Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Moslemische Gelehrte beklagen die zunehmende Radikalisierung der Moslems. Neben Hocine Drouiche, dem zurück getretenen Vizepräsidenten der Imame Frankreichs, und Soheib Bencheikh, dem Großmufti von Marseille, beklagt auch der ägyptische Jesuit P. Samir Khalil Samir den großen Einfluss von radikalen Salafisten, Muslimbrüdern und Wahabiten. (CSI-Zeitung 9/2016)

 

Die katholischen Bischöfe von Nordarabien fordern die „moderaten Muslime“ auf, sich deutlicher als bisher gegen den islamischen Terror auszusprechen. Im Namen dieser Bischöfe sagte Bischof Camillo Ballin mit Sitz in Bahrain – und als Apostolischer Vikar zuständig für Bahrain, Kuwait, Saudi-Arabien und Qatar – dem Sender Radio Vatikan, die moderaten Muslime müssten „ernsthaft Position beziehen, radikal, deutlich, mit Interviews in Zeitungen und auch in der Politik“, um den Unterschied zwischen Gewalt und Islam klar zu machen. (JA v. 4. 9.)

 

Der koptische Papst-Patriarch Tawadros II. lobt das friedliche Zusammenleben von Christen und Muslimen in Jordanien sowie den Einsatz des Landes für christliche heilige Stätten. „Ich bin Ägypter und habe Geschichte gelesen, aber ich hätte mir nie vorgestellt, dass es so großartig sein wird“, sagte er bei seinem Jordanienbesuch der Tageszeitung „Jordan Times“. Das Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche nimmt an der am 6. September beginnenden Sitzung des „Kirchenrat des Nahen Ostens“ (Middle East Council of Churches/MECC) teil. Papst Tawadros lobte im Vorfeld besonders die jordanischen Bemühungen, religiöse und historische Stätten zu erhalten und zu deren Besuch zu ermuntern. Er selbst werde nach seiner Rückkehr nach Ägypten seine „Landsleute ermutigen, diese Orte zu besuchen und Geschichte zu lernen“. (www.de.radiovaticana.va u. kna v. 6. 9.)

 

Der Münsteraner Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide diskutiert in der Deutschen Botschaft im Vatikan mit Kurienkardinal Walter Kasper über Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Barmherzigkeitsbegriffs in Christentum und Islam: Khorchide: „Die Barmherzigkeit ist koranisch gesehen die wesentliche Eigenschaft Gottes, um diese Eigenschaft drehen sich alle anderen Eigenschaften Gottes. Denn die Barmherzigkeit ist die häufigste Eigenschaft Gottes, die im Koran vorkommt. 113 der 114 koranischen Suren beginnen mit der Formel „Im Namen Gottes des Allbarmherzigen, des Allerbarmers.“ In der 6. Sure Vers 12 heißt es: „Er hat sich selbst der Barmherzigkeit verschrieben“. Oder: „Meine Barmherzigkeit umfasst alle Dinge“ 7. Sure, 156.“ Nach Khorchides Ansicht bezeugt die gesamte Stoßrichtung des Koran einen barmherzigen Gott. Kardinal Kasper wiederum erzählte die Geschichte der Barmherzigkeit im Christentum nach, wie er es auch in seinem Buch „Barmherzigkeit“ tut. Das lateinische Wort „misericordia“, bedeute so viel wie „ein Herz haben für die Armen“. Selbstverständlich haben die Christen nicht immer Barmherzigkeit gelebt, sie haben im Lauf der Geschichte auch schreckliche Untaten begangen. „Aber es gibt eben dieses Kriterium: Bei Jesus ist mit Gewalt überhaupt nichts zu machen, das ist ausgeschlossen für ihn. […] Sie wollten ihn ja zum König machen, zum Brotkönig. Er hat es abgelehnt. Ich würde sagen, da sind zwei Kriterien genannt, die einfach unterschiedlich sind.“ Khorchide, der für eine historisch-kritische Analyse der heiligen Schrift des Islam eintritt, betonte, dass der Koran immer wieder die Kontinuität mit dem Judentum und Christentum betont. Gerade die Barmherzigkeit im christlichen Verständnis habe im Koran ihre Spuren hinterlassen: „Die Barmherzigkeit, das Wort taucht zum ersten Mal in den mittelmekkanischen Suren auf und zwar am stärksten in der 19. Sure, die die Überschrift ‚Maria‘ trägt. […] Also im Zusammenhang mit dem Christentum kommt die Begrifflichkeit Barmherzigkeit sehr stark auf. Und das finde ich auch gut so, dass auch hier der Koran selbst die Verbindung zum Christentum gerade beim Thema Barmherzigkeit herstellt.“ Und über den sogenannten „arabischen Frühling“ sagt Khrochide: „Ich vermisse hier die Stimmen der Religionen. Wo sind die Stimmen der Religionen, um zu verhindern, dass so viel Unheil geschieht, die anstoßen, dass es mehr Frieden auf der Welt gibt? Ich glaube das ist der nächste Auftrag für den interreligiösen Dialog und ich sehe, auf theologischer Basis verstehen wir uns wunderbar.“ (www.de.radiovaticana.va v. 7. 9.)

