Fußball als Glaubensbekenntnis?

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Ein öffentliches Gebet nach dem WM-Spiel Deutschland - Curaçao erntet Lob und Kritik.

Religiöse Gesten auf dem Fußballplatz sind in Zeiten großer Turniere keine Seltenheit: Da ein eiliges Kreuzzeichen von einem gerade eingewechselten Spieler, dort die zum Himmel erhobenen Zeigefinger eines Torschützen. Das WM-Spiel zwischen Deutschland und Curaçao am 14. Juni 2026 in Houston (USA) hatte diesbezüglich jedoch mit einer Neuheit aufzuwarten: Unmittelbar nach dem Schlusspfiff kamen am Anstoßpunkt Spieler beider Mannschaften zusammen, um gemeinsam zu beten. Unter ihnen auch der deutsche Nationalspieler Felix Nmecha, der dafür bekannt ist, seinen Glauben und seine Einstellungen sowohl auf dem Fußballplatz als auch in den Social Media zu teilen. Wegen seiner Aktivitäten auf Instagram stand der Mittelfeld-Spieler von Borussia Dortmund bereits mehrfach in der Kritik: Beispielsweise enthielt ein von ihm mit "Gefällt mir" markierter Post den Satz "You CANNOT be a homosexual and make it into Heaven" und ein anderer von ihm geteilter Post brachte die Pride-Bewegung mit dem Teufel in Verbindung.

Der Passauer Bischof Stefan Oster hatte für die Gebetsaktion nach dem WM-Spiel in Houston lobende Worte: „Dass ... Spieler beider Mannschaften gemeinsam so einen Kreis bilden, macht deutlich: Uns verbindet mehr, als uns trennt. Wir haben gemeinsam Freude am Fußball. Wir haben Respekt voreinander und wir schicken gemeinsam ein Gebet in den Himmel aus Dankbarkeit für das Erlebte.“ Dass das Lob für die Aktion in Houston aber auch andere Färbungen annehmen kann, macht der Post des deutschen Journalisten Ulf Oliver Poschardt auf X deutlich: "NMECHA hat mehr für den christlichen glauben getan als die letzten kirchentage der @EKD."

Der deutsche Theologe Simon Linder (Tübingen) ruft auf katholisch.de zu einer kritischen Reflexion dieser Vorgänge auf. Insbesondere kritisiert er Angebote, die christliche Fußballer*innen zu Besuch in den Religionsunterricht bringen, wie sie etwa vom ehemaligen Fußballprofi Manuel Bühler über seinen Verein "Fußball mit Vision" organisiert werden: Gerade im schulischen Religionsunterricht dürfe man sich nicht von sportlichem Erfolg blenden lassen. Im Gegenteil könnten hier die von Nmecha gelikten und geteilten Instagram-Postings kritisch reflektiert und auf Basis der Erkenntnisse wissenschaftlicher Bibelexegese eingeordnet werden – auch ohne den Besuch erfolgreicher Fußballer*innen. Denn: "Fußballerische Prominenz ersetzt keine theologische Kompetenz."

Linders Kritik ist wohl auch an Bühler selbst gerichtet, der auf der Homepage seines Vereins als Theologe ausgewiesen wird. Sein Studienabschluss stammt jedoch vom landeskirchlich nicht anerkannten "BibelStudienKolleg" aus Stuttgart, das sich selbst als "evangelikal" beschreibt. Als Theologe / Theologin aber wird gemeinhin jemand bezeichnet, der einen theologischen Abschluss an einer öffentlich anerkannten Hochschule oder Universität vorweisen kann.