Ökumene

Nach Ansicht des Mainzer Bischofs Peter Kohlgraf haben die seit dem Reformationsjahr 2017 erreichten Schritte im ökumenischen Dialog dauerhaft Bestand. Das Gedenkjahr zur Reformation habe evangelische und katholische Christen „in einer Weise verbunden, die mir unumkehrbar scheint“, sagte er in Mainz beim zentralen Gottesdienst der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau zum Reformationstag 2018. Außerdem: „Der Vatikan trat im September 2018 erstmals in den Dialog mit einer europäischen, also regionalen, Gemeinschaft von Kirchen ein, der evangelischerseits lutherische, reformierte, unierte und methodistische Vertreter angehören“. Dies sei möglich gewesen, weil die vorausgehenden Konsultationen zwischen der Gemeinschaft evangelischer Kirchen Europas (GEKE) und dem Vatikanischen Einheitsrat „zu dem für sie selbst erstaunlichen Ergebnis führten, dass man in ekklesiologischen Fragen einander näher ist, als man bis dahin angenommen hatte“, so Kohlgraf. (kna u. vn v. 1. 11.)

 

Die anglikanische Kirche lässt in Zukunft beim Glaubensbekenntnis den Zusatz „filioque“ im Glaubensbekenntnis weg. Das Abweichen von der Formel soll zur „Heilung“ der Spaltung der Kirche in Ost und West beitragen. Das wird in der dieswöchigen Ausgabe des Fachdienstes „Ökumenische Information“ der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur KNA berichtet. Die Internationale Anglikanisch-/Orientalisch-orthodoxe Kommission (AOOIC) hatte bei ihrem jüngsten Treffen im Libanon ein Dialogdokument über Ausgang und das Wirken des Heiligen Geistes veröffentlicht. Darin heißt es in der Frage zur umstrittenen „filioque“-Klausel im Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel, die Anglikaner sollten diese Klausel, die sie „geerbt“ hätten, künftig auslassen. Die von der lateinischen Kirche im Westen eingefügte Formel, gemäß der der Heilige Geist „vom Vater und vom Sohn“ ausgeht, gilt als ein Grund für die Trennung zwischen der Ost- und der Weltkirche im elften Jahrhundert. Die aktuelle Erklärung wurde laut dem Pressedienst der anglikanischen Weltgemeinschaft bereits im vergangenen Jahr unterzeichnet und ist Teil einer Serie von Dokumenten, die die älteste Spaltung der Christenheit heilen sollten. (religion.ORF.at u. KAP u. KNA v. 6. 11. u. JA v. 11. 11.)

 

Papst Franziskus hat am 9. November den Patriarchen der assyrischen Kirche, Mar Gewargis III., in Audienz empfangen. In einer gemeinsamen Erklärung haben sie den ökumenischen Dialog gewürdigt und Einsatz für die verfolgten Christen im Nahen Osten bekundet. Nach dem Treffen haben die beiden Kirchenoberhäupter in der päpstlichen Kapelle Redemptoris Mater gemeinsam gebetet. Die Assyrische Kirche des Ostens ist eine autokephale und völlig eigenständige Ostkirche syrischer Tradition. Nach dem Gebet unterzeichneten der Papst und Mar Gewargis III. eine Erklärung. Darin wird neben den ökumenischen Gesprächen auch das Engagement für die verfolgten Christen im Nahen Osten genannt. Die Assyrische Kirche des Ostens ist vor allem in den Krisenländern Syrien und Irak präsent. Viele ihrer Gläubigen sind in westliche Länder geflüchtet. (vn v. 9 11.)

 

Die Armenisch-Apostolische Kirche hat erstmals einen festen Vertreter für den Vatikan und Westeuropa ernannt. Dafür wählte die armenische Kirche den langjährigen Primas der armenischen Kirche in den USA, Erzbischof Khajag Barsamian. Dies berichtet der Pressedienst „AciStampa“. Er soll die Beziehungen zwischen der armenischen und der katholischen Kirche stärken, hieß es. Eine ähnliche Kontaktstelle gebe es bereits zur anglikanischen Kirchengemeinschaft. Die Armenische Apostolische Kirche ist eine unabhängige altorientalische Kirche, die seit dem Konzil von Chalzedon (451 n. Chr.) weitgehend getrennt von der übrigen Christenheit lebt. Mitte der 1990er Jahre hatte Papst Johannes Paul II. einen ökumenischen Dialog mit dem damaligen Katholikos Karekin I. Sarkissian begonnen. Der armenischen Kirche gehören rund neun Millionen Gläubige in Armenien, der Türkei, in Westeuropa, Australien sowie in Nord- und Südamerika an. (kap u. vn v. 17. 11.)

