Ökumene

Der Päpstliche Rat für den Interreligiösen Dialog und der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) haben ihr zweitägiges Jahrestreffen im Vatikan beendet. Als bedeutendes Thema nannte der Vatikan die Arbeit an einem gemeinsamen Papier über die Erziehung zu Frieden in einer multireligiösen Welt. Das Büro für Interreligiösen Dialog und Zusammenarbeit des Weltkirchenrates in Genf und der Päpstliche Rat für den Interreligiösen Dialog arbeiten seit 1977 zusammen. Sie bekräftigten dieser Tage ihren Willen, ihr gemeinsames Engagement in der Ökumene und im interreligiösen Dialog fortsetzen zu wollen. (kna u. vn v. 12. 1.)

 

19 evangelische und römisch-katholische Theologinnen und Theologen haben am 12. Januar in Köln ein neues Institut gegründet, das sich auf friedenstheologische Fragen spezialisiert. Der im Internationalen Versöhnungsbund und im „Forum Friedensethik Baden“ aktive Elsässer Religionspädagoge Theodor Ziegler erläuterte: „In mehreren evangelischen Landeskirchen und in der katholischen Kirche wird derzeit verstärkt über das Thema Frieden nachgedacht. Man erkennt zunehmend, dass bei internationalen Konflikten nicht das Militär, sondern nur gewaltfreie Mittel nachhaltig zu Sicherheit und Frieden führen. Mit unserem Institut wollen wir diese friedensethischen Prozesse theologisch unterstützen und begleiten.“ Zudem suche man den kontinuierlichen Austausch mit kirchlichen Gruppen, die sich für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung engagierten. (kna u. vn v. 15. 1.)

 

Vor der alljährlichen Gebetswoche für die Einheit der Christen vom 18. bis 25. Januar hat der Lutherische Weltbund (LWB) in einer Publikation seine ökumenischen Selbstverpflichtungen formuliert. Das Leitungsgremium der Lutheraner habe in dem 39 Seiten umfassende Dokument „dem erklärten Willen der lutherischen Kirchengemeinschaft zur stärkeren Verantwortlichkeit gegenüber seinen ökumenischen Partnern praktischen Ausdruck“ verliehen. Der Text mit dem Titel „Die Selbstverpflichtungen des Lutherischen Weltbundes auf dem ökumenischen Weg hin zur ekklesialen Gemeinschaft“ bietet einen Überblick über die bilateralen und multilateralen Dialoge der Lutheraner auf Welt- und regionaler Ebene und nennt sechs Ansätze, mit deren Hilfe die Lutheraner ihr Engagement im Streben nach der vollen, sichtbaren Einheit der gesamten Christenheit intensivieren wollen. Als bisher theologisch wichtigstes Ergebnis des lutherisch-katholischen Dialogs würdigt das Dokument die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ von 1999, deren Unterzeichnung sich in diesem Jahr zum 20. Mal jährt. Die zunächst bilaterale Erklärung wird inzwischen auch von den methodistischen, anglikanischen und reformierten Kirchengemeinschaften mitgetragen. Sie wolle „ermutigen und konkrete Leitlinien und Anregungen für intensiveren Austausch und lebendigere Interaktion zwischen den lokalen ökumenischen Realitäten einerseits und globalen Prozessen und globaler Zusammenarbeit andererseits an die Hand geben“, betonte LWB-Generalsekretär Martin Junge. Der LWB repräsentiert nach eigenen Angaben mehr als 75 Millionen Christen in 148 Mitgliedskirchen in 99 Ländern. (www.lutheranworld.org v. 15. 1.; kna u. vn v. 17. 1.)

