Gegen eine Theologie, die immer nur dasselbe wiederholt

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Sr. Martha Zechmeister nahm den Preis der Salzburger Hochschulwochen entgegen und erinnerte dabei an ihren Lehrer Johann Baptist Metz.

Die aus Niederösterreich stammende Ordensfrau und habilitierte Theologin Martha Zechmeister nahm am 5. 8. 2026 den „Theologischen Preis“ der Salzburger Hochschulwochen für ihr Lebenswerk entgegen. Sie sei eine „profunde Vermittlerin und Fürsprecherin der lateinamerikanischen Befreiungstheologie“, die die „Option für die Armen“ sowohl in der Theoriebildung als auch in der Praxis vorantreibe, hieß es in der Begründung der Jury, aus der bei der Verleihung zitiert wurde. Als Vertreterin einer „Mystik der offenen Augen“ stehe sie für einen „hellwachen Blick auf die bedrängenden Realitäten“ und für das „befreiende Potenzial der Botschaft Jesu“.

Martha Zechmeister ist Mitglied der "Congregatio Jesu" (Maria Ward Schwestern) und lehrt an der Universidad Centroamericana "José Simeón Cañas" in San Salvador, wo sie auch Direktorin des Masterstudiengangs "Teología Latinoamericana" ist.

In seiner Laudatio verwies der Salzburger Theologe Franz Gmainer-Pranzl auf die Besonderheit der Durchdringung von Theologie und Lebenszeugnis. Zechmeister bringe durch ihre wissenschaftliche Arbeit ebenso wie durch ihr öffentlichkeitswirksames Auftreten und „das Zeugnis ihres Lebens und Glaubens entscheidende Kriterien christlicher Gottesrede zur Geltung“. Denn sie erinnere daran, „dass die Armen nicht bloß ein Fall für die kirchliche Caritas-Arbeit sind, sondern Subjekt christlicher Gemeinde“ und Maßstab dessen, „ob wir vom biblischen Gott oder von einem Götzen reden“, der als „Rechtfertigungsfigur zur Verteidigung von Macht und Reichtum dient“.

Foto: Kathpress / Henning Klingen

Drei Dinge könne die zeitgenössische Theologie von Zechmeister lernen: der Welt in ihrem „mörderischen Wahnsinn“ standzuhalten, also den „Realitätsschock“ zuzulassen, dass die Welt sich bei genauer Betrachtung katastrophisch zeigt; dann die Aktualität der Befreiungstheologie zu erkennen - diese gehöre, wie das Beispiel Zechmeisters eindrucksvoll belege, nicht „in die Rumpelkammer der Theologiegeschichte“, sondern sei immer dort aktuell, wo die Kirche den Auftrag ernst nehme, nach den „Zeichen der Zeit“ zu suchen; und schließlich zeige Zechmeister, dass der Glaube bei aller weltlichen Verzweiflung eine Botschaft der Hoffnung darstelle und daraus seine Kraft beziehe.

In ihren Dankesworten nahm Zechmeister die von Gmainer-Pranzl vorgenommene Verortung ihrer Theologie auf und unterstrich, dass Theologie sich stets neu „der Wirklichkeit aussetzen und von ihr unterbrechen lassen“ müsse – „besonders von der Wirklichkeit der Verletzlichsten“. Eine Theologie, „die überall und zu jeder Zeit dasselbe wiederholt“, bleibe „wirklichkeitsleer und vermag Gott nicht zur Sprache zu bringen“.

Mit dieser Aussage erinnerte Zechmeister auch an ihren Lehrer Johann Baptist Metz, der am Tag der Preisverleihung seinen 98. Geburtstag gefeiert hätte und der 2007 ebenfalls den Theologischen Preis der Salzburger Hochschulwochen für sein Lebenswerk erhalten hatte. Dem deutschen Theologen (Münster) verdankt Zechmeister nicht nur die Rede von der Autorität der Leidenden, sondern auch den Hinweis auf den Ruf in die praktische Nachfolge: "Ohne den engagierten, konkreten, auch politischen Einsatz für die, die unten sind, hast du von Gott keine Ahnung. Punkt."