Was vielerorts ganz selbstverständlich ist, scheint beim Frankreich-Besuch von Papst Leo in Frage gestellt: dass neben Jungen auch Mädchen ministrieren dürfen. Denn in Frankreich gibt es immer noch viele Pfarren, bei denen der Dienst des Ministrierens dem männlichen Geschlecht vorbehalten ist.
Der Verein magdala, der sich auf seiner homepage als katholische feministische Vereinigung beschreibt, hat sich daher in einem Offenen Brief an den Vorsitzenden der Französischen Bischofskonferenz, Erzbischof Jean-Marc Aveline, gewandt und darin die Zulassung von Ministrantinnen bei den Gottesdiensten von Papst Leo XIV. im Zuge seiner Frankreich-Visite gefordert.
Revolutionär wären Ministrantinnen bei einem Papstgottesdienst keineswegs: Papst Johannes Paul II. hat Ministrantinnen bereits im Jahr 1992 offiziell erlaubt, seit 1994 ist der Dienst von Mädchen am Altar auch durch den Codex Iuris Canonici, das Gesetzbuch der katholischen Kirche, abgesichert. 2024 bestätigte Kardinal Jean-Claude Hollerich in seiner Funktion als Präsident des Internationalen Ministrantenbundes, dass Mädchen nicht vom Dienst des Ministrierens ausgeschlossen werden sollten und Mädchen am Altar vielmehr gut am Platz wären. Als Papst Leo im Februar 2026 bei einem Pfarrbesuch in Ostia südwestlich von Rom mit der Gemeinde Gottesdienst feierte, ministrierten dort ganz selbstverständlich nicht nur Jungen, sondern auch Mädchen. Und als beim Fronleichnamsfest 2026 in Rom die Prozession aus der Kirche Santa Maria della Pietà beim Campo Santo Teutonico neben dem Petersdom in die Vatikanischen Gärten führte - allerdings ohne Papst Leo, der gerade Afrika besuchte -, war dort auch eine Ministrantin zu sehen.
Der Offene Brief des Vereins magdala an Erzbischof Aveline kritisiert, dass es in Frankreich die Tendenz gibt, für Mädchen anstelle des Ministrantinnendienstes einen eigenen weiblichen Dienst einzuführen ("Dienerinnen der Versammlung" oder "Dienerinnen Mariens") und damit einen Unterschied zu den männlichen Ministranten zu konstruieren, der nicht nur durch ihre Bezeichnung, sondern auch ihre Kleidung und ihre Tätigkeiten sichtbar werde. Das trage dazu bei, eine erniedrigende Darstellung von Mädchen und werdenden Frauen zu nähren.
Der Brief führt Beispiele aus der gottesdienstlichen Praxis an und fragt schließlich "Warum eine solche Diskriminierung zwischen Kindern, die in der Taufe alle gleich sind?" Das Schreiben endet damit, dass Erzbischof Aveline gebeten wird, zu bestätigen, dass bei den Gottesdiensten mit Papst Leo am 26.9.2026 (Paris) und 28.9.2026 (Metz) der Dienst des Ministrierens von Mädchen und Jungen gleichermaßen ausgeübt werden wird.
(4.8.2026)