Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Gemeinsam gegen Extremismus: Der Papstbesuch in Ägypten im April kann wichtige Impulse liefern, um ein gemeinsames Gegengewicht zu radikalen Strömungen im Islam zu bilden. Das sagte im Gespräch mit Radio Vatikan der ägyptische Islamwissenschaftler Pater Khalil Samir: „Die politische Linie ist gemeinsam: Wir wollen Frieden. […] Letztendlich wollen wir in Toleranz miteinander leben. Und das ist, was Al-Azhar heute zeigen möchte: ,Wir sind die echte Vorstellung des Islam‘.“ Papst Franziskus wird auf seiner Reise in Kairo mit dem Großimam von Al-Azhar – das ist die höchste Autorität im islamischen Recht für die sunnitischen Rechtsschulen – zusammentreffen. Die Begegnung gilt schon jetzt als historisch. Pater Samir erinnert angesichts extremistischer Tendenzen innerhalb des Islam, bei denen durch eine wörtliche Koranauslegung Gewalt im Namen der Religion gerechtfertigt wird, an die Bedeutung einer historisch-kritischen Koranexegese: Diese nötige „Erneuerung“ müsse allerdings aus dem Islam selbst heraus geschehen: „Ich möchte damit Schluss machen, dass wir Christen unseren Brüdern Muslimen helfen können. Das müssen die Muslime selber tun!“ Auch der ägyptische Präsident al-Sisi habe von einer notwendigen Erneuerung des Islam gesprochen. Der Jesuit verwies auf eine Rede al-Sisis vor 200 Imamen in der Al-Azhar-Universität im Dezember 2014: „Wir brauchen eine islamische Revolution. Dieses Wort hat er benutzt, um den Glauben neu zu denken. Alle haben applaudiert und gesagt: ,Ja, das ist es!‘“. Unter der aktuellen Regierung seien etwa Leute ins Gefängnis gebracht worden, die eine aggressive Islamisierung im Land vorantreiben wollten und dabei übergriffig geworden sind. „Man hat ein bisschen Hoffnung, dass es mit al-Sisi besser wird mit der Zeit", so Samir. (rv v. 5. 4.)]

 

Christen und Muslime sollten am besten leise miteinander sprechen, statt laut gegeneinander aufzutreten. Dieses Plädoyer für Dialog hielt der Papst am 5. April vor einer Delegation führender britischer Imame, die er vor der Generalaudienz im Vatikan empfing. Die Gläubigen beider Religionsgemeinschaften müssten sich zueinander wie Geschwister verhalten, so der Papst. Anlass der Begegnung mit den vier britischen Imamen war der jüngste Terroranschlag von London, bei dem ein radikaler Einzeltäter vier Menschen in den Tod gerissen hatte. Anwesend bei dem Treffen war auch Englands Kardinal Vincent Nichols. Es sei eine kleine Gruppe gewesen, so gab es eine familiäre Atmosphäre, die dem Austausch „gut getan“ habe, so der Kardinal gegenüber Radio Vatikan. „Ich denke, dass es für meine Kollegen, die vier muslimischen Imame, eine gute Gelegenheit war, um die tiefe Spiritualität von Papst Franziskus wahrzunehmen“. Dies bestätigten gegenüber Radio Vatikan auch zwei Imame: Imam Moulana Sayed Ali Abbas Razawi leitet die islamische Gemeinde in Schottland. Er sagt: „Wir sahen im Papst einen heiligen Papst, der zu uns sprach. Seine Botschaft an uns lautete folgendermaßen: ein erfolgreicher Dialog bedarf eines vermehrten Zuhörens und Stillseins. Es geht darum, langsam und verständlich miteinander zu sprechen.“ Scheich Ibrahim Mogra ist Mitvorsitzender des „Christian Muslim Forum“ in Großbritannien und Imam in Leicester: „Das war so aufregend. Ich kann es nicht fassen, dass dieses Treffen stattgefunden hat. Der Papst war so freundlich zu uns. Er hat mit uns sein Mitleid geteilt. Seine Botschaft, vermehrt zuzuhören, hat uns sehr gut getan“. (rv v. 5. 4.)

