Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Der Päpstliche Rat für den interreligiösen Dialog organisiert in Zusammenarbeit mit der Erzdiözese Singapur und der Taoistischen Föderation Singapur das zweite christlich-taoistische Kolloquium vom 5. bis 7. November 2018 in Singapur. Schwerpunkt der Gespräche wird das Thema der „christlichen und taoistische Ethik im Dialog“ sein, so eine Mitteilung des vatikanischen Rates. Es sollen verschiedene Aspekte anhand von Beiträgen von 70 Wissenschaftlern und Experten des interreligiösen Dialogs untersucht werden. Die Teilnehmer des Kolloquiums kommen aus der christlichen und taoistischen Tradition: aus Singapur, China, Frankreich, Indien, Malaysia, Südkorea, Schweiz, Vatikan und Taiwan. Der Sekretär des Vatikan-Rates, Miguel Ángel Ayuso Guixot, und der Unterstaatssekretär für den Taoismus, Indunil Janakaratne Kodithuwakku Kankanamalage, vertreten den Vatikan, Erzbischof Felix Machado und Peniel Rajkumar die Föderation der Asiatischen Bischofskonferenzen bzw. den Ökumenischen Rat der Kirchen. (vn v. 1. 11. u. JA v. 11. 11.)

 

Einen interreligiösen Schulversuch haben die römisch-katholische Erzdiözese Paderborn und dort beheimatete Universität gestartet. Am Dortmunder Stadtgymnasium behandeln römisch-katholische, evangelische und islamische Schüler der Jahrgangsstufe 9 im jeweils eigenen konfessionellen Religionsunterricht parallel die gleichen Themen, wie Erzdiözese und Hochschule am 1. November mitteilten. Dann kommen alle Schüler für eine bestimmte Anzahl von Unterrichtsstunden zusammen, um sich gemeinsam mit den Fragen zu beschäftigen, sagte der Paderborner römisch-katholische Theologe Klaus von Stosch. Die Jugendlichen arbeiteten auch mit jüdischen Schülern zusammen. Ziel sei es, Prozesse des interreligiösen Lernens zu erforschen. (kna u. vn. v. 1. 11. u. JA v. 11. 11.)

 

Das jüngste Attentat auf koptische Christen in Ägypten, bei dem mindestens sieben Personen getötet wurden, wird die koptische Gemeinschaft stärker machen und nicht schwächen: Das hat Papst-Patriarch Tawadros II. in einer Videobotschaft am Wochenende betont. Der ägyptische Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi kondolierte Tawadros II. telefonisch. Auf Twitter stellte al-Sisi fest, das Ziel der Terroristen sei es, die „solide Einheit der ägyptischen Nation“ zu erschüttern. Nach Ansicht von politischen Beobachtern ging es den islamistischen Terroristen vor allem darum, im Hinblick auf das am 27. Oktober in Sharm-el-Scheich eröffnete „Weltjugendforum“ das Image des ägyptischen Staatschefs als „Beschützer der Christen“ zu beschädigen. Nach den Anschlägen wurden die Sicherheitsmaßnahmen für christliche Kirchen und sonstige Einrichtungen verstärkt. Tief betroffen über den Anschlag zeigte sich auch das Exekutivkomitee des Weltkirchenrats. Zur Eröffnung eines Treffens im schwedischen Uppsala hielt das Komitee in einer Erklärung fest: „Wir verurteilen diese Attacke und drücken unser Gebet und unsere Solidarität für die Opfer, die Familien, die Pfarrgemeinden und die ganze koptische Kirche aus“. Papst Franziskus hat am 4. Oktober beim Angelus-Gebet am Petersplatz für die in Ägypten ermordeten Kopten gebetet. „Ich bekunde meine Trauer über den Terroranschlag, der vor zwei Tagen die koptisch-orthodoxe Kirche in Ägypten heimgesucht hat“, sagte Franziskus. „Ich bete für die Opfer, für die Pilger, die für die bloße Tatsache getötet wurden, Christen zu sein.“ (kna u. vn. v. 4. 11.)