 

Eine internationale katholisch-orthodoxe Arbeitsgruppe hat erneut über das unterschiedliche Verständnis von Papstprimat und Synodalität von Bischöfen beraten. Dieses Mal nahm kein Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche teil. Das Treffen am Sitz der ökumenischen Gemeinschaft Bose in Norditalien wurde geleitet von Kurienkardinal Kurt Koch und Erzbischof Job von Telmessos vom Ökumenischen Patriarchat in Konstantinopel. Laut der Erklärung berieten die zehn römisch-katholischen und neun orthodoxen Mitglieder der Kommission den Entwurf eines von einer Unterkommission erstellten Textes. Dieser trägt den Titel „Primat und Synodalität im zweiten Jahrtausend und heute“. Die Rolle des Papstes und der Bischöfe sind Hauptstreitpunkte zwischen den Kirchen. Laut einem Wort des früheren Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, darf bei diesem Thema die katholische Kirche von der orthodoxen nicht mehr verlangen, als im ersten christlichen Jahrtausend üblich war. (kap u. vn v. 18. 11.)

 

Im griechisch-orthodoxen Patriarchat in Damaskus waren Vertreter des Moskauer Patriarchats zu Gast. An dem Treffen nahmen auch syrische Politiker und „eine große Vertretung“ der sunnitischen islamischen Gemeinschaften teil, meldet die vatikanische Nachrichtenagentur Fides. Unter der Leitung des griechisch-orthodoxen Patriarchen von Antiochia, Johannes X., nahmen an der Begegnung unter anderem teil: der syrische Minister für religiöse Einrichtungen Mohammed Abdul Sattar, der russisch-orthodoxe Metropolit Hilarion Alfeyev, der syrisch-orthodoxe Patriarch Mar Ignatius Aphrem II., der Apostolische Nuntius in Damaskus, Kardinal Mario Zenari, sowie Vertreter der russischen Regierung und eine „ganze Reihe christlicher und muslimischer Vertreter aus Russland“. Das Treffen hat angesichts der Auseinandersetzung zwischen der russisch-orthodoxen Kirche und dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel um die Errichtung einer eigenständigen ukrainisch-orthodoxen Kirche eine zusätzliche Bedeutung. (fides u. vn v. 20. 11.)

 

Das Vereinigungskonzil „Sobor“ (slawische Bezeichnung für Konzil) für die angestrebte neue autokephale ukrainisch-orthodoxe Kirche ist für Dezember 2018 geplant. Konstantinopel befürwortet jedoch nicht nur die Bildung einer eigenständigen ukrainisch-orthodoxen Kirche, sondern hob den verhängten Kirchenbann gegen die Patriarchen Filaret und Makarij auf. Die russisch-orthodoxe Kirche hat in dem Streit die eucharistische Gemeinschaft mit Konstantinopel aufgekündigt. Bei dem Sobor soll auch die Wahl des Primas der neuen ukrainischen orthodoxen Kirche erfolgen. Patriarch Filaret schreibt in einem Statement, dass das Kirchenrecht zwar keine Eigen-Nominierung erlaube, aber ihm sei berichtet worden, dass die Bischöfe des Kiewer Patriarchats ihn zur Wahl als Primas vorschlagen würden. In den vergangenen Wochen war die Frage einer eventuellen Wahl Filarets zum Oberhaupt der neuen Kirche mehrfach diskutiert worden. (kap u. vn v. 21. 11.)

 

Österreich erhält ein weiteres orthodoxes Kloster: Die seit sechs Jahren ungenutzte Kapuzinerkirche in Braunau wird an die serbisch-orthodoxe Kirche verkauft. Diese zählt in der 17.000 Einwohner zählenden Stadt bereits 1.500 Mitglieder. (JA v. 25. 11.)

 