 

Ein interreligiöses Duo aus Pakistan erhält afrikanischen Friedenspreis: P. James Channan OP, der sich seit Jahrzehnten dem christlich-islamischen Dialog widmet, und Großimam Abdul Khabir Azad von der Hauptmoschee in Lahore erhalten den „Preis für ein harmonisches Zusammenleben der Religionen“ vom afrikanischen Büro der „United Religions Initiative“ in Lahore. Der Großimam stellte fest: „Der Grund für den interreligiösen Dialog ist sehr klar. Ich bin der Meinung, dass ungeachtet der Hautfarbe, der Religion, des Glaubensbekenntnisses sich alle Bürger des Landes verpflichtet haben, in diesem Land zusammen zu leben und so Freiheit genießen und sich daher an einer Beziehung zu allen Anderen beteiligen müssen“. (CSI-Zeitung 4/2 017)

 

Als „verabscheuungswürdigen Terrorakt, der auf das Leben Unschuldiger zielte“, hat der Großimam der Kairoer Al Azhar-Universität den Bombenanschlag auf eine koptische Kirche im ägyptischen Tanta verurteilt. Scheich Ahmed Al-Tayyeb wird Papst Franziskus am 28./29. April in der höchsten Lehreinrichtung des sunnitischen Weltislam treffen. Die Begegnung steht im Zeichen einer Bestärkung des gemeinsamen Engagements beider Religionen gegen Extremismus und religiösen Fanatismus und der Konsolidierung des Dialogs zwischen Al Azhar und dem Vatikan. Die ägyptische Regierung will den Kampf gegen den Terrorismus entschieden fortsetzen. Der Premierminister Charif Ismail besuchte den Ort der Bluttat. Der um Ausgleich bemühte ägyptische Präsident Abd al-Fattah al-Sisi hat wiederholt Terror gegen die christliche Minderheit in Ägypten verurteilt. (ansa u rv v. 9. 4.)

 

Ein syrisch-katholischer Bischof schenkt auch Muslimen in befreiten Dörfern Ziegen. Bischof Jacques Behnan Hindo hat ein Hilfsprogramm gestartet: Seine Diözese spendete den Bewohnern von befreiten Dörfern in der Region Djazira 3000 Ziegen und Lämmer, und zwar nicht nur Christen, sondern auch Muslimen. „Wir versuchen allen zu helfen“ unterstrich der Erzbischof. (JA v. 9. 4.)

 

Frankreich hat einen bekannten Schweizer Imam ausgewiesen. Der Leiter des Islamischen Zentrums in Genf, Hani Ramadan, der Bruder des Islamwissenschaftlers Tariq Ramadan, stelle eine Gefahr für die öffentliche Ordnung dar, begründete das französische Innenministerium den Schritt. Er wurde in Colmar verhaftet und von der Polizei zur französisch-schweizerischen Grenze eskortiert. Er hat z. B. 2002 in der französischen Zeitung „Le Monde“ in einem Artikel die Steinigung von Ehebrüchigen verteidigt. (rv v. 10. 4.)

 

Mehrere Moscheen in Ägypten haben spontane Solidaritätsaktionen für jene koptischen Christen veranstaltet, die bei den beiden Terroranschlägen am 9. April verletzt worden sind. In der Stadt Tanta wurde per Lautsprecher zum Blutspenden in den Moscheen aufgerufen, geht aus einem Bericht des Fernsehkanals „Al Arabiya“ hervor. Die meisten, die sich beteiligt hätten, seien Muslime gewesen. Anlass des Aufrufs war eine Knappheit an Blutkonserven; hunderte Blutbeutel seien dem Allgemeinen Krankenhaus der Stadt auf diese Weise zur Verfügung gestellt worden, heißt es in dem Bericht. (kap u. rv 11.04.2017 gbs)

 

Die Spitzen des Wiener König-Abdullah-Dialogzentrums (KAICIID) und die zuständigen Vatikanvertreter haben die bisherige Zusammenarbeit besprochen und Konsultationen auch für die Zukunft in Aussicht gestellt. KAICIID-Generalsekretär Faisal Bin Muaammar traf dazu im Vatikan den Präsidenten des Päpstlichen Dialogrates, Kardinal Jean-Louis Tauran, teilte das Dialogzentrum am 10. April mit. Das Treffen sei in „herzlicher“ Atmosphäre verlaufen. Muaammar informierte Tauran im Zuge der Begegnung unter anderem über vom KAICIID unterstützten interreligiösen Dialogplattformen in Irak, Syrien, Myanmar, Nigeria und der Zentralafrikanischen Republik. Vorgestellt wurde auch eine Initiative an Universitäten und im Internet gegen Gewalt im Namen der Religion. Dafür werden junge religiöse Würdenträger ausgebildet, Hass in sozialen Medien entgegenzuwirken und künftige Religionsvertreter beim Religionsdialog zu unterstützen. (kap u. rv v. 12. 4.)