 

Ägypten hat die Legalisierung von 120 Kirchenbauten angekündigt. Insgesamt werden in den 20 Gouvernements 106 orthodoxe Kirchen, 13 evangelikale Kirchen sowie ein adventistischer Kirchenbau anerkannt, berichtete die Onlinezeitung „Egypt Independent“. Damit habe die ägyptische Regierung einen dreistufigen Prozess abgeschlossen, mit dem ein eigens eingerichteter Ausschuss insgesamt 340 Kirchbauten lizensiert hat. Bereits im Jänner hatte Ägyptens Wohnungsministerium den Christen die Nutzung von Kirchbauten gestattet, deren Legalisierung noch ausstand. Die Anordnung erfolgte als Reaktion auf muslimische Angriffe auf ein nicht lizensiertes Kirchengebäude in Gizeh. (JA v. 4. 11.)

 

An ausgewählten Schulstandorten in der Steiermark und in Kärnten werden christliche und muslimische ReligionslehrerInnen gemeinsam christliche und muslimische Kinder und Jugendliche im Klassenverband unterrichten. Diese Projekt-Idee wird im Schuljahr 2018/2019 für jeweils etwa drei Wochen umgesetzt, gab das Institut für Katechetik und Religionspädagogik der Universität Graz in einer Aussendung bekannt. Primäres Ziel ist es, im Rahmen der interreligiösen Unterrichtsstunden für Schüler erfahrbar zu machen, „dass sowohl über verbindende als auch über kontroverse religiöse Themen wertschätzend und konstruktiv in Dialog getreten werden kann“, erläuterte Projektleiter Univ.-Prof. Wolfgang Weirer von der Universität Graz. (JA v. 4. 11.)

 

„Ein Christ kann kein Antisemit sein“, sagt Papst Franziskus. Im Vatikan empfing er am 4. November eine Gruppe von Juden aus dem Kaukasus. Dabei sagte er: „Mir war es immer ein Anliegen zu betonen, wie wichtig Freundschaft zwischen Juden und Katholiken ist. Sie fußt auf einer Geschwisterlichkeit, die ihre Wurzeln in der Heilsgeschichte hat, und sie wird in Aufmerksamkeit füreinander konkret.“ Der Papst lobte auch den Dialog zwischen beiden Religionen. „Es ist ein Dialog, den wir in unserer Zeit stärker fördern und auf interreligiöser Ebene erweitern sollten, zum Wohle der Menschheit.“ Damit warb Franziskus für ein Einbeziehen von Muslimen in das Religionsgespräch, also für den Trialog der großen, monotheistischen Traditionen. „Und in einigen Tagen, am 9. November, jährt sich zum achtzigsten Mal die sogenannte Kristallnacht, in der viele jüdische Kultstätten zerstört wurden – auch mit der Absicht, das auszurotten. […] Darum ist die Religionsfreiheit ein hohes, schützenswertes Gut, ein fundamentales Menschenrecht, ein Damm gegen totalitäre Anwandlungen.“ Deutlich verurteilte der Papst vor seinen Besuchern aus dem Kaukasus den Antisemitismus. „Leider gibt es auch heute noch antisemitische Einstellungen. Wie ich schon mehrfach gesagt habe, kann ein Christ kein Antisemit sein! Unsere Wurzeln sind dieselben. Es wäre ein Widerspruch des Glaubens und des Lebens.“ (vn v. 5. 1.)

 

„Nostra Aetate“ ist nicht überholt, sondern sollte auch weiter der entscheidende Kompass für das katholisch-jüdische Verhältnis sein. Das sagte der Hildesheimer Professor René Dausner in einem Interview mit „Vatican News“. In dem Text des Zweiten Vatikanischen Konzils werde der Antisemitismus deutlich verurteilt und das Verhältnis der römisch-katholischen Kirche zum Judentum auf eine neue Grundlage gestellt. „Neuere Forschungen haben gezeigt, dass das Verhältnis Christentum-Judentum nicht so sehr ein Mutter-Tochter- als vielmehr ein geschwisterliches Verhältnis ist, weil wir einen Text gemeinsam haben, das sogenannte Erste Testament. Auf dieser Basis entscheidet sich das Verhältnis im Sinne einer geschwisterlichen Beziehung. Das ist etwas Neues, das erkannt worden ist.“ Wichtig sei außerdem, dass das Verhältnis „auf Augenhöhe“ geschehe. (vn v. 7. 11.)