Eine hochrangige römisch-katholische Delegation ist zu Besuch bei Patriarch Bartholomaios I., dem Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie. Am 28. November trafen der Patriarch und der im Vatikan für die Ökumene zuständige Kurienkardinal Kurt Koch im Amtssitz des Patriarchen in Istanbul zusammen. Anlass und Höhepunkt des dreitägigen Besuchs aus Rom ist das Fest des Apostels Andreas, des Patrons der orthodoxen Kirche. Am 29. November nahm die Vatikan-Delegation an der sogenannten „Göttlichen Liturgie“ teil. Kardinal Koch überbrachte dem Patriarchen einen Brief des Papstes, in dem dieser zum Andreasfest gratuliert und verlass eine Botschaft des Papstes am Ende der Göttlichen Liturgie: „Während Jahrhunderte des gegenseitigen Missverständnisses, der Unterschiede und des Schweigens unsere Beziehung zu beeinträchtigen schienen, hat der Heilige Geist, der Geist der Einheit, es uns ermöglicht, einen brüderlichen Dialog wieder aufzunehmen“. Der Papst würdigte auch die „ehrwürdigen Vorgänger“ Patriarch Athenagoras und Papst Paul VI., die den Dialog wieder aufgenommen hatten und erinnerte an die gemeinsamen Initiativen zur Förderung des Friedens, wie beispielsweise das Gebetstreffen in Bari vom 7. Juli 2018. In einer vom Konflikt verwüsteten Welt sei die Einheit der Christen ein Zeichen der Hoffnung. Er wünsche den Orthodoxen, „einmütig, mitfühlend und liebevoll miteinander umzugehen“ Neben Kardinal Koch gehörten der Delegation der Sekretär des Einheitsrates, Bischof Brian Farrell, sowie Untersekretär Andrea Palmieri an. Umgekehrt besucht der Ökumenische Patriarch zum römischen Patronatsfest Peter und Paul am 29. Juni den Papst als „Bischof von Rom“. (kap u. vn v. 29. u. 30. 11.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Bei einem Besuch in der Kustodie der Franziskaner in Jerusalem dankte Israels Staatspräsident Reuven Rivlin den versammelten Kirchenoberhäuptern für ihren Dienst und äußerte die Hoffnung auf ein weiteres Zusammenleben in Partnerschaft und Frieden. Israel sei allen Religionsgemeinschaften verpflichtet. An dem Treffen nahmen die Oberhäupter der Orthodoxen, der Armenier und der Lateiner im Heiligen Land teil. Die Begegnung des israelischen Staatsoberhaupts mit den Christenführern gehört seit Jahren zu den festen Terminen im Frühjahr. (kap u. vn v. 4. 6.)

     

  • Die Ansprache von Papst Franziskus in Bukarest am 2. Juni vor der Roma-Gemeinschaft in der offiziellen deutschen Übersetzung: „Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag! Ich freue mich, euch zu treffen, und danke euch für eure freundliche Aufnahme. […] Ich trage aber in meinem Herzen eine Last. Es ist die Last der Diskriminierungen, der Absonderungen und der Misshandlungen, die eure Gemeinschaft erlitten hat. Die Geschichte sagt uns, dass auch Christen, Katholiken an diesem großen Leid nicht unbeteiligt sind. Dafür will ich um Vergebung bitten. […] Liebe Brüder und Schwestern, ihr als Volk habt eine Hauptrolle auszufüllen. Ihr müsst keine Angst davor haben, eure besonderen Merkmale, die eure Identität ausmachen und euren Weg prägen und die wir alle so nötig haben, mit uns zu teilen: den Wert des Lebens und der Großfamilie (Vettern und Cousinen, Onkel und Tanten), die Solidarität, die Gastfreundschaft, die Hilfe, Unterstützung und Verteidigung des Schwächsten innerhalb ihrer Gemeinschaften; die Wertschätzung und den Respekt gegenüber den Älteren; die religiöse Bedeutung des Lebens, die Spontaneität und die Lebensfreude. Versagt der Gesellschaft, in der ihr lebt, nicht diese Gaben. […] Und jetzt segne ich euch, aber vorher bitte ich euch um einen großen Gefallen: Betet für mich. Danke!“ (vn v. 2. 6.)

     

  • Die Bedeutung des Besuchs von Papst Franziskus im mehrheitlich orthodoxen Rumänien ist nicht nur für Katholiken, sondern auch für Orthodoxe, ein Schub für die „Ökumene von unten“. Das sagte der orthodoxe Priester Constantin Preda von der Orthodoxen Theologischen Fakultät Bukarest im Gespräch mit Vatican News. Preda nahm an dem Besuch des Papstes in der neuen orthodoxen Kathedrale in Bukarest teil. Er betonte, dass die römisch-katholische Kirche in Italien, Spanien, Deutschland und Frankreich viele Orthodoxe aus Rumänien aufnahm. „Das ist sehr wichtig, denn es gibt eine Ökumene von unten, die dadurch spürbar ist. Das ist eine christliche Solidarität, eine Geschwisterlichkeit, sowie es in der frühen Kirche war. […] Dieser Moment wird historisch bleiben, denn das Treffen und der Besuch von Papst Franziskus in der neuen orthodoxen Kathedrale in Bukarest wird in das historische Gedächtnis dieses Gotteshauses eingehen“, sagte Preda. (vn v. 1. 6.)

     

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