der Apostel Jakobus und Philippus. Die Verehrung von Reliquien ist ein gemeinsames Element katholischer wie orthodoxer Frömmigkeit. Sie spielt auch im ökumenischen Dialog eine wichtige Rolle. (vn u. kna v. 26. 5.)

 

Ein dreitägiges Treffen in Rom steht seit 28. Mai im Zeichen des Dialogs und der Brüderlichkeit zwischen einer Delegation des russisch-orthodoxen Patriarchats und einer Delegation der Italienischen Bischofskonferenz (CEI), bei dem auch die heiligen Stätten der Apostel Petrus und Paulus besucht werden. An der Spitze der russischen Delegation steht Metropolit Hilarion von Volokolamsk, Leiter der Abteilung für Außenbeziehungen des Moskauer Patriarchats. Auf CEI-Seite sind Generalsekretär Bischof Nunzio Galantino und der Präsident der CEI-Kommission für Ökumene und Dialog, Bischof Ambrogio Spreafico, erste Ansprechpartner. Bei der Begegnung mit Metropolit Hilarion wird sicherlich das Treffen der christlichen Kirchenführer am 7. Juli in Bari ein Thema sein. Bei dem Nahost-Friedensgebet, zu dem der Papst die Kirchenführer eingeladen hat, könnte es zu einer erneuten Begegnung des Papstes mit dem russisch-orthodoxen Moskauer Patriarchen Kyrill kommen. Dieser dankte in einem Brief dem Bürgermeister von Bari, Antonio Decaro, für die Einladung zur Pilgerfahrt und fügte wörtlich hinzu: „Ich hoffe, dass mit der Hilfe Gottes mein Besuch in Bari möglich sein wird.“ (kap u. vn v. 29. 5.)

 

Eine Delegation des Moskauer Patriarchen Kyrill I. unter der Leitung seines Außenamtsleiters Metropolit Hilarion ist am 30. Mai von Papst Franziskus empfangen worden. Die Visite wurde von Beobachtern mit besonderem Interesse verfolgt, da ein erneutes Treffen des Papstes und des Patriarchen aus Anlass des von Franziskus einberufenen ökumenischen Gebetstages in Bari im Raum steht. Der vatikanische Pressesaal teilte im Anschluss keine näheren Einzelheiten zur Unterredung mit. Der Besuch kommt zudem zu einem Zeitpunkt, an dem eine Reihe von gemeinsamen Initiativen ins Leben gerufen wurden. Am 30. Mai wurde im Lateranspalast eine Ausstellung zu den „neuen Märtyrern und Bekennern der russisch-orthodoxen Kirche" eröffnet. In den Tagen zuvor fand in Zusammenarbeit mit dem päpstlichen Einheitsrat ein spezielles Seminar für russisch-orthodoxe Priesterseminaristen statt; im Rahmen der Kooperation werden im Herbst 2018 auch katholische Seminaristen Moskau besuchen, um das gegenseitige Kennenlernen und Verständnis zu fördern. (vn v. 30. 5.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Zu einem gemeinsamen Fastenbrechen haben sich Anfang Juni in Jakarta Muslime, Christen und Buddhisten getroffen. Sie wollen damit ein Zeichen für kulturelle und religiöse Vielfalt im Land setzen. Wie die Nachrichtenagentur Fides berichtet, stand das Zusammenkommen der Gläubigen und ihrer Religionsführer im Zeichen der „Pancasila“. Das bedeutet „fünf Prinzipien“ und ist die offizielle Staatsideologie Indonesiens. Man wolle mit dem gemeinsamen Fastenbrechen Solidarität bekunden mit den Opfern des Anschlags von Surabaya im Osten Javas, bei dem mindestens 23 Menschen gestorben sind. Das Attentat geht auf das Konto der Jemaah Ansharut Daulah. Doch der Islam stehe im Einklang mit der Pancasila und respektiere religiöse und kulturelle Vielfalt, erklärte James Smith Carrington, auch bekannt als Ustaz James, Mitglied der Nahdlatul Ulama und des „Majlis Ulama Indonesia“. Das Land erlebe jetzt eine Zeit der Intoleranz. „Jeder glaubt im Recht zu sein, schiebt anderen die Schuld für Missstände in die Schuhe und widerspricht damit auch der Charta von Medina“, einer Erklärung Mohammeds, der darin Anhänger andere Religionen, wie Juden und Christen, willkommen hieß, ihre Religionen frei auf islamischen Boden zu praktizieren. Bei einem anderen interreligiösen Treffen wurde ein ähnlicher Impuls gesetzt: Der Islamwissenschaftler Sumanto al Qurtuby betonte während einer Veranstaltung der Theologischen Fakultät der Jesuiten-Universität „Sanata Dharma“ in Yogyakarta: „Indonesien ist unser aller Zuhause. Wir müssen gemeinsam darauf aufpassen.“ Der erste der fünf Grundsätze der Pancasila lautet: „An einen Gott glauben“: Jeder Indonesier hat demnach das staatlich garantierte Recht, eine Religion seiner Wahl auszuüben. Es geht um Religionsfreiheit. (fides u. vn v. 5. 6.)