 

Es ist das erste Mal, dass sich Juden, Christen und Muslime in der Schweiz gemeinsam zu Flüchtlingsfragen äußern. Die im Schweizerischen Rat der Religionen (SWR)vertretenen Religionsgemeinschaften fordern ihre Mitglieder auf, sich für Flüchtlinge zu engagieren. Unterstützt wird das Projekt vom UNO-Flüchtlingshilfswerk. Harald Rein, Bischof der christkatholischen Kirche der Schweiz und amtierender Vorsitzender des SWR, betont: „Für Juden, Christen und Muslime gilt: Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes und steht somit unter dessen Schutz. Für uns Gläubige ergibt sich daraus eine besondere Verantwortung gegenüber den Flüchtlingen.“ Dazu sagte der Schweizer Bischof Charles Morerod von Lausanne-Genf-Fribourg im Gespräch mit Vatican News. „In unserer Erklärung sagen wir, was wir konkret für die Flüchtlinge unternehmen.“ Neben den praktischen Hilfen, die gemeinsam besser und effizienter gelöst werden können, gehe es bei der Zusammenarbeit unter den Religionsgemeinschaften auch um etwas anderes: „Wir haben festgestellt – jede Religionsgemeinschaft auf ihre Art und Weise –, dass wir alle die Menschen als Gemeinschaft gleichermaßen achten und den Menschen als sich als ,Wesen Gottes´ betrachten. Wenn man also sich gleichgültig gegenüber Mitmenschen verhält, dann verhält man sich infolgedessen auch gleichgültig gegenüber unserem eigenen Glauben und Gott“, so Bischof Morerod (vn v. 7. u. 8. 11.)

 

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) solidarisiert sich mit der freigelassenen Asia Bibi und äußert ihre Betroffenheit über die „hasserfüllten“ Ausschreitungen in Pakistan nach der Aufhebung des Todesurteils. „Mit dem Freispruch vom Vorwurf der Blasphemie für Asia Bibi traf der oberste Gerichtshof in Pakistan eine Entscheidung, die weltweit auf Erleichterung stieß. Die IGGÖ begrüßt dieses Urteil als wichtigen Schritt im Eintreten für Religionsfreiheit, so IGGÖ-Mediensprecherin Carla Amina Baghajati. Die Argumentationslinie des Gerichts bringe die Einstellung der Mehrheit friedliebender Muslime zum Ausdruck, „die den Pluralismus der Religionen als gottgewollt verstehen und denen ein friedliches und respektvolles Zusammenleben am Herzen liegt.“ (Die Presse v. 8. 11.)

 

Vertreter des Landes Tirol, der römisch-katholische Landesbischof Hermann Glettler, der evangelische Superintendent der Diözese Salzburg und Tirol, Olivier Dantine, sowie der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg, Günther Lieder, reisten gemeinsam nach Israel. „Es ist eine Reise zum Nachdenken, auch zum kritischen Hinschauen auf Gegenwart und gefährliche gegenwärtige Entwicklungen,“ sagte Bischof Glettler. Die Gedenkstätte Yad Vashem wird naturgemäß aufgesucht, ebenso wie das Shimon Peres Center for Peace in Tel Aviv. Die Gruppe wird mit zudem mit Erzbischof Pierbattista Pizzaballa zusammentreffen, dem Apostolischen Administrator des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem. Die Reise sei notwendig, so Bischof Glettler, um kritisch auf die Gegenwart zu blicken, in der es gefährliche Tendenzen von Polarisierungen gebe. Er erinnerte an Papst Johannes Paul II., der von den Juden als unseren „älteren Geschwistern“ sprach. Darin komme eine sehr große Wertschätzung zum Ausdruck, die heute in der Kirche Standard sein müsse. Glettler erinnerte auch an den jahrhundertealten christlichen Antisemitismus, der auch mitverantwortlich für die Katastrophe der Shoah war. (vn v. 8. 11.)

 

Während sich derzeit eine vatikanische Delegation zum 230. Jahrestag des königlichen Chetupon-Tempels (Wat Pho) in Bangkok aufhält, wird in einer Botschaft des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog die Freundschaft zwischen der römisch-katholischen Kirche und dem Buddhismus hervorgehoben. Die Botschaft erinnert an die Entwicklung der Beziehungen zwischen der Kirche und dem thailändischen Buddhismus. Von 1. bis 11. November ist Bangkok das Zentrum der Feierlichkeiten. Eine vatikanische Delegation – angeführt vom Sekretär des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, Ayuso Guixot – nahm an den Gedenkveranstaltungen teil und überbrachte einen Gruß von Papst Franziskus. Eine lange Geschichte des Dialogs, die vor 46 Jahren mit Paul VI. begann, sei im Laufe der Zeit zu einer festen Freundschaft und einem Zeichen in der heutigen Welt geworden, die durch Gewalt und Misstrauen „gestört“ werde, heißt es in der Botschaft des Päpstlichen Rates. (vn v. 9. 11.)

