Falschmeldungen durch Bischöfe

07.01.2013, Herbert Bartl

 

Der Verein Priester ohne Amt stellt die Frage: Warum verbreiten die Bischöfe Falschmeldungen und Missverständnisse zur Frage des verpflichtenden priesterlichen Zölibat?

 

Zunächst wurde im Hirtenbrief zum „Jahr des Glaubens“ behauptet, das 2. Vat. Konzil habe sich mehrheitlich für die Beibehaltung des Zölibats ausgesprochen. Das ist falsch! Papst Paul VI hat ausdrücklich die Debatte über den verpflichtenden Zölibat untersagt. Das Konzil hat allerdings festgestellt, dass es keinen wesentlichen Zusammenhang zwischen Priestertum und Zölibat gibt, zumal es ja auch in der katholischen Kirche verdiente verheiratete Priester gibt!

In der Zeit im Bild 1 am 6. 1. 2013 wurde ein Teil eines Interviews mit Kardinal Schönborn wiedergegeben, indem er wörtlich festgestellt hat: „Man muss sich damit auseinandersetzen, dass z.B: weltweit das Festhalten am katholischen Zölibat für Priester ganz klar eine eindeutige Mehrheit hat.“ (Nachzusehen in der orf tvthek)

 

Dieser Behauptung muss ebenso klar widersprochen werden. Weltweit sind mindestens 75 – 80% der Gläubigen gegen das Festhalten am priesterlichen Zölibat - auch eine erhebliche Mehrheit der Priester - sondern für die freie Wahl der Lebensform.

 

Es stimmt wahrscheinlich dass eine Mehrheit der Bischöfe und der Papst der Meinung sind, dass der priesterliche Zölibat mehr Vorteile als Nachteile für die Kirche(nleitung) hat, wie Herr Weihbischof Turnovszky in einem Schreiben an uns gemeint hat.

Allerdings sind die Bischöfe in der Kirche – wenn man in Kategorien von Mehrheit und Minderheit argumentieren will - eine verschwindende Minderheit.
Insofern ist die Aussage des Kardinals wenn nicht bewusst falsch, so doch sehr missverständlich.

 

Und eine sachliche Auseinandersetzung zu diesem Thema wünschen wir uns schon seit Jahrzehnten aber bis heute ist es nie dazu gekommen. Es werden immer nur Behauptungen in den Raum gestellt, aber eine sachliche und seriöse Auseinandersetzung mit dem Thema Pflichtzölibat findet nicht statt, offensichtlich fehlen die notwendigen nachvollziehbaren und auch für die Gläubigen, die unter der Priesternot leiden, verständlichen Argumente.

 

 

 

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