Herbert-Haag-Preis 2014 für Erzbischof Albert Rouet und Jesuitenpater Klaus Mertes

24.10.2013

 

Die Schweizer Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche teilt mit, dass sie als Preisträger für das Jahr 2014 den französischen Erzbischof Albert Rouet und den deutschen Jesuitenpater Klaus Mertes SJ ausgewählt hat. Die Presiverleihung wird Sonntag, 16. März 2014, 16:30 Uhr, im Hotel Schweizerhof in Luzern stattfinden.

 

Wie sieht eine Pastoral der Zukunft aus, die nicht nach der Anzahl der Priester ausgerichtet ist, sondern die Geistbegabung aller Getauften ernstnimmt, deren Charismen weckt und Raum zur Entfaltung gibt? Und wie kann die Kirche von innen mit ihrem eigenen Verständnis von Katholisch-Sein aus ihrer Krise des Machtmissbrauchs, der Kommunikationsunfähigkeit und des Vertrauensverlustes herausgeführt werden?

Das sind zwei brennende Fragen der Seelsorge. Sie stehen im Zentrum der Preisverleihung 2014 der Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche. Freimachende Antworten darauf geben Erzbischof Albert Rouet und Jesuitenpater Klaus Mertes, die den mit je 10‘000 Euro dotierten Preis erhalten werden.

 

Albert Rouet (*1936) von der Erzdiözese Poitiers in Frankreich verkörpert jenen Bischof, der sich kreativ mit den Herausforderungen der Christen in der Gegenwart auseinandergesetzt und in seinem Bistum Anstösse und Räume gegeben hat für ein wegweisendes Modell von Seelsorge vor Ort.

 

Jesuitenpater Klaus Mertes (*1954), Leiter des Kollegs Sankt Blasien im Schwarzwald, sieht im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche den Auftrag zu zeigen, wie Vertrauen und Glaubwürdigkeit neu werden können. Er sieht seine Aufgabe nicht in der rückwärts gerichteten Anklage, sondern in einer Zukunftsarbeit für seine Kirche, die schlimme Erfahrungen radikal ernst nimmt.

 

Die Preisverleihung der Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche findet am Sonntag, 16. März 2014 um 16.30 Uhr im Hotel Schweizerhof in Luzern statt. Der Anlass ist öffentlich, eine Anmeldung ist nicht nötig.

 

Kurzporträts der beiden Preisträger

 

Albert Rouet

 

Albert Rouet, geb. 1936 in Thenay/Frankreich, war während zwei Jahrzehnten Jugendseelsorger und Katechet und dann Generalvikar und Weihbischof von Kardinal Jean-Marie Lustiger in Paris. 1994 wurde er zum Bischof von Poitiers ernannt, wo er bis 2011 wirkte und sich zu einem der bekanntesten und profiliertesten Bischöfe Frankreichs entwickelte. Noch in seinem Ruhestand ist er ein gefragter Redner und verkörpert den lebendigen und gebildeten Seelsorger. Als Kenner der Bibel und der Kirchenväter ist er durch zwei Dutzend Bücher zu Fragen des Glaubens und der Sozialethik hervorgetreten.

 

Albert Rouet hat es bewusst vermieden, die Seelsorgestrukturen so anzupassen, dass die verbliebenen Priester ausreichen. Den Begriff Pfarrei hat er praktisch abgeschafft, um nicht in alte Muster zurückzufallen. Von Grosspfarreien hält er ohnehin nichts, denn „es gibt nur eine Zusammenlegung, die wirklich funktioniert – und das ist der Friedhof“. Stattdessen hat er übersichtliche christliche Gemeinschaften gedeihen lassen, die in der unmittelbaren Nachbarschaft verankert sind und dort ihr Wirken entfalten. Eine kleine Zahl von Freiwilligen – Délégués pastorales (Beauftragte für die Seelsorge) – trägt dafür die Verantwortung. Dies gilt jeweils für maximal zwei mal drei Jahre, dann werden sie durch andere Freiwillige abgelöst.

 

Buchhinweis: Albert Rouet, Aufbruch zum Miteinander. Wie Kirche wieder dialogfähig wird. Herder Verlag Freiburg i.Br. 2012.

 

Klaus Mertes

 

Klaus Mertes wurde 1954 in Bonn als Sohn einer Diplomatenfamilie geboren. Mit 23 Jahren trat er in den Jesuitenorden ein und studierte Philosophie, Theologie und Altphilologie. Seit 1990 ist er im Schuldienst tätig. Von 2000 bis 2011 war er Rektor des katholischen Gymnasiums Canisius-Kolleg Berlin, seither ist er Direktor des Kollegs St. Blasien im Schwarzwald.

 

Durch Berichte von Missbrauchsopfern aufgerüttelt löste Klaus Mertes 2010 mit einem nachfragenden Brief an frühere Abgänger des Kollegs eine grosse Unruhe aus. An kirchlichen – und später auch an nichtkirchlichen – Bildungseinrichtungen Deutschlands wurden viele Fälle sexuellen und physischen Missbrauchs junger Menschen aufgedeckt. Auf zahlreichen Plattformen und unter anderem mit seinem Buch „Verlorenes Vertrauen. Katholisch sein in der Krise“ kämpft Klaus Mertes seither gegen unheilige Macht und monströse Unkeuschheit in der Kirche. Weil er dies nicht jammernd und zynisch von aussen, sondern als überzeugtes, aber auch verletzliches Mitglied seiner Kirche von innen tut, ist er gerade auch für viele enttäuschte Katholiken ein Hoffnungsträger.

 

Buchhinweis: Klaus Mertes, Verlorenes Vertrauen. Katholisch sein in der Krise. Herder Verlag Freiburg i.Br. 2013.

 

Für Rückfragen und nähere Angaben:

 

Dr. Erwin Koller
Präsident der Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche
erwin.koller@setarkos.com

Andreas Heggli, Geschäftsführer
andheg@gmx.ch
0041 (0)41 370 39 71

www.herberthaag-stiftung.ch
Dort auch nähere Angaben zum Stiftungszweck, zum Stifter und zu den bisherigen Preisträger/innen.

 

 

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