 

Am 15. November empfing Papst Franziskus Israels Staatspräsident Reuven Rivlin zu einer Privataudienz im Vatikan und wandte sich zum wiederholten Mal gegen jegliche Form von Antisemitismus. Vorab hatte der israelische Staatspräsident mitgeteilt, er besuche Franziskus als „echten Freund des Staates Israel und des jüdischen Volks“. Bei dem Treffen solle es um die Notwendigkeit eines Dialogs im Nahen Osten und um die Wahrung der Religionsfreiheit für die verschiedenen Glaubensrichtungen gehen, hieß es vorher in einer Mitteilung. Ein Thema sei auch Jerusalem gewesen mit seiner Bedeutung für drei Weltreligionen. Die Heilige Stadt müsse ihre Identität und ihre Berufung als Friedensstadt bewahren können. (vn v. 15. 11; JA v. 25. 11.)

 

Papst Franziskus empfing am 19. November eine Delegation des Großrabbinats aus Israel im Vatikan. An der Audienz nahm auch der für den Dialog mit dem Judentum zuständige Kurienkardinal Kurt Koch teil. Der Papst betonte, wie groß das beiden Religionen gemeinsame „spirituelle Patrimonium“ sei. Die gegenseitige Kenntnis und Wertschätzung müsse vor allem durch Bibelstudien und brüderliche Gespräche gestärkt werden. (vn v. 19. 11.)

 

Zum 550-Jahr-Gedenken an den Tod des albanischen Nationalhelden Gjergj Kastrioti, genannt Skanderbeg, hat Papst Franziskus am 19. November Bischöfe, Politiker und religiöse Vertreter Albaniens im Vatikan empfangen. Skanderbeg habe „mutig die geistlichen Werte und den christlichen Namen“ verteidigt, sagte der Papst in seiner Rede an die albanischen Gäste. „Ich hoffe aufrichtig, dass sich dieser Jahrestag nicht auf die Feier der Herrlichkeit vergangener Taten beschränkt, sondern dass Albanien auch eine gute Gelegenheit für ein erneuertes Engagement aller, der Institutionen und Bürger für eine authentische und ausgewogene Entwicklung sein wird“. An dieser Stelle erinnerte der Papst an seinen Besuch in Albanien im Jahr 2014, bei dem er feststellen konnte, dass „das Klima des gegenseitigen Respekts und des Vertrauens zwischen Katholiken, Orthodoxen und Muslimen ein kostbares Gut für das Land ist und in unserer Zeit eine besondere Bedeutung erlangt“. Die Bereitschaft, Unterschiede als Chance für Dialog und gegenseitige Wertschätzung und Wissen zu betrachten, fördere die Entwicklung „authentischer spiritueller Wege […], „um einen dauerhaften Frieden aufzubauen, der auf der Achtung der Menschenwürde und der menschlichen Person basiert“. (vn v. 19. 11.)

 

Am 15. und 16. November fand das erste Welttreffen in Abu Dhabi zum Thema Toleranz statt. Das Ziel war, Abu Dhabi zur Hauptstadt des „gemeinsamen Lebens“ zu machen, sowie die Förderung eines toleranten Islam und einer offenen Gesellschaft, sagte Premierminister Sheikh Mohammad ben Rached al-Maktoum. „In den Emiraten leben über 200 verschiedene Nationalitäten in Harmonie. Die Kultur der Vielfalt ist die beste Waffe der Prävention gegen Radikalismus". Seit vielen Jahren streben die Vereinigten Arabischen Emirate (VAR) dieses Projekt an. An der Veranstaltung nahmen über 1.000 Menschen teil – darunter politische und religiöse Führer sowie Experten aus aller Welt. Die Emirate gehören zu den wenigen Staaten im Nahen Osten, die stabil sind. Ihr Gesellschaftsmodell stehe für religiöse und kulturelle Vielfalt und basiere auf einem gemäßigten Islam. Im Jahr 2016 installierte Abu Dhabi ein Ministerium für Toleranz und das International Institute of Tolerance wurde gegründet. Man will einen Dialog zwischen Religionen und Zivilisation fördern. Zudem erinnerte der Präsident des Parlaments Amal al-Qobeissi an die Grundwerte der Nation und an die Ideen des verstorbenen Gründervaters Sheikh Zayed. Dieser „half Nicht-Muslimen" und betonte, dass „es keine Unterschiede gibt". Er ordnete persönlich schon im Jahr 1974 den Bau von drei Kirchen an. (asianews u. vn v. 19. 11.; JA v. 25. 11.)

