Jesuitenpater beklagt "monarchische Führung" der Kirche

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Stefan Kiechle SJ fordert ein Aufbrechen des monarchischen Prinzips und eine zeitgemäße Führung der Kirche.

Der frühere Provinzial der deutschen Jesuitenprovinz und aktuelle Chefredakteur der renommierten Jesuitenzeitschrift "Stimmen der Zeit", Stefan Kiechle SJ, sieht in der Katholischen Kirche eine monarchische Führung am Werk: "Ein Pfarrer hat in der Pfarrei das letzte Wort. Ein Bischof entscheidet, ob er das, was in der Bischofskonferenz oder in einem vielleicht synodal verfassten Gremium beschlossen wird, in seinem Bistum umsetzt oder nicht"; und schließlich entscheide der Papst für die Weltkirche. "Er ernennt Entscheidungsträger; er setzt Recht, spricht in Streitfällen Recht und wendet Recht nach Ermessen an - nach der klassischen Drei-Gewalten-Lehre fallen hier Legislative, Jurisdiktion und Exekutive in eins." Eine solche Verfassung werde in der Staatslehre als absolute Monarchie benannt und der Heilige Stuhl sei "die letzte dieser Art in Europa", so Stefan Kiechle SJ.

Er kritisiert, dass in der Kirche das letzte Wort immer Kleriker haben und dadurch insbesondere auch Frauen benachteiligt werden: "Frauen sind die (größere) Hälfte der Kirchenmitglieder, die bisher an der Führung - nicht nur der Administration, sondern auch der inhaltlichen Prägung kirchlichen Lebens - nur sehr reduziert beteiligt ist" schreibt Kiechle in der aktuellen Ausgabe der "Stimmen der Zeit" (Juni 2026). Und er verweist darauf, dass auch die Ernennung von Frauen in Positionen, die dem weiblichen Geschlecht früher verwehrt waren, das Problem nicht wirklich löse: "Dass Frauen in Einzelfällen in Ordinariaten und im Vatikan mittlere Führungsaufgaben bekommen, löst das Problem nicht, denn über ihnen amtieren weiter die höheren Kleriker." Viele Frauen, "vor allem gebildete", seien frustriert und zögen sich zurück oder wanderten ganz aus der Kirche aus.

Kiechle stellt in Abrede, dass die jetzige Kirchenverfassung gottgewollt oder vom heiligen Geist sei und fordert ein Aufbrechen des monarchischen Prinzips, sodass mehr Menschen an der Führung partizipieren könnten. Dafür ist es laut Kiechle auch nicht nötig, gleich eine weltweite Entscheidung zu treffen: "Nein, man könnte dezentral vorangehen, indem 'Rom' den Bischofskonferenzen oder - das wäre besser - lokalen synodalen Gremien die Freiheit gibt, erste nächste Schritte zu gehen", so Kiechle.