Stellungnahme zum Tod von Altbischof Dr.Kurt Krenn von Univ. Doz. Dr. Franz Schmatz

Dr. Schmatz ist Theologe, Seelsorger u. Psychotherapeut. Er stand jahrelang im Konflikt und Widerstand zu Bischof Dr.Krenn

 

Kurt Krenn war in meiner Wahrnehmung ein gespaltener Mensch. Der „Mensch“ Kurt Krenn war ein durchaus herzlicher, zerbrechlicher, spielerischer, lebensgenießender und liebenswürdiger Mensch. Der „Bischof“ Kurt Krenn war ganz konträr dazu. Als Bischof stellte er fast in Perfektion dar, wohin es führt, wenn ein ursprünglich befreiender und lebensbejahender Glaube zu einem erstarrten, lebensfernen Glaubenssystem, ja zu einer Glaubensideologie wird.

Wenn Kurt Krenn Mensch sein „durfte“, wenn er etwa  bei Pfarrbesuchen selber Wein einschenkte und Würstl austeilte, erlebten die Menschen seine Geselligkeit und Herzlichkeit und waren mit Recht angetan. Wenn Dr.Kurt Krenn als Bischof auftrat, begegnete man dem Vertreter eines starren und sturen Kirchensystems.

 

In den Auseinandersetzungen und Konflikten, die ich mit Bischof Dr.Krenn auszutragen hatte (ein
solches Gespräch dauerte einmal fast 6 Stunden), machte er eine Aussage, die für mich vieles klar stellte. Er sagte zu mir:“Sie müssen alles tun, was ich Ihnen sage, denn ich muss auch alles tun, was der Papst mir sagt!“. Ab da war mir klar: das kirchliche Amt hat den Menschen Kurt Krenn überwältigt und gefesselt, so dass er nicht mehr er selber sein durfte.

 

 

Bischof Dr. Kurt Krenn hat, ohne es bewusst zu wollen, einen großen Beitrag geleistet, ein erstarrtes Kirchensystem, das sich von den Menschen und ihren Anliegen weit entfernt hat, in aller Deutlichkeit und Unbarmherzigkeit aufzuzeigen, und so zu dessen beginnendem Zusammenbruch wesentlich beizutragen. Vielleicht war es sogar seine „Sendung“, darzustellen, wie weit sich ein erstarrtes Kirchensystem vom eigentlichen Auftrag Jesu entfernen kann. In dieser Hinsicht war seine Klarheit ein großer Vorteil: Während andere dieselben Thesen und Überzeugungen diplomatisch, umschreibend und in feinerer Sprache ausdrücken, hat er es beinhart, polternd und donnernd, aber auch ehrlich gesagt. Bei ihm wusste man, woran man ist.

 

Bei unserer letzten kurzen Begegnung auf dem Weg zum Bildungshaus, hat Kurt Krenn übrigens ein mich berührendes Wort gesagt: „Herr Dr.Schmatz, mich ärgert, dass ich Sie nicht biegen habe können! Aber eines muss ich Ihnen anerkennend sagen: Sie waren einer der wenigen, der vor mir das sagt, was er auch draußen sagt!“.

 

Im ersten Satz hat der Bischof Dr.Kurt Krenn zu mir gesprochen, im weiten Satz der Mensch Kurt Krenn.
Ich bin froh und dankbar, dass ich in dieser Stunde sagen kann: Bischof Dr.Kurt Krenn bin ich immer mit Klarheit der eigenen Überzeugung, mit Widerstand  im Hinblick auf die Gestaltung der   Seelsorge, und mit Respekt begegnet (bei aller Härte der Auseinandersetzung); dem Menschen Kurt Krenn immer mit Wertschätzung. Wahrscheinlich konnte er auch deshalb in einem Gespräch zu mir sagen: „Ich schätze bei Ihnen schon sehr, dass Sie nie etwas untergriffiges über mich gesagt haben.“

 

Auch wenn Bischof Dr.Kurt Krenn mir oft erklärte, ich solle aufhören, so viel vom „liebenden Gott“ zu reden, wünsche ich ihm vom Herzen, dass er jetzt dem „liebenden Gott“ begegnet und sich der Fülle des Lebens erfreut.

 

P.S: Dr.Franz Schmatz (auch verheirateter Diakon) war jahrelang in Widerstand zu Bischof Dr.Kurt Krenn und hat dann nach rund 10 mehrstündigen Konfliktgesprächen von ihm den Entzug der Lehrbefugnis für theolog. Hochschulen, Predigtverbot und Seelsorgsverbot bekommen. (Diese Verbote wurden erst in den letzten Jahren vom neuen Bischof schrittweise zurückgenommen.)

 

 

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