 

Die liberale Moslemin und Berliner Imamin Seyran Ates möchte nach Berlin in jeder Hauptstadt Europas liberale Moscheen gründen, in denen z. B. auch Frauen Imaminnen sein und predigen dürfen. So will sie den muslimischen Fundamentalisten entgegenwirken. Im Interview mit den Salzburger Nachrichten (SN) sagt sie u. a.: „Ich weiß, dass Wien einen großen Bedarf an einer liberalen Moschee hat. Auch London, Paris oder die Niederlande stehen oben auf der Liste. […] Es geht nicht darum, dass der friedliche konservative Islam keine Existenzberechtigung hätte, aber es geht mir darum, die Pluralität des Islam abzubilden. […] Österreich muss dafür sorgen, dass der Islam breiter aufgestellt wird, durch demokratischere Organisationen als der IGGÖ [Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich]. Diese ist ein Herd der Gegengesellschaft. […] Es ist nicht schädlich, wenn in einer Schule 90% Kinder mit Migrationshintergrund sitzen. Aber man darf sie nicht den Fundamentalisten überlassen“, sagt Ates im Interview. (SN v. 20. 11.)

 

Die Würde und das Wohl des Kindes stehen im Mittelpunkt einer Erklärung, die eine Delegation von Juden und Katholiken im Vatikan abgegeben hat. Anlässlich des Weltkindertages der Vereinten Nationen am 20. November tagten Abgesandte der beiden Glaubensgemeinschaften im Vatikan, um – ausgehend von beiden religiösen Traditionen – den Schutz des Kindes zu diskutieren. Diese Dialogrunde zwischen Juden und Katholiken existiert seit Juni 2002 und ist ein Ergebnis des Besuchs von Papst Johannes Paul II. in Israel im März 2000. Es treffen sich namhafte Rabbiner aus Israel, die vom Oberrabbinat nominiert werden, sowie Kardinäle, Bischöfe und Priester. Bei diesem Dialog geht es im Prinzip um die Verwirklichung der in „Nostra aetate“ (N. 4) grundgelegten Maxime, dass Juden und Christen ein reiches gemeinsames geistliches Erbe haben. Nostra aetate ist die Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils zum Verhältnis der katholischen Kirche zu den nicht-christlichen Religionen, in der die katholische Kirche jede Form von Antisemitismus ablehnt. In der Erklärung der Delegation heißt es unter anderem: „Wir haben eine spezielle Verpflichtung gegenüber den verletzlicheren Mitgliedern unserer Gemeinschaften, und im Besonderen gegenüber Kindern. […] Diese Ideale sind schon mit transzendenter Wertigkeit in unserem gemeinsamen biblischen Erbe verwurzelt, welches erklärt, dass der Mensch nach dem Abbild Gottes geschaffen ist“. Die Mitglieder der bilateralen Kommission wurden von Papst Franziskus in Audienz empfangen, bei der er sein eigenes Engagement für deren Arbeit und die Fortschritte in den katholisch-jüdischen Beziehungen bekräftigte: „Wir sind Brüder und Kinder des Einen Gottes, wir müssen Hand in Hand für den Frieden zusammenarbeiten…“ Die Erklärung ist unterzeichnet vom Rabbiner Rasson Arusi (Vorsitzender der jüdischen Delegation) und Kardinal Peter Turkson (Vorsitzender der katholischen Delegation) sowie weiteren Rabbinern und Bischöfen. (vn v. 23. 11.)

 

Papst Franziskus hat am 24. November den irakischen Präsidenten Barham Salih in Audienz empfangen. Der 58-jährige kurdische Politiker hat vor allem zeremonielle Aufgaben. Ein Vatikan-Statement spricht von „herzlichen Gesprächen“. Dabei sei es vor allem darum gegangen, wie wichtig „die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft für eine innere Versöhnung des Irak und die nationale Einheit“ seien. „In diesem Zusammenhang wurde auch an die historische Präsenz der Christen im Land erinnert und an den wertvollen Beitrag, den sie zum Wiederknüpfen des sozialen Gewebes leisten.“ Die Christen gehören zum Irak; alle, die zum Verlassen der Heimat gezwungen gewesen seien, sollten zurückkehren können. Dabei seien „Sicherheitsgarantien und ein Platz in der irakischen Zukunft“ für sie entscheidend. (vn v. 24. 11.)