 

Die 11. Generalversammlung des „Middle East Council of Churches“ (MECC) fand am 7. September in der jordanischen Hauptstadt Amman statt. Die MECC-Vertreter lobten die Bemühungen des jordanischen Königshauses für ein friedliches Zusammenleben von Muslimen und Christen sowie dessen Initiativen für den interreligiösen Dialog. An der Veranstaltung nahmen neben Vertretern westlicher Kirchen und internationaler Organisationen wichtige Personen von 22 Kirchen in Jordanien, Irak, Syrien, Palästina, Zypern, Libanon, Ägypten und dem Iran teil. (www.de.radiovaticana.va u. kna vom 7. u. 8. 9.)

 

Die Religionen müssen gemeinsam den Terrorismus zurückweisen, betonte der Papst am 8. September bei einer Audienz für die Teilnehmer des ersten Treffens der Initiative „Amerika im Dialog – unser gemeinsames Zuhause“. Diese in Buenos Aires entstandene Initiative versteht sich als interreligiöse Dialogplattform für Süd- und Nordamerika. In seiner Ansprache sagte der Papst, eine gläubige Person muss jede Etappe des Lebens verteidigen, aber auch „grundlegende Rechte wie die Religionsfreiheit oder die freie Meinungsäußerung. […] Damit alle das ausführen können, wozu sie berufen sind, braucht es Respekt vor der Würde jedes Einzelnen. […] Leider stellen wir mit Schrecken fest, dass oft im Namen der Religion Gewalt und Terror ausgeübt wird. Wir müssen alle gemeinsam diese unmenschlichen Taten klar verurteilen.“ Aus diesem Grund seien Initiativen wie jene von „Amerika im Dialog“ nötiger denn je. (www.de.radiovaticana.va vom 8. 9.)

 

Die Minderheiten in Pakistan begrüßen die Aufstellung einer Arbeitsgruppe der Regierung für Menschenrechte. Diese soll verfolgten Minderheiten zugute kommen und Mitglieder aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen inkludieren: Bürger, Journalisten, Vertreter der Christen und islamische Gelehrte. „Sie sollen den Fortschritt von provinziellen Abteilungen auf einer vierteljährlichen Basis überprüfen und Daten suchen, um die Menschenrechtssituation in Punjab zu beurteilen“, so der pakistanische Minister für Menschenrechte und Minderheitsangelegenheiten, Khalil Tahir Sandhu. Dies ist ein wichtiger Schritt für die Christen im Pakistan. Die Arbeitsgruppe ist auch für den Schutz von Kirchen und christlichen Niederlassungen verantwortlich. (www.de.radiovaticana.va u. ucanews v. 9. 9.)

 

Königin Rania von Jordanien lobt die Arbeit von Papst Franziskus. „Ich bewundere die Arbeit, die Papst Franziskus getan hat und weiter tut, um die Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Religionen zu stärken“, sagte die muslimische Monarchin und Gattin von König Abdullah II. der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ am 9. September. Die 46-Jährige bezeichnete das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche in dem Interview als „Vorbild für den interreligiösen Dialog und das Zusammenleben“. Rania sieht alle Muslime in der Pflicht, ihre Stimme deutlich gegen Extremisten zu erheben. Die „wahren Lehren des Islam“ müssten frei und ohne Angst geäußert werden. „Angesichts von so viel Ungerechtigkeit können wir nicht stumm bleiben“, sagte sie mit Blick auf islamistische Terrorakte. (www.de.radiovaticana.va u. kap v. 10. 9.; JA v. 18. 9.)

 

Tausende Menschen besuchten am 10. September in St. Pölten das „Fest der Begegnung“. Damit wollten die Veranstalter der Betriebsseelsorge Traisental unter dem Motto „Gemeinsame Heimat“ zu einem besseren Verständnis und Kennenlernen unterschiedlicher Kulturen und Religionen beitragen. (JA v. 25. 9.)

