Hinterzarten liegt im südlichen Schwarzwald, etwa 25 Kilometer von Freiburg entfernt. Bekannt ist die Gemeinde v.a. als Höhenluftkurort und als Austragungsstätte zahlreicher Skispringbewerbe, vor Jahrzehnten hat ihr freilich auch die Fernsehserie "Die Schwarzwaldklinik" viele Besucher:innen beschert.
Wer heute nach Hinterzarten kommt, sollte dort auch die Kirchen besuchen. Die evangelische Kirche "Zu den zwölf Aposteln" ist ein moderner Kirchenbau aus den 1960er-Jahren, dessen bunte Kirchenfenster eine beeindruckende Vielzahl von biblischen und kirchlichen Geschichten erzählen; in der Nähe der evangelischen Kirche befindet sich aktuell die sogenannte "Schäferwagenkirche", eine Art "Kirche.n.mobil" für Gottesdienste an wechselnden Orten, das ermöglichen will, mit den Menschen mobil unterwegs zu sein. Und in der katholischen Kirche "Maria in der Zarten" findet man eine spannende Symbiose von Alt und Neu, die ebenfalls auf die 1960er-Jahre zurückgeht, als man den alten Kirchenbau aus dem 15.-18. Jahrhundert auf beeindruckende Weise modern erweiterte; auch in dieser Kirche sehr prägend: eine Vielzahl an Glasfenstern, hier jedoch in abstrakter Gestalt.
Was die Besuchenden gegenwärtig aber besonders einnimmt, ist eine Ausstellung, die im gesamten Kirchenraum präsentiert wird: "12 Menschen, 12 Wege, 1 Frage" ist ein Kunstprojekt, welches im Anschluss an die Debatte um neun Freiburger Theologinnen entstand, die sich 2025 in aller Form um Aufnahme in das Priesterseminar Freiburg beworben haben. Es kam zwar zu keiner Aufnahme, aber doch zu ernsthaften Gesprächen und Begegnungen mit dem zuständigen Regens, dem damaligen Weihbischof Christian Würtz, der im Oktober 2026 als Bischof nach Eichstätt wechseln wird. Diese Gespräche wurden von Supvervisor Christian Kaiser begleitet, dem sich in der Begleitung bald die Frage stellte "Welche Kriterien müssen gelten, wenn sich Menschen um einen Platz in der Priesterausbildung bewerben? Dürfen Frauen grundsätzlich ausgeschlossen bleiben, auch wenn sie offensichtlich Berufene sind?" Und er resummiert: "Ich bin als unabhängiger Gesprächsbegleiter zur Überzeugung gekommen: Hier liegen echte Berufungen zum Priesterberuf in der katholischen Kirche vor. Wenn es denn Berufungen gibt, dann sind diese jungen Frauen Berufene."
Die Ausstellung präsentiert nun zwölf Berufungsgeschichten, wobei diese spannenderweise anonymisiert sind: Sechs von ihnen sind die Berufungsgeschichten von Frauen, sechs von Männern. Wer durch die Ausstellung geht, ist eingeladen, sich mit diesen Berufungsgeschichten auseinanderzusetzen und sich ein eigenes Bild zu machen. Er erfährt nicht, welche Geschichte von einem Mann und welche von einer Frau ist. Aber er kann am Ende der Ausstellung seine Sichtweise in ein Buch schreiben und dort Antwort geben auf die Frage "Unabhängig vom Geschlecht: Was macht für Sie eine(n) gute(n) Priester:in aus?"
Damit wird auch dieses Buch Teil der Ausstellung. Nicht alle Einträge sind um Objektivität bemüht. Ein offensichtlich verärgerter Mensch meinte hinterlassen zu müssen, dass es ihm "alle Zehennägel aufrolle", wenn das Gender-Thema nun auch in die Kirche eindringe, aber sehr viele andere Einträge sind wohlwollend und zeugen von einer ehrlichen Auseinandersetzung mit dem Thema.
Die Bewerbung der neun Theologiestudentinnen im Freiburger Priesterseminar im Frühling 2025 hat für kurze Zeit viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Die Ausstellung in Hinterzarten ist so etwas wie eine erste Ergebnissicherung. Eine zweite wird sein, wenn die Bewerberinnen im Oktober 2026 in Enns den Preis der österreichischen Kirchenreformbewegungen entgegennehmen.