Ökumene

In der Wiener Kirche „Maria vom Siege“ fand am 7. Mai ein ökumenischer Festgottesdienst statt anlässlich des Jahrestages der Übergabe der Kirche an die koptisch-orthodoxe Gemeinde. Der Wiener koptisch-orthodoxe Bischof Anba Gabriel dankte Kardinal Christoph Schönborn und erinnerte an die fürchterlichen Anschläge gegen Kopten in Ägypten. Das Zeugnis der koptischen Märtyrer bedeute, dass „der Weg der Liebe in unserer friedlosen Welt stärker sein wird als der Hass“. Bei dem Gebet in der Kirche waren u. a. der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej (Cilerdzic), der altkatholische Bischof Heinz Lederleitner, der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar Nicolae Dura, der koptisch-orthodoxe Bischof von Sydney sowie zahlreiche weitere Geistliche der der syrisch-orthodoxen und der armenisch-apostolischen Kirche sowie auch der ägyptische Botschafter anwesend. (JA vom 21. 5.)

 

Ökumenische Sternwallfahrt zum Ökumene-Kloster Volkenroda (Thüringen): „Einfach Christus – der Weg der Gemeinschaft“ lautete das Motto des „Christusfestes“. Der Abt des Stiftes Wilhering, Reinhold Dessel, führte die österreichischen Wallfahrer an und meinte: „So wie hier die verschiedenen Konfessionen miteinander leben, umgehen und verbunden sind, so würde ich mir das für die großen Kirchen auch wünschen.“ Die „Jesus-Bruderschaft“ in Volkenroda hat sich 1961 gegründet und zählt derzeit zwölf Frauen und Männer, die entweder verheiratet oder zölibatär in einem revitalisierten Zisterzienserkloster leben. Diese evangelischen und römisch-katholischen Christen feiern ihre Gottesdienste gemeinsam mit Elementen beider Kirchen. Zu den dreimaligen Gebetszeiten sind alle eingeladen. Sie organisieren Einkehrtage, Camps für Jugendliche, Biker-Wallfahrten u. a. m. Rund 50.000 Menschen nutzen die Angebote jährlich. Die „Jesus-Bruderschaft“ hat auch Niederlassungen in Gnadenthal (Hessen), Hennersdorf (Sachsen), Latrun (Israel) und Makak (Kamerun). (JA v. 14. 5.)

 

Die evangelische und die römisch-katholische Kirche planen konkrete Schritte zu einer stärkeren Kooperation beim Religionsunterricht in Brandenburg. „Wir haben Konzepte entwickelt, wie wir uns diesen Unterricht vorstellen können“, sagte der Bischof der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, Markus Dröge. Erzbischof Heiner Koch nannte den gemeinsamen Entwurf ermutigend. In Niedersachsen gebe es bereits Vergleichbares. Die Grundsatzpapiere von Bischofskonferenz und Evangelischer Kirche in Deutschland (EKD) würden den Rahmen abstecken. „Innerhalb dessen werden unsere Konzepte entwickelt“, unterstrich Dröge. Als Besonderheit der Region nannte Koch den hohen Anteil von Schülern, „die gar keine Berührung mit dem christlichen Glauben haben“. Hier heißt die Alternative nicht „katholisch oder evangelisch, sondern lebenskundlicher Unterricht, Ethikunterricht oder gar nichts“. Zugleich gebe es „nicht wenige Schüler, die nicht getauft sind und in den Religionsunterricht gehen. Das ist ein Spezifikum, das wir bedenken müssen“, sagte Koch. (kna u. rv [= www.de.radiovaticana.va] v.22. 5.)