 

Nur gemeinsam statt jeder für sich könne man eine gerechtere Welt schaffen, sagte Papst Franziskus bei einer Audienz am 19. Januar für eine ökumenische Delegation aus Finnland. Die Delegation aus dem skandinavischen Land hatte am 18. Januar am ökumenischen Abendgebet mit dem Papst zur Eröffnung der Gebetswoche für die Einheit der Christen teilgenommen. Die Woche steht dieses Jahr unter dem Motto „Gerechtigkeit, Gerechtigkeit - ihr sollst du nachjagen“. Christen könnten in dreierlei Hinsicht gemeinsam vorgehen, so der Papst: im Gebet, in der Verkündung des Evangeliums und bei der Hilfe für Bedürftige. Auf diese Weise könne man weitere Fortschritte auf dem Weg „zum Ziel der sichtbaren Einheit“ erzielen. Auch theologische und ekklesiologische Fragen, welche die Christen noch trennten, sollten und könnten gemeinsam gelöst werden. „Das gemeinsame Engagement für die Ökumene ist eine wesentliche Voraussetzung für den Glauben, den wir bekennen und eine Voraussetzung, die sich aus unserer eigenen Identität als Nachfolger Jesu ergibt. Und auf den Spuren Jesu, also wenn wir dem Herrn selbst folgen, bedeutet, dass wir immer mehr die Ökumene als einen Weg betrachten, der, wie die verschiedenen Päpste seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ständig betont haben, unumkehrbar ist.“ Anlass der Begegnung der finnischen Ökumene-Delegation mit dem Papst war das Fest des finnischen Missionars und Märtyrers Henrik (Bischof Heinrich von Uppsala, gestorben 1155/56). Seit mehr als 30 Jahren pilgert zu diesem Tag eine ökumenische Delegation der lutherischen Kirche Finnlands nach Rom; stets begleitet auch von Katholiken und Vertretern der Orthodoxie. (vn v. 19. 1.)

 

Die Zeichen ökumenischer Gastfreundschaft mehren sich: In der evangelisch-lutherischen Kathedrale von Lund (Schweden) werden seit einiger Zeit wieder regelmäßig römisch-katholische Messen gefeiert. Die römisch-katholische Kirche St. Thomas ist wegen Renovierung vorübergehend geschlossen Die Vatikanzeitung L'Osservatore Romano zitiert Lena Sjöstrand, die lutherische Pfarrerin der Kathedrale: Es sei eine „wirklich einzigartige Zusammenarbeit zwischen der katholischen Gemeinschaft und unserer Gemeinschaft, eine Fortsetzung der Freundschaft, die zwischen uns entstanden ist." In Ländern, in denen Christen eine Minderheit sind, scheint sich diese Form von Gastfreundschaft durchzusetzen. Als Papst Franziskus in Lettland war, besuchte er auch den evangelisch-lutherischen Dom, wo ihn der Bischof darüber informierte, dass dort regelmäßig ökumenische Gebete von Gläubigen beider Konfessionen stattfänden. (or u. vn v. 23. 1.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Kardinal Reinhard Marx (München) sieht wiederholte Angriffe auf Gebetshäuser in Deutschland mit großer Sorge. „Solche Verbrechen sind schändlich und dürfen in keiner Weise verharmlost werden“, schreibt der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz in einem veröffentlichten Grußwort zum Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan. „In einer offenen Gesellschaft darf kein Mensch Angst verspüren, wenn er ein Gebetshaus betritt.“ Es sei Pflicht der gesamten Gesellschaft, Hass und Hetze zurückzuweisen und sich für ein friedliches und vertrauensvolles Miteinander einzusetzen. Das gelte besonders für die Vertreter der Religionen, „denn ohne Frieden zwischen den Religionen und Kulturen gibt es keinen Frieden in unserer Gesellschaft“. In seiner Grußbotschaft übermittelt Marx Segenswünsche an alle Muslime in Deutschland: „Gott, der Schöpfer und Erhalter dieser Welt, möge Sie durch die Fastenzeit begleiten und Ihre Gebete erhören!“ Der Kardinal forderte dazu auf, gemeinsam daran zu arbeiten, dass sich weltweit das Verständnis von gleichen staatsbürgerlichen Rechten für alle durchsetzt. „Den Wert des Respektes müssen wir besonders den Jugendlichen vermitteln. Denn sie werden in der von uns geschaffenen pluralen Gesellschaft noch lange miteinander arbeiten und leben.“ (kna u. vn v. 5. 5.)