 

Der Chef der radikal-islamistischen Partei Tehreek-e-Labbaik Pakistan (TLP) ist von der pakistanischen Polizei in eine Art Vorbeugehaft genommen worden. Die Festnahme sei erfolgt, nachdem Khadim Hussain Rizvi, Anführer der gewaltsamen Proteste nach dem Freispruch für die Christin Asia Bibi, zu einer weiteren Demonstration in Islamabad aufgerufen habe, berichteten örtliche Medien am 24. November. Darüber hinaus seien Sicherheitskräfte im ganzen Land gegen hochrangige Funktionäre der TLP vorgegangen. Die Christin Asia Bibi war 2010 in Pakistan wegen Blasphemie zum Tode verurteilt worden. Am 31. Oktober 2018 sprach sie das Oberste Gericht aber endgültig frei. Seither schicken islamistische Gruppen Tausende Demonstranten auf die Straße, um gegen das Urteil zu protestieren und Bibis Hinrichtung zu fordern. (kna u. vn v. 25. 11.)

 

Mit einem Gedenkgottesdienst für die Opfer des blutigen Anschlags auf die Sayidat-al-Nejat-Kathedrale vor acht Jahren haben die katholischen Nahost-Kirchenführer am 26. November ihr Treffen in Bagdad begonnen. Der Rat der unierten Patriarchen des Orients (CPCO) tagte unter dem Thema „Jugend als Zeichen der Hoffnung für den Nahen Osten“ in der irakischen Hauptstadt. Am 31. Oktober 2010 wurden in der syrisch-katholischen Marienkathedrale mehr als 50 Menschen von Angreifern einer irakischen Splittergruppe der Al-Kaida getötet. Auf dem Programm der 26. Tagung der Patriarchen steht auch die Begegnung mit einer Gruppe junger irakischer Christen in der chaldäischen Kathedrale Sankt Josef. Zum Abschluss des Treffens soll eine gemeinsame Erklärung über die Situation der christlichen Gemeinschaften im Nahen Osten veröffentlicht werden. Mitglieder des Rates sind der syrisch-katholische Patriarch Ignatius Joseph III. Younan, der maronitische Patriarch Kardinal Bechara Rai, der chaldäische Patriarch Kardinal Louis Raphael Sako, der melkitische griechisch-katholische Patriarch Yousef Absi, der koptisch-katholische Patriarch Ibrahim Isaac Sidrak, der armenisch-katholische Patriarch Krikor Bedros XX. Ghabroyan sowie der Leiter des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa. Unter den weiteren Teilnehmern des Treffens sind Bischof William Shomali vom Lateinischen Patriarchat von Jerusalem sowie die Generalsekretärin des Rates der Kirchen des Nahen Ostens (MECC), Souraya Bechealany. (vn u. kna v. 26. 11.)

 

Vatican News diskutiert nochmals eingehend das Denken von Papst Benedikts XVI. über das Judentum zum Thema „Judenmission ja oder nein“: Der emeritierte Papst hält die Juden weiterhin für das von Gott auserwählte Volk. Für Christen ist im Miteinander mit Juden keine Mission angesagt, sondern Dialog, das macht Benedikt immer wieder klar. Er steht, wie er mal bei einem Besuch in der Kölner Synagoge 2005 ausgeführt hat, ganz auf dem Boden des Konzilstextes „Nostra Aetate“ über die Beziehungen zum Judentum: „Mit dem Apostel Paulus sind wir Christen überzeugt, dass ‚Gnade und Berufung, die Gott gewährt, unwiderruflich sind‘ “ (Röm 11,29; vgl. 9,6.11; 11,1f.) so Papst Benedikt XVI. „Für Christen kann es keinen Bruch im Heilsgeschehen geben.“ Das sagte Benedikt 2011 bei einem Besuch in Berlin. Und dann, unmissverständlich: „Das Heil kommt nun einmal von den Juden (vgl. Joh 4,22). […] Die Hoffnungsbotschaft, die die Bücher der hebräischen Bibel und des christlichen Alten Testaments überliefern, ist von Juden und Christen in unterschiedlicher Weise angeeignet und weitergeführt worden. Wir erkennen es nach Jahrhunderten des Gegeneinanders als unsere heutige Aufgabe, dass diese beiden Weisen der Schriftlektüre – die christliche und die jüdische – miteinander in Dialog treten müssen, um Gottes Willen und Wort recht zu verstehen.“ Also nicht Judenmission, sondern Dialog. (vn v. 26. 11.)