 

Mit einer Ikone des heiligen Nikolaus von Myra hat sich der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. bei Papst Franziskus für eine besondere Leihgabe revanchiert: Auf Wunsch von Papst Franziskus sind derzeit die Gebeine des heiligen Nikolaus in Moskau zur Verehrung ausgestellt. Der Bischof von Bari-Bitonto, hatte die Reliquien nach Moskau begleitet und war dem Patriarchen nach der Liturgie in der Moskauer Erlöserkathedrale begegnet, wo die Reliquien bis 12. Juli bleiben werden. Anschließend werden sie bis 28. Juli in Sankt Petersburg ausgestellt. (rv v. 25. 5.)

 

Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hat am 30. Mai die Ehrendoktorwürde der Universität Tübingen erhalten und würdigt Martin Luther. Das 77-jährige Oberhaupt aller orthodoxen Christen wurde von der Evangelisch-Theologischen Fakultät für sein Engagement im Dialog der Religionen sowie für Umweltschutz, Frieden und Freiheit geehrt. Dekan Michael Tilly nannte den Patriarchen einen „ökumenischen Brückenbauer“. Bartholomaios hatte tags zuvor Martin Luther gewürdigt. Der Reformator habe „welthistorische Veränderungen bewirkt“. In einer auf Deutsch gehaltenen Ansprache ging er auf die Geschichte des Dialogs zwischen Protestanten und Orthodoxen ein. Er betonte die Notwendigkeit weiterer Gespräche der christlichen Kirchen „mit theologischem Ernst und theologischer Fantasie“. Theologischer Fundamentalismus sei dagegen „Ausdruck krankhafter Religiosität“. Die anschließende wissenschaftliche Tagung will unter dem Arbeitstitel „Tübingen zwei“ an die ersten Kontakte zwischen den Kirchen der Reformation und der orthodoxen Kirche erinnern, die die Tübinger Theologen Martin Crusius und Jakob Andreae im Jahr 1573 durch ihren Briefwechsel mit dem Ökumenischen Patriarchen Jeremias II. aufgenommen hatten. (kna u. rv. v. 30. 5.)

 

Im Rahmen eines Festakts am 31. Mai ehrte die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Salzburg den lutherischen Bischof Michael Bünker mit dem Ehrendoktorat. Damit hat erstmals in Österreich ein evangelischer Bischof die Ehrendoktorwürde einer katholischen Fakultät erhalten. An dem Festakt nahmen u.a. auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen und der Salzburger Erzbischof Franz Lackner teil. Die Fakultät wolle damit einen „außerordentlichen Theologen" auszeichnen, der als „selbstbewusster evangelischer Christ seiner Kirche eine Stimme leiht, die in Österreich gehört werde, wenn es um den gesellschaftlichen Ort des Christentums in der Gesellschaft geht", sagte der Fundamentaltheologe und Ökumeniker Gregor Maria Hoff, der gemeinsam mit Dekan Dietmar Winkler den Antrag zur Ehrenpromotion verfasst hat. Zugleich sollte die Verleihung im Jahr des Reformationsgedenkens 2017 auch die ökumenische Bedeutung der Reformation öffentlich zur Geltung bringen. Die Katholisch-Theologische Fakultät setze mit dieser Verleihung des Ehrendoktorats an den evangelischen Bischof ein Zeichen dafür, „dass und wie sich Religionskonflikte in ein Verhältnis aufrichtiger kirchlicher Verbundenheit und produktiver Gesprächskultur überführen lassen". Für Bünker selbst war die Auszeichnung „eine Ehre, die ich keineswegs nur eigenen Verdiensten zuschreiben möchte, sondern vielmehr als ein Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung evangelischer Theologie und evangelischer Kirchlichkeit in unserem Land auffasse, für das wir im 500. Jahr der Reformation nur gemeinsam Danke sagen können." Auch Erzbischof Lackner würdigte am Rande des Festakts die vielfältigen Verdienste Bünkers um die Ökumene in Österreich. (kathpress v. 1. 6. JA v. 11. 6.)

