Im Gedenken an Hermann Häring

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Der deutsche Theologe starb am 28.4.2026 im Alter von 88 Jahren. Martha Heizer würdigt den Verstorbenen, der seine Stimme oftmals im Sinne einer kritischen, ökumenisch ausgerichteten Theologie erhob.

Heute habe ich erfahren, dass Hermann Häring gestorben ist – mit einem Lächeln, wie es sein Sohn beschreibt. Wir müssen uns von einem großen deutschen Theologen verabschieden.

So sehr ich ihm den Himmel gönne, so sehr weiß ich, wie er uns fehlen wird. Er hat sich nach Hans Küng als theologischer Beirat für Wir sind Kirche engagiert und ist uns immer mit seinem klaren analysierenden Blick zur Seite gestanden. Oft hat er uns, wenn wir eigentlich schon zufrieden waren mit einem Text, einer Aussendung, einem Brief, noch einmal zum Nachdenken gebracht mit seinen Überlegungen. Ja, er war ein kritischer Geist – nicht nur gegenüber der Amtskirche, auch uns hat er immer wieder gemahnt, noch ein paar zusätzliche Denkübungen einzuschieben.

Am besten kennengelernt habe ich ihn bei unserem Versuch, ein Netzwerk aller reformfreudigen Kräfte im deutschen Sprachraum zu organisieren. Das war ihm selbst ein sehr großes Anliegen. Dazu haben wir uns einige Wochenenden in Innsbruck getroffen mit unseren deutschen und schweizerischen Freundinnen und Freunden. Dass es schlussendlich nicht zu einer offiziellen Kooperation gekommen ist, hatte viele Gründe und hat ihn traurig gemacht. Immerhin ist in diesen Tagen unsere Broschüre „Glaubwürdig in die Zukunft. Visionen und Ziele unserer Reformarbeit“ entstanden.

Mir sind diese gemeinsamen Tage in guter Erinnerung geblieben, trotz des ausstehenden Erfolges, weil ich Hermann dabei sehr schätzen gelernt habe. Er war unser theologischer Berater, und wir haben ihn wegen seiner Expertise und seines großen Wissens bewundert und geschätzt. Das hat bei ihm aber keineswegs zu Hochmut geführt: Er hat stets aufmerksam zugehört und seine Vorschläge nie in bestimmender Weise, sondern immer als Anregung vorgetragen. In seiner Gegenwart konnte man sich nur akzeptiert und wohl fühlen.

Gott sei Dank gab es auch außer den Innsbrucker Tagen viele gute Gelegenheiten, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Davon konnte ich mir immer sehr viel mitnehmen. Ich bin ihm von Herzen dankbar.

Martha Heizer, 4.5.2026 (Foto: Günther Doliwa)