 

Der Präsident der EU-Bischofskommission (COMECE), Erzbischof Jean-Claude Hollerich, hat dazu aufgerufen, künftige Herausforderungen in der Arbeitswelt gemeinsam mit Muslimen und Juden anzugehen. „Wir haben etwas gemeinsam: einen Glauben, der zur Hoffnung führt", sagte der Luxemburger Erzbischof in Brüssel bei einer COMECE-Konferenz zum Thema Arbeit. Daher müssten die Religionsgemeinschaften Europa daran erinnern, dass die Gesellschaft aus Menschen und nicht aus Arbeitskräften bestehe. Erzbischof Hollerich forderte hinsichtlich der Rolle der Frau einen „Umbruch". Es müsse sichergestellt werden, dass Frauen und Männer die Quelle, das Zentrum und der Zweck des wirtschaftlichen und sozialen Lebens blieben. (kna u. vn v. 27. 11.)

 

Auch der Dialog mit dem Judentum spielt beim Eucharistie-Weltkongress in Esztergom (Ungarn) eine Rolle. Der Gastgeber des Treffens, der Budapester Kardinal Peter Erdö, ging auf die besondere Aufmerksamkeit für den Dialog mit dem Judentum ein. Dort lägen die geistigen Wurzeln christlicher Eucharistie- und Abendmahlsfeiern, sagte er zum Auftakt der interreligiös besetzten Tagung. Bei der dreitägigen Konferenz in Vorbereitung auf den nächsten Eucharistischen Weltkongress im Jahr 2020 in Budapest sind noch bis 29. November zahlreiche Experten versammelt, unter ihnen ein Rabbiner sowie Bischöfe und Theologen verschiedener christlicher Konfessionen. Auch die orthodoxe Tradition und Glaubenspraxis zur Eucharistie weise auf Gesichtspunkte hin, „denen in der lateinischen Theologie und Praxis weniger Betonung zukommt“, sagte Kardinal Erdö. Auch der Blick auf das protestantische Abendmahl sei wichtig, um den bestehenden ökumenischen Dialog zu vertiefen. „Es geht nicht darum, die Unterschiede zu vergessen oder zu bagatellisieren, sondern die gegenseitigen Auffassungen besser kennen zu lernen“. (kap u. vn v. 28. 11.)

 

In Tunesien befürworten immer mehr Theologen die Gleichstellung von Mann und Frau bei Erbschaftsangelegenheiten. In Ägypten tritt der Gelehrte Saadaddin Alhilaly, der an der berühmten al-Azhar-Universität in Kairo lehrt, für eine zeitgemäße Auslegung des Koranverses 4:11 ein, nach dem die Frauen nur die Hälfte vom Männer-Erbe erhalten sollten und schließt sich somit den tunesischen Reformtheologen an. Er bekommt zahlreichen Widerspruch. (Mouhanad Khorchide in: Die Furche v. 29. 11.)

 

 

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben 17 christliche Kirchen und Kapellen sowie einen Hindu-Tempel offiziell als Kultstätten anerkannt. In einem Festakt im Herrscher-Palast am 21. September unter dem Titel „Ein Ruf zur Harmonie“ setzte das Department of Community Development (DCD) einen neuen rechtlichen Rahmen für Religionsgemeinschaften in Kraft. Dieser sichert gleiche Rechte im Rahmen der geltenden Gesetze zu. Vertreter der indischen Communiy in den VAE würdigten den Schritt als weiteres Zeichen für ein Klima der Toleranz und des Dialogs. Der Vorsitzende des DCD, Mugheer Al Khaili, erklärte, die Emirate seien ein „Platz für alle“. Abu Dhabi sei ein führendes Modell der Toleranz und Koexistenz. Angesichts der Tatsache, dass der Großteil der Bevölkerung aus Ausländern bestehe, seien die VAE um die Einheit des Landes und die Inklusion aller bemüht, die zu seiner Entwicklung beitragen, so Al Khaili. (kna u. vn v. 1. 10.)