 

Vor Vertretern aller Religionen hat sich ein muslimischer Imam für seine juden- und christenfeindliche Äußerungen entschuldigt, die er in einer Freitagspredigt Ende März getan hat. Er sei „voller Reue […] Ich gestehe voll und ganz, dass meine Aktionen keinen Platz in dieser äußerst multireligiösen und multikulturellen Gesellschaft haben“, sagte Imam Nalla Mohammed Abdul Jameel. Die Freitagspredigt war gefilmt und dem Innen- und Justizminister K. Shanmugam übergeben worden, der daraufhin polizeiliche Ermittlungen ankündigte. Dazu der Minister: Predigten, in denen zu Hass und Gewalt gegen Religionen aufgerufen werde, würden in Singapur „nicht toleriert“. (JA v. 16. 4.)

 

Auf der Konferenz „Freiheit und Staatsbürgerschaft, Verschiedenheit und Integration”, die von der sunnitischen al-Azhar-Universität in Kairo veranstaltet worden ist, wiederholte der libanesische Ministerpräsident – ein Muslim – seine Ankündigung vom 25. März, im Zentrum von Beirut ein Grundstück für den Bau eines „Internationalen Marianischen Zentrums für den interreligiösen Dialog“ zur Verfügung zu stellen. Der 25. März, der Festtag Mariä Verkündigung, sei wegen der „schönsten der Frauen“ – auch für die Muslime – für diese Ankündigung gewählt worden. (JA v. 23. 4.)

 

Mehrere muslimische Wissenschaftler haben sich für ein Islamgesetz nach österreichischem Vorbild ausgesprochen, um damit einen modernen, reformorientierten Islam zu fördern. Der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide und der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad sehen darin die Möglichkeit, den Einfluss konservativer muslimischer Verbände und ausländischer Geldgeber in deutschen Moscheen einzudämmen, wie der Berliner „Tagesspiegel“ am 22. April berichtet. Khorchide, der Professor für islamische Religionspädagogik in Münster, findet Spahns Idee „grundsätzlich sympathisch“. Der deutsche Staat solle die Imame finanzieren, „damit wir nicht auf Finanzierung aus dem Ausland angewiesen sind“. Abdel-Samad forderte die Entscheidung eines unabhängigen Wissenschaftsrats darüber, welche muslimischen Theologen an Universitäten lehrten. Der Staat müsse Lizenzen für Glaubensgemeinschaften und Moscheen vergeben: „Die Moscheen müssen die Imame nehmen, die der Staat bestimmt, und dürfen nicht aus dem Ausland finanziert werden.“ (kna u. rv v. 24. 4.)

 

Nach dem Tod eines elf Jahre alten Jungen in einer privaten Islamschule in Malaysia in Folge einer Prügelstrafe fordern immer mehr die Schließung privater Islamschulen. „Diese Religionsschulen schießen wie Pilze aus dem Boden und werden auf archaische, barbarische Weise geführt“, beklagt der frühere Informationsminister Zainuddin Maidin in seinem Blog. Der 11-jährige Mohamad Gaddafi war am 26. April an den Folgen der extremen Prügel-Verletzungen gestorben. Der Lehrer hatte laut malaysischen Medienberichten den Jungen und 14 weitere Schüler mit einem Wasserschlauch verprügelt, weil sie „laut“ waren. Ministerpräsident Najib Razak und andere Regierungsmitglieder sprachen der Familie des Jungen ihr Beileid aus. Der tödliche Vorfall hatte sich in der Koranschule Madrasah Tahfiz Al-Jauhar in der Stadt Kota Tinggi ereignet. Auch die prominente Bürgerrechtlerin Marina Mahatir forderte nun auf Facebook: „Unsere Hauptverantwortung muss der Sicherheit der Kinder gelten, anstatt sie Lehrern und Erziehern auszuliefern, die nicht einmal in deren Nähe sein sollten.“ (kna v. 27. 4.)