 

Papst Franziskus hat am 16. September das japanische Oberhaupt des Tendai-Buddhismus, Koei Morikawa, zu einem Gespräch empfangen. Diese Richtung des japanischen Buddhismus zeichnet sich durch die Integration unterschiedlicher buddhistischer Traditionen aus. Morikawa nimmt am dreitägigen Friedenstreffen der Religionen teil, das am 18. September in Assisi beginnt. (www.de.radiovaticana.va u. kna v. 16. 9.)

 

Die pakistanische Regierung hat einen neuen internationalen Rat für interreligiöses Zusammenleben auf den Weg gebracht, berichtet der Nachrichtendienst Fides. Dieser hat eine beratende Funktion und befasst sich mit Fragen des Zusammenlebens verschiedener Religionsgemeinschaften im Land. Der neue Rat gehört zum Ministerium für religiöse Angelegenheiten unter Leitung des Ministers Sardar Yousaf. In Pakistan gibt es bereits einen nationalen Rat für Frieden und interreligiöses Zusammenleben, der das friedliche Miteinander der verschiedenen Religionen im Land fördern will und die Bürger Pakistans zu Toleranz und gegenseitigem Respekt aufruft. Auch die römisch-katholische Kirche verfügt über mehrere Büros und Einrichtungen, die sich in diesem Bereich engagieren, darunter die bischöfliche Kommission für interreligiösen Dialog, das „Peace Center“ des Dominikanerordens in Lahore und der von dem Franziskanerpater Francis Nadeem OFM Cap gegründete Rat für interreligiösen Dialog. (fides u. www.de.radiovaticana.va v. 17. 9.)

 

Der maronitisch-katholische Patriarch, Kardinal Bechara Rai, hat den sunnitischen Großmufti des Libanon, Scheich Abdul Latif Derian, zur Teilnahme an einem Gebetstag für Familien eingeladen. Das Gebetstreffen findet am 20. September, dem Weltgebetstag für den Frieden, in Harissa statt. Das Treffen sei eine Gelegenheit, auf die gegenwärtige politisch instabile Lage im Libanon einzugehen, sagte der Erzbischof von Tyr, Schukrallah Nabil Hadsch, laut Bericht der staatlichen libanesischen Nachrichtenagentur NNA. Denn seit dem Ende der Amtszeit von Präsident Michel Sleiman im Mai 2014 können sich die politischen Lager im Libanon nicht auf einen Kandidaten für die Nachfolge einigen. (www.de.radiovaticana.va u. kna v. 17. 9.; JA v. 2. 8.)

 

Islamische Gelehrte und Geistliche loben Papst Franziskus für sein Verstärken der Bindungen zur moslemischen Welt und seinen Einsatz für syrische Flüchtlinge. „Für die gebildeten Moslems ist Papst Franziskus der Prophet der Liebe“, sagte der pakistanische Mufti Syed Ashiq Hussain am 18. September bei der Versammlung im Friedenszentrum der Dominikaner in Lahore. „Er ist das Beispiel, wie die Menschheit die Würde jedes einzelnen Menschen respektieren sollte, setzt damit ein Beispiel für Friedensbotschafter und beschämt gleichzeitig Hassförderer. Seine Taten zeigen, was er in seinem Herzen trägt“, sagte der Mufti. (ucanews u. www.de.radiovaticana.va v. 19. 9.)

 

Trotz des islamistisch motivierten Mordes an dem französischen Priester Jacques Hamel will dessen Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun, den Dialog weiterführen. Die Anerkennung des Martyriums von Jacques Hamel durch den Papst möge „keine wehende Fahne für den Kampf und die Verurteilung“ sein, wünschte sich der Erzbischof, wie es in einer Mitteilung der Basisgemeinde von Sant´Egidio heißt. Zur vielen Trauermessen für den ermordeten Priester waren auch Muslime in die römisch-katholischen Gottesdienste in Frankreich gekommen. Die Teilnahme von muslimischen Gläubigen an diesen Gedenkfeiern sei Ausdruck einer „Familie, die sich auf Besuch zu einer anderen, trauernden Familie begab. Das ist etwas Gutes: wir gehören zur selben menschlichen Familie“, sagte Erzbischof Lebrun in Assisi. (www.de.radiovaticana.va v.19. 9.)