     

  • Eine Gruppe von Frauen, darunter zahlreiche Ordensschwestern, fordert das Stimmrecht für Frauen bei Bischofssynoden. Drei Tage vor der Amazonassynode, findet dazu eine Veranstaltung in der Bibliotheca Valcelliana in Rom statt. Die Schweizer Ordensfrau Irene Gassmann, Priorin des Benediktinerinnenklosters Fahr, sprach bei einer Pressekonferenz in Rom von „Geschlechterdiskriminierung“: „Ich denke, dass gerade zu einer Synode, wo es um Themen geht, die das ganze Volk Gottes in einer Region oder auch weltweit betreffen, die Frauen da auch dazugehören und die Erfahrungen der Frauen. Wenn das einfach nicht einbezogen wird, dass die Frauen dann auch mitbestimmen können, denke ich, vergibt sich die Kirche auch eine riesige Chance, wenn sie auf dieses Potenzial verzichtet. Und zudem geht es auch um eine Gleichberechtigung. Wenn es möglich ist, dass ein Ordensmann, der nicht Priester ist, bei der Synode mitbestimmen kann und eine Ordensschwester nicht, dann ist das eine Geschlechterdiskriminierung. […] Ich glaube, es geht um das Zeichen, das damit gesetzt würde. Und auch ein Zeichen, auf das ganz viele Katholikinnen und Katholiken warten, dass die Kirche den Frauen zugesteht, dass sie auch ein Recht haben mitzustimmen bis zum Schluss.“ Schwester Simone Campbell, Leiterin von „Nuns on the Bus” (USA) meint dazu „Wenn Brüder abstimmen können, können auch Schwestern abstimmen. […] Es geht darum, die ganze Kirche sprechen zu lassen“. Das Stimmrecht für Ordensfrauen wäre ein Schritt hin zu sichtbarer Gleichberechtigung, sagte Deborah Rose-Milavec, Generalsekretärin der US-amerikanischen Organisation FutureChurch. Die in Liechtenstein ansässige römisch-katholische Stiftung Organisation „Voices of Faith“ koordiniert Aktivistinnen, die das Stimmrecht für Frauen bei der Synode verlangen. (vn v. 2. 10.)

     

  • Für die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche (UGKK) ist und bleibt das orthodoxe Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel die „Mutterkirche“. Das hat Großerzbischof Schewtschuk in einem Interview für die offizielle Website der UGKK betont. Er war vor kurzem in Rom mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. zusammengetroffen. Der Großerzbischof betonte nun, wie wichtig ihm gute Beziehungen zum und die Verbundenheit mit dem Ökumenischen Patriarchat seien. Er erinnerte an den Appell von Papst Johannes Paul II. in seinem Schreiben „Ut unum sint" (1995), in dem dieser die Kirchenführer und Theologen der nichtkatholischen Kirchen aufrief, mit ihm über mögliche alternative Formen des Einheitsamt des Bischofs von Rom nachzudenken und einen Dialog zu führen. Weiters zitierte Schewtschuk Papst Johannes XXIII. (1958-1963), der betonte, dass Katholiken und Orthodoxe weit mehr verbinde als trenne. „Wenn wir nach Wegen suchen, um uns näher zu kommen, dann müssen wir Gemeinsamkeiten finden. Und wir sind durch eine gemeinsame Mutter verbunden", so der Großerzbischof im Blick auf die gemeinsame Geschichte der unierten und orthodoxen Kirchen in der Ukraine. Wenn man dies ernst nehme, dann könne man auch gemeinsam beten. Er sprach den Wunsch aus, dass die Kiewer Sophienkathedrale die gemeinsame Kathedrale aller Christen in der Ukraine sein sollte. Die griechisch-katholische Kirche der Ukraine ist eine Ostkirche eigenen Rechts, die ihre Gottesdienste im byzantinischen Ritus feiert und zugleich mit Rom uniert ist, d.h. sie steht in der eucharistischen Gemeinschaft mit der römisch-katholischen Kirche und anerkennt den Papst als Oberhaupt. Die sowjetische Führung ordnete 1946 ihre Zwangsvereinigung mit der russisch-orthodoxen Kirche an. (kap u. vn v. 4. 10.)

     

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