In einem Hirtenbrief an die Katholikinnen und Katholiken seiner Diözese hatte der 70jährige Johan Bonny Mitte März angekündigt, er werde „alle Anstrengungen unternehmen, um bis 2028 verheiratete Männer in Antwerpen zu weihen“; die Frage sei nicht mehr, ob die katholische Kirche verheiratete Männer zu Priestern weihen könne, sondern wann dies getan werde – und von wem. Schon in diesem Schreiben wies er auf den Priestermangel hin, der ernst genommen werden müsse; außerdem müsse man sehen, dass es schon jetzt zahlreiche verheiratete Priester aus den katholischen Ostkirchen sowie Konvertierte aus anderen christlichen Konfessionen gäbe.
Nun äußerte sich Bischof Bonny im Gespräch mit der europäischen Nachrichtenagentur AFP. Sein Aufruf sei „ein Schrei aus tiefstem Herzen“ gewesen und „eine Art zu sagen: ‚Hilfe! So kann es nicht weitergehen‘“, sagte Bonny der AFP und verwies auf die Zustände in seiner eigenen Diözese: „Vor 40 oder 50 Jahren gab es mindestens 1500 Priester in Antwerpen. Jetzt haben wir weniger als 100 aktive Priester.“
Eine Reaktion des Vatikans auf das Ansinnen Bonnys steht noch aus. Die belgische Bischofskonferenz erklärte, sie habe den Aufruf zur Kenntnis genommen und werde „Beratungen organisieren“.
Bischof Bonny geht es in seinem Schritt nicht nur um die Ungerechtigkeiten in der Frage des Zugangs zum Priesteramt, sondern darum, alle Kräfte zu mobilisieren, um der Kirche in schwieriger Zeit wieder zu Ansehen zu verhelfen: „Um das Vertrauen zurückzugewinnen, brauchen wir alle.“
Bonnys Vorgehen ist auch im Kontext der Entwicklungen rund um die Weltsynode zu sehen, deren Prozess noch bis 2028 läuft. Rund um diese sind die Forderungen nach der Weihe verheirateter Männer (und Frauen) zu katholischen Priestern immer lauter geworden. Kirchliche Reformbewegungen appellieren schon seit Jahrzehnten für veränderte Zugangsbedingungen zum Priesteramt und fordern seit langem, dass Bischöfe sich in dieser Frage nicht länger auf Rom ausreden. Der Bischof von Antwerpen geht nun offensichtlich voran.
Foto: Bistum Antwerpen