Keine Angst vor Veränderungen!

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Der emeritierte Fundamentaltheologe Jürgen Werbick ruft die Kirche zu Änderungen, damit sie lebendig bleibt.

Jürgen Werbick, emeritierter Professor für Fundamentaltheologie in Münster, hat sich in vielen Publikationen damit auseinandergesetzt hat, dass Glauben nichts Statisches ist, sondern ein Prozess, auf dem der Mensch seinen Weg geht und voranschreitet. Dass er die Bereitschaft zu Lebendigkeit und Veränderungen auch von seiner Kirche erwartet, hat Werbick jetzt in einem Interview mit dem Schweizer Portal kath.ch deutlich gemacht.

Dabei rief er in Erinnerung, dass sich die Kirche in ihrer Geschichte ja immer geändert habe: "Die Überlieferung des Christlichen hat sich immer wieder neu «inkulturiert», also im Geist der jeweiligen Zeit artikuliert: im Geist des antiken Hellenismus, der dem Christentum die zentralen Begriffe der Glaubenslehre eingebracht hat, die dem heutigen Glaubensverstehen fremd vorkommen. Ein anderes Beispiel ist der Geist des frühmittelalterlichen Feudalismus, der das Verständnis von Erlösung auf sehr zeitbedingte Vorstellungen einer stellvertretend ertragenen Vergeltung programmierte. Oder auch: der Geist der Restauration, der die katholische Kirche im 19. Jahrhundert das Heil noch einmal in einer absolutistischen Kirchenmonarchie suchen liess."

Ganz grundsätzlich sei es wichtig, auf Veränderungen zu setzen, wenn wo "die Mitte des Christlichen nicht mehr sichtbar und spürbar wird". Der Lebendigkeit willen müsse die Kirche alles ändern, was sie hindert, Gottes Menschenfreundlichkeit zu bezeugen. Explizit nannte Werbick dabei auch "alle missbrauchsbegünstigenden Strukturen".

Kirche müsse sich "ernst nehmen als Dienerin des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, in denen Gott durch seinen Geist die Menschen anrühren und für das Leben mit ihm gewinnen will. Das ist die Mitte ihres Kirche-Seins. Alles andere ist um dieser Mitte willen da und kann und muss sich womöglich ändern – wenn es dem Dienst der Kirche eher im Weg steht."

Foto: Universität Münster