 

Papst Franziskus leitet am 3. Juni ein ökumenisches Abendgebet mit Pfingstkirchen im Circus Maximus. Zu dem Treffen anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Katholischen Charismatische Erneuerung (CE) werden laut den Organisatoren 30.000 Teilnehmer aus mehr als hundert Ländern erwartet. Eingeladen wurden auch rund 5.000 Mitglieder protestantischer pentekostaler Bewegungen, sagte die Präsidentin des Weltdachverbands „International Catholic Charismatic Renewal Services“, Michelle Moran, am 30. Mai bei der Präsentation des Programms der fünftägigen Feierlichkeiten. In einem Grußwort zum Jubiläum lobte Papst Franziskus den ökumenischen Aspekt der Feierlichkeiten. Dies sei Ausdruck des Heiligen Geistes, der zur „Einheit in Vielfalt“ führen wolle. (kap u. rv v. 31. 5.)

 

Ein neuer Schritt in der ökumenischen Annäherung zwischen der römisch-katholischen und der russisch-orthodoxen Kirche: Die Reliquien des Heiligen Nikolaus werden am 21. Mai von Bari in Süditalien nach Russland gebracht. In den orthodoxen Kathedralen in Moskau und St. Petersburg haben Gläubige dann bis 28. Juli die Möglichkeit, die Reliquien zu verehren. Das teilte die Stiftung „Pro Oriente" in einer Presseaussendung am 1. Mai mit. Die „Pilgerfahrt" der Reliquien nach Russland war bei dem Treffen zwischen Papst Franziskus und Patriarch Kyrill am 12. Februar 2016 in Havanna vereinbart worden. Der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion, bezeichnete die „Pilgerfahrt" der Reliquien als „einmaliges Ereignis". (kap u. rv v. 1. 5.)

 

Nach dem Besuch von Papst Franziskus in Ägypten sind sich Beobachter einig: Vor allem für das Zusammenleben von Kopten und Katholiken in Ägypten habe der Besuch viel verändert. So die Einschätzung des Nahost-Fachmannes und Islam-Kenners Pater Samir Khalil Samir. „Ein großer Schritt“ war für ihn, dass Papst Franziskus und der koptisch-orthodoxe Papst Tawadros II. eine Erklärung zur gemeinsamen Taufe unterzeichneten. Beide Kirchen erkennen jetzt ihre Taufen gegenseitig an. Für koptisch-katholische Ehepaare, von denen es laut Pater Samir viele in Ägypten gibt, sei das ein gutes Zeichen. Denn bisher sah die koptische Regel vor: Wer zur koptischen Kirche wechselte, der musste sich neu taufen lassen, auch wenn diese Person bereits römisch-katholisch getauft war. (rv v. 2. 5.; JA v. 7. 5.)

 

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Communio" einen Beitrag zum christlich-jüdischen Dialog veröffentlicht. Ziel des Benedikt-Textes sei zunächst nur eine private Reflexion auf die nachkonziliare Absage an die sogenannte „Substitutionstheorie" – die Vorstellung, die Kirche sei an die Stelle Israels getreten – und über den „nie gekündigten Bund" „Beide Thesen […] sind im Grunde richtig, sind aber doch in vielem ungenau und müssen kritisch weiter bedacht werden". Denn es habe eine „Substitutionstheorie" „als solche nicht gegeben" und es komme dem Judentum aus christlicher Sicht stets ein besonderer Status zu, insofern das Judentum „nicht eine Religion unter anderen" sei, sondern „in einer besonderen Situation steht und daher auch als solches von der Kirche anerkannt werden muss". Es gibt aber auch bleibende Differenzen wie z. B. die Messias-Frage: Für das Judentum bleibe ein gewisser messianischer Verheißungsüberschuss, denn Jesus habe ja kein messianisches Friedensreich gegründet, sondern seine Messianität verstanden als „eine Zeit der Freiheit". Auch die Frage des „nie gekündigten Bundes" zwischen Gott und den Juden verlange nach Differenzierungen, etwa in dem Sinne, dass es nicht nur den einen Bund zwischen Gott und seinem Volk gab, sondern viele unterschiedliche Bünde. „Die Formel vom ‚nie gekündigten Bund‘ mag in einer ersten Phase des neuen Dialogs zwischen Juden und Christen eine Hilfe gewesen sein, taugt aber nicht auf Dauer, um die Größe der Wirklichkeit einigermaßen angemessen auszudrücken", so Benedikt XVI. (kap u. vn v. 6. 7.)

