Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

In Myanmar haben die christlichen Gemeinden zum ersten Mal seit 50 Jahren Weihnachten auf den Straßen der Metropole Rangun gefeiert. Mehrere Liturgien, Feste und Prozessionen fanden statt. Der Anteil der Christen in dem mehrheitlich buddhistischen Land beträgt knapp sechs Prozent. (JA v. 14. 1.)

 

Die syrisch-orthodoxe Kirche ist erfreut über die Wahl des orthodoxen Christen Hammouda Sabbagh zum neuen Vorsitzenden des Parlaments in Damaskus. Das sei eine Bestätigung der Rolle der Christen in dem Land mit muslimischer Mehrheit, sagte der syrisch-orthodoxe Patriarch Ignatius Aphrem II. Er äußerte sich bei einem Empfang für Sabbagh im Patriarchatszentrum Bab Touma, meldet die Stiftung „Pro Oriente" am 15. Jänner. Mit Sabbagh hat zum ersten Mal seit den späten 1940er Jahren wieder ein Christ eines der höchsten Staatsämter in Syrien inne. Die Wahl eines Christen zum Parlamentsvorsitzenden sichere „die harmonische Natur der Gesellschaft Syriens", sagte Aphrem II. Syrien habe Jahrhunderte hindurch die „einmalige Erfahrung" einer vielfältigen Gemeinschaft mit Menschen unterschiedlicher religiöser, ethnischer und sprachlicher Zugehörigkeit gemacht. Diese Vielfalt habe der syrischen Gesellschaft die Kraft zum Widerstand gegen einen „globalen Krieg" gegeben. An dem Empfang nahmen unter anderem der sunnitische Großmufti von Syrien, Ahmad Hassoun, die politische Präsidentenberaterin Bouthaina Shaaban, mehrere syrische Minister und die in Damaskus residierenden Bischöfe aller Kirchen teil. Der Großmufti nahm zur Rolle der Christen in Syrien Stellung und betonte, dass in Syrien „Menschen unterschiedlicher Überzeugung leben können". Ämter würden in Syrien „im Hinblick auf Fähigkeiten" vergeben, „weil hier alle Bürger gleich sind". Sabbagh erinnerte daran, dass er in einem Land aufgewachsen sei, „in dem die Menschen gleich waren". Das zeige sich auch darin, dass diese Einheit trotz des jetzt sieben Jahre dauernden Krieges weiterbestehe. (kap u. vn v. 15. 1.; JA v. 28. 1.)

 

Der ägyptische orthodoxe Patriarch Tawadros II. sagte bei einer Jerusalem-Konferenz: „Der Frieden ist nur mit Respekt vor den Rechten der Palästinenser und mit einer Absage an die Sprache der Gewalt möglich.” Das unterstrich er bei seiner Ansprache im Rahmen der von der sunnitischen al-Azhar-Universität einberufenen Konferenz über die Jerusalemfrage. Das Treffen, an dem Vertreter aus über 80 Ländern teilnahmen, ist am 17. Jänner in Kairo eröffnet worden. „Wahrer Frieden wird nicht verwirklicht werden, bis nicht die Gewalt, die Drohungen und alle Versprechungen, die ohne Rücksicht auf die Gefühle von Muslimen und Christen weltweit und in unserer Region gegeben wurden, aufhören,“ so der Patriarch in seiner Rede. (vn v.17. 1.)

 

Der italienische Ökumene-Bischof Ambrogio Spreafico hat antisemitische Postings im Internet angeprangert. Er zitiert den Jüdischen Weltkongress, der für das Jahr 2016 über 382.000 antisemitische Postings im Internet gezählt habe. Spreafico ist Vorsitzender der „Kommission für den Ökumenismus und den interreligiösen Dialog“ der Italienischen Bischofskonferenz (CEI) und äußerte sich anlässlich des ökumenischen „Tags des Judentums“ (17. Jänner). Bischof Spreafico, der am 16. Jänner an der Theologischen Fakultät der Emilia-Romagna in Bologna gemeinsam mit Rav Alfonso Arbib, dem Vorsitzenden der italienischen Rabbinerkonferenz, über den „Tag des Judentums“ referierte, sagte im Gespräch mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR, er teile mit den jüdischen Gemeinden die Sorge, dass Ideologien zurückkehren, die schon „ad acta gelegt“ schienen. Auch die römisch-katholische Kirche dürfe da in der Wachsamkeit nicht nachlassen. (kap u. vn v. 17. 1.)

 

In Nigeria sind sechs von moslemischen Rebellen entführte Frauen, darunter drei Ordensschwestern, wieder in Freiheit. (JA v. 21. 1.)

