Kein Priestermangel, sondern ...

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Münsteraner Theologe spricht von massivem und selbstschädigendem Ordinationsmangel, der zu Lasten lebensfähiger und eucharistiewilliger Gemeinden gehe.

Der deutsche Theologe Bernhard Nitsche (Münster) hat sich in einem Beitrag für das theologische Portal "feinschwarz.net" am 12. März 2026 zur Debatte um Dienste und Ämter in der Kirche geäußert. Diese werde erheblich dadurch verzerrt, dass nicht von den Grundvollzügen und den dafür wichtigen Begabungen her gedacht werde, sondern man sich von der "Verteidigung der historisch gewachsenen Zulassungsbedingungen zur Ordination für eine auserwählte Kleriker-Klasse" leiten lasse.

In diesem Kontext stellte er fest, dass die Kirche nicht unter einem Priester-, sondern unter einem Ordinationsmangel leide. Dieser Blick ist nicht ganz neu: Schon vor fünf Jahren konstatierte der Churer Pastoraltheologe Manfred Belok auf dem Schweizer Internetportal "kath.ch": "Wir haben keinen Priestermangel, sondern Weihemangel!" Er sprach auch von einem "Skandal", dass das "Primärgut" Eucharistie dem "Sekundär- oder gar Tertiärgut" "Zugangswege zum Amt" geopfert werde. Nitsche thematisiert nun auch die Auswirkungen des Problems auf die aktuelle Pastoral und kritisiert, dass aufgrund des massiven und selbstschädigenden Ordinationsmangels aktuelle pastorale Transformationsprozesse priesterzentriert gestaltet würden und Bischöfe gewachsene Beziehungen und lokale Identitäten aufbrechen und in "anonymere und bindungsschwächere pastorale Räume" von 20.000 bis 100.000 Katholiken auflösen würden.

Dem liege ein fragwürdiges Amtsverständnis zugrunde. Schließlich kenne das Christentum kein Kultpriestertum, das die Menschen in über- und untergeordnete Kategorien einteilen würde: "In diesem Sinne sind alle Christ:innen der Gemeinde eine heilige Priesterschaft, die in ihrem christusgemäßen Lebensvollzug Gottes Zuwendung zu den Menschen bezeugen und in gottgemäßen Ebenbildhandlungen vergegenwärtigen soll." Der "Reichtum von ca. 1,4 Mrd. Priester:innen in der römisch-katholischen Kirche" treffe somit auf einen "eklatanten Ordinationsmangel", der durch die Zulassungsbedingungen zur Weihe erzeugt werde.