     

  • Weitere deutsche Bischöfe haben angekündigt, die Kommunion für evangelische Ehepartner im Einzelfall zuzulassen: der „Ökumene-Bischof“ Gerhard Feige, der Hamburger Erzbischof Stefan Heße und der stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz Franz-Josef Bode. Der Magdeburger Bischof Feige erklärte, er bereite derzeit ein Schreiben vor, in dem er den Priestern seines Bistums die Beachtung der Orientierungshilfe der deutschen Bischofskonferenz nahelegt. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode will die Kommunion ebenfalls in Einzelfällen öffnen. Auch der Hamburger Bischof empfiehlt den Seelsorgern in seiner Diözese in einem Schreiben die Orientierungshilfe. Er persönlich sehe in dem dort angedeuteten Weg eine Möglichkeit, wie es zu einem verantworteten Sakramentenempfang im Einzelfall kommen könne, schreibt Heße. Auch aus Paderborn war bekannt geworden, dass Erzbischof Hans-Josef Becker in Einzelfällen die Teilnahme protestantischer Ehepartner an der Kommunion ermöglichen wolle. Die deutschen Bischöfe hatten in einer im Februar mit Dreiviertel-Mehrheit verabschiedeten „Orientierungshilfe“ betont, evangelische Ehepartner könnten im Einzelfall und unter bestimmten Voraussetzungen die Kommunion empfangen. Jeder Bischof soll selbst über den konkreten Umgang mit dem Thema in seiner Diözese entscheiden. (kap u. vn v. 3. 7.)

     

  • Die Internationale Anglikanisch-Katholische Kommission (ARCIC) hat eine Erklärung über die Kirche als lokale und universale Gemeinschaft veröffentlicht. In dem 68-seitigen Dokument geht es um die gemeinsamen theologischen Prinzipien beider Kirchen, um die unterschiedlichen Strukturen der Entscheidungsfindung sowie um die Möglichkeiten, voneinander zu lernen. Der Text „Walking Together on the Way: Learning to be Church - Local, Regional, Universal" wurde bereits bei einer Tagung im Mai 2017 in Erfurt verabschiedet, aber erst am 2. Juli veröffentlicht. Die Erklärung soll als Grundlage für weitere Diskussionen gelten. Der australische Theologe Ormond Rush legte das Papier im Namen des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen vor und betonte, es gebe viele Parallelen zwischen den Möglichkeiten des Lernens für die römisch-katholische Kirche, die in dem Dokument vorgeschlagen sind, und der Vision, die Papst Franziskus für die Erneuerung der Kirche gemäß des Zweiten Vatikanischen Konzils habe. Das Dokument legt auch die Notwendigkeit für die römisch-katholische Kirche nahe, die Autorität der Bischofskonferenzen klarer zu umreißen. Die Erklärung sei – methodisch und substanziell – ein bedeutender Schritt nach vorn für die katholisch-anglikanische Ökumene, hieß es von römisch-katholischen Beteiligten. Die anglikanischen Mitglieder lobten das „Bekenntnis zur Einheit". Sie schlugen zudem vor, die römisch-katholische Praxis eines gemeinsamen Heiligenkalenders zu übernehmen sowie einen weltweiten Katechismus und ein einheitliches Kirchenrecht zu entwickeln. ARCIC begann ihre Arbeit nach dem historischen Treffen 1966 zwischen Papst Paul VI. und dem anglikanischen Erzbischof von Canterbury, Michael Ramsey. (vn u. kap v. 5. 7.)

     

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