Der Pflichtzölibat gehört abgeschafft!

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Langjährige Missbrauchsbeauftragte der Diözese Graz-Seckau verabschiedet sich mit klarer Forderung.

Mit 1. Jänner 2026 übergab Birgit Posch-Keller, Psychotherapeutin und Missbrauchsexpertin, die Leitung der Grazer Ombudsstelle für Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch an ihre Nachfolgerin. In einem Interview mit dem Steirischen Sonntagsblatt Mitte Februar rief sie noch einmal dazu auf, in Sachen Missbrauch wachsam zu bleiben.

Sie betonte, dass Missbrauch auch heute noch durch kirchliche Strukturen begünstigt werde und wies explizit auf die gefährdende Dimension des Pflichtzölibats hin: "Das wird niemand gern lesen, aber betreffend Sexuellem Missbrauch bin ich der Meinung, der Pflichtzölibat gehört abgeschafft."

Dabei richtet sie sich nicht unbedingt gegen den Zölibat an sich, sondern vielmehr um seine verpflichtende Form. Sie verweist auf eine "große deutsche Studie" - vermutlich die MHG-Studie (2018) -, der zufolge Kinder meist nicht von jungen Priestern missbraucht worden seien, sondern von Priestern mittleren Alters; man müsse anerkennen, dass Einsamkeit und Überlastung beim Missbrauch wichtige Faktoren wären und entsprechend Schlüsse ziehen. Außerdem wies sie darauf hin, dass geschlossene Systeme - etwa Kinderheime - besonders anfällig für Gewalt seien. Auch das stellt gewisse kirchliche Strukturen in Frage.