Vor ein paar Jahren ließ ich im Religionsunterricht der 1. Klasse Volksschule die Kinder ein Kreuz zeichnen. Ich hatte ihnen von Jesus erzählt und von den Ereignissen in Jerusalem und davon, dass das Kreuz für uns Christinnen und Christen ein Erinnerungszeichen an Jesus und ein Symbol unseres Glaubens ist.
Die Kinder machten sich gleich brav ans Zeichnen; sie malen so gern in diesem Alter und haben Freude, wenn sie auf dem Papier ihre Welt gestalten können. Ganz frei nach ihrer Phantasie.
Und da kam danach ein Kind zu mir und brachte mir seine Zeichnung. Und sagte „Die ist für dich!“ Und diese Zeichnung aus dem Religionsunterricht brachte mich sehr zum Nachdenken:
Das Kind hat – wie es seine Aufgabe war – das Kreuz gezeichnet. Und auf das Kreuz hinauf hat es Jesus gemalt. Ganz einfach: mit Kreisen und Strichen und einem Bündel Haaren auf dem Kopf. Zwei Augen und einem Mund. Aber: Dieser Mund lacht! Und nicht bloß ein bisschen. Sondern voll und ganz. Von einem Ende bis zum anderen … Dieser Jesus am Kreuz lacht! Und rund um diesen Jesus hat das Kind noch Herzen gemalt, rote und blaue, große und kleine.
Mir schien diese Zeichnung eine Botschaft in sich zu tragen: Natürlich hat Jesus am Kreuz gelitten und ganz sicher hat er eher geweint als gelacht. Aber wenn ich Jesus am Kreuz nicht nur historisch betrachte, wenn ich in ihm nicht nur einen Menschen sehe, der damals das Kreuz erleiden musste, sondern wenn ich in ihm bereits den Christus sehe, den Gott dann zur Auferstehung gerufen hat, für den der Karfreitag keine Endstation war, sondern der Durchgang zu einem neuen Leben in der Gnade Gottes, dann kann ich mit diesem lachenden Jesus am Kreuz viel anfangen. Im Grunde genommen ist dieser lachende Jesus am Kreuz die Osterbotschaft schlechthin.
Das Lachen dieses Jesus sagt uns: Der Karfreitag ist nicht das letzte Kapitel. Im Buch des Lebens wird eine neue Seite aufgeschlagen, auf den Karfreitag folgt Ostern. Auf den Tod die Auferstehung! Daher kann Jesus lachen. Richtig fröhlich lachen. Das Kind hat dieses Lachen fast keck gezeichnet, es wirkt herausfordernd, ansteckend, als möchte dieser Jesus sagen: „Komm, lach mit!“ Als wollte sich dieses Lachen von Jesus auf uns übertragen.
Und neben dem Kreuz hat das Kind viele bunten Herzen gemalt. Herzen sind Zeichen für die Liebe, das weiß auch schon ein Kind im ersten Schuljahr. So strahlt dieser lachende Jesus am Kreuz also auch Liebe aus. Und auch das ist wohl eine Osterbotschaft. Denn das, was damals passiert ist auf Golgotha und in Jerusalem, betraf ja nicht nur Jesus. Es betraf sehr bald auch Maria von Magdala und Petrus, die dem Auferstandenen begegnen durften und zu verstehen begannen, dass die Auferstehung Jesu auch in ihr Leben hineinwirkt und dass die Botschaft dieses Lebens und dieser Liebe Kreise ziehen will, ausgehend von Jerusalem, hineingehend in die ganze Welt. Zuerst Emmaus, dann Galiläa, bald Damaskus, Korinth, Rom, …
Jesus ist nicht für sich gestorben und auferstanden, sondern für die Welt. Für dich und mich. Auch das zeigt mir dieser lachende Jesus meines Volksschulkindes.
Eine Osterzeichnung der anderen Art, aber mit viel Botschaft und Esprit.
Harald Prinz