 

Papst Franziskus spricht sich für den Schutz der Jesiden aus. Am 23. Jänner traf er eine Delegation der Jesiden aus Deutschland kurz vor seiner Generalaudienz. Die Delegation war in diesen Tagen beim Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog zu Gast. Bei dem Treffen mit der Delegation der Jesiden ging Franziskus auf deren Verfolgung ein: Es sei unabdingbar, die Religionsfreiheit zu wahren. Er prangerte die „unsäglichen Verletzungen der menschlichen Grundrechte“ an, welche die Jesiden derzeit in ihren Ursprungsländern erlitten. Es sei ihm ein Anliegen, sich für die Existenzberechtigung der Jesiden als Glaubensgemeinschaft einzusetzen, denn es sei nicht hinnehmbar, „eine religiöse Gruppe auszulöschen, weil sie nicht zu den so genannten ,tolerierten´ Gruppierungen gehört“. Serhat Ortaç, Vorsitzender der Gesellschaft der jesidischen Akademikerinnen und Akademiker, stand der Delegation vor, die den Papst traf. Seine Organisation vertritt die Jesiden aus der ganzen Welt und setzt sich besonders für den interreligiösen Dialog ein, wie Ortaç gegenüber Vatican News sagt: „Unsere Gemeinschaft ist in den letzten drei Jahren Opfer eines Genozids geworden“, erinnert er an die Verfolgung durch sunnitische Rebellen. Aber der interreligiöse Dialog mit den christlichen Kirchen sei gut. Für das Treffen eingesetzt hat sich der deutsche Universitätsprofessor Dieter Krimphove aus Paderborn, der seit Jahren für den christlich-jesidischen Dialog arbeitet. In Deutschland leben derzeit ca. 120.000 Jesiden. (vn v. 23. 1.; JA v. 4. 2.)

 

Nicht nachlassen im Kampf gegen Antisemitismus – und nicht nur den offenen Hass bekämpfen, sondern den Antisemitismus „an der Wurzel“ bekämpfen: Dazu hat Papst Franziskus aufgerufen. Auch Einzelne, nicht nur Staaten, trügen Verantwortung dafür, dass es nicht zu „Verbrechen aus antisemitischem Hass“ komme. Das sagte der Papst vor den Teilnehmern einer internationalen Konferenz gegen Antisemitismus der OSZE, die er zwei Tage nach dem Holocaust-Gedenktag im Vatikan empfing. „Es geht nicht nur darum, die Gründe für Gewalt zu analysieren und die perverse Logik, die dahintersteht, zurückzuweisen, sondern auch darum, schnell und aktiv dagegenzuhalten. Der Feind, gegen den wir kämpfen, ist nicht nur der Hass in all seinen Formen, sondern – noch stärker an der Wurzel liegend – die Gleichgültigkeit. Sie ist es, die Menschen lähmt und daran hindert, das zu tun, was sie für gerecht erkennen.“ An der Konferenz der OSZE am 29. Jänner in Rom nahmen unter anderem der Präsident des Jüdischen Weltkongresses Ronald Lauder und der Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses Moshe Kantor teil. Aus Österreich ist Außenministerin Karin Kneissl angereist. Sie sagte gegenüber der österreichischen Presseagentur APA, man müsse alles unternehmen, um zu verhindern, dass Antisemitismus in Österreich wieder Fuß fasse. Sie regte eine ähnliche Konferenz wie die in Rom auch in Österreich an. (vn v. 29. 1.)

 

Mit dem Projekt „Integration durch interreligiöse Bildung“ trägt die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Graz auch zur Förderung der Qualität des islamischen schulischen Religionsunterrichts bei. Das sagte die römisch-katholische Theologin Monika Prettenthaler in Graz. Die Fakultät setze auf das Projekt, um zu angemessenen didaktischen und qualitativen Rahmenbedingungen für den Religionsunterricht aller anerkannten Religionsgesellschaften beizutragen. Im Blickfeld seien interreligiöse Aktivitäten in Schulen und Fortbildungen. In diesem Projekt wird auch eine empirische Erhebung über die Situation des islamischen Religionsunterrichts in der Steiermark und in Kärnten durchgeführt. An exemplarischen Schulstandorten soll in einem nächsten Schritt ein gemeinsamer Religionsunterricht von muslimischen und römisch-katholischen SchülerInnen das Verständnis für die je anderen religiösen Überzeugungen gesteigert werden. Da es im Süden Österreichs bisher keine Ausbildung für muslimische Religionspädagogen gibt, wird im Zuge des Forschungsprojekts zudem eine Weiterbildungsreihe für bereits im Dienst stehende muslimische Religionslehrkräfte konzipiert, durchgeführt und evaluiert. Dies solle zur Qualitätssicherung ebenso beitragen wie zu interreligiösen Lerneinheiten gemeinsam mit römisch-katholischen Religionslehrern. (kap u. vn v. 31. 1.)