     

  • Die Synodalität ist eines der großen Anliegen von Papst Franziskus. Er will das synodale Element in der Kirche stärken und dafür auch Anleihen bei der Orthodoxie nehmen. Die Internationale Theologenkommission hat ein Grundsatzpapier zum Thema Synodalität erstellt. „Synodalität“ ist vom Begriff „Demokratie“ zu unterscheiden. „Es geht vielmehr darum, immer da, wo Macht in der Kirche ausgeübt wird, den Communio-Charakter der Kirche zu wahren“, sagte der Bonner Dogmatiker Karl-Heinz Menke im Gespräch mit dem Kölner Domradio. „Die Universalkirche darf sich nicht gegenüber den Ortskirchen verselbständigen. […] Die Apostelnachfolger können nur dann erfolgreich Gehorsam erwarten, wenn sie ihrerseits auf den sogenannten Glaubenssinn der Gläubigen hören. […] Gewiss, man kann die Kirche nicht an einer Stelle versammeln. Es muss Delegierte geben – Delegierte, die ihren Glauben kirchlich leben. […] Die Synodalität von Entscheidungsprozessen in der Kirche ist strikt zu unterscheiden von dem demokratischen Prinzip, dass stets die Mehrheit entscheidet. Man kann über die Wahrheit, die Christus ist, nicht nach dem Mehrheitsprinzip abstimmen. Jeder weiß, dass die Wahrheit oft nur von einer Minderheit verstanden und gelebt wird. Das gilt übrigens nicht nur für die Wahrheit des Glaubens.“ Und trotzdem: Auch die Synodalität kommt nicht ohne demokratie-ähnliche Elemente aus. „Wenn man in der katholischen Kirche versucht, alle Ebenen in Entscheidungsprozesse einzubeziehen und den von Papst Franziskus immer wieder beschworenen Glaubenssinn der Gläubigen ernst zu nehmen, dann wird man in Zukunft weniger deduktiv als induktiv denken und verfahren. […] Man kann vieles, was Organisation und Struktur in der Kirche betrifft, auch demokratisch regeln. […] Doch wenn es um Glaubensfragen geht, dann entscheiden letztendlich nur die Bischöfe; auch sie nicht einfach durch Mehrheitsbeschluss, sondern in Einheit mit dem vom Papst.“ Das steht in einer Spannung zum Wunsch des Papstes, auch den Bischofskonferenzen eine gewisse lehramtliche Autorität zuzusprechen. Das geht einher mit dem Willen des Papstes zur Dezentralisierung, dass nicht mehr Rom alles und jedes entscheiden muss. (www.domradio.de u. vn v. 26. 5.)

     

  • Papst Franziskus lehnt jeden Versuch ab, in Russland orthodoxe Gläubige für die katholische Kirche abzuwerben. Das sagte er vor einer Delegation des Moskauer Patriarchen Kyrill I., die er am 30. Mai im Vatikan empfing. Der Vatikan gab die Worte des Papstes am 2. Juni zur Veröffentlichung frei. „Ich freue mich, mit euch den Weg der Einheit zu beschreiten“, sagte Franziskus vor der 20-köpfigen Delegation orthodoxer Würdenträger unter Metropolit Hilarion. In Moskau gebe es nur ein einziges Patriarchat, nämlich das der russisch-orthodoxen Kirche. „Wir werden kein weiteres haben“, sagte der Papst. Auch für ihn sei es „schmerzhaft“, wenn „einige katholische Gläubige, seien es Laien, Priester oder Bischöfe, das Banner des Uniatismus tragen“, das heißt, in der orthodoxen Kirche Getaufte für die katholische Kirche abwerben. Uniatismus entspricht bereits seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) nicht mehr der römisch-katholischen Theologie. Es sei ein Fehler zu glauben, Ökumene beginne mit einem dogmatischen Abkommen, das alle Streitfragen kläre, und dann könne man gemeinsam vorangehen. Abermals schlug der Papst die umgekehrte Reihenfolge vor: „Die Ökumene geschieht im gemeinsamen Unterwegssein, im Gebet, bei der Heiligenverehrung und den Werken der Nächstenliebe.“ Wann eine Übereinkunft in lehrmäßigen Fragen erzielt werde, sei offen. Gleichzeitig versicherte der Papst der russischen Delegation, dass die katholische Kirche die Eigenständigkeit der russisch-orthodoxen Kirche respektiere: Sie dürfe „sich nicht in die internen Belange der russisch-orthodoxen Kirche einmischen.“ Und das persönliche Gebet füreinander sei wichig, betonte Franziskus, der den Besuchern anvertraute: „Nachdem ich den Patriarchen getroffen habe [2016 in Havanna], hat er mir eine Reliquie des heiligen Seraphim zukommen lassen. Ich habe diese Reliquie auf meinem Nachttisch, und abends, bevor ich ins Bett gehe, und morgens, wenn ich aufstehe, verehre ich sie und bete für unsere Einheit.“ (vn v. 2. 6.: JA v. 17. 6.)

     

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