 

Auf der Friedenskonferenz der al-Ahzar-Universität in Kairo verurteilt der Großimam al-v. ayyeb den religiösen Extremismus: „Ich glaube, die moderne Zivilisation hat die göttlichen Religionen vergessen und ihre unverrückbare Ethik, darunter vor allem die Geschwisterlichkeit unter den Menschen und die Barmherzigkeit“. Es sei dringend, „das Bild der Religionen von falschen Vorstellungen und Praktiken zu befreien […] Wir sollten Religion nicht für die Verbrechen einer kleinen Gruppe ihrer Anhänger verantwortlich machen.“ Der Koran rufe eindeutig zum Frieden auf. Der ägyptische Großmufti, Papst Franziskus, der orthodoxe Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., und ein koptischer Bischof saßen zusammen in der ersten Reihe. Als dann Franziskus das Wort ergreift, nennt er den Azhar-Rektor, vom Redetext abweichend, „meinen Bruder“. Der Papst und der Großimam umarmten sich – es ist ein eindringliches Bild dieser Papstreise. (rv v. 28. 4.; JA v. 7. 5.)

 

Ein Islam-Professor der al-Azhar-Universität wohnt der Messe vor Papst Franziskus am 29. April in Kairo bei. „Der Besuch des Papstes stärke den Geist der Bruderschaft zwischen Muslimen und Christen“, meint er nach Aussage des ORF-Reporters Karim el Gawhary in der Nachrichtensendung „Zeit im Bild 1“ am 29. April. „Nirgends steht, dass ein Muslim nicht an einem christlichen Gottesdienst teilnehmen darf. Ich möchte damit meine Solidarität ausdrücken, meinen Respekt gegenüber anderen Religionen“, übersetzt el Gawhary den Imam. (ZIB1 v. 29. 4.)

 

Der Islam steht weltweit von innen und von außen unter Druck: Die Überzeugung, dass es ein Miteinander auch mit anderen Religionen brauche, habe sich deswegen auch an islamisch-theologischen Institutionen durchgesetzt, wie beim Papstbesuch in der Al-Azhar Universität am 28. April sichtbar geworden sei. Der Theologe und Politikwissenschaftler Alexander Görlach, der selber an der Al-Azhar ein Studienjahr verbracht hat, beurteilt den Dialogansatz in Ägypten positiv: Das sei „keine Show“ und ist ernst gemeint. „Die islamische Glaubensgemeinschaft ist vielfältig und groß. Sie hat zum einen den Druck von außen, dass der Westen als Kultur und Lebensform die dominante Kultur auf der Welt ist“, so Görlach gegenüber Radio Vatikan. „Gleichzeitig steht diese Glaubensgemeinschaft von Nigeria bis Pakistan und Indonesien unter innerem Druck, ein Muslim in Pakistan kann heute sehen, wie Muslime in Indonesien oder Malaysia leben. Dieser Druck durch die Globalisierung und die Digitalisierung zwingt sozusagen zu Kollaboration. […] Zu sehen gewesen sei das etwa bei der ‚Exkommunikation‘ – um ein christliches Wort zu benutzen – des ISIS-Gründers Abu-Bakr durch anfangs mehr als 130 islamische Theologen. Hier sei die Wichtigkeit einer solchen Universität, die für den Islam als solchen sprechen wolle, deutlich geworden.“ Man habe damals Abu-Bakr theologisch nachgewiesen, warum er nicht der Kalif aller Muslime sein kann und seine Selbstdarstellung stellvertretend für den gesamten Islam widerlegt. Als Plattform für solche gesamt-islamischen Aussagen könne Al-Azhar zukünftig eine Rolle spielen. Aber trotzdem gelte: „Die Al-Azhar Universität wird alleine nicht mehr die Geschicke von 1,4 Mrd Muslimen regeln und leiten können, selbst wenn sie das will“, meint Görlach. In dieser Spannung muss die Institution noch ihren heutigen Stellenwert entwickeln. (rv v. 30. 4.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Abu Dhabi setzt eine weitere Geste der Toleranz und benennt die große neue Moschee in der Hauptstadt „Maria, die Mutter Jesu“. Bisher trug sie den Namen „Scheich Mohammed Bin Zayed-Moschee“. Die Umbenennung wurde von Scheich Mohammed Bin Zayed Al Nahyan, dem Kronprinzen von Abu Dhabi, angeordnet. Der für die Vereinigten Arabischen Emirate zuständige Apostolische Vikar, Bischof Paul Hinder, sagte der katholischen Nachrichtenagentur „asianews“, die Umbenennung sei eine „wichtige Geste der Toleranz“ und ein weiterer Schritt der „Offenheit und des Interesses am Dialog“. Auch dass die römisch-katholische Josefskathedrale nur wenige Schritte daneben steht, zeige symbolisch den Willen zum Miteinander beider Religionen. Die Staatsministerin für Toleranzfragen, Scheicha Lubna Al-Qasimi, dankte dem Kronprinzen für dieses Signal der Toleranz. (JA v. 2. 6.)

