Christopher Saunders, von 1996 bis 2021 Bischof von Broome im Norden Westaustraliens, wurde am 13. August 2026 wegen sexueller Übergriffe auf zwei junge indigene Männer schuldig gesprochen. Die Geschworenen am Bezirksgericht von Western Australia befanden ihn in 13 Fällen für schuldig: einmal wegen sexueller Penetration und zwölfmal wegen unsittlicher Übergriffe. Saunders soll junge Aboriginal-Männer mit Alkohol gefügig gemacht und sie dann sexuell missbraucht haben. Gerichtsakten zufolge ereigneten sich die Taten zwischen 2008 und 2019 und damit in einer Zeit, in der Saunders bereits Bischof war. Saunders selbst hat die Taten immer bestritten.
Die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen ihn hatten bereits im Frühling 2020 dazu geführt, dass er sein Bischofsamt ruhen ließ und der Vatikan für das Bistum einen Apostolischen Administrator einsetzte. Im Sommer 2021 nahm Papst Franziskus Saunders vorzeitiges Rücktrittsgesuch an, im Herbst 2024 wurde für ihn ein offizieller Nachfolger bestellt. Nichtsdestotrotz ist er nach katholischem Verständnis immer noch Bischof, nämlich episcopus emeritus (Altbischof), auch wenn VATICAN-NEWS Saunders am 15.8.2026 als "Ex-Bischof" bezeichnete. Von einem Entzug seiner Bischofswürde durch den Papst ist bislang nichts bekannt.
Obwohl Christopher Saunders (76) die Vorwürfe nach wie vor bestreitet und ihm noch der Weg in die Berufung offensteht, gab die australische Bischofskonferenz nach dem Schuldspruch bekannt, dass sie diesen begrüsse: Die Missbrauchsverbrechen Saunders stellten „einen Verrat an allem dar, wofür das Evangelium und die katholische Kirche stehen", erklärte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Timothy Costelloe, in einem am 14.8.2026 veröffentlichten Hirtenbrief.
Doch ganz so leicht werden die australischen Bischöfe den Skandal nicht abschütteln können. Zu frisch sind im Land noch die Erinnerungen an einen anderen Bischof, der sich die letzten Jahrzehnte seines Lebens intensiv gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche engagierte und dabei auch die mangelnde Unterstützung durch seine Amtskollegen kritisierte: Geoffrey James Robinson, Weihbischof von Syndney, der im Mai 2002 von Papst Johannes Paul II. persönlich beauftragt worden war, eine kirchenweite Studie über sexuellen Missbrauch durch Geistliche zu verfassen, beklagte im August 2015 vor einer Untersuchungskommission in Sydney, die den Missbrauch Minderjähriger in der katholischen Kirche aufklären sollte, von Papst Johannes Paul II. sei doch nur Schweigen gekommen und die Bischöfe hätten in Loyalität ebenfalls geschwiegen.
Robinson, der 2004 aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt als Weihbischof zurücktrat und 2020 an einer langwierigen Krebserkrankung verstarb, widmete dem Kampf gegen den sexuellen Missbrauch auch mehrere Bücher; insbesondere seine Werke Confronting Power and Sex in the Catholic Church: Reclaiming the Spirit of Jesus“ (2007), „Love’s Urgent Longings“ (2010) und For Christ’s Sake: End Sexual Abuse in the Catholic Church…for Good (2013) thematisieren ausführlich den sexuellen Missbrauch in der Kirche und fordern eine Neuausrichtung der kirchlichen Sexuallehre. Sein Buch Macht, Sexualität und die katholische Kirche. Eine notwendige Konfrontation (2010) wurde von publik-forum in deutscher Sprache herausgegeben und hat Bischof Robinson in seinem Kampf gegen sexuellen Missbrauch auch im deutschen Sprachraum bekannt gemacht.
Nun blicken auch in Australien manche mit neuen Augen auf Bischof Geoffrey James Robinson. Anlässlich seines Todes im Jahr 2020 nach langer Krebserkrankung wurde Robinson von Otto Friedrich in der österreichischen Wochenzeitung "Die Furche" als "viel zu lang ungehörter Prophet" gewürdigt. Die aktuellen Ereignisse in Australien scheinen das zu bestätigen.