Herbert-Haag-Preis für Freiheit in der Kirche: Klare Worte zu Priesteramt und Demokratie

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In Luzern wurden der Amazonas-Bischof und die ungarische Theologin Rita Perintfalvi mit dem Herbert-Haag-Preis 2026 geehrt.

Die Verleihung des Herbert-Haag-Preises am 23. März 2026 brachte nicht nur vielfache Plädoyers für Menschenrechte und Demokratie sowie für eine Kirche an der Seite der Armen und Schwachen, sondern auch minutenlange Standing Ovations für die Preisträgerin und den Preisträger. Der Präsident der Herbert-Haag-Stiftung wies in seinem Grußwort darauf hin, dass Perintfalvi und Kräutler in ihrem Engagement zwar unterschiedliche Akzentsetzungen verkörpern würden, dass sie aber ihr Insistieren auf menschlicher Würde und Gleichheit, auf Menschenrechten und Demokratie miteinander verbinde.

Der 86jährige Kräutler wurde für sein Lebenswerk geehrt und durfte sich dabei auch über eine Abordnung aus seiner Heimatdiözese Feldkirche freuen, die von Bischof Benno Elbs angeführt wurde. In seinen Dankesworten sparte Kräutler auch Kirchenkritisches nicht aus: Er erinnerte daran, dass seine Diözese Xingu im Amazonasgebiet riesig sei und viele Indigene weit weg von Kirchen leben würden, sodass es schwierig sei, ihre Sehnsucht nach der Eucharistie zu stillen. "Warum um Gottes willen ist es deshalb nicht möglich, Gemeindemitglieder, die in diesen Regionen leben und teils schon Leitungsfunktionen inne haben, zu weihen, damit überall Eucharistie gefeiert werden kann?" fragte Kräutler.

Klare Worte in ganz anderem Kontext gab es auch von Rita Perintfalvi, die für ihren Einsatz gegen die ideologische Instrumentalisierung des Christentums in Ungarn bekannt ist. Laudatorin Irmgard Fischer betonte, dass die Theologin Perintfalvi vor dem gesellschaftlichen Rechtsruck und seinen Verflechtungen mit der traditionalistischen Katholizität schon gewarnt habe, lange bevor in den westlichen Kirchen und auch in der westlichen politischen Welt überhaupt erst ein entsprechendes Bewusstsein gewachsen sei. Und sie fügte hinzu: "Wer ihre Publikationen liest oder hört, kann später einmal nicht behaupten: Wir haben von all dem nichts gewusst!"

Starke Worte fand auch Perintfalvi selbst in ihren Dankesworten: "Was in Ungarn geschieht, ist nur ein Symptom für die Krankheit, die unsere ganze Welt angesteckt hat. Die Demokratie, das Menschenrechtsdenken und die gesamte westliche Zivilisation, in deren Zentrum die Botschaft des menschgewordenen Gottes, die Lehre des Meisters über die Nächstenliebe steht, befinden sich in Gefahr." Dabei übte Perintfalvi auch heftige Kritik an den ungarischen Kirchen und sprach von einer "Kollaboration der Kirchen mit einer neofaschistischen Diktatur", die für sich beanspruche, christlich zu sein. Sie ergänzte: "Respekt vor den wenigen Ausnahmen, die versucht haben, Widerstand zu leisten, dafür aber niedergemacht, beiseitegeschoben und bestraft wurden!"

Der Herbert-Haag-Preis an Kräutler und Perintfalvi will wohl auch ein Zeichen des Widerstandes gegen solches Niedermachen und Beiseite-Schieben sein.

Foto: Franca Pedrazzetti / Herbert Haag Stiftung