 

Die koptisch-orthodoxe Kirche bekräftigt erneut ihre ablehnende Haltung gegenüber einer Verheiratung von Minderjährigen. Wie das Patriarchat in einer Verlautbarung betont, verstoße dies gegen das Recht der jungen Menschen, den eigenen Partner für eine Ehe frei zu wählen, dem sie Treue versprechen. Bereits im Mai trafen Vertreter der sunnitischen al-Azhar-Universität und des koptisch-orthodoxen Patriarchats eine Vereinbarung, in der sie die Richtlinien für die gemeinsame Bekämpfung des Missbrauchs von Kindern festlegten. (fides u. www.de.radiovaticana.va v. 20. 9.)

 

Seit einer Woche hat Vietnam erstmals eine römisch-katholische Universität, die offiziell vom Heiligen Stuhl und von der Regierung anerkannt ist. Der vatikanische Pressedienst „Fides“ berichtet am 21. September über die Eröffnung dieser neuen Bildungseinrichtung in Ho Chi Minh City. Bei der Eröffnungsfeier betonte der Rektor des neuen Instituts, Bischof Joseph Dinh Duc Dao, dass „das Institut das theologische Wissen und die Fähigkeiten von Priestern, Ordensleuten und Laien fördern will, damit sie in einer sich rasch entwickelnden Zeit ein authentisches Glaubensleben führen können“. Das Institut ermöglicht einen Bachelor-Abschluss, ein Lizentiat oder das Doktorat im Fach Theologie. Geplant sind Kurse für Sakramententheologie, Dogmatik, Moraltheologie, Liturgie, Bibelwissenschaft, Spiritualität, Missionswissenschaft, Kirchenrecht, Philosophie, Psychologie und Humanistik. (fides u. www.de.radiovaticana.va v. 21. 9.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Zu einem gemeinsamen Fastenbrechen haben sich Anfang Juni in Jakarta Muslime, Christen und Buddhisten getroffen. Sie wollen damit ein Zeichen für kulturelle und religiöse Vielfalt im Land setzen. Wie die Nachrichtenagentur Fides berichtet, stand das Zusammenkommen der Gläubigen und ihrer Religionsführer im Zeichen der „Pancasila“. Das bedeutet „fünf Prinzipien“ und ist die offizielle Staatsideologie Indonesiens. Man wolle mit dem gemeinsamen Fastenbrechen Solidarität bekunden mit den Opfern des Anschlags von Surabaya im Osten Javas, bei dem mindestens 23 Menschen gestorben sind. Das Attentat geht auf das Konto der Jemaah Ansharut Daulah. Doch der Islam stehe im Einklang mit der Pancasila und respektiere religiöse und kulturelle Vielfalt, erklärte James Smith Carrington, auch bekannt als Ustaz James, Mitglied der Nahdlatul Ulama und des „Majlis Ulama Indonesia“. Das Land erlebe jetzt eine Zeit der Intoleranz. „Jeder glaubt im Recht zu sein, schiebt anderen die Schuld für Missstände in die Schuhe und widerspricht damit auch der Charta von Medina“, einer Erklärung Mohammeds, der darin Anhänger andere Religionen, wie Juden und Christen, willkommen hieß, ihre Religionen frei auf islamischen Boden zu praktizieren. Bei einem anderen interreligiösen Treffen wurde ein ähnlicher Impuls gesetzt: Der Islamwissenschaftler Sumanto al Qurtuby betonte während einer Veranstaltung der Theologischen Fakultät der Jesuiten-Universität „Sanata Dharma“ in Yogyakarta: „Indonesien ist unser aller Zuhause. Wir müssen gemeinsam darauf aufpassen.“ Der erste der fünf Grundsätze der Pancasila lautet: „An einen Gott glauben“: Jeder Indonesier hat demnach das staatlich garantierte Recht, eine Religion seiner Wahl auszuüben. Es geht um Religionsfreiheit. (fides u. vn v. 5. 6.)