     

  • Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) fordert, dass Mitbestimmung für junge Menschen innerhalb der Kirche selbstverständlich werden müsse. „Die Kirche braucht eine neue Beteiligungsstruktur“, meldet sich der Jugendbund vor der im Herbst 2018 anstehenden Bischofssynode zum Thema Jugend zu Wort. „Junge Menschen haben der Kirche etwas zu sagen“, erklärt der neu gewählte BDKJ-Bundesvorsitzende Thomas Andonie. „Damit sie ihre Anliegen nicht nur anbringen können, sondern diese auch zu Veränderungen führen, braucht es neue Ideen, wie echte Partizipation junger Menschen in der Kirche auf allen Ebenen umgesetzt werden kann.“ Der BDKJ wertet es als positives Zeichen, dass der Vatikan eine Online-Umfrage zur Synode veröffentlicht hat. „Die Jugendsynode wird aber nur dann ein Erfolg, wenn diese Ergebnisse tatsächlich ausreichend berücksichtigt werden und die Anliegen junger Menschen ernst genommen werden“, so Andonie. (rv v. 8. 7.)

     

  • Die 1999 unterschriebene so genannte „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ ist wohl der größte und wichtigste Meilenstein in der Ökumene. Bisher haben aber nur die Katholiken, Lutheraner – später auch die Methodisten – diese Erklärung unterschrieben. Am 4. Juli unterschrieben in Wittenberg auch Vertreter der Weltgemeinschaft der Reformierten Kirchen, die in Leipzig tagten, während einer Liturgie ebenfalls diese Erklärung. Damit will man eines der großen theologisch trennenden Probleme der Kirchen lösen, erklärt gegenüber Radio Vatikan Bischof Brian Farrell, Sekretär des Rates für die Einheit der Christen und Vertreter des Vatikan bei der Zeremonie in Wittenberg. „Vereinfacht gesagt kann man es so sehen, dass wir entweder durch Gnade erlöst sind oder durch unsere guten Werke. […] Wir sind durch Gnade allein erlöst, aber das erfordert dann, dass wir unser bekehrtes Verhältnis zu Gott auch in guten Werken zeigen.“ Die Unterschriften der reformierten Kirchen bedeuten, „dass die katholische Kirche und viele der Kirchen der Reformation jetzt in dieser fundamentalen Lehre übereinstimmen.“ Das stärke die spirituelle und kirchliche Verbindung zwischen allen Christen. Die reformierten Kirchen wollen aber auch eigene Schwerpunkte in die Debatte einbringen, und zwar vor allem die Frage nach der Gerechtigkeit. „Die reformierten Kirchen wollen betonen, dass aus unserer Rechtfertigung durch Gott durch Gnade eine Verantwortung folgt, diese Gnade auch in die Wirklichkeit unserer Welt zu tragen, und zwar im Einsatz für Gerechtigkeit“, erklärt Bischof Farrel. „Das bedeutet, dass wir eine stärkere gemeinsame Basis für Zusammenarbeit unter allen Christen haben, wenn es darum geht, die Welt zu verändern und denen zu helfen, die diese Hilfe brauchen.“ In Wittenberg wird am 5. Juli noch ein zweites Dokument unterzeichnet, und zwar das so genannte „Wittenberger Zeugnis“, in dem reformierte und lutherische Kirchen gemeinsam das „Unglück der Kirchentrennung“ eingestehen. (rv [=www.de.radiovaticana.va] v. 4. 7.)

     

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