 

Das Thema Antisemitismus steht im Mittelpunkt einer Konferenz Ende Februar an der Universität Wien. Internationale Experten diskutieren von 18. bis 22. Februar unter dem Titel „An End to Antisemitism!“. Veranstaltet wird die Konferenz von der Universität Wien in Kooperation mit der New York University, der Tel Aviv University und dem „European Jewish Congress“. Wie die Nachrichtenagentur „Kathpress“ am 30. Jänner berichtet, versteht sich die Konferenz als „direkter Handlungsaufruf“ angesichts eines „weltweit zunehmenden Antisemitismus seit der Shoah vor 70 Jahren“. Festredner ist der französische Philosoph Bernhard-Henri Levy. Die etwa 150 Vortragenden kommen aus den USA, Kanada, Israel, Lateinamerika, Australien sowie aus verschiedenen europäischen Staaten. Unter ihnen sind namhafte politische und religiöse Vertreter wie Katharina von Schnurbein (Antisemitismus-Beauftragte der EU), Natan Sharansky (Chairman der Jewish Agency), Andrew Baker (American Jewish Commitee und OSCE), Irwin Cotler (ehemaliger Justizminister und Attorney General of Canada), Erzbischof Pierbattista Pizzaballa (Apostolischer Administrator des lateinischen Patriachats von Jerusalem), Imam Hassen Chalgoumi (Präsident der Conference des Imams de France), Rabbi Abraham Sorka (Rektor des Seminario Rabinico Latinoamericano) und Bischof Michael Bünker (Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Österreich). Auf dem Programm stehen 16 thematische Blöcke, die sich der Untersuchung der Geschichte des Antisemitismus von der Antike bis zur Moderne, seiner Reflexion in Christentum und Islam sowie seinem Verhältnis zu Soziologie und Medienwissenschaften widmen. (kap u. vn v. 30. 1.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Am 5. Mai findet an der Universität Wien eine hochkarätig besetzte Konferenz „Europa und seine Muslime“ statt. Ziel dieser internationalen Veranstaltung ist es, Herausforderungen der Integration der muslimischen Bevölkerung in Österreich und Europa zu diskutieren. Expertisen liefern u. a. der Religionsrechtler Richard Potz, die evangelische Theologin Susanne Heine, die beiden Soziologen Christoph Reinprecht, der kurdisch-türkisch-stämmige Kenan Güngör sowie Liselotte Abid, Orientalistin an der Universität Wien. (Die Furche v. 26. 4.)

     

  • Der für Liturgie zuständige US-Erzbischof Wilton Gregory hat sich dafür ausgesprochen, die in den Vereinigten Staaten gültige Übersetzung des Messbuchs zu überarbeiten. Einige „problematische Stellen“ bräuchten eine Revision, da sie nicht dazu imstande waren, „die ganze Kirche hinter sich zu versammeln“, sagte der Erzbischof im Gespräch mit der Jesuitenzeitschrift „America“. Die heute gültige Übersetzung ist in den Gottesdiensten der US-Diözesen seit 2011 in Gebrauch. Sie wurde von allen Gläubigen nicht gut angenommen, Kritiker bescheinigten den Texten sprachliche Mängel, die aus dem Bestreben entstanden, möglichst nahe an der lateinischen Vorlage ins Englische zu übersetzen. Bei einer Überarbeitung wäre eine Beratung mit Priestern und Laien „hilfreich“, sagte Erzbischof Gregory. Vergangenen Herbst hatte Papst Franziskus die Verantwortung für die Übersetzung von liturgischen Texten vom Vatikan ausgelagert und den Bischofskonferenzen übertragen. (vn v. 3. 5.)

     

  • Die im katholisch-orthodoxen Dialog engagierten „Ökumene-Player“ müssen auch mit den sogenannten fundamentalistischen Gruppen ihrer Kirchen das Gespräch suchen. Das hat der Ostkirchenkundler an der Wiener Universität, Rudolf Prokschi, am 2. Mai im Gespräch mit der Nachrichtenagentur kathpress betont. Prokschi bezog sich auf die dreitägige Tagung von Vertretern der offiziellen Kommission für den theologischen Dialog zwischen katholischer und orthodoxer Kirche und der verschiedenen regionalen Kommissionen bzw. Initiativen letzte Woche in der Orthodoxen Akademie in Kolymbari (Kreta). Was die „Fundamentalisten“ in der Orthodoxie betreffe, so müsse man unterscheiden. Es werde da gewisse Gruppierungen geben, „mit denen wird man nicht ins Gespräch kommen können“. Im Grunde gehe es darum, dass die in der Ökumene Engagierten „ihre Vorsteher - das heißt die Patriarchen und Erzbischöfe - unterstützen und klar sagen: Das ist ein guter Weg. Dass also die positiven Kräfte gestärkt werden“. Bei dem Treffen sei auch betont worden, dass Ziele und Grundlagen des Dialogs einmal klargestellt werden müssten. „Ein erster Schritt wäre z. B., dass wir alle sagen: Wir können mit gutem Gewissen gemeinsam das Vaterunser beten. Das ist noch nicht bei allen angekommen. Diejenigen aber, die dafür offen sind, müssen sich einmal sagen: Wir werden an dem jetzt festhalten und es auch tun. […] Wir haben versucht, die Möglichkeit einer gemeinsamen Zukunft unserer Kirchen zu skizzieren - in der Richtung, dass wir gesagt haben: Für uns sind viele Punkte, die immer wieder genannt werden, nicht kirchentrennend“, sagte Prokschi. (kap u. vn [=Vatican News] v. 2. 5.)

     

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