     

  • Die Synodalität ist eines der großen Anliegen von Papst Franziskus. Er will das synodale Element in der Kirche stärken und dafür auch Anleihen bei der Orthodoxie nehmen. Die Internationale Theologenkommission hat ein Grundsatzpapier zum Thema Synodalität erstellt. „Synodalität“ ist vom Begriff „Demokratie“ zu unterscheiden. „Es geht vielmehr darum, immer da, wo Macht in der Kirche ausgeübt wird, den Communio-Charakter der Kirche zu wahren“, sagte der Bonner Dogmatiker Karl-Heinz Menke im Gespräch mit dem Kölner Domradio. „Die Universalkirche darf sich nicht gegenüber den Ortskirchen verselbständigen. […] Die Apostelnachfolger können nur dann erfolgreich Gehorsam erwarten, wenn sie ihrerseits auf den sogenannten Glaubenssinn der Gläubigen hören. […] Gewiss, man kann die Kirche nicht an einer Stelle versammeln. Es muss Delegierte geben – Delegierte, die ihren Glauben kirchlich leben. […] Die Synodalität von Entscheidungsprozessen in der Kirche ist strikt zu unterscheiden von dem demokratischen Prinzip, dass stets die Mehrheit entscheidet. Man kann über die Wahrheit, die Christus ist, nicht nach dem Mehrheitsprinzip abstimmen. Jeder weiß, dass die Wahrheit oft nur von einer Minderheit verstanden und gelebt wird. Das gilt übrigens nicht nur für die Wahrheit des Glaubens.“ Und trotzdem: Auch die Synodalität kommt nicht ohne demokratie-ähnliche Elemente aus. „Wenn man in der katholischen Kirche versucht, alle Ebenen in Entscheidungsprozesse einzubeziehen und den von Papst Franziskus immer wieder beschworenen Glaubenssinn der Gläubigen ernst zu nehmen, dann wird man in Zukunft weniger deduktiv als induktiv denken und verfahren. […] Man kann vieles, was Organisation und Struktur in der Kirche betrifft, auch demokratisch regeln. […] Doch wenn es um Glaubensfragen geht, dann entscheiden letztendlich nur die Bischöfe; auch sie nicht einfach durch Mehrheitsbeschluss, sondern in Einheit mit dem vom Papst.“ Das steht in einer Spannung zum Wunsch des Papstes, auch den Bischofskonferenzen eine gewisse lehramtliche Autorität zuzusprechen. Das geht einher mit dem Willen des Papstes zur Dezentralisierung, dass nicht mehr Rom alles und jedes entscheiden muss. (www.domradio.de u. vn v. 26. 5.)

     

  • Papst Franziskus lehnt jeden Versuch ab, in Russland orthodoxe Gläubige für die katholische Kirche abzuwerben. Das sagte er vor einer Delegation des Moskauer Patriarchen Kyrill I., die er am 30. Mai im Vatikan empfing. Der Vatikan gab die Worte des Papstes am 2. Juni zur Veröffentlichung frei. „Ich freue mich, mit euch den Weg der Einheit zu beschreiten“, sagte Franziskus vor der 20-köpfigen Delegation orthodoxer Würdenträger unter Metropolit Hilarion. In Moskau gebe es nur ein einziges Patriarchat, nämlich das der russisch-orthodoxen Kirche. „Wir werden kein weiteres haben“, sagte der Papst. Auch für ihn sei es „schmerzhaft“, wenn „einige katholische Gläubige, seien es Laien, Priester oder Bischöfe, das Banner des Uniatismus tragen“, das heißt, in der orthodoxen Kirche Getaufte für die katholische Kirche abwerben. Uniatismus entspricht bereits seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) nicht mehr der römisch-katholischen Theologie. Es sei ein Fehler zu glauben, Ökumene beginne mit einem dogmatischen Abkommen, das alle Streitfragen kläre, und dann könne man gemeinsam vorangehen. Abermals schlug der Papst die umgekehrte Reihenfolge vor: „Die Ökumene geschieht im gemeinsamen Unterwegssein, im Gebet, bei der Heiligenverehrung und den Werken der Nächstenliebe.“ Wann eine Übereinkunft in lehrmäßigen Fragen erzielt werde, sei offen. Gleichzeitig versicherte der Papst der russischen Delegation, dass die katholische Kirche die Eigenständigkeit der russisch-orthodoxen Kirche respektiere: Sie dürfe „sich nicht in die internen Belange der russisch-orthodoxen Kirche einmischen.“ Und das persönliche Gebet füreinander sei wichig, betonte Franziskus, der den Besuchern anvertraute: „Nachdem ich den Patriarchen getroffen habe [2016 in Havanna], hat er mir eine Reliquie des heiligen Seraphim zukommen lassen. Ich habe diese Reliquie auf meinem Nachttisch, und abends, bevor ich ins Bett gehe, und morgens, wenn ich aufstehe, verehre ich sie und bete für unsere Einheit.“ (vn v. 2. 6.: JA v. 17. 6.)

     

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