„Wir sind Kirche“ unterstützt Pfarrer-Initiative

29.06.2011, Hans Peter Hurka

 

„Wir sind Kirche“ tritt für die praktische Umsetzung der seit langem auf der Reformagenda stehenden Themen durch die Gläubigen ein. Dies unabhängig davon, ob sie kirchenrechtlich erlaubt sind oder nicht,weil es die Würde der Menschen verlangt und weil die Kirchenleitung seit langem zu keinem ernsthaften und zielorientierten Dialog über die sogenannten „heißen Eisen“ bereit ist.

 

„Wir sind Kirche“ unterstützt deshalb den „Aufruf zum Ungehorsam“ der Pfarrer-Initiative und lädt alle Gläubigen ein, Schritte der Reformen, die eigenverantwortlich gesetzt werden können, zu tun und sie „Wir sind Kirche“ mitzuteilen.

Damit wollen wir zeigen, wie weit in der Kirche bereits zeitgemäß und verantwortlich gehandelt wird. Wir wollen damit das reformorientierte Klima weiter ausbreiten helfen. Um das konkrete Leid von Menschen zu lindern, bedarf es verantwortlich couragierter Übertretungen von Vorschriften, im Geist eines „vorauseilenden Gehorsams“.

Menschen leiden unter den Strukturen der Kirche und den Anweisungen der Kirchenleitung. Die Zeit drängt. Es geht um die verletzte Würde dieser Menschen. Der Verweis auf die langsame Entwicklung der Kirche ist unbarmherzig und zynisch.

Wenn nun der Grazer Bischof Egon Kapellari in seiner Stellungnahme zum Aufruf der Pfarrerinitiative feststellt, „die Situation ist sowohl den Bischöfen wie dem Papst bekannt und Gespräche darüber hat es gegeben und wird es weiterhin geben“, so blieb das bisher fruchtlos. Muss erst ganz Österreich zu einer einzigen Pfarre schrumpfen oder die Selbstmordrate deutlich steigen, damit die Herren auf den Bischofsstühlen einen Notstand in der Kirche erkennen?

„Wir sind Kirche“ tritt für die gemeinsame Verantwortung aller Gläubigen für das Leben der Kirche ein und für ein entschiedenes, solidarisches Handeln mit den Schwachen, Gekränkten, Gedemütigten und Diskriminierten in Gesellschaft und Kirche.

 „Wir sind Kirche“ war schon immer bestrebt, das Bewusstsein der gemeinsamen Verantwortung aller Gläubigen für das Leben der Kirche zu stärken. Dabei ist jeder Klerikalismus zurückzuweisen. „Wir sind Kirche“ tritt daher der Formulierung von Kardinal Schönborn entgegen, wonach man/frau „letztlich ohne den Dienst des geweihten Priesters gar nicht Christ sein" könne. Auch wenn der Wiener Erzbischof in seinem letzten Hirtenbrief den priesterlichen Dienst unter das Prinzip des Allgemeinen Priestertums stellt, zeigt diese Formulierung, dass er der Intention des letzten Konzils offensichtlich hinterherhinkt. Entscheidend ist das gleichwertige Miteinander. Mit dem II. Vatikanischen Konzil ist in der Beurteilung der Laien eine „Kopernikanische Wende“ eingetreten. Damit ist auch die Trennung in „Weltdienst“ für die Laien und „Heilsdienst“ für den Klerus obsolet.

Das Gemeinsame aller Getauften ist die entscheidende Basis jeder christlichen Gemeinschaft. In dieser sind alle Dienste nach dem Willen Jesu wirksam zum Wohl der Menschen zu tun. Dank gebührt jedem Menschen für seinen Dienst, ob er Priester ist oder so genannter Laie. 

 

Für den Vorstand der Plattform „Wir sind Kirche“: Hans Peter Hurka, Mag.a Gotlind Hammerer und Ing. Dkfm. Georg Kopetzky

 

Aufruf zum Ungehorsam der Pfarrer-Initiative

 

einige Pressemeldungen:

am 29. Juni 2011: ORF ;  Die Presse ; Kleine Zeitung ;

am 4. Juli 2011; DER STANDARD ;Interview mit Helmut Schüller; ORF - Salzburg;

am 5. Juli 2011; Die Presse ; ORF Religion

 

 

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