Aussagen des Papstes über die Rolle der Frauen in der Kirche lassen zentrale Fragen unbeantwortet

 

24.09.2013, Ida Raming

 

Die deutsche Sektion der internationalen Bewegung ‚Röm.-kath. Priesterinnen’ (RCWP), veröffentlichte folgende Presse-Erklärung:

 

Seit seinem Amtsantritt hat sich Papst Franziskus mehrfach über die Rolle der Frauen in der katholischen Kirche geäußert. In seinem letzten Interview (Sept. 2013) spricht er sich dafür aus, dass „die Räume einer einschneidenden weiblichen Präsenz in der Kirche weiter werden“ müssten. Die Frau sei für die Kirche unabdingbar. „Der weibliche Genius“ sei „nötig an den Stellen, wo wichtige Entscheidungen getroffen werden“, wo „in den verschiedenen Bereichen der Kirche Autorität ausgeübt“ werde. Voraussetzung für eine angemessenere Funktion der Frau in der Kirche sei die Erarbeitung  einer „gründlichen Theologie der Frau“, eine vertiefte Reflexion über den „spezifischen  Platz der Frau“.

 

Wenngleich es zweifellos zu begrüßen ist, dass der Papst sich für eine Stärkung der Präsenz und Bedeutung der Frau in der Kirche ausspricht, so werfen seine Aussagen doch mehrere schwer wiegende  Fragen auf:
Wie soll die Teilnahme der Frauen an wichtigen kirchlichen Entscheidungen, an der Ausübung kirchlicher Autorität, ohne den Zugang von Frauen zu den Ämtern Presbyterat und Episkopat realisiert werden?  Für den Zugang zu diesen Ämtern ist aber nach Aussage  des Papstes unter Berufung auf die „endgültige“ Entscheidung seines Vorgängers (Joh. Paul II: Ordinatio Sacerdotalis, 1994) die „Tür verschlossen“. Solange aber die Jurisdiktionsvollmacht an die Ordination gebunden ist und die Frauen davon ausgeschlossen sind, bleiben die Aussagen des Papstes über eine Stärkung ihrer Rolle vage und unverbindlich. Da ist auch weder sein Hinweis auf die Bedeutung Marias noch auf eine zu erarbeitende „Theologie der Frau“ zukunftsweisend. Das zeigen die früheren negativen Erfahrungen mit einer solchen von Männern der Kirche verfassten Beschreibung des „Wesens der Frau“ eindeutig!

 

Eine Wende hin zur vollen Anerkennung der Personwürde der Frau, ihrer Gottebenbildlichkeit und damit zu ihrer gleichrangigen Stellung in der Kirche kann nur durch eine korrekte Aufarbeitung der Frauendiskriminierung in der Geschichte der Kirche erreicht werden, die bis heute aussteht, - basiert doch der Ausschluss der Frauen von Ordination und priesterlichem Amt eindeutig auf dieser bis heute nicht überwundenen  Diskriminierung der Frau!

 

Gottes hl. Geistkraft, „die jeder/jedem zuteilt, wie Sie will“ (vgl. 1 Kor 12,11), beruft auch Frauen zum priesterlichen Dienst. Diese göttliche Geistkraft ist stärker als  alle Hindernisse, die eine patriarchalisch verformte Theologie ihr entgegen stellt.

 

In der wachsenden internationalen Bewegung römisch-katholischer Priesterinnen (RCWP) können Frauen ihre priesterliche Berufung schon jetzt aktiv in den Dienst von Menschen stellen. Sie hat daher eine wichtige Pionierfunktion für die gesamte katholische Kirche, indem sie eine frauenfreundliche Tradition in der anhaltend patriarchalisch geprägten römisch-katholischen Kirche gestaltet.

 

Für die internationale Bewegung: ‚Römisch-katholische Priesterinnen’ (RCWP), deutsche Sektion:  Ida Raming, Dr. theol. , Stuttgart (Deutschland), September 2013

 

 

 

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