Der heilige Geist wirkt auf vielerlei Weise

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Theologe Michael Böhnke (Wuppertal, Münster) kritisiert die Monopolisierung des bei der Weltsynode eingeführten "Gesprächs im Heiligen Geist".

Die Methode "Conversatio in Spiritu", eine geistliche Form des Austauschs, wurde bereits bei der 2021 von Papst Franziskus einberufenen Synode zur Synodalität - allgemein als "Weltsynode" bezeichnet - eingeführt und galt bei der eigentlichen Weltsynode schließlich als zentrales Instrument synodaler Beratungen.

Seither wurde es in viele kirchliche Gremien übernommen: Nicht nur die letzte Synodalversammlung des Synodalen Prozesses der katholischen Kirche in Stuttgart oder manche Diözesantreffen in anderen Ländern, sondern auch viele kleinere Gruppen - Pfarrgemeinderäte, Liturgiekreise, ... - haben sich darin geübt und damit letztlich das voweggenommen und umgesetzt, was Papst Leo XIV. beim Außerordentlichen Konsistorium am 27.6.2026 angeregt hatte: "Es ist ein Stil, den wir in der ganzen Kirche fördern sollen, damit jeder Getaufte entsprechend seiner Berufung und Verantwortung am Aufbau der Zivilisation der Liebe und am Dienst am Gemeinwohl mitwirkt."

Die Erfahrungen waren mancherorts durchaus bemerkenswert. Der Fuldaer Bischof Michael Gerber erklärte in Stuttgart, die neue Gesprächsform trage zu einer "Erweiterung des Horizonts" bei. Eine solche nehmen viele Teilnehmende insbesondere im Hinblick auf das Zuhören-Können bzw. Zuhören-Müssen wahr. Die Methode ermöglicht es, dass jede/r zu Wort kommt und seine/ihre Zeit hat, die eigene Meinung kundzutun. Polarisierungen und Lagerdenken sollen auf diese Weise vermieden werden, vielmehr sollen die Aufmerksamkeit füreinander wachsen und innerliche Anstöße möglich werden mit dem Ziel, Gemeinsamkeiten zu finden und Übereinstimmungen zu entwickeln.

Doch es gab von Anfang an auch kritische Stimmen zu dieser Methodik bzw. ihrer widerholten und häufigen Anwendung. Nun hat der deutsche Theologe Michael Böhnke auf dem theologischen Portal feinschwarz.net vor einer Monopolisierung dieser Methode gewarnt: Er betonte, das "Gespräch im Heiligen Geist" könne theologisch nur als eine mögliche Konkretion des Heiligen Geistes unter vielen betrachtet werden, neben der zahlreiche andere Konkretionen des Heiligen Geistes - sowohl innerhalb als auch außerhalb der Katholischen Kirche - denkbar und auch bezeugt sind: "Der Heilige Geist protegiert das synodale Gespräch nicht nur im Rahmen der Vorgaben. Er ist auch im Handeln der Versammlungen gegenwärtig, die sich ohne diese Vorgaben auf einen synodalen Weg begeben haben", so der Professor für Systematische Theologie.

Wer das Wirken des Heiligen Geistes auf diese eine Gesprächsform beschränke, laufe Gefahr, dass diese "als dogmatischer Versuch der Konfliktvermeidung" und "institutionell einseitige Proklamation von Harmonie" verstanden werden könne. "Reale Konflikte lassen sich auf diese Weise nicht austragen. Sie werden durch die unter dem Protektorat des Heiligen Geistes verfügte methodische Disziplinierung des synodalen Gesprächs erstickt", so Michael Böhnke.

Quellen: KNA, www.feinschwarz.net

Foto: synod.va/Lagarica