     

  • Die für 6. bis 27. Oktober 2019 geplante Amazonas-Synode in Rom wird nach Worten des deutschen Bischofs Franz-Josef Overbeck zu einer „Zäsur" in der römisch-katholischen Kirche führen. „Nichts wird mehr sein wie zuvor", sagte der für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat zuständige Ruhrbischof in Essen. So stehe die hierarchische Struktur der Kirche genauso auf dem Prüfstand wie ihre Sexualmoral und das Priesterbild. Auch die Rolle der Frau in der Kirche müsse überdacht werden. Bei der Bischofsversammlung soll es neben der Ökologie auch um Theologie und Seelsorge, um die Belange der Indigenen sowie um Menschenrechte gehen. In Lateinamerika werden die Ortskirchen und ihr Klerus immer selbstständiger. Zugleich stelle sich ein Priestermangel ein. Er kenne Diözesen, in denen einem Bischof noch gerade zehn Priester für ein riesiges Seelsorgegebiet zur Verfügung stünden. Schon jetzt seien die Kirchen vor Ort von Frauen, vor allem durch Ordensfrauen geprägt. „Das Gesicht der Kirche vor Ort ist ein Gesicht von Frauen", so der Adveniat-Bischof. Auf all das müsse die Kirche reagieren und Antworten finden. Die Kirche werde das „Schritt für Schritt" über mehrere synodale Prozesse tun müssen. (kna, kap u. vn v. 2. 5.)

     

  • Ein ökumenisches Ereignis von erstrangiger Bedeutung findet seit 1. Mai in Addis Abeba statt: Zum ersten Mal sind kirchliche Führungspersönlichkeiten und Experten der äthiopisch-orthodoxen Kirche sowie der römisch-katholischen Kirche in Äthiopien versammelt, um bei einer Konferenz auf wissenschaftlicher Ebene die Streitpunkte der Vergangenheit zu behandeln: die Unionsversuche des 16. Jahrhunderts und die Haltung der römisch-katholischen Kirche zum Eroberungskrieg Mussolinis im 20. Jahrhundert. Im seit Jahrzehnten andauernden Prozess zum Abbau des Misstrauens zwischen äthiopisch-orthodoxer und römisch-katholischer Kirche kommt der Wiener Stiftung "Pro Oriente" und dem von ihr getragenen „inoffiziellen Dialog" besondere Bedeutung zu. Daher wurde auch "Pro Oriente"-Präsident Alfons M. Kloss gebeten, die Tagung in Addis Abeba mit zu eröffnen. Der Salzburger Ostkirchenexperte und Vorsitzende der Salzburger Sektion von "Pro Oriente", Prof. Dietmar W. Winkler, ist einer der Referenten. Er behandelt das Verhältnis von offiziellem und inoffiziellem theologischen Dialog zwischen den Kirchen sowie die Hoffnung auf einen orthodox-katholischen Dialog in Äthiopien. Der römisch-katholische Erzbischof von Addis Abeba, Kardinal Berhaneyesus D. Souraphiel, betonte im Vorfeld, vertiefte ökumenische Beziehungen seien nicht nur für das gemeinsame christliche Zeugnis in der Gegenwart von größter Bedeutung, sondern seien auch ein Dienst an der Bewahrung des reichen christlichen Erbes Äthiopiens und wichtig für den konstruktiven Dialog mit dem Islam. Der moslemische Ministerpräsident Ahmed Abiy hat die Initiative zur Förderung der nationalen Versöhnung mit angeregt. Kardinal Souraphiel wurde im Februar von Ministerpräsident Abiy zum Koordinator der neuen äthiopischen Nationalkommission für Versöhnung und Frieden bestellt. Ende Jänner war der neue Regierungschef Ahmed Abiy von Papst Franziskus im Vatikan empfangen worden. (kap v. 1. 5.)

     

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